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Alice: Das Leben eines Straßenköters

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Zusammenfassung

In einer Gesellschaft, in der Menschenleben einen Preis haben und die Schwächsten als Ware betrachtet werden, treffen Alice und Tino aufeinander. Während Alice einer schwer verletzten Freundin zu Hilfe eilt, begegnet sie einem jungen Geschäftsmann, der ihr unerwartet seine Unterstützung anbietet. Doch hinter ihren Fassaden verbergen beide Geheimnisse. Jeder von ihnen kämpft auf seine Weise gegen ein System, das von Ausbeutung, Korruption und menschlichem Leid lebt. Je enger sich ihre Wege miteinander verweben, desto schwieriger wird es, Wahrheit und Täuschung voneinander zu trennen. Zwischen Gefahr, Vertrauen und verborgenen Identitäten wächst eine Verbindung, die ihr Leben für immer verändern könnte nachhaltig.

Genre:
Scifi
Autor:
Christiane
Status:
In Arbeit
Kapitel:
1
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1 - So heiß wie Schnee

Schnee … vom Himmel hinabfallend … rot!

Wie der Himmel über ihm, aus dem die Flocken in ihrem Tanz zur Erde starteten.

Warm … so verdammt heiß, dass er dachte zu sterben, während eine Träne an seinen Wimpern zu Eis gefror.

Etwas war falsch daran! So falsch!

Er wusste es!

Schnee war nicht rot! Schnee war weiß!

Er konnte nicht sagen, woher er es wusste, aber er wusste es.

Ebenso, dass es im Schnee kalt war, nicht glühend heiß.

Alles schien durcheinander. Verdreht. Seine ganze Welt. Sein Kopf … durcheinandergebracht. Wirr und schmerzend. Er drohte zu zerspringen.

Dann war da die Leere. Seine leere Welt, die hier in dem roten Schnee begann und endete.

꧁ ━━━━━━━━━━━━━❖━━━━━━━━━━━━━ ꧂

Irgendwann riss ihn die Kälte aus dem Nichts.

Sie kroch in seine Hände, wanderte bis in die Fingerspitzen und entlud sich in demselben stechenden Schmerz, der auch in seine Nase biss. Seine nackten Füße waren rot verfärbt, ein brennendes Pochen drückte gegen seine Sohlen.

War er wirklich gelaufen?

Wie lange?

Was war dann passiert?

꧁ ━━━━━━━━━━━━━❖━━━━━━━━━━━━━ ꧂

Als er das nächste Mal die Augen öffnete, biss nicht die Kälte in seine Haut, sondern eine glühende Hitze.

Seine Welt … erst in feuriges Rot getaucht, dann von einem Weiß erfüllt, hatte ihn in die Schwärze der Ohnmacht gezogen … um dann in einem tristen Grau zu verblassen.

Von den gestrichenen Wänden hin zu dem gekachelten Boden und der sterilen Deckenverkleidung. Beinah alle Schränke und Dinge im Raum waren in einer Mischung aus einem schmutzigen Weiß ins Gräuliche gehend.

Dann Stimmen.

Sie schienen zu wissen, dass er unverletzt war. Als Unterkühlung hatten sie es bezeichnet und sich vergewissert, dass er keine Erfrierungen davongetragen hatte. Aus irgendeinem Grund legten sie gerade darauf großen Wert.

Dennoch mahnte eine strenge Stimme, wollten sie ihn verwenden, mussten sie seine Körpertemperatur schnellstens nach oben bringen.

… er verstand nicht.

Sein Kopf … er dröhnte unerträglich.

Er wollte sich an die Stirn fassen, doch sein Arm gehorchte ihm nicht. Etwas hielt ihn zurück. Auch aufrichten konnte er sich nicht.

Es bedurfte einer Weile, bis er sich der Riemen bewusst wurde, mit denen er an Armen und Beinen am Bett fixiert war.

Auf acht oder neun Jahre hatte ihn einer der Männer geschätzt.

Geradezu perfekt, wo doch gerade heute eine Anfrage für das Alter hereinbekommen hatten, fanden sie den idealen Kandidaten einfach so vor den Toren ihrer Einrichtung liegend vor.

