Kapitel 1 - Der Fremde in deinem Bett
Warme Sonnenstrahlen kitzelten meine Nase und das Rascheln einer Decke drang in meine Gedanken ein, die sich langsam aus dem Schlaf emporarbeiteten.
Ich brummte und drehte mich um, bevor ich meine Augen öffnete und in ein schlafendes Gesicht blickte, das mir so vertraut war, wie mein eigenes. Sofort lächelte ich und strich eine der verirrten blonden Strähnen aus dem Gesicht.
Meine Finger kribbelten bei der Berührung der weichen Haut und ich beugte mich nach vorne, um die geschlossenen Lippen zu küssen. Die Augen öffneten sich und ich begegnete dem Grün darin, doch statt Liebe erkannte ich Schrecken und bevor ich begriff, was dies zu bedeuten hatte, sprang mein Liebster panisch aus dem Bett.
„Wer bist du? Was hast du in meinem Bett verloren?“ Er nimmt Abstand zu dem Bett. Langsam richtete ich mich ebenfalls auf und musterte ihn verwirrt.
„Elias. Ich bin es, Noah. Was soll der Schwachsinn?“ Ich brummte missmutig und rutschte näher an ihn heran. Er hielt den Abstand aber aufrecht und deutete in Richtung der Haustüre.
„Ich weiß nicht, woher du meinen Namen kennst. Das ist mir auch egal! Aber du solltest jetzt lieber verschwinden, bevor ich die Polizei rufe!“ Seine nackte Brust hob und senkte sich viel zu schnell.
Ich schüttelte seufzend den Kopf und stieg nun ebenfalls aus dem Bett. Doch egal, wie oft ich auf ihn zuging, er wich immer wieder zurück, als hätte ich ein Messer in der Hand und nährte dadurch meinen Zorn.
„Elias! Jetzt lass den Schwachsinn! Dafür ist es viel zu früh!“ Der Morgen hatte so gut angefangen. Ich hatte mich schon auf ein leckeres Frühstück gefreut, bei dem wir wie immer überlegten, was wir an dem Tag machen wollten. Aber jetzt stand Elias wie ein verschrecktes Reh vor mir und achtete penibel darauf, dass ich ihm ja nicht zu nahe kam.
„Schwachsinn? Für dich ist ein Einbruch also Schwachsinn? Außerdem, hast du mich da vorhin etwa geküsst?“ Elias deutete auf das Bett. Er trug wie immer nur graue Boxershorts. Ich selbst hatte immer noch eine Jogginghose an.
„Natürlich. Ich küsse dich jeden Morgen, um dich aufzuwecken.“ Ich musterte ihn weiter, doch seine geweiteten Pupillen verschlangen weiterhin das kräftige Grün seiner Augen.
Einladend streckte ich meinen Arm nach ihm aus. Er blickte nur auf meine Hand und sah mich an, als wäre ich ein Triebtäter.
„Wieso solltest du das tun? Das ist sexuelle Nötigung!“ Er wischte sich mit seinem Unterarm über die Lippen und versetzte mir damit einen Stich in die Brust, der auch meinen Arm wieder senkte.
„Sexuelle Nötigung? Hörst du dir überhaupt zu? Ich hab gestern vielleicht ein wenig zu viel getrunken und deswegen noch eine Fahne, aber das ist bestimmt keine Nötigung.“ Ich verschränkte die Arme vor der Brust und musterte Elias weiter, der sich langsam in Richtung Küche vortastete.
„Warum solltest du mich küssen dürfen? Man bricht nicht in die Wohnung von anderen Leuten ein, um diese zu küssen!“ Ich verdrehte die Augen unter seinen Worten. Elias klang wie eine kaputte Schallplatte und langsam machte es keinen Spaß mehr, dass er diese Geschichte so lange in die Länge zog. Es hörte auf, witzig zu sein.
„Ich bin nicht eingebrochen. Ich wohne hier.“ Jetzt war es Elias, der lachte und vehement den Kopf schüttelt.
„Oh nein. Nein. Nein. Das wüsste ich. Ich wohne hier schon immer allein.“ Elias wedelte mit erhobenem Zeigefinger. Wir durchquerten gerade unser Wohnzimmer, das die Küche und das Schlafzimmer verband. Er drehte sich nur selten um. Scheinbar war unsere Wohnung ihm noch vertraut.
„Allein? Warum solltest du dann ein Kingsize Bett haben?“ Ich deutete hinter mich auf unsere Schlafstätte. „Vor allem, zwei Bettgarnituren?“
Elias zuckte mit den Schultern. „Ich nehme hin und wieder einen One-Night-Stand mit nach Hause, aber dich ... dich habe ich bestimmt nicht mitgenommen. Ich trinke nicht so viel, dass ich ... oder hast du?“
Sein Gesicht verlor sämtliche Farbe und seine Augen weiteten sich noch viel weiter. „Du hast mich betäubt! Hast du mich etwa vergewaltigt?“
Er streckte den Arm abwehrend aus, als er sich von mir abwandte und seine Unterwäsche kontrollierte. Sucht er gerade tatsächlich nach Blut? Ich könnte ihn doch niemals vergewaltigen. Außerdem ... ist er doch die meiste Zeit der aktive Part.
„Spinnst du? Ich würde dir das niemals antun! Ich liebe dich!“ Ich wurde lauter, als ich wollte, sodass Elias Mimik gefror und er das Kinn in die Höhe reckte.
„Du liebst mich? Ich dich aber nicht. Ich kenne dich ja nicht einmal. Wie soll ich dich da lieben? Hast du es deswegen getan? Wolltest du mich deswegen endlich haben und bist eingebrochen? Bist du ein perverser Stalker?“ Ich wollte seine Worte begreifen, doch es ging nicht. Er blieb vor mir stehen und hob weiter seinen Arm, während er mittlerweile in der Küche ankam und sich mit einem Messer bewaffnet hatte, dass er mir entgegenhielt.
„Nein. Elias, wir sind seit sechs Jahren ein Paar. Wir lieben uns. Warte. Ich kann es dir beweisen. Ich hol nur kurz mein Smartphone.“ Ich hob beschwichtigend die Arme. Warum können wir uns nicht einfach gemeinsam an den Tisch setzen und frühstücken?
Elias folgte mir mit Sicherheitsabstand, als ich zurück ins Schlafzimmer ging, um mein Mobilgerät von dem Nachtkästchen zu holen. Sofort entsperrte ich es und stutzte schon bei dem Bild, das völlig anders war, als gestern. „Hier ... schau ... ähm ... warte mal ... einen Moment noch ...“
Ich scrollte hektisch durch meine Fotos, die mir fremd und vertraut zugleich waren. Überall war ich zu sehen oder nur einfach Landschaftsbilder. Mal mit Freunden und Kollegen oder ganz alleine als Selfie. Aber nirgends war Elias zu sehen.
„Ich warte. Wenn du mir nicht bald etwas beweist, rufe ich die Bullen.“ Elias stand auf der anderen Seite des Bettes. Das Messer immer noch stichbereit in der einen Hand, während die andere sein Smartphone umklammerte. Doch egal, wie lange ich scrollte und suchte. Ich fand keines mehr. Kein einziges ...








