Sein Schatz der Mitternacht

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Zusammenfassung

Zora ist achtzehn und bereit, gemeinsam mit ihrem Vater und ihren Brüdern die Welt zu entdecken. Dass sie dabei ausgerechnet das Interesse eines Wikingerfürsten wecken würde – eines Mannes, der nicht die geringste Absicht hat, sie jemals wieder ziehen zu lassen –, hätte sie sich niemals träumen lassen. Sie hatte nie geglaubt, im Norden jemals die Aufmerksamkeit eines Mannes auf sich zu ziehen. Sie war schließlich keine der hellhäutigen Schönheiten, sondern eine »blámenn« – eine »Blaue« –, wie die Nordmänner ihr Volk nannten. Eine Frau mit dunkler Haut. Doch nun steht ihr Leben Kopf: Ihr Weg hat sich für immer verändert, denn sie ist nun die Frau eines Wikingers. Die Frau eines Jarls. — Seine Hand hob sich, und bevor Zora zurückweichen konnte, strichen seine schwieligen Finger sanft über ihre Wange. Die Berührung war überraschend warm, die Haut rau von jahrelangem Schwertkampf und harter Arbeit auf See. Er fuhr die Linie ihres Kiefers nach, sein Daumen verweilte kurz an ihrem Mundwinkel, bevor seine Finger weiter nach oben wanderten und eine ihrer kunstvollen Flechtfrisuren ertasteten. Er wickelte die dunkle, gewundene Strähne um seinen Finger und zog sanft daran, als würde er ein rätselhaftes Artefakt untersuchen. »So ein Haar habe ich noch nie gesehen«, murmelte er, während seine Augen dem Verlauf des Zopfes folgten. »Wie die Wurzeln eines heiligen Baumes, ineinander verschlungen und mit Bedacht gebunden. Tragen eure Frauen im Süden ihre Geschichte in ihrem Haar?«

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
40
Rating
5.0 2 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Der beißende Nordwind heulte wie ein verwundetes Tier, peitschte durch die engen Gebirgspässe und fuhr einem bis in die Knochen. Für Zora und ihre Familie war die Kälte ein ständiger Feind, ein krasser Gegensatz zu der Wärme der Länder, die ihre Vorfahren einst ihr Zuhause genannt hatten. Zora war achtzehn und besaß einen Geist, der viel zu groß für die einschränkenden Erwartungen ihres Standes war. Sie rückte den schweren, zu großen Wollumhang zurecht, der ihren Körper einhüllte. Unter den Lagen aus grobem Stoff trug sie weite Tuniken und Hosen – eine bewusste Entscheidung ihres Vaters, um sie vor den umherstreifenden, lüsternen Blicken der Männer in Ländern zu schützen, in denen ihre Hautfarbe eine Seltenheit war.

Ihr Haar, eine prachtvolle Krone aus festen, dunklen Locken, war akribisch zu langen, komplizierten Zöpfen geflochten, die ihr bis auf den Rücken reichten. So bändigte sie ihre wilde Mähne gegen den Sturm. Als Tochter eines aufstrebenden Händlers war Zora das Reisen gewohnt, doch diese Reise war anders. Ihr Vater, ein Mann von eisernem Willen und mit scharfem Geschäftssinn, war entschlossen, ihr Handelsimperium weiter nach Norden zu treiben, als es je einer ihrer Verwandten gewagt hatte. Er wollte nicht nur Profit; er wollte ein Vermächtnis. Er wollte, dass der Name ihres Hauses mit Respekt geflüstert wurde – von den sonnenverwöhnten Küsten bis zu den gefrorenen Fjorden.

Als die Sonne hinter dem zerklüfteten Horizont versank und den Himmel in blaue Violetttöne und tiefes Orange tauchte, entdeckten sie das flackernde gelbe Licht eines Gasthauses am Wegesrand. Es war ein stabiles, niedriges Gebäude aus Stein und schwerem Gebälk, das nach Torfrauch und gesalzenem Fisch roch.

In dem Moment, als sie durch die schweren Eichentüren traten, erstarb der Lärm in der Schankstube schlagartig. Die Wärme des Herdes schlug ihnen entgegen, doch es war die Schwere der Stille, die am meisten drückte. Zora spürte den sofortigen Umschwung in der Atmosphäre. Dutzende Augen – hellblau, grau und haselnussbraun – richteten sich auf sie. In diesem abgelegenen Winkel des Nordens waren Menschen ihres Aussehens so selten wie Gold im Flussbett. Die Blicke waren nicht unbedingt feindselig, aber sie waren intensiv, erfüllt von einer rohen, unverblümten Neugier, die Zora das Gefühl gab, ein Untersuchungsobjekt unter dem Mikroskop zu sein.

