ALIEN PET: Mein außerirdischer Besitzer

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Zusammenfassung

{Band 1 der Kohai-Chroniken} Während einer Wanderung durch die verschneiten Gipfel Colorados muss der fünfundzwanzigjährige Bennett Michelson feststellen, dass das Universum, das er zu kennen glaubte, weitaus größer und kälter ist als jeder Viertausender... Entführt von seltsamen, hässlichen Kreaturen mit Knopfaugen und unförmigen Körpern, die eine unverständliche Sprache sprechen, landet Bennett in einem intergalaktischen Menschenhändlerring. Er wird in einen Strudel aus Ereignissen gerissen, die er nie für möglich gehalten hätte. Jeden Tag aufs Neue kämpft er ums Überleben, während ihn die Angst und Isolation, die ihn in der Gefangenschaft gefangen halten, immer tiefer in den Abgrund ziehen. Wird ein schelmisches Alien-Duo Bennetts Widerstand endgültig brechen, oder ist sein Dasein als ihr „Pet“ erst der Anfang von etwas völlig Anderem?

Genre:
Scifi
Autor:
S.K.M
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
22
Rating
5.0 5 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

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BENNETT

Ich wusste, dass ich es komplett verkackt hatte, sobald ich die Augen aufschlug. Mir war schwindelig und ich war völlig desorientiert. Mein Kopf drehte sich, als hätte man mich im Kreis gewirbelt und ohne Vorwarnung fallengelassen. Die Luft um mich herum fühlte sich schwer und erdrückend an. Sie roch leicht nach Desinfektionsmittel, was mir im Hals kratzte. Alles verschwamm vor meinen Augen, bis sich die Umgebung langsam als ein kahler, fremder Raum herauskristallisierte.

Meine letzte klare Erinnerung war, wie ich durch die Berge in Colorado irrte. Es war eine wilde, unbarmherzige Gegend, in der ein falscher Schritt das Ende bedeuten konnte – man wäre erfroren, bevor die Sonne aufging, selbst mitten im Juli. Die Luft war eisig und schneidend. Die Dunkelheit drückte von allen Seiten auf mich ein, erdrückend und absolut. Über mir waren die Sterne hinter einer Decke aus tief hängenden Wolken verschwunden. Nur die Schatten und die Umrisse schroffer Gipfel wiesen mir den Weg. Der Wind heulte wie ein lebendiges Wesen durch die Hänge und schnitt mir bis auf die Knochen, egal wie fest ich mich auch umklammerte. Meine Finger waren steif und unbrauchbar, mein Atem kam nur stoßweise und gefror in der Luft. Ich wusste mit einer niederschmetternden Gewissheit, dass ich dort draußen nicht mehr lange durchhalten würde.

Wo zur Hölle war ich also jetzt?

Falls man mich gerettet hatte, lag ich vielleicht in einer winzigen Notaufnahme am Rande von Denver. Oder in einer Rangerstation, in der man Idioten wie mich zusammenflickte. Aber ein anderer, düsterer Gedanke setzte sich in meinem Kopf fest: Vielleicht war ich tot. Der Gedanke wog schwer, wie ein Echo, das ich nicht loswurde. Aber wenn das stimmte, wenn das wirklich das Jenseits war, dann war es seltsam, dass meine Zunge so trocken wie Schleifpapier war. Ein verzweifelter Durst brannte in meiner Kehle.

Tote hatten keinen Durst. Oder doch?

Um die Lage zu checken, versuchte ich, mich aufzusetzen. Ich stemmte mich mühsam hoch. Die Bewegung war ungeschickt, meine Gliedmaßen fühlten sich schwerfällig an. Doch bevor ich aufrecht sitzen konnte, riss etwas hart an meinem Hals. Schmerz schoss durch mich hindurch, scharf und unmittelbar. Ein raues Keuchen entwich meinen rissigen Lippen, bevor ich es unterdrücken konnte.

Das plötzliche Klirren von Metall drang an meine Ohren, viel zu laut in der Stille. Instinktiv schnellten meine Hände zu meinem Hals. Meine Fingerspitzen berührten kaltes, unnachgiebiges Eisen. Ein leises, gebrochenes Wimmern drang aus meiner Kehle, noch bevor ich realisierte, dass ich ein Geräusch gemacht hatte. Da war es: ein Halsband, schwer und massiv, fest um meinen Hals geschlossen.

