Prolog
Das Ticken der Uhr in diesem leeren Raum machte mich völlig wahnsinnig. Auf meiner Haut bildete sich eine Gänsehaut. Die Klimaanlage war viel zu kalt eingestellt und ich zitterte am ganzen Körper. „Unangenehm“ war gar kein Ausdruck. Ein Top, ein kurzer Rock, Netzstrumpfhosen und High Heels sind nicht gerade die bequemste Kleidung. Aber etwas anderes kannte ich nicht.
Ich saß schon eine Ewigkeit in diesem faden, langweiligen Raum ohne Fenster. Es gab nicht einmal diese Glasscheibe, die man immer in Krimis sieht. Das hier war der Raum für Zeugen. Oder der Ort, an dem sie Leuten die Scheiße aus dem Leib prügeln. Wahrscheinlich ging beides.
Ich hatte Detective Wellington vor zwei Jahren im „The Royal“ kennengelernt. Das ist der Stripclub, in dem ich seit zehn Jahren arbeitete. Er tauchte dort damals als Stammgast auf.
Kurt freundete sich mit mir an. Schließlich schaffte er es in den VIP-Status. Damit hatte er Zugang zu den Hinterzimmern. Dort passierte alles: illegales Glücksspiel, Drogen, Sex und Menschenhandel.
Vor etwa einem Monat sprach Kurt mich außerhalb der Arbeit an, in einem Supermarkt. Ich dachte erst, wir wären uns zufällig begegnet. Aber dort beim Eierregal machte er mir ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte.
Die Tür ging auf und unterbrach meine Gedanken. Ich atmete tief durch. Kurt kam herein, zusammen mit einem anderen Herrn. Sie gaben mir eine Tasse Kaffee und setzten sich mir gegenüber an den Tisch. Die Wärme der Tasse tat meinen kalten Händen gut.
„Sind Sie sicher, dass Sie bereit dafür sind?“, fragte Kurt. Ich konnte nur nicken. Kurt schob mir ein Dokument über den Tisch zu. Meine Hand zitterte, als ich die Zeugenaussage nahm und sie durchlas. Ich war zufrieden, es standen alle wichtigen Details drin. Ich unterschrieb und besiegelte damit das Schicksal meines ehemaligen Liebhabers und Chefs, Antonio Cabrera.
„Das wird ihn für eine sehr lange Zeit hinter Gitter bringen“, sagte der Detective.
„Ich hoffe es. Er verdient es, in der Hölle zu verrotten“, sagte ich nervös. Ich schob ihm das Dokument zurück.
„Das ist US Marshall Dave Linsky. Er ist für Ihre Umsiedlung zuständig. Ich überlasse Sie ihm. Danke für Ihre Hilfe, Whit. Wegen Ihnen kriegen wir ihn dran.“ Er klopfte zweimal mit den Knöcheln auf den Tisch und lächelte mich an. Dann drehte er sich um und ging. Verdammt, er sah gut aus. Und ich fing wirklich an, ihn zu mögen.
„Schön, Sie kennenzulernen, Whitney. Oder Mercedes?“ Dieser Dave meldete sich zu Wort. Er war der typische Detective aus dem Film. Groß, hager, schütteres Haar und riesige Augenringe. Kein Ehering.
„Ist es wirklich wichtig, wie Sie mich nennen? Keine dieser Frauen existiert mehr“, murmelte ich. Ich drehte den Kaffeebecher in meinen Händen hin und her.
„Stimmt. Sie heißen jetzt Maeve und ziehen in eine Kleinstadt in Georgia. Hier ist Ihre neue Identität. Schlüssel für Ihr neues Auto, ein Handy, etwas Geld. Ich habe dort eine Unterkunft für Sie organisiert, die Infos liegen im Umschlag. Rufen Sie mich an, wenn Sie ankommen. Bitte fahren Sie einen Umweg. Achten Sie auf Ihre Umgebung und ob Ihnen jemand folgt.“ Ich nickte und nahm den Umschlag. Aber eine Frage musste ich stellen.
„Echt jetzt? Maeve? Was bin ich, eine verdammte Oma?“ Ich musterte ihn von oben bis unten. Männer wie ihn verspeise ich zum Frühstück. Vor einer Frau wie mir rutschen sie immer auf die Knie. Er kicherte über meine Bemerkung.
„Nein, aber auf dem Papier denkt man bei dem Namen Maeve Martin an eine kleine alte Dame, oder?“ Ich zuckte mit den Schultern. Er hatte ja recht. Ich mochte den beschissenen Namen nur einfach nicht. Aber jetzt musste ich damit leben. Immerhin schickten sie mich in eine warme Gegend.
Zum Glück war der Umzug ans andere Ende des Landes nicht schwer. Ich besaß nur vier Kartons und zwei Taschen mit Zeug. Ich zog mir bequeme Klamotten an und ging zu meinem neuen Toyota Corolla. Es war nicht das beste Auto, aber mehr als Tony mir je gegeben hatte. Ich fing buchstäblich von vorne an. Vorbei waren die Zeiten als Stripperin und die Dates mit Männern gegen Bezahlung. Es war Zeit für eine Veränderung. Ich war froh, neu anzufangen und diesen Arschknall ins Gefängnis zu bringen. Für immer.
A/N: Vielen Dank, dass ihr meinem zweiten Buch eine Chance gebt. Ich kann als Autorin noch viel lernen, bitte denkt beim Lesen daran. Eines Tages werde ich Überarbeitungen vornehmen, um die Handlung zu verbessern. Diese Geschichte war quasi meine Schreibübung für „Simones Story“, daher gibt es Ähnlichkeiten. Aber im Großen und Ganzen sind die Geschichten sehr verschieden. Viel Spaß!