Nymph U: Der CEO-Orc

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Zusammenfassung

🔞🌶️❤️‍🔥💐 „Und – das war der Teil, der mich vor Staunen kaum atmen ließ – niemand hatte Sex. Niemand. Genau wie im Film.“ Raelinn träumt von Romantik, weit entfernt von ihrem düsteren Schicksal als Orc-Züchterin – auch wenn sie weiß, dass so etwas reine Fiktion ist, oder? Rokgar, ein geschäftstüchtiger Orc-CEO, kauft sie für seine Nachkommenschaft, findet sich jedoch plötzlich in einer ihm völlig fremden Welt aus Liebeswerben und Verlangen wieder. Gemeinsam navigieren sie durch harte Realitäten und zärtliche Fantasien in dieser düster-erotischen Romantasy.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
29
Rating
5.0 6 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Red Tape

Raelinn Oakenshade

Sudarolis, 2001

Falls du noch nie einen Elfen beim Ficken gesehen hast: Du verpasst nicht viel. Der Angestellte im Red Tape grunzte wie ein erwürgtes Eichhörnchen. Sein Kopf lag im Nacken und sein silberner Zopf klatschte bei jedem wilden Stoß gegen Vedas Schlüsselbein. Veda sah gelangweilt aus. Sie stützte sich mit einer Hand auf dem Tresen ab, während sein dürrer Arsch rhythmisch zwischen ihren gespreizten Beinen pumpte.

Ihr irres Kichern hallte von den nackten Wänden der leergeräumten Red Tape-Videothek wider. Sie fing meinen Blick auf und machte eine kurze Handbewegung, die so viel hieß wie: „Jetzt, du Dummkopf.“ Ich stieß Zyra an. Sie schlich bereits durch den schattigen Gang, wobei ihre tief sitzende Jeans kaum auf ihren Hüften hielt.

Wir hatten das Red Tape seit Wochen beobachtet. Der Bestand wurde immer weniger, weil die Fae-Zensoren den Laden dichtmachten. „Zu viele gefährliche Ideen“, hatten sie behauptet. Als ob die Zivilisation zusammenbrechen würde, nur weil man einem Minotaurus und einer Dryade zusah, wie sie sich in einem Garten verliebten. Aber Veda hatte durch das Fenster den süßen Elfen-Typen entdeckt, der noch Kisten packte. Keine dreißig Sekunden später hatte sie ihr Oberteil ausgezogen und ihm einen „gebührenden Abschied“ angeboten. Der arme Kerl hatte keine Chance gehabt.

Wir schlängelten uns durch die Regale, die wie ein Labyrinth auf dem verblichenen Teppich standen. Jede Hülle war eine Zeitkapsel mit verbotenen Filmen. Wir verbrachten unsere Tage an der Nymph U und lernten, wie man es mit drei verschiedenen Arten gleichzeitig trieb. Und die machten sich Sorgen darüber, was wir im Fernsehen sahen?

Die erste Kiste, die ich erreichte, war mit Klebeband zugeklebt. Ich verzog das Gesicht, als ich meine Fingernägel unter den Rand schob. Das reißende Geräusch kam mir unheimlich laut vor. Doch als ich zurückblickte, war der Elf viel zu sehr damit beschäftigt, sein Gesicht in Vedas Pussy zu vergraben, um etwas zu merken.

Die erste Kiste war purer Müll – langweilige Natur-Dokus. Ein echter Witz, denn in Luxuria hatte niemand die Geduld für etwas, bei dem nicht mindestens einmal abgespritzt wurde.

Zyra zischte enttäuscht. Dann riss sie die nächste Kiste auf und wühlte mit affenartiger Geschwindigkeit durch die Hüllen.

„Wo ist der gute Scheiß?“, murmelte sie.

Zyra packte eine Handvoll DVDs und überflog die Cover. Ihr Gesicht verzog sich vor Ekel. „Igitt, Liebeskomödien“, flüsterte sie und warf eine pastellrosa Hülle über ihre Schulter.

Sie prallte an meinem Knie ab und landete mit der Vorderseite nach oben: Sirendepity. Darauf war ein grinsender Ork im Anzug zu sehen und eine Sirene in einem blauen Neckholder-Kleid, die sich an seinen Arm klammerte. Mein Herz setzte einen Schlag aus. Schnell schob ich die DVD unter mein Shirt, bevor Zyra es merken konnte.