„Halt den Kopf hoch, Zora“, murmelte ihr Vater, seine Stimme ein tiefes Grollen der Beruhigung. „Wir sind Gäste und Händler. Wir bringen Wertvolles mit.“

Sie fanden einen abgelegenen Tisch in der Ecke, weit weg von den neugierigen Blicken der Stammgäste. Nachdem sie mehrere Schalen mit dickem Eintopf und Becher mit warmem Bier bestellt hatten, beugte sich Zoras zweitältester Bruder, Kaelen, zu ihr. Kaelen war der Vorsichtige, der Stratege unter den Geschwistern, und sein Gesicht war in diesem Moment von Sorge gezeichnet.

„Hör mir zu“, flüsterte Kaelen und ließ seine Augen durch den Raum schweifen. „Das hier ist nicht wie die Häfen im Süden. Die Männer, die dieses Land beherrschen – die Nordmänner, die Wikinger – die spielen nicht nach den Regeln des Handels, die wir kennen. Sie sind erst Krieger und dann Männer. Ich habe Geschichten über ihre Raubzüge gehört, über ihre Blutgier und ihre absolute Gnadenlosigkeit gegenüber denen, die sie für minderwertig halten.“

Zora verdrehte die Augen, und ein kleines, trotziges Lächeln spielte um ihre Lippen. „Es sind auch nur Männer, Kaelen. Sie essen, schlafen und bluten genau wie jeder andere auch.“

„Genau das ist die Art von Gerede, die Leute umbringt“, zischte Kaelen. „Dein Mund ist schneller als dein Verstand, Zora. An einem Ort wie diesem ist ein falsch gewähltes Wort oder ein trotziger Blick nicht nur ein gesellschaftlicher Fauxpas – es ist eine Provokation. Sei still. Sei unsichtbar. Dir zuliebe.“

Zora wollte gerade erwidern – wahrscheinlich etwas darüber, wie langweilig es sei, „unsichtbar“ zu sein –, doch eine plötzliche Bewegung im Raum hielt sie zurück.

Die schweren Türen schwangen krachend auf und ließen einen Wirbel aus Schnee und einen eisigen Luftzug herein. Eine Gruppe von Männern marschierte herein und beherrschte sofort den Raum. Es waren Riesen von Männern, gekleidet in Pelze und Leder, mit Äxten auf dem Rücken und Narben in den wettergegerbten Gesichtern. Sie strahlten eine urtümliche, einschüchternde Energie aus, die die anderen Gäste in ihre Sitze zurückweichen ließ.

Doch es war der letzte Mann, der den Raum betrat, der Zoras Herz zum Stillstand brachte.

Er war jünger als die anderen, wohl Mitte zwanzig, doch er trat mit einer Autorität auf, die verriet, dass er das Sagen hatte. Er war nicht so massig wie seine Gefährten, aber sehnig und muskulös, seine Bewegungen fließend und raubtierhaft. Sein Haar war von einem blassen, schimmernden Blond, zurückgestrichen von einem Gesicht, das auf unfaire Weise gutaussehend war – scharfe Wangenknochen, eine gerade Nase und Augen in der Farbe eines Wintersturms.

Zora hatte die Gerüchte gehört. Sie wusste, man sagte den Wikingern nach, sie seien grausam, wild und frei von Mitgefühl. Doch als sie ihn anstarrte, wurde ihr mit einem elektrisierenden Schlag klar, dass Grausamkeit atemberaubend schön sein konnte.

Als der Anführer den Raum absuchte, blieb sein Blick an ihrem hängen. Für einen Herzschlag verschwand die Welt um sie herum. Der Lärm im Gasthaus, der Geruch des Eintopfs, die Warnungen ihres Bruders – all das verblasste. In seinem Blick lag eine Intensität, die sich wie eine physische Berührung anfühlte, eine durchdringende Neugier, die ihre eigene widerspiegelte.

Panik stieg in ihrer Brust auf, und Zora sah schnell weg. Sie starrte konzentriert in ihre Eintopfschüssel, während ihr Herz gegen ihre Rippen hämmerte.

