KAPITEL I – DIE FRAU, DIE NICHT ZÖGERT
Xylien verstand Räume schneller als Menschen.
Ein Raum war nie leer.
Er war nur noch nicht gelesen.
Als sie eintrat, änderte sich nichts sichtbar.
Und genau das bedeutete, dass sich alles verändert hatte.
Matteo stand nicht auf, als sie ihn erreichte.
Er sah sie nur an.
Als hätte er entschieden, dass Aufstehen eine Form von Unterwerfung wäre, die er sich leisten konnte – oder eben nicht.
„Du bist zu nah an der Entscheidung“, sagte Xylien.
Ihre Stimme war ruhig.
Nicht freundlich.
Nicht feindlich.
Nur endgültig präzise.
Matteo antwortete nicht sofort.
Dann:
„Oder du bist zu weit von ihr entfernt.“
Stille.
Zum ersten Mal war da keine sofortige Reaktion.
Nur Wahrnehmung.