„Wühl weiter“, zischte Zyra, die schon bis zu den Ellbogen in der nächsten Kiste steckte. „Hier muss irgendwo Porno sein. Nicht dieser Fake-Mist...“ Sie hielt einen Doppelpack mit dem Titel „Gefühle Zuerst“ hoch, tat so, als müsste sie kotzen, und begrub ihn unter dem Haufen.

Ich kramte durch den Stapel. Meine Hände zitterten vor einer seltsamen, elektrisierenden Aufregung. Ich hatte noch nie etwas gestohlen. Aber das hier war anders. Das war echte Schmuggelware. Die Cover sahen alle so... zahm aus. Ein Tiefling und ein Satyr, die sich einen Milchshake teilten. Zwei Goblin-Mädchen in passenden Pullovern, die Händchen hielten. Ein Einhorn-Wandler mit offenem Hemd, der sehnsüchtig eine Pixie anstarrte.

Zyra schreckte hoch, als der Elf hinter dem Tresen ein hohes, verzweifeltes Stöhnen von sich gab. „Jetzt wird’s ernst“, flüsterte sie. „Er kommt gleich.“

Wir sprangen auf, die Arme vollgepackt mit verbotenem Zeug. Zyra warf mir einen Blick zu – jetzt oder nie. Wir rannten los in Richtung Ausgang und duckten uns hinter einen Stapel alter Boxen, während der Orgasmus-Schrei des Typen durch den leeren Laden hallte.

Die Glocke über der Tür bimmelte, als wir nach draußen schlüpften. Ich erhaschte einen Blick auf das Gesicht des Elfen, als er begriff, was passiert war. Seine Augen wurden groß und sein Mund stand nach dem Höhepunkt noch offen. Er fummelte an seiner Hose herum und schrie: „Hey! Bleibt stehen! Fuck!“

Veda war schon längst weg. Ihr orangefarbenes Haar sah aus wie ein Kometenschweif, als sie durch den Hinterausgang verschwand.

Wir rannten eine Seitengasse hinunter. Das Kopfsteinpflaster war uneben unter unseren Sandalen und die Sonne brannte uns im Nacken. Der Angestellte verfolgte uns vielleicht zwei Sekunden lang. Dann merkte er wohl, dass er gerade einer Horde Touristen im Café gegenüber seinen Schwanz präsentierte.

„Mist! Verdammt!“ Das war wieder der Elf. Er merkte wahrscheinlich, dass man mit der Hose in den Kniekehlen niemanden fangen kann. Sein Geschrei wurde leiser, als ich um eine Ecke bog und hinter einem Brunnen in Deckung ging.

Ich knallte mit voller Wucht gegen jemanden.

Wir gingen in einem Wirrwarr aus Armen, Beinen und verstreuten DVDs zu Boden. Ich starrte direkt in Vedas Gesicht. Ihre graue Haut war noch immer gerötet und ihr Haar ein einziges Chaos.

„Pass auf, wo du hinläufst, du Orkfickerin“, kicherte sie und sammelte bereits die heruntergefallenen Hüllen ein.

„Das sagt gerade die Richtige.“ Ich schnappte mir Sirendepity, bevor sie es sehen konnte. „Hattest du wenigstens deinen Spaß?“

„Drei von zehn Punkten. Elfen sind einfach zu sanft.“ Sie rümpfte die Nase.

„Tragisch.“

Wir hatten fast alle DVDs beisammen, als Zyra keuchend und triumphierend zu uns stieß.

„Eros Nook“, flüsterte Veda und grinste. „Giorgio lässt uns sicher den DVD-Player benutzen, wenn wir lieb fragen.“

„Seit wann fragst du bei irgendwem lieb?“ Aber ich folgte ihnen bereits.

Das Dorf war heute Abend belebt, wie eigentlich immer. Nymphen schlenderten zwischen den Läden umher. Touristen aller Art streiften über die Wege, auf der Suche nach Unterhaltung oder bereits eng umschlungen mit ihren Partnern.

In Luxuria war das völlig normal. Das war seit zwei Jahren mein Zuhause, während ich die Nymph U besuchte.

Eros Nook lag in einer gemütlichen Ecke im oberen Teil von Luxuria. Die Fenster der Buchhandlung waren mangels Pflege trüb geworden. Der Besitzer Giorgio war Ende sechzig. Er schaffte es nicht mehr, jeden Tag die Fingerabdrücke vom Glas zu wischen.

