Kapitel 1
Ein schweres Gewicht drückte auf ihre Brust. Sie rang nach Luft, doch ihre Lungen füllten sich nicht. Charlottes langes, dunkelbraunes Haar war mit Schlamm und Schweiß verklebt und klebte ihr im Gesicht. Der Boden unter ihr war hart. Der Mann, von dem sie dachte, dass sie ihn liebte, presste sie tiefer in den Dreck. „Charlotte, du hast mich zu lange warten lassen. Sei ein braves Mädchen und halt still“, lallte Jerome. Der Geruch von Alkohol wehte Charlotte direkt ins Gesicht.
Sie versuchte, den Kopf wegzudrehen, aber er verbiss seine Zähne in ihren Hals. Charlotte schrie auf und zuckte vor Schmerz zusammen. Ein Lächeln erschien auf Jeromes Gesicht. Sein Penis spannte sich in Richtung Charlotte. Er hielt beide ihre Hände mit nur einer Hand über ihrem Kopf fest. Seine andere Hand glitt zu ihrer zierlichen Taille und riss an ihrem Kleid. Tränen liefen über Charlottes Gesicht. Sie brachte es nicht über sich, einzuatmen, geschweige denn ein Wort zu sagen. Sie gab auf, schloss die Augen fest und hoffte nur noch, dass diese Qual endete.
Sie war seit drei Monaten mit Jerome zusammen. Er hatte sie bisher nie geküsst, geschweige denn angefasst. Er hatte angerufen und sie gebeten, ihn von einem Club abzuholen. Sie war mit Freunden unterwegs gewesen, war aber sofort losgefahren, als er sie rief. Da er ihr allererster Freund war, war Charlotte total verknallt. Besonders seine höfliche Art hatte es ihr angetan.
Plötzlich gab es einen dumpfen Schlag. Charlotte riss die Augen weit auf, musste sie aber wegen der gleißenden Sonne direkt wieder zusammenkneifen. Jerome sprang sofort auf. Der plötzliche Szenenwechsel versetzte ihn in Panik. Eben noch waren sie nachts in einer Gasse gewesen, jetzt standen sie in der Morgensonne im Wald. Er richtete seinen mörderischen Blick auf Charlotte. „Was hast du getan? Wo zum Teufel sind wir, du blöde Schlampe?“
Da sie nicht mehr festgehalten wurde, setzte Charlottes Überlebensinstinkt ein. Sie rollte sich auf den Bauch, rappelte sich hoch und rannte los. Sie trug keine Schuhe. Die Steine und der harte Boden schnitten in ihre Füße. Sie hörte Jerome hinter sich brüllen, während er die Verfolgung aufnahm. Sie näherte sich einem Bach. Äste ritzten ihre Arme und Beine auf. Da sie keinen anderen Ausweg sah, lief Charlotte ohne Zögern weiter. Das flache Wasser war kalt an ihren Füßen. Bevor sie drei Schritte machen konnte, rutschte sie auf einem veralgten Stein aus und fiel vorwärts in den Bach. Noch ehe sie sich aufrappeln konnte, packte eine Hand ihr Haar und riss sie aus dem Wasser. Ein lauter Schrei entwich ihren Lippen. Sie versuchte verzweifelt, die Hand aus ihren Haaren zu zerren, aber ohne Erfolg.
Derik hatte so einen Anblick noch nie gesehen. Eine winzige, schmutzige und verletzte Frau wurde gerade an den Haaren hochgezogen und ans Ufer des Baches geworfen. Ein schmächtiger Mann, der sie gerade mühelos weggeschleudert hatte, pirschte sich an sie heran. Er schien die Absicht zu haben, sie zu... paaren... zu töten... Derik war sich unsicher. Die hübsche kleine Frau war zu Tode erschrocken und bettelte um ihr Leben. Eigentlich hatte Derik kein Recht, so einer Schönheit zu helfen, sie anzusehen oder gar mit ihr zu sprechen. Doch wenn er nicht eingriff, würde sie sterben. Und sein Clan war gierig nach jeder weiteren Frau.
Jerome wollte gerade nach Charlotte greifen, die sich am Ufer voller Angst so weit wie möglich zurückzog. Da tauchte ein riesiger Mann hinter Jerome auf. Er packte seinen Kopf mit beiden Händen und drehte ihn zur Seite, bis das Genick brach. Jeromes Körper sackte leblos zusammen, bevor der Mann ihn gegen einen nahen Baum schleuderte. Der zugerichtete, leblose Körper von Jerome blieb reglos am Boden liegen. Derik wusste, dass etwas nicht stimmte. Er hatte den Mann definitiv getötet, aber sein Körper behielt die menschliche Form bei. Darüber musste er auf jeden Fall mit Johnston sprechen.