Als hätte ihnen jemand ein Geschenk vor die Tür gelegt, bei dem sie nur noch zugreifen mussten.

Und das wollte keiner von ihnen hinterfragen.

꧁ ━━━━━━━━━━━━━❖━━━━━━━━━━━━━ ꧂

All das lag Stunden zurück. Nahm er zumindest an, aber er vermochte es nicht einzuschätzen.

Lediglich, dass der Schmerz abklang und sein Kopf klarer wurde.

Die Kälte war zurückgewichen. Sein Herz donnerte in Angst vor dem, was diese Menschen mit ihm vorhatten.

Waren es Ärzte? Sie trugen Kittel, also mussten es Ärzte sein. Aber wieso kam es ihm nicht vor, als wollten sie ihm helfen?

Sein Blick ging zur Tür, durch die sie gingen.

Der Ausgang war so nah. Könnte er nur aufstehen und hinaus gehen.

Wieder wurde er sich bewusst, dass ihn Gurte zurückhielten.

Seine Augen brannten vom Weinen.

Heulsuse! Hat dein Vater nicht gesagt, dass Männer nicht weinen?

Die höhnende Stimme kam nicht von außen, sondern aus seinem Inneren. Direkt aus seinem Kopf.

Mit ihr kehrte der Schmerz zurück.

Die Welt um ihn herum verschwamm und drohte ihn erneut ins Dunkel zu zerren.

꧁ ━━━━━━━━━━━━━❖━━━━━━━━━━━━━ ꧂

„Ha-Hallo!“

Die Stimme kam dieses Mal nicht aus seinem Kopf. Auch war es nicht die Stimme eines der Ärzte. Sie wirkte zögernd und so leise, dass er sie zuerst für Einbildung hielt.

Vielleicht war sie das auch.

Denn als er zur Tür sah, war dort niemand.

Dabei meinte er, sie von dort gehört zu haben.

Bis er etwas entdeckte, das die erste wohlwollende Farbe in seinem Leben war.

Ein Blick, scheu und verängstigt angesichts der sterilen Umgebung, in der sie sich befanden. Aus so unergründlichen und eindrucksvollen grünen Augen, dass die Erinnerung an diesen einen Moment ihn noch Jahre danach begleiten würde.

Sie gehörten zu einem Puppengesicht, das von dunklen Locken umrahmt wurde.

Ihr Blick tastete sich von seinem Gesicht zu den Lederriemen.

„Wer bist du? Wo sind deine Eltern? Wieso bist du hier?“

Wenn er das nur beantworten könnte. Doch sein Kopf war leer.

Gleichzeitig wusste er Dinge. Konnte jedes chirurgische Instrument und jede Maschine in diesem Raum benennen. Wusste um deren Funktion, was ihn verängstigte.

Was ihn selbst betraf, konnte er nicht einmal einen Namen nennen.

Und das stimmte ihn nicht nur traurig. Er wurde von einer Verzweiflung fast erdrückt.

Seine Erinnerung bestand nur aus diesem sterilen Raum, als wäre er einfach aus der Luft in diesen Alptraum geplumpst.

„Ich weiß nicht“, flüsterte er ehrlich.

Tränen stiegen in seine Augen.

꧁ ━━━━━━━━━━━━━❖━━━━━━━━━━━━━ ꧂

Jetzt heult er wieder!, sprach die garstige Stimme in seinem Kopf. Sieh dich an! Sie wird dich auslachen!

War das wirklich seine innere Stimme?

„Meine Eltern sind auch nicht mehr da“, sprach das Mädchen mit schwerem Kummer in der Stimme. „Aber mein Onkel ist hier! Und ich habe ihn lieb! Wie ist das bei dir?“

Besaß er eine Familie? Menschen, die ihn liebten und sich um ihn sorgten.

Familie, ein gesellschaftliches Konstrukt, das den Fortbestand der Menschen durch Nachwusch sichert.

Haben wir Mutter und Vater? Sicher! Aber frag mich nicht danach!