Wir platzten kichernd und mit dem Diebesgut beladen zur Tür herein. Der Einhorn-Wandler hinter dem Tresen sah kaum von seinem Handy auf.

„... ja, Eryndor, ich verstehe, dass du zu Besuch kommen willst, aber deine Mutter würde mir nie verzeihen, wenn...“ Giorgio hielt inne. Seine Augenbrauen hoben sich leicht, als er unser zerzaustes Aussehen bemerkte. Mit seinem silbergestreiften Haar und den gütigen Augen war Giorgio in seiner Jugend sicher hübsch gewesen. Er war auf eine angenehme, herzliche Art alt geworden.

„Hör zu, ich muss auflegen. Ein paar der Uni-Mädels sind hier, und sie haben diesen speziellen Blick drauf.“ Eine Pause. „Du weißt schon, welchen Blick. Nein! Nicht den, Eryndor!“

Ich hörte ein blechernes Lachen am anderen Ende der Leitung.

„Ja, ja. Ich ruf dich morgen an. Hab dich auch lieb. Tschüss.“ Er legte auf und sah uns vielsagend an. „Lasst mich raten. Ihr wollt in das Hinterzimmer?“

„Bitte?“ Ich legte die Hände wie zum Gebet zusammen. „Wir machen in einer Woche unseren Abschluss. Betrachte es als Abschiedsgeschenk.“

„Schon klar.“ Sein Blick fiel auf die Filme, die wir eher schlecht als recht hinter unseren Rücken versteckten. „Sind die aus dem Red Tape?“

Zyra und Veda tauschten schuldbewusste Blicke, aber ich hielt seinem Blick stand. Giorgio hatte schon immer eine Schwäche für mich gehabt. Wahrscheinlich, weil ich mich wirklich mit ihm über seinen Großneffen unterhielt und an seinen Geburtstag dachte. Er hatte mich in meinem ersten Jahr mal wegen meiner Abstammung ausgequetscht.

„Die Fae machen den Laden dicht“, sagte ich leise. „Sie ersetzen ihn durch so einen Touristen-Laden. Die ganzen Filme sollten einfach vernichtet werden.“

Ein kurzer Schatten huschte über Giorgios Gesicht. Traurigkeit, vielleicht, oder Resignation. „Hab ich gehört. Der Toy Shop soll der neue Laden heißen. Als bräuchten wir noch einen Ort, wo Besucher Dinge kaufen können, die sie an euch Mädchen ausprobieren.“

„Also lässt du uns...?“

Er deutete mit einer Hand zum hinteren Teil des Ladens. „Geht schon. Macht danach nur ordentlich sauber und lasst keine Beweise liegen. Ich brauche keine Kontrolleure in meinem Geschäft.“

„Du bist der Beste!“, quiekte Veda und flitzte bereits zur Tür des Lagerraums.

„Ich weiß“, rief Giorgio uns hinterher. „Und Raelinn?“

Ich hielt inne und sah zurück.

„Nur noch eine Woche bis zum Abschluss, hm?“ Sein Lächeln war sanft, vielleicht ein bisschen wehmütig. „Ich hoffe, du landest irgendwo, wo man dich gut behandelt.“

Mir schnürte es plötzlich die Kehle zu. „Danke, Giorgio.“

„Sag deinem Großneffen, er soll für seine Prüfungen lernen!“, rief Zyra über ihre Schulter.

Giorgio winkte uns nur ab und begann, im Laden herumzuwuseln. Wahrscheinlich drehte er das Schild auf „Geschlossen“, damit wir unsere Ruhe hatten.

Das Lager war genau so, wie ich es in Erinnerung hatte. Staubige Regale voller Kisten mit unsortierten Büchern, ein durchgesessenes Sofa, das schon bessere Tage gesehen hatte, und in der Ecke ein klobiger Fernseher mit einem brandneuen DVD-Player.

Wir warfen unsere Beute auf den Boden und hatten bald einen ordentlichen Haufen zum Sortieren.

„Endlich“, schnaufte Zyra und hielt eine Hülle hoch. Man sah eine Nymphe auf allen Vieren und einen Satyr hinter ihr. „Das ist es, was ich meine. ‚Breeding Ground 7: Satyr Sanctuary‘.“

„Ist das der Film mit der Sache, die sie mit ihren Zungen machen?“, fragte Veda, während sie bereits in ihrem eigenen Stapel wühlte.

