Prolog
Überarbeitet✅
Das Schreien des Babys war im ganzen Haus zu hören. Alexei hörte auf, auf und ab zu gehen. Er spürte, wie die Anspannung in seinem Körper nachließ. Eine Krankenschwester kam aus dem Zimmer seiner Frau. „Wie sieht es aus?“, verlangte er zu wissen. Er konnte seinen Sohn schreien hören, aber von seiner Gefährtin war nichts zu vernehmen. Er machte sich große Sorgen um sie.
„Sowohl die Luna als auch der Erbe sind wohlauf. Die Luna heilt bereits. Der Großteil des Rudels hilft dabei“, antwortete die Krankenschwester. „Die Ärzte machen Ihren Sohn gerade sauber. Aber Sie können jetzt zu Ihrer Gefährtin gehen.“
Alexei wartete keine Sekunde länger.
Er eilte an der Schwester vorbei ins Zimmer. Seine Gefährtin lag im Bett. Ihre Augen suchten ihn sofort, als er eintrat. „Amelia“, flüsterte er ihren Namen.
Während der Wehen war er durch alle Phasen der Panik gegangen. Sie nun unversehrt im Bett zu sehen, löste eine Welle der Erleichterung in ihm aus. Sie sah müde aus. Aber das war nach einer Geburt völlig normal.
„Hallo Liebling“, erwiderte sie lächelnd. Alexei trat an ihre Seite. Seine geliebte Amelia. Sie legte ihre Hand an seine Wange, während er ihre andere Hand festhielt.
„Hast du Schmerzen?“, fragte er.
Amelia schüttelte den Kopf. „Nein, habe ich nicht. Das Rudel hilft mir bei der Heilung. Es wird alles gut. Aber ich möchte jetzt unseren Sohn sehen.“ Als Luna konnte das Rudel Amelias Heilung unterstützen. Alexei war sehr dankbar dafür. Er beeilte sich, seiner Gefährtin diesen Wunsch zu erfüllen.
Der Arzt hielt ein kleines Bündel im Arm. Das Schreien von vorhin war verstummt. Es war völlig still. Das beunruhigte Alexei ein wenig, aber der Arzt lächelte. „Alpha“, sagte der Arzt, „das ist Ihr Sohn.“ Er reichte Alexei das Bündel. Die Welt schien stillzustehen, als Alexei in das Gesicht seines Sohnes blickte. Sein Sohn.
Amelia sah ihren Gefährten mit grenzenloser Liebe an. Sie konnte den Blick nicht von ihrer einzigen großen Liebe lassen. Er trat zu ihr und hielt das kleine Bündel behutsam fest. Vorsichtig legte er das Kind in die Arme seiner Gefährtin. „Er ist wunderschön“, flüsterte Amelia. Sie fuhr mit dem Finger über die kleinen Gesichtszüge des Babys. Sie erkannte so viel von Alexei in ihrem Kind wieder.
„Alpha!“ Die Tür flog auf und ein Wächter erschien. „Ihr Vater ist an der Grenze!“ Alexei sprang von Amelias Seite auf und ballte die Fäuste.
Wenn sein Vater auftauchte, bedeutete das nie etwas Gutes.
„Was will er hier?“, knurrte er.
„Er sagt, er spricht nur mit Ihnen persönlich“, antwortete der Wächter. Alexei nickte und wandte sich noch einmal zu seiner Gefährtin um.
„Ich bin gleich wieder da“, versprach er und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.
„Pass auf dich auf“, rief sie ihm nach. Amelia wusste, was für ein Mensch Alexeis Vater war. Große Sorge stieg in ihr auf.
Alexei eilte aus dem Krankenhaus zur Grenze. Schon von Weitem sah er seinen Vater. Dieser war von Wachen umringt. An seiner Seite stand eine junge Frau, die an Händen und Füßen in Ketten lag.
„Eure Hoheit“, sagte Alexei zur Begrüßung.
