PIGEON: Schatten der Vergangenheit

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Zusammenfassung

Drei Stimmen. Eine Geschichte über Liebe, Verlust und die Schatten, die wir mit uns tragen. Als Aira vor ihrer Vergangenheit flieht, sucht sie Anonymität – nicht ihn. Rafael Santiago ist umwerfend attraktiv, gefährlich beherrscht und ein Mann, von dem man den Blick einfach nicht abwenden kann. Durch den aufgeweckten und scharfsinnigen Miguel in den Dunstkreis seiner Familie gezogen, verstrickt sich Aira in einen Mann, dessen Macht eine Warnung ist und dessen Zärtlichkeit sich wie ein Versprechen anfühlt. Während ihre Welten aufeinanderprallen, wandelt sich ihr Verlangen in etwas Dunkleres. Geheimnisse flüstern zwischen ihren Körpern, Trauma spiegelt sich in Trauma wider, und die Wahrheit, die Rafael verbirgt, könnte alles zerstören. Erzählt aus drei miteinander verwobenen psychologischen Perspektiven, entfaltet dieser Roman eine Geschichte über Trauer, Macht und verbotene Sehnsucht – eine Geschichte, in der Liebe gefährlich nah an die Zerstörung rückt und ein Mann wie Rafael ihre Rettung sein könnte ... oder der Grund, warum sie zerbricht.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
51
Rating
5.0 2 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

CHAPTER ONE -Aira


KAPITEL EINS

Aira

Die kurvige Straße wand sich durch die Bäume wie ein Band, das sich langsam durch meine Erinnerungen abwickelte. Jede Kurve brachte den Geruch von feuchter Erde und regenfrischen Blättern mit sich. Er war intensiv, herb und lebendig. Der Geruch blieb an mir haften und weckte etwas in mir, das ich seit Jahren nicht mehr zugelassen hatte. Er erdete mich auf eine Weise, wie es Trauer manchmal tut. Ruhig. Schwer. Ehrlich.

Das gleichmäßige Hecheln meines Bullterriers hinter mir war ein seltsamer Trost. Es erinnerte mich an zu Hause, obwohl ich gar nicht mehr sicher war, wo „zu Hause“ überhaupt noch existierte. Sein warmer Atem streifte meinen Nacken, rhythmisch und gegenwärtig, als wollte er mir sagen: Du bist nicht allein. Zumindest nicht ganz.

„Wir sind gleich da, Großer“, murmelte ich. Meine Stimme klang in der Stille des Autos fremd, als gehörte sie jemand anderem. Er sah mich nicht an, sondern ließ den Blick aus dem Fenster schweifen. Die Ohren waren aufmerksam gespitzt, und ab und zu zuckte sein Schwanz, während die Bäume an uns vorbeizogen. Vielleicht spürte er es auch – dass sich etwas veränderte. Dass wir kurz vor etwas Neuem standen. Oder vielleicht bildete ich mir das nur ein. In letzter Zeit wusste ich nicht mehr, ob ich da einen Unterschied machen konnte.

Ich wusste eigentlich gar nicht, was mich hierher geführt hatte. Nicht auf die ordentliche, erklärbare Art, die die Leute so gerne hören wollen. Ich konnte es nicht in einem Satz zusammenfassen oder auf einen einzigen Moment der Klarheit zurückführen. Ich wusste nur, dass sich in meinem Leben alles wie ein langsames Ausfransen angefühlt hatte, und irgendwo mitten darin war dieser Ort aufgetaucht. Ariel Peak. Ein Name, der wie aus einem Roman klang. Ein Resort, tief versteckt in einem Küstenwald, eine Welt entfernt von dem Lärm, den ich vergessen wollte.

Ich parkte am Rand eines Kiesplatzes und ließ den Motor noch einen Moment laufen, bevor ich ihn ausschaltete. Die Stille, die darauf folgte, wirkte schwer und erwartungsvoll. Das Herrenhaus vor mir war atemberaubend – weiß und weitläufig, herrschaftlich, ohne kalt zu wirken. Es hätte mich einschüchtern sollen, tat es aber nicht. Nicht wirklich. Stattdessen fühlte es sich an wie eine Atempause zwischen zwei Herzschlägen. Das Apartment gegenüber, ruhiger und schlichter, gehörte mir. Es sah aus wie ein Ort, an dem man endlich wieder durchatmen konnte.

Ich stieg aus dem Auto und sog die Meeresbrise ein. Sie war kühl und sauber und küsste meine Haut wie ein Segen. Ich wollte glauben, dass das etwas zu bedeuten hatte – dass die Luft selbst versuchte, mich wieder bei mir selbst willkommen zu heißen.

Und dann sah ich ihn.

Eine Gestalt trat aus dem Herrenhaus, und ich erstarrte.

Groß. Breite Schultern. Dunkles Haar, das das Sonnenlicht einfing, als wäre es eine Flamme, die man zu lange gehalten hatte. Seine Haut war goldbraun, und seine Bewegungen waren lässig und selbstbewusst auf eine Art, die ich fast vergessen hatte. Er trug ein enges schwarzes T-Shirt und Jeans; eigentlich nichts Besonderes, aber bei ihm wirkte es wie ein Statement. Dann kam er näher, und ich sah seine Augen. Grün. Scharf. Nicht kalt, aber auch nicht warm. Er sah aus wie jemand, der alles wahrnahm, aber nur wenig sagte.