„Das ist Breeding Ground 5. In diesem hier geht es um Gruppendynamik.“ Zyra studierte die Rückseite mit wissenschaftlichem Ernst. „Anscheinend gibt es eine Szene mit zwölf Satyrn und einer Nymphe, die irgendeinen Rekord aufgestellt hat.“

„Klingt anstrengend.“

Ich ließ sie über die Porno-Auswahl streiten. Meine Finger fanden Sirendepity im Durcheinander. Der Ork auf dem Cover starrte mich an. Sein Blick wirkte ehrlich – auf eine Art, wie Orks im echten Leben nie waren. Ich war mit vielen Orks zusammen gewesen. Das waren Touristen, die nach Luxuria kamen, um ein schnelles Abenteuer zu suchen, und an jeder Ecke willige Nymphen fanden. Sie waren grob. Fordernd. Sie knieten nicht nieder.

Blumen hatten sie definitiv nicht dabei.

„Auf gar keinen Fall.“

Ich blickte auf. Zyra starrte auf die Hülle in meinen Händen. Ihr Gesichtsausdruck war eine Mischung aus Entsetzen und Belustigung.

„Komm schon“, sagte ich und hielt sie fester. „Nur dieses eine Mal.“

„Das ist eine Liebeskomödie, Rae. Über Dating.“ Sie sprach das Wort aus, als wäre es eine Krankheit. „Das ist totaler Fantasy-Müll.“

„Bitte?“ Ich hielt sie hoch, damit das Licht auf das Cover fiel. „Schau ihn dir an. Schau dir diese Arme an.“

„Ich sehe nur reine Zeitverschwendung.“ Aber Zyras Widerstand bröckelte bereits. Meinem Betteln konnte sie noch nie widerstehen. „Veda, sag ihr, dass das dumm ist.“

Veda warf einen Blick auf die Hülle und zuckte mit den Schultern. „Eine Liebeskomödie wird uns schon nicht umbringen. Und danach schauen wir das Ding mit dem Satyr.“

Und den Streifen mit dem Minotaurus, den ich gefunden habe“, fügte Zyra schnell hinzu.

„Abgemacht.“

Der DVD-Player surrte auf. Ich schob die Disc mit einer Ehrfurcht hinein, die mir fast schon peinlich war. Wir machten es uns auf dem durchgesessenen Sofa gemütlich. Veda saß in der Mitte, Zyra und ich drückten uns an ihre Seiten. Dann begann der Film.

Das Erste, was mir auffiel, war die Stadt. N’Yorc hieß sie laut dem Vorspann. Ich erinnerte mich vage, den Namen im Unterricht über die verschiedenen Spezies gehört zu haben. Die Hauptstadt der Orks. Ich hatte sie mir immer brutal und industriell vorgestellt. Alles voller Rauch, Metall und Gewalt. Aber der Film zeigte ein ganz anderes Bild. Lichter glitzerten an dunklen Gebäuden. Schnee fiel sanft auf belebte Straßen. Und überall liefen Leute herum, redeten und... existierten einfach. Gemeinsam.

„Wo bleibt das ganze Geficke?“, fragte Zyra verwirrt. „Schau dir die ganzen Weibchen an, die da einfach rumlaufen. Sollte die nicht mal jemand besteigen?“

„Vielleicht kommt das erst vor den guten Stellen“, schlug Veda vor. Sie klang aber selbst unsicher.

Aber die „guten Stellen“ kamen nie. Jedenfalls nicht so, wie wir es erwartet hatten. Der Ork-Hauptdarsteller – sein Name war Grumsh – traf die Sirene in einem Laden. Ihre Hände berührten sich über einem Paar Handschuhe. Sie redeten. Und dann...

„Was ist ein Freund?“, fragte ich und starrte stirnrunzelnd auf den Bildschirm.

„Ein erfundenes Wort“, sagte Zyra abfällig. „Genau wie ‚Hochzeit‘. Das ist nur Filmkram.“

„Und was ist mit ‚Dating‘? Sie sagen ständig, dass sie miteinander ‚daten‘ wollen.“

„Klingt wie ein nettes Wort fürs Ficken.“

Aber das war es nicht. Das machte der Film im weiteren Verlauf deutlich. Beim Dating ging man anscheinend zusammen irgendwohin. Man aß gemeinsam. Man redete noch mehr. Es gab so etwas wie eine „Verlobung“. Dabei ging es wohl um Schmuck und Versprechen. Und die ganze Zeit über fragte der Ork ständig nach. Er versuchte, sie zu beeindrucken. Dabei war er ein riesiger, mächtiger Ork, der sich einfach hätte nehmen können, was er wollte.

