Prolog
Der Wolf, den sie begruben.
In der Nacht, als die königliche Blutlinie zerbrach, weigerte sich der Mond, sich zu verstecken.
Sein silbernes Licht ergoss sich über den Moonridge Palace und erhellte Mauern, die Jahrhunderte von Alpha-Königen gesehen hatten. Wachen rannten mit gezogenen Schwertern durch die Korridore, während Diener sich hinter zitternden Türen einschlossen. Irgendwo tief im Inneren des Palastes hallte das gequälte Heulen eines Wolfs durch die Hallen.
Es war anders als jedes Heulen, das das Königreich je gehört hatte.
Es trug Trauer in sich.
Es trug Wut in sich.
Es trug ein Versprechen in sich.
„Der Rat kommt!“
Die Warnung hallte durch das königliche Kinderzimmer.
Die Moon Keeper stürmte durch die geschnitzten Eichentüren, ihr silbernes Gewand war blutverschmiert. Sie eilte auf die Königin zu, die einen kleinen Jungen fest an ihre Brust drückte. Das Kind konnte nicht älter als sechs Jahre sein. Seine grauen Augen waren vor Verwirrung geweitet, während die Schreie in der Ferne lauter wurden.
„Mutter?“
Die Königin küsste seine Stirn. Ihre Hände zitterten, obwohl sie sich alle Mühe gab, ruhig zu bleiben.
„Hör mir zu, mein kleiner Wolf.“
„Ich verstehe das nicht.“
„Das musst du auch nicht.“
Sie legte ihm einen kleinen silbernen Anhänger um den Hals. Er war mit einer Mondsichel geschnitzt, die sich um die Silhouette eines Wolfs wand.
„Was auch immer heute Nacht geschieht, lass niemals zu, dass dir jemand das wegnimmt.“
Draußen donnerten schwere Schritte.
Die Palasttüren bebten unter den wiederholten Schlägen.
„Der Rat ist eingebrochen!“, schrie jemand.
Die Königin schloss für einen Herzschlag die Augen.
Als sie sie wieder öffnete, waren die Tränen verschwunden.
Nur Entschlossenheit blieb zurück.
Sie kniete vor ihrem Sohn nieder.
„Du bist mutiger, als du ahnst.“
Der kleine Junge runzelte die Stirn.
„Kommt Vater auch?“
Schmerz flackerte über ihr Gesicht.
„Er wird immer bei dir sein.“
Die Moon Keeper trat vor.
„Wir haben keine Zeit mehr.“
Die Königin ließ ihren Sohn nur widerwillig los.
Das Kind klammerte sich an ihr Kleid.
„Ich will nicht gehen.“
„Ich weiß.“
Sie löste sanft seine Finger.
„Aber heute Nacht...“
Ihre Stimme brach.
„...musst du dem Mond vertrauen.“
Die Türen des Kinderzimmers explodierten nach innen.
Bewaffnete Soldaten stürmten in den Raum.
An ihrer Spitze stand ein Mann im Gewand des Königlichen Rates.
Sein Gesicht war unter der Kapuze seines Umhangs verborgen.
„Eure Majestät“, sagte er ruhig, „das Königreich dankt Euch für Euer Opfer.“
Die Königin zog einen silbernen Dolch.
„Ihr werdet ihn niemals bekommen.“
Die Moon Keeper ergriff die Hand des Jungen.
„Lauf!“
Hinter einem riesigen Bücherregal glitt eine versteckte Tür auf.
Das Kind blickte ein letztes Mal zurück.
Seine Mutter lächelte durch ihre Tränen.
„Geh.“
Der Durchgang schloss sich, bevor er sehen konnte, was als Nächstes geschah.
Das Letzte, was er hörte, war das Klirren von Stahl...
...gefolgt von einem herzzerreißenden Heulen, das den Berg selbst erschütterte.
Der Geheimgang wand sich unter dem Palast entlang, was sich wie eine Ewigkeit anfühlte.
Der kleine Prinz stolperte über unebene Steine und bemühte sich, mit der Moon Keeper mitzuhalten.
„Wohin gehen wir?“
„An einen sicheren Ort.“
„Wo ist Mutter?“
Die alte Frau antwortete nicht.
Stattdessen drückte sie seine Hand fester.
Schließlich erreichten sie das Herz des alten Waldes, wo das Mondlicht durch die hoch aufragenden Kiefern fiel.
Zum ersten Mal in dieser Nacht...
War alles still.
Zu still.
Der Junge sah sich nervös um.
„Ich mag es hier nicht.“
Die Moon Keeper kniete vor ihm nieder.
„Du musst dir etwas merken.“
Er nickte.
„Egal, was irgendjemand dir erzählt...“
Sie legte beide Hände auf seine Schultern.
„...der Mond vergisst niemals.“
Bevor er fragen konnte, was sie meinte, hallte ein ohrenbetäubendes Brüllen durch den Wald.
Der Boden bebte.
Die Bäume bogen sich, als ein riesiger goldener Wolf aus der Dunkelheit trat.
Der Junge schnappte nach Luft.
Anstatt anzugreifen, senkte das majestätische Wesen seinen massiven Kopf, bis seine Augen die seinen trafen.
Golden.
Uralt.
Voller Trauer.
Der Wolf beugte sich vor und berührte sanft mit seiner Schnauze die Stirn des Jungen.
Ein warmes Licht blitzte zwischen ihnen auf.
Dann...
Explodierte der Wald.
Dunkle Gestalten tauchten aus jeder Richtung auf.
Pfeile flogen durch die Luft.
Der goldene Wolf drehte sich mit einem wütenden Knurren um, das die Erde erschütterte.
„Geh!“, rief die Moon Keeper.
Das Kind streckte die Hand nach dem Wolf aus.
„Warte!“
Ein blendender Ausbruch goldenen Lichts verschlang die Lichtung.
Als die Helligkeit nachließ...
War der Wolf verschwunden.
Nur Stille blieb zurück.
Der kleine Prinz starrte auf den leeren Platz, an dem das großartige Wesen noch einen Moment zuvor gestanden hatte.
„Er ist weg...“
Die Moon Keeper blickte zum Mond, tiefe Trauer lag auf ihrem Gesicht.
„Nein.“
Sie flüsterte die Worte so leise, dass nur der Wind sie zu hören schien.
„Sie haben ihn begraben.“
Weit entfernt, irgendwo hinter den Bergen, antwortete ein anderer Wolf mit einem einsamen Heulen.
Der Mond hing regungslos über dem Königreich.
Beobachtend.
Wartend.
Sich erinnernd.









I mean, the story sounds really good. But I feel like the summary gave the whole plot away. No need in reading the book cause I know how it ends.