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Chrysalis - Das Amulett

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Zusammenfassung

Chrysalis ist angehende Heilerin an der Magierschule. Sie wird von ihrem Lehrmeister in die Königsstadt Taboron entsandt, um dort nach dem Verbleib seines Spions am königlichen Hof zu forschen. Sie reist dorthin in Begleitung des verarmten Händlersohns Dorran, der sie bei ihren Nachforschungen ortskundig unterstützt. Zur Tarnung soll Chrysalis für den Hofmagier und königlichen Leibarzt arbeiten. In dessen Pensionszimmer entdeckt sie eine verstümmelte Leiche. Chrysalis wird des Mordes bezichtigt. Die Unterkunft des Informanten ist komplett verwüstet. Vom Bewohner fehlt jede Spur. Ein schier undurchdringliches Netz von Intrigen hindert Chrysalis nicht daran, die Übeltäter zu entlarven. Deren dunkle Machenschaften bringen nicht nur Chrysalis und ihre Freunde in Gefahr, sondern drohen das Königreich ins Chaos zu stürzen ...

Status:
In Arbeit
Kapitel:
20
Rating
5.0 1 Bewertung
Altersfreigabe
18+

Albtraum

27. Tag im Wandelmond

An der Magierschule


Neumond. Eine weitere Nacht des Schreckens war heraufgezogen, windstill und stockfinster. Chrysalis lag unter einer rauen Wolldecke auf ihrem Lager. Sie fühlte eine bleierne Müdigkeit, konnte aber nicht schlafen. Nebenan schnarchte leise Vater. Mutter warf sich im Schlaf herum und stöhnte.
Zuerst verstummten das Kratzen der Holzwürmer in den Brettern neben ihrem Kopf und das Rascheln der Mäuse im Stroh ihrer Bettstatt. Dann hörte sie das Schnaufen und Wiederkäuen der beiden Kühe im Stall nicht mehr. Totenstille. Alle Bewohner, selbst die Hunde, Katzen, Kühe, Schweine und andere Haustiere waren in einen magischen Schlummer gesunken.
Mit vor Angst geweiteten Augen starrte Chrysalis in die undurchdringliche Dunkelheit. Ja, es war wieder eine Nacht des Schreckens.
Ein halbes Dutzend in dunkle Umhänge gehüllte Gestalten stolzierte durch das Dorf.
Kalter Schweiß sammelte sich auf Chrysalis’ Stirn.
An einer windschiefen Kate machte die Gruppe halt und stellte sich in losem Kreis um die ärmliche Behausung. Einer trat vor und schob die Türe auf, deren verrostete Angeln in der unnatürlichen Stille knarrten. Er schlug seine Kapuze zurück, seine kalten Augen glitzerten grünlich im Sternenlicht. Er betrat die Kate und stellte sich mit erhobenen Armen neben die Bettstatt, in der der Bauer mit seiner Frau lag.
Chrysalis wagte kaum noch zu atmen.
Der Eindringling murmelte dunkle Worte in einer fast vergessenen Sprache, und der Leib des Bauern wurde von einem schwachen grüngelben Schimmer umhüllt. Das Leuchten verdichtete sich zu einem wabernden Band, das der Magier aufnahm und mit den Händen zu einer Kugel formte. Aus den Falten seines Umhangs zog er eine Flasche aus schwarzem Glas, entkorkte sie und schob die leuchtende Kugel hinein. Als er den Verschluss wieder aufsetzte, entfuhr dem Bauern ein tiefer Seufzer, der in ein Wimmern überging. Dann erschlaffte sein Körper und er sank in den todesähnlichen Schlaf der totalen Erschöpfung.
Chrysalis krallte ihre Finger in ihre zerschlissene Decke. Eisige Tränen liefen über ihre Wangen.
Der Magier verließ die Kate wieder und suchte mit seinen Begleitern nach einem neuen Opfer. In dieser Nacht füllten sie noch ein Dutzend Flaschen.
Chrysalis biss in ihre Decke und wimmerte leise vor sich hin.
Pünktlich zum nächsten Neumond fiel ein anderes Dorf in den unnatürlichen Schlaf.
Und Chrysalis wartete in Todesfurcht darauf, dass die Eindringlinge einmal die Türe zu ihrer Kate öffneten und sie entdeckt werden würde.

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