Ein kurzes Stück Kette – vielleicht einen Meter lang – führte vom Halsband zu einer Öse, die im Boden verankert war. Mir drehte sich der Magen um, als ich mit zitternden Fingern die Kettenglieder umklammerte und mit aller Kraft zog, obwohl ich wusste, dass es sinnlos war. Die Kette hielt stand, unbeweglich. Die Spannung vibrierte in meinen Armen, bis meine Muskeln nachgaben.

Ich ließ die Kette los und mein Blick glitt zur Wand. Sie wirkte dick und massiv wie Beton, aber die Oberfläche war seltsam. Sie war an manchen Stellen glatt, fast nahtlos, ohne den körnigen Schmutz oder die scharfen Kanten, die ich erwartet hätte. Was auch immer das war, es war kein natürlicher Stein. Und wo auch immer dieser Ort war, hier gehörte ich definitiv nicht hin.

Sicher kein Krankenhaus. Was bedeutete, dass ich tot sein musste. Anders ließ sich nicht erklären, warum ich wie ein Gefangener aus dem Mittelalter an eine Wand gekettet war.

Meine Mutter – auch wenn sie den Titel kaum noch verdiente – hatte am Ende also doch recht behalten. Ich war in der Hölle gelandet. Nicht wegen Mord oder Verrat, sondern wegen der banalen, gewöhnlichen Sünden, vor denen sie mich seit meiner Kindheit gewarnt hatte. Wegen des Stapels zerfledderter Pornohefte, die ich unter meiner Matratze versteckt hatte. Oder vielleicht wegen des Sex vor der Ehe, der billigen Schnäpse oder der Zigaretten, die ich bei Fremden hinter Tankstellen geschnorrt hatte. Such dir was aus. Irgendetwas davon – oder die Summe aus fünfundzwanzig leichtsinnigen Jahren – bedeutete anscheinend die ewige Verdammnis.

Der Gedanke konnte sich kaum festsetzen, da ertönte plötzlich ein surrendes Piepen über meinem Kopf. Das Geräusch war scharf und insektengleich, es hallte in meinem Schädel wider, und dann kam der Schmerz. Weißglühend, blind machend. Ein brennender Stoß traf meine Seite, gefolgt von einem elektrischen Schlag, der durch jeden Nerv fuhr. Meine Finger und Zehen fühlten sich an, als würden sie brennen, und ein unterdrückter Schrei riss aus meiner Kehle.

Ich ließ die Kette fallen und rollte mich instinktiv von dem Etwas weg, das mich getroffen hatte. Das Halsband zog sich zu. Die zu kurze Verbindung schnürte mir die Luft ab, als sie mich jäh stoppte. Sterne tanzten vor meinen Augen, und für eine schreckliche Sekunde dachte ich, ich würde ersticken, bevor ich überhaupt wusste, wer mich angegriffen hatte.

Und dann sah ich es.

Über mir ragte das hässlichste Monster auf, das ich mir je hätte vorstellen können. Eine groteske Silhouette, die das schwache Licht verschlang. Viel zu groß, viel zu falsch, eine Gestalt, die mein Verstand kaum begreifen konnte.

Denn genau das musste es sein, oder? Ein Traum. Ein Albtraum. Der Beweis, dass ich den Berg nicht überlebt hatte und endlich hinübergegangen war. Ich war in der Hölle, und dieses Ding wartete auf mich, um mir den Weg in die Tiefen zu zeigen.

Doch als ich zu dem Wesen hinaufstarrte – ein gut einen Meter zwanzig großes, echsenhäutiges Ding mit sechs perlend schwarzen Augen –, wusste ich, dass das hier viel zu lebendig war, als dass ich es mir eingebildet hätte. Seine gräulich-violette Haut wirkte ledrig und krank, übersät mit Beulen, aus denen eine zähe, graue Flüssigkeit sickerte, die die Luft säuerlich stinken ließ.

Dort, wo eine Nase sein sollte, war nichts als eine glatte Hautfläche. In der Mitte des Gesichts klaffte das, was ich nur für einen Mund halten konnte. Er verlief vertikal und spaltete den Kopf von der Stirn bis zum Kinn. Er öffnete und schloss sich mit einem feuchten, schmatzenden Geräusch, wie ein Fisch, der an der Oberfläche nach Luft schnappt. Im Inneren bewegten sich Reihen von nadelspitzen Zähnen, die bei jedem keuchenden Atemzug aufeinanderrieben.