Veda und Zyra bekamen bei den Balzszenen einen Lachkrampf. „Er hat ihr Blumen gebracht“, keuchte Zyra und wischte sich Tränen aus den Augen. „Als ob sie ihn wegen ein paar toten Pflanzen härter ranlässt.“

„Und das Knien! Hast du gesehen, wie er gekniet hat?“ Veda hielt sich die Seiten vor Lachen. „Stell dir das mal vor. Ein Ork, der vor einem Weibchen kniet!“

Sie lachten und lachten. Sie fanden die ganze Sache wegen ihrer Unmöglichkeit einfach nur komisch. Denn es war unmöglich, oder? Männchen machten keinen Hof. Männchen warben nicht. Männchen nahmen sich, was sie wollten. Und Weibchen – besonders Nymphen – waren dazu da, genommen zu werden. Das war Biologie. Das war die natürliche Ordnung.

Aber ich konnte nicht aufhören hinzusehen.

Der Ork auf dem Bildschirm suchte die Sirene. Jahre nach ihrem ersten Treffen. Er war mit jemand anderem verlobt. Jemand Reichem, jemand Passendem. Aber er konnte sie nicht vergessen. Beide warfen perfekte Vereinbarungen weg. Nur wegen eines Gefühls, das sie nicht erklären konnten.

Es war absurd. Völlig absurd.

Warum verursachte es dann dieses Kribbeln in meinem Bauch?

„Rae macht wieder ihr Ork-Gesicht“, neckte mich Veda und stieß mich mit dem Ellbogen an.

„Gar nicht wahr.“

„Und ob. Du stellst dir gerade vor, wie du mit so einem großen, grünen Kerl auf dieser Eisbahn stehst, stimmt’s?“

Ich konnte es nicht leugnen. Die Schlussszene lief gerade. Grumsh und die Sirene waren auf einem gefrorenen See in einem Park wieder vereint. Überall wirbelte Schnee. Er hielt sie fest, als wäre sie etwas Kostbares. Als wäre sie mehr als nur ein Körper zum Züchten.

„Ich kann kaum glauben, dass die Zuteilungszeremonie nur noch ein paar Tage hin ist“, seufzte Zyra, als der Abspann lief. Sie streckte ihre grauen Glieder auf dem alten Sofa aus. „Bleibst du bei der Elfenzucht, Veda?“

Veda richtete sich voller Stolz auf. „Natürlich. Saubere Anlagen, sanfte Behandlung und man darf seinen Namen behalten.“

„Schick.“

„Was soll ich sagen? Ich habe eben Ansprüche.“ Veda wandte sich mir zu. Besorgnis trat in ihren Blick. „Ich verstehe immer noch nicht, warum du so scharf auf die Ork-Anlagen bist, Rae. Die haben den schlechtesten Ruf.“

Ich zuckte mit den Schultern. Bei dem Gedanken beschleunigte sich mein Puls. „Sie haben sich in letzter Zeit sehr verbessert. Es gibt bessere Auslaufzeiten, das Essen ist ein bisschen besser und die Schlafplätze sind jetzt viel schöner.“

„Nur weil die Fae sie dazu gezwungen haben“, spottete Zyra.

Veda nickte zustimmend. „Wenn es nach ihnen ginge, würden sie Nymphen immer noch wie früher in Zuchthöhlen halten. An die Wände gekettet und alles.“

Dagegen konnte ich nichts sagen. Die Geschichte der Ork-Zucht war grausam. Bevor die Fae Reformen durchsetzten, waren die Anlagen berüchtigt für den Umgang mit Nymphen. Kurze Ketten, enge Zellen. Die Nymphen waren fast ständig schwanger, ohne jede Pause. Die Reformen hatten die Dinge theoretisch geändert. Aber der Ruf blieb an ihnen hängen.

„Orks sind jetzt zivilisierter“, beharrte ich. Während ich das sagte, musste ich mich erinnern.