Und dann – sein Lächeln.

Gott. Grübchen. Mein Atem stockte.

„Ich hätte dich jetzt nicht für einen Kampfhund-Fan gehalten“, sagte er, die Stimme voller Belustigung, während sein Blick zu Cassius glitt.

Ich brauchte einen Moment, um mich wieder zu fangen und meinen Kopf aus diesem seltsamen Dunst zu ziehen. Ich sah zu Cassius, der da saß und wedelte, wie der fröhliche Kerl, der er war, und musste leise lachen.

„Ja, lass dich von seinem Aussehen nicht täuschen“, sagte ich. „Er ist ein absoluter Tollpatsch.“

Der Mann – Miguel – lächelte und drückte mir einen Schlüsselbund in die Hand.

„Na dann, legen wir mal los.“

Es war so beiläufig, so einfach, und doch fühlte es sich an, als würde ich in mehr als nur ein Apartment treten.

Als wir zur Tür gingen, fügte er hinzu: „Deine Sachen sind gestern angekommen. Ich habe das Personal gebeten, das meiste schon aufzubauen. Die Kartons mit der Aufschrift ‚Kleidung‘ und ‚Persönliches‘ habe ich für dich stehen lassen.“

Ich nickte dankbar. Ich wollte nicht, dass Fremde die Bruchstücke meiner selbst berührten, die ich selbst noch nicht sortiert hatte.

Das Apartment öffnete sich wie ein tiefes Aufatmen. Sonnenlicht fiel durch die großen Fenster und tauchte den Wohnraum in sanftes Gold. Weiße Sofas, Glastüren, eine Terrasse im Schatten eines Baumes, der so alt war, dass er bestimmt Geschichten erzählen konnte. Die Küche war unberührt – glatt, minimalistisch, fast zu perfekt. Als hätte hier noch niemand gewohnt. Als wüsste niemand, wie man das anstellt.

„Das Zimmer da ist deins“, sagte Miguel und zeigte auf eine Tür neben dem Wohnbereich. „Ich bin oben.“

Das Schlafzimmer überraschte mich. Es war riesig – auf eine leise, luxuriöse Weise, die nicht protzig wirkte. Mein Bett wirkte in dem Raum fast verloren. In der hinteren Ecke wartete ein Schminktisch, elegant und beeindruckend. Zur Seite führten Schiebetüren in ein Badezimmer wie aus einem Hochglanzmagazin: eine freistehende Badewanne, Marmor, Licht, das wie etwas Heiliges hineinfiel.

Trotzdem sah ich mich um, als ob etwas fehlen würde.

Miguel bemerkte es. „Sie sind im Schrank“, sagte er.

Ich folgte seinem Blick zu einer leeren Wand mit einem Gemälde. Bevor ich fragen konnte, trat er vor und drückte sanft dagegen – es schwang auf und gab einen begehbaren Kleiderschrank frei, der jemand anderem gehören könnte. Jemandem, der ganz war.

„Sieht so aus, als bräuchte ich mehr Kleidung“, murmelte ich halbherzig.

Er lachte. Ich nicht. Nicht wirklich.

Cassius stürmte in diesem Moment herein und drehte aufgeregte Runden auf dem Boden wie ein Kind, das zum ersten Mal Schnee sieht. Ich lächelte, diesmal echt, einfach so.

„Tollpatsch, was?“, grinste Miguel.

Ich zuckte amüsiert mit den Schultern. Wir gingen zurück ins Wohnzimmer, und ich bemerkte den Flachbildfernseher an der Wand – so perfekt platziert, dass es fast wie Bühnendekoration wirkte.

„Ich habe noch ein paar Erledigungen zu machen“, sagte Miguel mit den Schlüsseln in der Hand. „Ich bin in ein paar Stunden zurück. Soll ich dir später alles zeigen?“

Ich zögerte.

Ich war nicht hierhergekommen, um Leute kennenzulernen. Ich suchte keine Kontakte oder Gesellschaft. Ich wollte verschwinden – leise, vorsichtig. Aber das hier … das war keine Verpflichtung. Nur ein Spaziergang. Nur ein Wegweiser.

Ich nickte.

Er lächelte wieder – mit etwas Neugierigem im Blick – und ging.

Sobald die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, trat ich nach draußen. Auf die Terrasse. In die Luft.

Der Duft von Salz hing schwer in der Luft, und die Brise flüsterte über meine Haut. Ich lehnte mich gegen das Geländer und sah hinaus.

Rechts, zwischen den Bäumen, entdeckte ich ein elegantes Restaurant. Musik drang herauf, leise und weit weg. Die Art von Musik, die in Träumen läuft, an die man sich nur noch halb erinnert.

Aber es war der Ozean, der mich in den Bann zog.

Er erstreckte sich hinter der Baumlinie, ein endloser Spiegel unter einem Himmel, der so weit war, dass es in meiner Brust schmerzte. Die Sonne tanzte auf der Oberfläche, sanft und beständig.

Und dort, zum ersten Mal seit gefühlten Ewigkeiten, wurde es in mir still.

Ein Funken Frieden. Echt, wenn auch nur für einen Moment.

Vielleicht war das alles, was ich brauchte, um anzufangen.

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Gutes Schreiben

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Toller Charakter

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Starker Dialog

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