Sein Körper ergab noch weniger Sinn; ein groteskes Flickwerk aus falschen Teilen. Die obere Hälfte wirkte wie ein auf links gedrehter Orang-Utan, mit langen Armen, die so tief hingen, dass die vierfingrigen Klauen über den Boden scharrten. Der Rumpf wölbte sich zu einem geschwollenen, dicken Bauch, die Haut war straff und fleckig. Darunter stand es auf zwei dünnen, vogelartigen Beinen, die in drei hakenartigen Zehen endeten. Bei jeder Gewichtsverlagerung klickten sie hörbar in den Boden.

Es hätte eigentlich gar nicht existieren dürfen, aber da war es – atmend, tropfend, beobachtend.

Ich schauderte, als ein weiteres raues, surrendes Piepen aus dem vertikalen Mund des ledrigen Dings drang. Der Ton vibrierte in meinen Zähnen. Aus einer Öffnung an seinem Arm tropfte die graue, zähe Substanz stetig auf den Boden und hinterließ bei jedem Aufprall ein feuchtes Spat, das mir den Magen umdrehte. In der anderen Hand hielt es einen langen, schwarzen Stab. Er sah glatt und außerirdisch aus, an einem Ende mit zwei Zinken versehen, am anderen ein Abzug.

Bevor ich mich wappnen konnte, stieß die Kreatur die Zinken wieder in mich hinein. Weißglühender Schmerz zuckte durch meinen Körper und entlockte meiner rauen Kehle einen erstickten Schrei. Dann änderte sich sein Griff. Das Monster packte die Kette an meinem Halsband und zerrte so brutal daran, dass ich sicher war, mein Genick sei gebrochen. Ein unterdrückter Schrei quälte sich aus mir heraus, als die Affen-Hühner-Abomination die Kette von der Wandöse löste. Ohne zu zögern, hob es mich am Halsband hoch, wobei sich das kalte Metall gnadenlos in meine Haut schnitt, und schleifte mich aus dem Raum, als wöge ich nichts.

Ich schlug um mich, trat in die Luft und kratzte – alles völlig nutzlos. Das Halsband schnitt jedes Mal tiefer ein, wenn ich mich wehrte, und würgte mich mit jedem Ruck. Meine Sicht verschwamm, Tränen liefen heiß über mein Gesicht, während der Flur als ein Wisch aus Schatten und fremden Formen an mir vorbeizog.

Dann öffnete sich der Korridor zu einer viel größeren Kammer.

Meine Augen weiteten sich, die Tränen waren vergessen, als mich blankes Entsetzen überkam. An der Wand gegenüber standen Kreaturen – Dutzende davon – jede mit der gleichen Kette an ihrem Halsband an die Wand gefesselt. Sie standen in grimmiger, stiller Unterwerfung in einer grotesken Parade.

Und sie waren nicht wie ich.

Einige hatten Kiemen, die schwach pulsierten, andere Flügel, die schwer und nutzlos an ihren Seiten hingen. Es gab Krallen, schärfer als Messer, glänzende Schuppen, und manche hatten sogar eine Haut wie ein Alligator, lange Schwänze, die unruhig zuckten, oder Tentakel, die sich schwach auf dem Steinboden wanden. Manche Körper waren in derart unnatürlichen Farben bemalt, dass es wehtat, sie anzusehen; andere bestanden nur aus scharfen Kanten und Klingen, ihre bloße Form strahlte Gewalt aus.

Aber niemand sah mich an. Nicht ein einziger hob den Kopf. Sie standen mit gesenkten Gesichtern da, den Blick nach unten gerichtet, eingeschüchtert, als sei es schon gefährlich, auch nur zur Seite zu blicken.

Und in diesem Moment wurde mir mit einem flauen Gefühl im Magen klar: Ich war nichts Besonderes. Ich war nur der neueste Neuzugang in der Sammlung.

Sobald ich an der Wand in Position geschoben wurde und die Kette durch mein Halsband gezogen war, kamen weitere dieser Hühner-Affen-Dinger auf uns zu. Sie bewegten sich mit brutaler Effizienz. Sie zerrten an Halsbändern, rissen Köpfe vor und rissen jedem Gefangenen den Rest an Kleidung oder Besitz vom Leib. Es war ein Prozess – systematisch, demütigend, mechanisch.

