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Der letzte Jahrgang

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Zusammenfassung

Rabenhein versagt nie. Zumindest behauptet das Herr Troll, der Direktor eines Internats, in dem aus schwierigen Jugendlichen vorbildliche Mitglieder der Gesellschaft werden sollen. Levin Winkler hat allerdings nicht vor, sich umerziehen zu lassen. Er will seinen Schulabschluss machen, seine Freiheit zurückbekommen und diesem verfluchten Internat zeigen, dass nicht jeder Mensch gebrochen werden kann. Doch dann begegnet er Samuel. Der schlagfertige Junge kennt Rabenheins dunkelste Geheimnisse. Er gehört zu den Vergessenen – Schülern, deren Gesichter auf alten Klassenfotos durchgestrichen wurden und die offiziell nicht mehr existieren. Während Levin gegen die Regeln rebelliert, kämpft Samuel darum, überhaupt unentdeckt zu bleiben. Denn wer als Vergessener von den Lehrern entdeckt wird, verschwindet endgültig. Zwischen Trotz, Angst und einer unerwarteten Nähe müssen die beiden entscheiden, wie weit sie für ihre Freiheit gehen wollen. Denn in Rabenhein bekommt jeder seinen Abschluss. Oder wird vergessen.

Status:
vor 14 Stunden
Kapitel:
2
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

Kapitel 1 - Willkommen in Rabenhein

„Wir wissen beide, dass wir keine andere Möglichkeit hatten. Schließlich hilft es keinen von uns, wenn du dein Leben gänzlich gegen die Wand fährst. Aber diese Schule wird dir dabei helfen wieder auf die richtige Bahn zu kommen.“ Der Wagen rollte über den Kies durch das große Metallgitter und auf das Internat aus roten Backsteinen zu.

Der Junge lauschte den Worten seines Vaters und sah aus dem Fenster. Was soll ich dazu schon sagen? Es ist doch egal. Er glaubt mir sowieso nicht.

Schließlich hielt der Wagen auf dem Parkplatz vor dem Eingang und die beiden stiegen aus. Levin strich sich durch seinen schwarzen Irokesen, den er nicht aufgestellt hatte, doch tun würde, sobald sein Vater ihm auch nur eine Sekunde den Rücken zudrehte.

Er holte seinen Koffer und Rucksack aus dem Kofferraum und folgte seinem Vater, der in seinem perfektsitzenden Anzug schon auf die Eingangstür zuhielt. Er selbst trug gerade noch eine zerschlissene Jeans mit einem Nietengürtel, ein Shirt und eine Kapuzenjacke.

„Trödel nicht! Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!“, rief sein Vater nach ihm, sodass Levin nur die Augen rollte. Du vielleicht nicht. Ich schon. Wenn es nach mir ging, würde ich da gar nicht reingehen.

Er folgte ihm durch die schwere Holztür und als hätte er nur dahinter gewartet, kam ihnen schon der Schuldirektor mit hinter dem Rücken verschränkten Armen entgegen. „Schön, dass Sie es geschafft haben. Kommen Sie herein. Mein Name ist Herr Troll und ich bin der Rektor dieser Schule. Ich werde Sie erst einmal ein wenig herumführen und Ihnen das Zimmer zeigen. Danach können wir alle weiteren Formalitäten klären.“

Levin wurde nicht einmal angeschaut, sodass er sich auch jede Begrüßung verkniff und den beiden folgte. Seinen Koffer zog er auf Rollen hinter sich her und begutachtete das Innenleben der Schule, die sich mit beigen Fliesen und dunklen Holzakzenten auszeichnete. Er sah sogar sein gelangweiltes Spiegelbild im Boden. Die Wände waren mit Rauputz überzogen. Kein Schüler begegnete ihnen und die Stille, die nur von ihren Schritten und den Gesprächen der beiden Männer durchbrochen wurde, umhüllte Levin Stück für Stück.

Wo sind die alle? Nicht etwa im Unterricht. Es ist fast fünf Uhr!

„Die Unterrichtsräume sind alle im ersten Stock. Dieser Gang führt zu den Zimmern. Zwei Jungs teilen sich immer eines. Die Cafeteria und die Bibliothek sind in diese Richtung. Der Sportplatz ist hinten raus.“ Levin verzog die Lippen, als er nichts von einem Spielraum hörte. Dann bleibt mir wohl nur mein Handy.