Wenn es ihm möglich wäre, er hätte die Hand an die Stirn gelegt und versucht die Stimme aus seinem Kopf zu verdrängen.

„Was ist mit dir?“, erkundigte sich das Mädchen.

Er schätzte sein Gegenüber auf 5 Jahre ein. Jünger als er selbst.

Ihr weißes Kleid wirkte schlicht, doch der feine Stoff verriet die Handwerkskunst eines teuren Schneiders.

Vorsichtig trat sie näher an das Bett heran. Mit zitternden Fingern betastete sie die Fesseln, wich dann aber erschrocken zurück, als sein Arm plötzlich nach oben zuckte. Er hatte gehofft, sich losreißen zu können.

Vergeblich.

„Verdammte Dinger!“, stieß er aus. Blanke Verzweiflung peitschte seine Stimme hoch.

Sollte er irgendwo Eltern haben, so wünschte er sich in diesem Moment zu ihnen. In tröstende Arme, die ihn aufnahmen und beschützten.

Weit weg von dem Grauen durch die Kittelträger.

Erneut legten sich kleine Hände auf das raue Leder seiner Fesseln. Dieses Mal im Willen, sie zu öffnen und ihn damit freizulassen. Ihm zu helfen.

Zum ersten Mal, seit er hier erwachte, verspürte er Hoffnung.

Sein Herz tat einen gewaltigen Satz, das Metall klickte und die erste Schnalle aufsprang. Sein Arm war frei!

Das Mädchen stieß einen glucksenden Laut der Freude aus – der im nächsten Bruchteil einer Sekunde brutal erstickt wurde. Eine große Hand schoss aus dem Nichts heran und riss das Kind grob zurück.

„Was machst du da, dummes Stück?“, donnerte die wütende Stimme eines Mannes über beide hinweg.

Der Junge wusste, dass ihm keine Zeit blieb.

Nur ein Gedanke beherrschte ihn.

Weg! Er wollte weg von hier! Von diesem Ort fliehen und der Gewalt der Ärzte entkommen. Diesen Wunsch teilte er mit seiner inneren Stimme.

Seine innere Stimme raunte kalt, er solle das Mädchen als Ablenkung nutzen, doch er weigerte sich. Er würde nicht ohne sie gehen.

Aber dafür musste er sich zuerst komplett befreien.

Hastig griff seine freie Hand nach dem Riemen des linken Arms. Seine zitternden Finger zogen an der Lasche und tatsächlich löste sich der Riemen um seine andere Hand.

Als er sich den Fesseln an seinen Beinen zuwenden wollte, ertönte ein metallenes Scheppern, das durch den ganzen Raum hallte.

Der Junge sah zur Seite, wo der Mann das kleine Mädchen gegen einen der Schränke gestoßen hatte.

Dabei war eine Spritze heruntergefallen, die dem Arzt nun vor die Füße rollte, wo er sie aufhob.

Er hatte das Etikett lesen können.

Auch wenn er nicht wusste, woher er es kannte, so wusste er instinktiv um ihre Verwendung und blanke Panik schnürte ihm die Kehle zu. Denn es würde nichts anderes machen, als seine Muskeln zu paralysieren.

An seinen Fingerspitzen konnte er schon den nächsten Riemen spüren, da stach eine Nadel in seine Schulter. Den nächsten Stich setzte der Arzt am Oberarm an.

Kaum war die Spritze an die andere Seite des Raumes geworfen, hatte der Mann ihn mit roher Gewalt im Bett zurück in die Matratze gedrückt.

Der Junge kniff vor Schmerz die Augen zusammen.

Als er diese wieder öffnete, verengte sich seine Brust und nahm ihm jede Freiheit.

Der Arzt hatte blitzschnell einen weiteren Riemen genutzt, um ihn über den Oberkörper am Bett zu fixieren.

Er sah mit geweiteten Augen zu dem Mann auf, der seinen Arm erhoben hielt.

Der Junge wusste nicht zu sagen, wo der Arzt die nächste Spritze hergeholt hatte, da verabreichte er dieser das Mittel auch dort in den Hauptmuskel.

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