Als eines von ihnen seine sechs schwarzen Augen auf mich richtete, rutschte mir das Herz in die Hose. Ich schlug zu, bevor ich nachdenken konnte, kratzte an der ledrigen Haut, trat, spuckte und schrie, als es nach meinem Shirt griff. Meine Stimme überschlug sich vor Wut und Angst, aber die Kreatur zuckte nicht einmal. Ihre vierfingrige Hand umklammerte den schwarzen Stab mit den Zinken, und ein Druck auf den Abzug reichte aus.

Der Schmerz war augenblicklich und absolut.

Ein Stoß durchfuhr mich und schaltete jeden Nerv kurz. Mein Körper zuckte so heftig zusammen, dass ich gegen die Wand prallte und wie ein toter Körper zu Boden fiel. Mein Brustkorb hob und senkte sich keuchend, aber das Halsband schnitt so tief ein, dass ich kaum Luft bekam. Jeder Muskel zuckte hilflos, meine Finger krallten sich in schnellen, ruckartigen Krämpfen, meine Beine traten gegen den Stein, als gehörten sie nicht mehr mir.

Als der Stromstoß nachließ, war ich nur noch ein zitterndes, atemloses Häufchen Elend, während Tränen und Spucke an meinem Kinn herunterliefen. Ich wollte schreien, fluchen, wieder kämpfen – aber ich konnte nur daliegen, während mein Körper mich verriet und ledrige Hände den Rest meiner Würde stahlen.

Nachdem wir völlig entkleidet worden waren, wurde jede Kreatur in der Reihe – ich eingeschlossen – von den Ketten an unseren Halsbändern vorwärtsgetrieben. Wir wurden in einen anderen Raum gezerrt, der so vollgestopft mit Käfigen war, dass manche kaum groß genug waren, um hineinzupassen. Die Luft war dick, heiß und metallisch, und es roch leicht nach Angst und etwas Fauligem, das ich nicht genauer identifizieren wollte.

Ich wehrte mich bei jedem Schritt. Meine Muskeln zitterten vor Erschöpfung, während ich an meiner Kette riss und zog. Ich biss die Zähne zusammen, verzweifelt darum bemüht, frei zu bleiben. Doch dieser verdammte schwarze Stab – ein Instrument, das ich „den Viehtreiber aus der Hölle“ getauft hatte – fand mich wieder, und die Welt explodierte vor weißglühendem Schmerz. Jeder Nerv schrie auf, meine Muskeln krampften heftig, und meine Sicht verschwamm vor Tränen und Schweiß. Ein kranker Gedanke durchbrach den Nebel: Würde mein Herz noch so einen Schlag überstehen, oder würde ich einfach hier und jetzt umkippen und sterben, gebrochen und hilflos?

Hände packten mich an den Haaren und zerrten mich nach vorne. Meine Finger scharrten und kratzten über den kalten, gnadenlosen Boden, als ich zum Käfig gestoßen wurde. Mein Körper prallte mit einem dumpfen Klang gegen das Metall. Meine Füße rutschten über die glatte Oberfläche, die Beine zitterten unter der Belastung, als die Kreatur mich erneut heftig ruckte und mich mit dem Kopf voran hineinstieß. Der Aufprall raubte mir den Atem. Die niedrige Decke drückte von oben, und die Wände bohrten sich in meine Schultern und meinen Rücken.

Ich sackte auf den Boden. Mein Körper zuckte noch immer von den Nachwirkungen des Schlags, und instinktiv rollte ich mich in der hintersten Ecke zusammen, die ich erreichen konnte. Mein Schluchzen war leise, unterdrückt und kaum zu hören über dem Chor um mich herum. Aus den Käfigen neben mir drang eine krankhafte Symphonie des Leidens: tiefes, kehliges Stöhnen, das im Metallboden vibrierte; das schrille Kreischen von Wesen, die zu eng eingepfercht waren; das feuchte, schmatzende Geräusch von Körpern, die gegen den kalten Stahl gedrückt wurden; das Scharren von Krallen, das Rasseln von Ketten, das Knirschen von Zähnen. Jedes Geräusch stach in meine Nerven – eine unerbittliche Erinnerung daran, dass ich mit meinem Elend nicht allein war, sondern von Schrecken umgeben, wie man sie sich nur in Albträumen ausmalen konnte.