An den Ork-Touristen in meiner ersten Woche an der Nymph U. Es war in der Gasse hinter „The Nymph’s Embrace“. Er war gewaltig gewesen, locker doppelt so groß wie ich. Mit Höflichkeiten hatte er sich nicht aufgehalten. In einem Moment war ich noch gelaufen. Im nächsten wurde ich gegen die Wand gepresst. Seine riesigen Hände hielten meine Handgelenke über meinem Kopf fest, während er mich mit einem brutalen Stoß nahm. Er hat mich gefickt, als wäre ich nichts. Als wäre ich nur ein Loch zum Benutzen, eine Sache, die man besetzt. Ich war so hart gekommen, dass ich Sterne sah. Das war der Moment, der mich auf den Weg zur Ork-Zucht brachte.

Ein wohliger Schauer durchlief mich bei der Erinnerung. Meine Freundinnen waren bei ihren Vorlieben schon immer wählerischer. Zyra mit ihren Minotauren, Veda mit ihren Elfen. Aber mich zog es schon immer zum Dunkleren hin. Die Grobheit. Die Dominanz. Die vollkommene Kontrolle, die Orks über ihre Partner ausübten.

Ich liebte es, unterwürfig zu sein. Ich liebte es, jemandem zu gehören, selbst wenn es nur vorübergehend war. Und eine Zuchtanlage? Das bedeutete lebenslanger Besitz.

„Na ja“, sagte Zyra, stand auf und strich sich Staub vom Rock. „Nach diesem kitschigen Quatsch muss ich jetzt erst mal ordentlich durchgefickt werden. Kommst du, Veda?“

„Klar.“ Veda erhob sich vom Sofa. „Im ‚Nymph’s Embrace‘ müssten jetzt neue Touristen sein. Rae?“

„Ich komme nach“, sagte ich und griff nach dem DVD-Player. „Einer muss das hier ja wegräumen.“

Sie tauschten wissende Blicke aus, bohrten aber nicht weiter nach. Einen Moment später schwang der Vorhang hinter ihnen zu. Ich war allein mit dem Menübildschirm, der in einer Endlosschleife lief.

Ich nahm die Hülle wieder in die Hand und fuhr mit dem Finger über das Bild von Grumsh. Über die Sirene, die er durch die ganze Stadt verfolgt hatte. Über die Liebe, für die er zu kämpfen bereit war.

Ein Männchen, das versucht, das Herz eines Weibchens zu gewinnen, anstatt sie einfach zu beanspruchen.

Es war Fantasy. Ganz klar. Das ganze Konzept von Werbung, Verfolgung und Romanze – das war zur Unterhaltung erfunden worden. Es war kein Spiegel der Realität. Kein Männchen benahm sich wirklich so. Erst recht kein Ork.

Und doch...

Ich war so vertieft in das Bild, dass ich nicht hörte, wie sich der Vorhang hinter mir bewegte.

„Ich dachte mir, das könnte dich interessieren.“

Ich fuhr herum, das Herz klopfte mir bis zum Hals. Giorgio stand im Türrahmen des Lagers. In seinen wettergegerbten Händen hielt er ein Buch. Ein Taschenbuch, auf dessen Cover eine weitere unmögliche Liebesszene zu sehen war: ein Ork und ein Weibchen, die sich umschlangen.

„Was...“

„Es ist ein Liebesroman“, erklärte er sanft und hielt ihn mir hin. „Wie der Film, den ihr gerade gesehen habt. Die gleiche Art von Geschichte. Orks, Dating, dieser ganze Unsinn.“

Ich zögerte einen Moment, bevor ich zugriff. Das Buch war schwerer als erwartet und an den Ecken von früheren Lesern abgestoßen. „Woher hast du das?“

„Das spielt keine Rolle.“ Seine gütigen Augen fixierten meine mit unerwarteter Intensität. „Wichtig ist nur: Wenn jemand fragt, hast du es nicht von mir. Verstanden?“

Ich nickte langsam und drückte das Buch an mich.

„Die Fae haben ihre Gründe, warum sie diese Geschichten verbieten“, fuhr Giorgio nun leiser fort. „Aber Gründe sind nicht immer richtig. Manchmal hat eine Nymphe es verdient zu wissen, dass es auch andere Lebenswege gibt.“ Er wandte sich zum Gehen, hielt dann aber am Vorhang noch einmal inne. „Du erinnerst mich an jemanden, den ich mal kannte. Vor langer Zeit.“ Ein trauriges Lächeln huschte über sein Gesicht. „Sie hat auch an Möglichkeiten geglaubt.“

Und dann war er weg. Er verschwand wieder nach vorne in den Laden. Er ließ mich allein mit dem Buch, der DVD und einem Kopf voller gefährlicher Gedanken.

Vielleicht hatten die Fae doch recht.