„Alexei.“ Die Begrüßung war kühl und distanziert. „Dein Bruder hat mich verraten. Er hat diese Hure seiner Familie vorgezogen.“
Alexeis Vater deutete auf die junge Frau an seiner Seite.
„Ich bin keine Hure! Ich bin seine Gefährtin!“, schrie sie. Alexei zog überrascht eine Augenbraue hoch. Sie war ein Mensch.
Er wusste genau, dass sein Vater niemals zugelassen hätte, dass einer seiner Söhne einen Menschen zur Gefährtin wählt.
„Du bist nichts weiter als schwach und zerbrechlich. Aurther hätte ein großer König werden können. Er sollte ein Bündnis mit den Vampiren besiegeln!“ Alexeis Vater war ein gnadenloser Mann. Alexei hatte von der geplanten Hochzeit zwischen seinem ältesten Bruder und der Vampirprinzessin gewusst. „Dein Bruder ist geflohen und hat seine Gefährtin zurückgelassen. Da du nun der nächste in der Erbfolge bist, wirst du in den Palast zurückkehren.“
„Und was wird aus meinem Rudel?“, fragte Alexei.
Sein Vater machte ein abfälliges Geräusch. „Alexei, ich dachte, ich müsste dir nicht drohen. Aber wenn es sein muss.“ Alexei straffte den Rücken noch mehr.
„Alexei!“ Der panische Schrei seiner Gefährtin in seinem Kopf ließ ihn zusammenzucken.
„Was ist los? Was ist passiert?“, fragte er über die Gedankenverbindung.
„Sie haben ihn mitgenommen! Sie haben unseren Sohn gestohlen!“ Alexei spürte, dass Amelia weinte.
Alexei musste nur in das grinsende Gesicht seines Vaters blicken. Da wusste er sofort, wer seinen Sohn entführt hatte.
„Wo ist mein Sohn?“, herrschte er seinen Vater an.
Sein Vater grinste weiter. „Dein Sohn ist im Palast. Er wird dort auf dich warten. Entweder du kommst, oder ich ziehe ihn selbst auf und lösche dein Rudel aus.“
„Schon gut, ich komme mit“, sagte Alexei. Er war selbst von seinem Vater aufgezogen worden, nachdem seine Mutter getötet wurde. Diese Qualen wollte er seinem Sohn ersparen.
„Hol deine Gefährtin. Ihr werdet innerhalb der nächsten Stunde im Palast erwartet.“ Sein Vater wandte sich an eine seiner Wachen: „Sorg dafür, dass er auch wirklich ankommt.“ Dann sah er wieder seinen Sohn an. „Denk daran, ich hasse Unpünktlichkeit.“
Nach diesen Worten drehte er sich um und ging. Einige Wachen blieben zurück und folgten Alexei zum Krankenhaus. Amelia sollte inzwischen geheilt sein. Sie war bereit für die Reise. Das beruhigte ihn ein wenig.
Alexei betrat das Zimmer seiner Gefährtin. Sie weinte bitterlich. Er nahm sie fest in den Arm und hielt sie ganz nah bei sich.
„Sie haben ihn einfach mitgenommen“, schluchzte sie. „Wo ist er nur?“
„Er ist im Palast“, sagte Alexei und versuchte, ruhig zu bleiben. Er musste jetzt stark sein. Er malte sich aus, was sein Vater bis zu ihrer Ankunft alles tun könnte. Seine Gedanken rasten. „Mein Bruder ist weg. Ich bin der nächste Thronfolger. Unser Sohn ist im Palast, wir müssen ihn holen. Mein Vater wird ihm nichts tun, wenn wir gehorchen.“
„Nein, er ist schon verletzt! Der Einzelgänger, der ihn mitgenommen hat, hat unserem kleinen Jungen wehgetan. Er war wütend, weil ich ihn nicht gehen lassen wollte.“ Amelias Schluchzen wurde lauter. „Er blutet.“
Alexei fühlte, wie sich seine Brust zuschnürte. „Wir müssen sofort los. Wir müssen ihn da rausholen.“









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