Die grauen Monster bewegten sich methodisch zwischen den Käfigen, ihre Viehtreiber blitzten und knisterten in ihren Händen. Doch der Lärm der Kreaturen selbst – Wimmern, Schreie und unterdrücktes Heulen – erfüllte den Raum weit erschreckender, als es die Stäbe je könnten. Ich rollte mich enger in meiner Ecke zusammen, zog die Knie an die Brust. Die kalten Metallwände pressten sich gegen mich, und die niedrige Decke drückte mir mit jedem flachen Atemzug die Lungen ein. Jede Sekunde zog sich quälend in die Länge, und eine kranke, lähmende Hilflosigkeit legte sich wie Blei auf meine Knochen.

Wenn das hier ein Albtraum war, betete ich still und verzweifelt, dass ich bald aufwachen würde. Doch tief im Inneren sagte mir eine kalte, niederschmetternde Gewissheit etwas, das ich nicht laut aussprechen wollte: Das hier war kein Traum.

Die Zeit schien in dem dunklen, fensterlosen, lagerhausartigen Raum endlos zu dehnen. Jede Sekunde war gefüllt mit dem wahnsinnigen Wirrwarr an Geräuschen, die die Wesen um mich herum von sich gaben – ein chaotisches, außerirdisches Konzert aus Zwitschern, Gurgeln, Rasseln und Zischen. Inmitten dieses sensorischen Chaos schweiften meine Gedanken – unvermeidlich – zu Erinnerungen ab, die ich seit Jahren nicht mehr berührt hatte.

Die Banty’s – so hatte ich sie wegen ihrer abscheulichen Persönlichkeit, ihrer seltsamen zwitschernden Sprache und dieser gruseligen dreizehigen Hühnerfüße getauft – erinnerten mich allzu sehr an die Banty-Hähne, die mich während eines schrecklichen Sommers auf der Farm meines Großvaters in Texas gequält hatten. Ich war dem Mann nie nahegestanden – und das war ich immer noch nicht –, aber ich konnte mich erinnern, wie diese Vögel mich über den Hof gejagt hatten, als wäre es gestern gewesen. Ihre Sporen zerkratzten meine Beine, ihre Flügel schlugen mir ins Gesicht. Diese Erinnerung klammerte sich jetzt bitter und ungebeten an mich, jedes Mal, wenn ich diese schrecklichen Kreaturen ansah. Sie, genau wie mein Großvater in jenem Sommer, schenkten mir – oder irgendetwas anderem – kaum Beachtung. Seit schätzungsweise ein oder zwei Tagen hatten sie ihre neuen Gefangenen völlig sich selbst überlassen.

Ich war mir nicht sicher, wie lange ich ohne Essen und Wasser auskommen würde, aber Hunger war nicht einmal das Schlimmste. Die Kälte war es. Ohne Kleidung oder irgendetwas zum Zudecken war Schlafen unmöglich – ich zitterte so heftig, dass es sich anfühlte, als könnten meine Knochen brechen. Nichts, was ich schrie, nichts, was ich versuchte, lockte die Banty’s zurück in diesen fensterlosen Raum – nicht einmal, um mich zu bestrafen. Und selbst wenn sie gekommen wären, was hätte ich sagen sollen? Sie würden mich eher fressen, als mir zu helfen.

Ich versuchte, die Situation einfach hinzunehmen, stillzuhalten und auszuharren, aber die Angst hat die Art, alle Logik zu zerfressen. Und mit Angst umzugehen, war noch nie meine Stärke gewesen.

Als also plötzlich eine Tür an der fernen Wand aus dem Nichts schimmerte – gerade weit genug außerhalb meines Sichtfeldes durch die Gitterstäbe, dass ich sie nicht klar erkennen konnte –, verspürte ich einen bizarren Anflug von Erleichterung. Bewegung bedeutete, dass etwas passierte, und alles war besser als die Stille. Drei Banty’s watschelten herein, zwitschernd und auf diese groteske Art schleimig, an die ich mich nie gewöhnen würde. Ihre vertikalen Münder klappten in einem wahnsinnigen, insektenartigen Rhythmus auf und zu, was mich mehr frösteln ließ als das Metall auf meiner nackten Haut. Sie arbeiteten sich mit mechanischer Gleichgültigkeit die Reihe entlang und öffneten die Käfige gerade so lange, um Eimer und Behälter hineinzuschleudern, in denen irgendeine Flüssigkeit schwappte.