„Zora“, warnte ihr Vater, seine Stimme ein scharfer, leiser Verweis. „Zügle deine Neugier. Fordere keine Aufmerksamkeit heraus.“

Zora nickte hastig und ließ den Blick gesenkt, in der Hoffnung, dass er das Interesse verlieren würde, wenn sie ihn ignorierte. Sie redete sich ein, dass sie in der Ecke sicher sei, abgeschirmt von ihrem Vater und ihren Brüdern.


Sie hatte sich getäuscht.

Das schwere Poltern von Stiefeln hallte über den Holzboden, wurde lauter und kam näher. Die Luft schien dichter zu werden, als ein Schatten auf ihren Tisch fiel. Zora musste nicht aufsehen, um zu wissen, wer es war; der Geruch von kaltem Wind und altem Leder ging ihm voraus.

„Ein seltener Anblick in diesen Gegenden“, sprach eine Stimme. Es war ein tiefes, melodisches Reibeisen, das Zora einen Schauer über den Rücken jagte.

Zora sah langsam auf. Der Anführer der Wikinger stand direkt neben ihr, ein leichtes, amüsiertes Lächeln umspielte seine Lippen. Er sah sie nicht zuerst an; stattdessen wandte er sich mit einem Nicken voller formellem, aber dominantem Respekt an ihren Vater.

„Ich bin Bjorn“, verkündete er, und seine Stimme trug durch den still gewordenen Raum. „Anführer dieses Ortes. Ich sehe nicht oft Händler eurer... besonderen Herkunft, die so weit in den Norden reisen. Sagt mir, was verschlägt euch ans Ende der Welt?“

Zoras Vater stand auf und begegnete Bjorns Blick mit festem, unerschütterlichem Ausdruck. „Handel, Lord Bjorn. Wir wollen unsere Reichweite ausbauen und Partnerschaften schließen, die beiden unserer Häuser nutzen.“

Bjorn summte – ein Geräusch von mildem Interesse –, doch dann schweiften seine Augen ab. Er blickte an Zora herab, sein Blick wanderte über ihre geflochtenen Haare und die weite Kleidung, die die Anmut ihrer Haltung nicht verbergen konnte. Das Lächeln auf seinem Gesicht wurde breiter und nahm etwas Raubtierhaftes, Berechnendes an.

Er wandte sich wieder an ihren Vater, sein Tonfall wechselte zu etwas beiläufig Geschäftlichem.

„Eure Waren mögen interessant sein“, sagte Bjorn, während seine Augen zurück zu Zora glitten, „aber ich bin mehr an eurer Begleiterin interessiert. Sagt mir, Händler... was ist der Preis für das Mädchen?“

Die Luft am Tisch wurde eiskalt. Zora spürte einen Schock, der ihr den Atem raubte. Sie sah zu ihrem Vater, die Augen weit aufgerissen, ein kleiner, unfreiwilliger Stotterer entwich ihr: „V-Vater?“

Der Ausdruck ihres Vaters veränderte sich augenblicklich. Der diplomatische Händler verschwand und wurde durch einen Vater ersetzt, dessen Schutzinstinkt eine Mauer aus Granit war. Er trat ein Stück vor Zora, seine Stimme dröhnte mit einer plötzlichen, wilden Autorität, die selbst die Wikinger hinter Bjorn zusammenzucken ließ.

„Meine Tochter ist kein Vieh, mit dem man handelt“, erklärte ihr Vater, und seine Stimme hallte durch das Wirtshaus. „Sie ist kein Vieh und sie steht nicht zum Verkauf. Nicht für alles Gold des Nordens und nicht für alles Land im Süden.“

Die Stille, die darauf folgte, war erstickend. Die Wikingerkrieger bewegten sich, ihre Hände glitten zu den Griffen ihrer Waffen, da sie eine Herausforderung für ihren Anführer witterten. Bjorn jedoch sah nicht wütend aus. Er sah fasziniert aus. Er starrte auf den Trotz des Vaters und richtete seinen Blick dann wieder auf Zora, die ihn mit einer Mischung aus Angst und einem unerwarteten, aufblitzenden Funken von Empörung ansah.

Bjorn stieß ein kurzes, scharfes Lachen aus, ein Ausdruck echter Belustigung. „Geist“, murmelte er, fast zu sich selbst. „Ich mag Geist.“

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Toller Charakter

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Starker Dialog

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