Er zog es heraus und überprüfte die Nachrichten, doch bevor er es entsperren konnte, entriss der Direktor es ihm. „Keine Handys. Kein Fernsehen. Keine sinnlosen Videospiele. Nur Bücher und Sport. Mehr braucht der Geist und Körper nicht. Du bekommst es einmal in der Woche für eine Stunde. Da kannst du Kontakt zu deinen Eltern oder zu wem auch immer aufnehmen.“

Levin beobachtete mit Entsetzen wie sein kleines Schwarzes in der Brusttasche des Rektors verschwand und für ihn außer Reichweite war. Hitze stieg seinen Hals entlang und er umklammerte den Griff seines Koffers stärker, bevor er seine Kiefer aufeinanderpresste. „Geben Sie es mir sofort zurück!“

„Levin, du weißt selbst, dass wir uns an Regeln halten und es wird dir gut tun, wenn du endlich mal wieder einen Weg zurück in die Wirklichkeit findest.“ Natürlich bist du dafür! Du bist nie auf meiner Seite! Immer nur auf der von den anderen! Nie stehst du zu mir! Verpiss dich endlich! Dann muss ich mich nicht mehr weiter von dir erdolchen lassen!

„Keine Sorge, Herr Winkler. Bis jetzt hat sich jeder Junge bei uns eingefügt und das wird Levin bestimmt auch. Wir haben da unsere Wege und Mittel.“ Herr Troll lächelte und lief weiter den Flur entlang, an dessen Wand verschiedene Vitrinen standen und auch eine ganze Fotowand mit den aktuellen Klassenfotos. In Levins Jahrgang ist einer davon rot durchgestrichen, sodass er stockte. Es wirkte nicht zornig, sondern ein einfaches Kreuz als hätte man etwas korrigieren müssen.

Ein Schauer erfasste Levin bei dem Anblick des blonden Jungen, der einen Sidecut hatte und ein künstliches Lächeln auf den Lippen trug, wie so viele auf diesen Fotos. Lächeln für die Kamera. Zum Kotzen. Ich glaube, ich werde am Fototag krank sein.

Er schnaubte und wandte sich von diesen gestellten Abbildungen ab, die eines wie das andere aussah, nur mit verschiedenen Puppen. Widerlich. Einfach ein Foto machen und fertig, ohne dass es derjenige weiß. Das sind und bleiben einfach die Besten.

„Das Gelände darf nur nach Genehmigung verlassen werden. Wir haben feste Essenszeiten, zu denen sich die Schüler in den Speiseraum begeben. Sie haben dafür eine Stunde Zeit. Das hat sich bis jetzt als genug herausgestellt. Es gibt Zeiten für Sport und Zeiten fürs Lernen. Er wird sein Handy gar nicht vermissen, weil er immer beschäftigt sein wird. Dafür werden wir sorgen.“ Das Lächeln auf Herrn Trolls Lippen gefiel Levin nicht. Es erreichte die dunklen Augen nicht. Seine dunkelbraunen Locken umrahmten das dürre Gesicht, das zum Rest des eher insektenartigen Körpers passte.

„Das klingt fantastisch. Levin hat gänzlich die Kontrolle über sein Leben verloren. Er braucht endlich wieder Struktur und Disziplin. Auf meine Frau und mich hört er leider nicht. Aber ich bin mir sicher, dass Sie mit ihm fertig werden. Ich habe nur gutes über diese Schule gehört.“ Levin blickte vorsichtshalber auf den Boden, doch er konnte keine Schleimspur entdecken, die sich hinter seinem Vater entlang zog und auf der er ausrutschen könnte.

„Ja, wir haben bisher jeden wieder hingekriegt. Jeder Junge, der diese Schule verließ, ist ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft geworden, das sich an Regeln hält und vor allem sein Bestes gibt, um ihr zu Diensten zu sein.“ Die Worte wandelten sich in Levins Gehör zu Säure und legten sich brennend auf seine Gedanken. Na, ob ich da nicht zu deiner Nemesis werde. Das kannst du deiner Mutter erzählen, dass du jeden wandelst. Träum weiter. Ich werde mich nicht von dir brechen lassen.

Schließlich waren sie am Ende des Gangs angekommen, der sich in zwei Richtungen spaltete und die Türen der Schülerzimmer zeigte. Herr Troll ging nach links zu einer, die er schließlich öffnete. „Das wird dein Zimmer für deine Zeit hier sein. Richte dich ein und ich bespreche den noch offenen Bürokram mit deinem Vater. Wir werden dich abholen, wenn wir fertig sind. Du wirst das Zimmer nicht alleine verlassen. Verstanden?“

Man wartete nicht auf die Antwort, sondern schloss die Tür, kaum dass Levin über die Türschwelle getreten war. Er hörte, wie der Schlüssel im Schloss umgedreht wurde.

Ja, so kann man die Regeln natürlich auch durchsetzen. Aber ein Schloss hat mich noch nie aufgehalten. Ihr werdet mich nicht brechen.

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Überzeugende Handlung

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Toller Charakter

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