Als sie meinen Käfig erreichten, drängte ich mich zur Tür. Der Platz war nicht hoch genug, um zu stehen – ich konnte nur hocken oder knien –, aber die Verzweiflung trieb mich voran, in der Hoffnung auf die kleinste Chance, vorbeizuschlüpfen. Der Banty blinzelte nicht einmal. Sein klaffender Mund klappte zu, während er mir den Viehtreiber hart in die Rippen stieß.

Der Stromschlag durchfuhr mich wie geschmolzenes Feuer, heftiger als jeder Stoß, den ich bisher ertragen hatte. Meine Sicht wurde weiß. Meine Ohren klingelten. Mein Körper krampfte hilflos, jeder Muskel verriet mich, als der Strom die Kontrolle übernahm. Die Zeit dehnte sich in unendliche Qual; es fühlte sich an wie Minuten, bis ich wieder einen abgehackten Atemzug nehmen konnte, bis die Krämpfe nachließen und die Welt wieder einen Sinn ergab.

Als das letzte Zittern endlich aus meinen Gliedern wich, sackte ich in eine sitzende Position zusammen, die Brust hob und senkte sich schwer, während ich mühsam nach Luft rang. Da bemerkte ich, was in meinem Käfig zurückgelassen worden war.

Das erste war ein grauer Eimer, ähnlich wie die 5-Gallonen-Eimer aus dem Baumarkt oder einer Garage. Er war leer, aber am Rand klebten gelbe Flecken und er verströmte einen so üblen Gestank, dass sich mein Magen umdrehte. Der Geruch von altem Kot hing schwer und sauer in der Luft. Würgend schob ich ihn mit dem Fuß von mir weg, bis er in der hintersten Ecke des winzigen Käfigs klapperte.

Der zweite Gegenstand war seltsamer: ein kurzer, zylinderförmiger Kanister, geformt wie eine Thermosflasche, aber merkwürdig uneben, ohne flache Oberfläche zum Abstellen und ohne Drehverschluss. Stattdessen saß oben ein kleiner schwarzer Knopf – wie man ihn an einer Taschenlampe sehen würde. Als ich ihn drückte, schraubte sich der Deckel nach oben, löste den Verschluss mit einem scharfen Zischen und entließ eine dünne Dampfwolke in die Luft.

Darin befand sich eine fast irisierende, graue Substanz, die im schwachen Licht schwach schimmerte. Auf den ersten Blick erinnerte sie mich unangenehm an den Schleim, der aus der Haut der Banty’s sickerte, aber der Geruch war anders. Frisch. Sauber. Etwas zwischen Gurken und Rosen, wenn auch nicht ganz das eine oder das andere.

Vorsichtig hob ich den Behälter an meine Lippen und nahm einen vorsichtigen Schluck, betend, dass es Nahrung war – und nichts Ungenießbares, das mich nur zum Würgen bringen würde. Die Flüssigkeit war dickflüssig und schleimig, sie glitt wie Aloe-Vera-Gel über meine Zunge. Der Geschmack war kaum vorhanden, fad, mit nur einer winzigen Spur von Süße – wie ein Bonbon, das zu lange in seiner Verpackung gelegen hatte.

Ich wartete, gefasst auf Krämpfe, Schwindel, irgendetwas, das signalisieren könnte, dass ich mich gerade vergiftet hatte. Doch stattdessen breitete sich langsam Wärme in meiner Brust und meinem Magen aus. Mein Durst ließ nach. Mein Magen fühlte sich ein wenig gefüllt an. Sogar das Zittern ließ nach, zumindest ein bisschen.

„Was zur Hölle ist das? Drei-in-eins-Überlebens-Glibber ... oder so was?“, murmelte ich mit einem leisen, zittrigen Lachen. Der Klang fühlte sich in meiner Kehle fremd an, aber er war besser als die Stille.

Den Kanister fest umklammernd, versuchte ich, meine Atmung zu beruhigen und die schwache Wärme der seltsamen Flüssigkeit wirken zu lassen. Meine Muskeln zuckten noch immer, und mein Verstand war benebelt von Erschöpfung, aber die Neugier – und das Bedürfnis, die Gefahr einzuschätzen – lenkten meine Aufmerksamkeit nach außen. Ich zwang mich dazu, die Käfige um mich herum zu beobachten, und erinnerte mich daran, dass Wachsamkeit vielleicht das Einzige war, was mich am Leben hielt.

Die Kreatur direkt links neben mir konnte man nur als aquatisch beschreiben. Die Luft um sie herum schien zu wogen, als würde sie ihre eigene Wasserblase mit sich tragen. Ihre Haut schimmerte im schwachen Licht unglaublich hell, opalisierend am Oberkörper, und wurde an den Armen und Beinen zu einem fast schwarzen Blau. Die Farbe und das Muster erinnerten mich an exotische Fische. Dünne, fast reptilienartige Augen saßen hoch im Gesicht und flankierten eine geriffelte Nase mit zwei vertikalen Schlitzen für die Nasenlöcher, die seltsamerweise wie Kiemen aussahen. Die Rippen waren pfeilförmig; sie wurden größer, je weiter sie sich nach oben zu einem Irokesenschnitt erstreckten, der in der Mitte des Kopfes verlief und sich direkt am Rücken fortsetzte, wo er in einem scharfen, tiefblauen Schwanz endete.

Der Schwanz zuckte gereizt, wann immer mein Blick zu ihm glitt, und als ich schließlich den geisterhaft weißen Augen der Kreatur begegnete, lief mir ein Schauer über den Rücken. Ich erzwang ein nervöses Lächeln – dieselbe Art, die ich meiner Mutter früher aufgesetzt hatte, wenn ich versuchte, sie zu besänftigen – und zu meiner Überraschung erwiderte sie es: ein gefährlich scharfes, hungriges Grinsen. Zähne blitzten im schwachen Licht auf, lang und nadelspitz, und eine schlangenartige Zunge schnellte hervor, um die Luft in meine Richtung zu kosten. Mein Herz hämmerte in meiner Brust, und ich war plötzlich dankbar für die dicken Metallgitter, die uns trennten.

Mit einem müden Schauer entschied ich, dass ich für den Moment genug ausgekundschaftet hatte. Ich rückte in die Mitte und an den hinteren Teil meines Käfigs, um einen gleichmäßigen, „sicheren“ Abstand zu beiden potenziell gefährlichen Nachbarn zu halten – den anderen wollte ich ohnehin nicht zu genau ansehen – und zog die Knie an die Brust, so weit ich konnte.

Ich fühlte mich nicht gerade glücklich – trotz meines früheren, zittrigen Lachens –, aber nachdem ich ein paar weitere vorsichtige Schlucke des seltsamen Getränks genommen hatte, das die Banty’s mir dagelassen hatten, fühlte ich mich ein wenig besser. Ich wusste nicht, wie lange es dauern würde, bis meine bizarren Affen-Hühner-Entführer zurückkamen, also musste ich es vorsichtig rationieren, auch wenn ich noch lange nicht satt war. Andernfalls würde ich wahrscheinlich hungern. Ich vertraute Aliens nicht darauf, dass sie den blassesten Schimmer davon hatten, wie man einen Menschen am Leben erhält – selbst wenn sie die Kunst des Menschenhandels perfektioniert zu haben schienen. Oder den Handel mit exotischen Kreaturen, wenn man nach meinem „Siren“-artigen Nachbarn im Käfig nebenan ging.

Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Wenn ich mich nur daran erinnert hätte, bevor ich mich auf einem Berg in Colorado gestrandet hatte... alles nur in dem Versuch, den Kopf frei zu bekommen nach einem weiteren langen, frustrierenden Tag, an dem ich mich durch die Wälder geschleppt, abgenutzte Pfade ausgebessert und mich vor mürrischen Arbeitskollegen gedrückt hatte. Einige Leute, mit denen ich arbeitete, waren nicht gerade freundlich, obwohl ich wusste, dass ich selbst schwierig im Umgang sein konnte. Dass ich in der Highschool keine Freunde gehabt hatte, hatte meinem Selbstvertrauen auch nicht gerade geholfen, mit meiner düsteren Art und meiner allgemeinen Unfähigkeit, soziale Situationen zu lesen. Dennoch war die Einsamkeit des Waldes an manchen Tagen das Einzige gewesen, was mich bei Verstand gehalten hatte. Aber in der Jagd nach dieser Aussicht, diesem flüchtigen Moment des Friedens... irgendwie war ich schnurstracks in mein Verderben gelaufen.