Die Wölfe von Welby

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Summary

Das Marlin Foster nach Jahren zurück nach Welby kommt ist nur dem Ableben ihrer Tante verschuldet. Viele schöne Jugendjahre hat sie in der kleinen Stadt im Kanadischen Hinterland verbracht. Nun das sie zurückkehrt um das Erbe ihrer Tanten anzunehmen, trifft sie auf alte Bekannte ihrer Jugend. Allen voran Luke und Caiden Moreno. Um das Erbe annehmen zu können muss sie zwei Bedingungen erfüllen die ihre Tante daran geknüpft hat. Der Umzug nach Welby ist der erste Teil, der zweite Teil - dem Welby Rudel beizutreten - verlangt schon etwas mehr Mut. Zumal sie ein Geheimnis hegt von dem nur sehr wenige wissen.

Status
Complete
Chapters
44
Rating
4.8 20 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1

** Marlin **


Mit Tränen in den Augen blicke ich auf den Brief in meinen Händen.

Im Moment unfähig dessen Inhalt zu begreifen, lasse ich mich auf mein altes Sofa sinken.

Kann es wahr sein? Tante Martha ist verstorben und ich soll in der nächsten Woche nach Welby kommen um mit dem zuständigen Notar das weitere Vorgehen, sowie den Umfang ihres Nachlasses zu regeln.

Viel ist dem Schreiben nicht zu entnehmen, lediglich das Tante Martha verstorben ist und ich als ihre Alleinerbin bestimmt bin.


Eine Woche und etliche logistische Verrenkungen später sitze ich in meinem tannengrünen Honda Civic und fahre nach Welby oder wie mancher sagen würde an den Arsch der Welt. Okay Welby ist nicht direkt am Arsch der Welt aber man hat von dort eine sehr gute Aussicht auf besagte Kehrseite der Welt.

Es ist schon einige Zeit her das ich Tante Martha besucht hatte, was ich nicht zuletzt auf die tragischen Umstände des Todes meiner Zwillingsschwester Jen schiebe.

Cody, meinen 3 jährigen Sohn habe ich bei meiner Freundin Joey untergebracht, da ich ihm die Strapazen der Reise ersparen wollte.

Gegen Mittag erreiche ich Welby, ein kleines verschlafenes Städtchen inmitten von viel Wald.

Da ich etwas zu früh dran bin, organisiere ich mir einen Becher Kaffee to go und schlendere ein wenig durch den malerischen Stadtpark von Welby.

Schon immer war Welby für mich ein kleines Stück Paradies und das hat sich nicht geändert in den letzten Jahren.

Mir ist durchaus bewusst, das ich auffalle mit meinen roten Haaren, die zu bändigen nahezu unmöglich ist. Meine verschieden farbigen Augen tun ein übriges um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Zumindest bei jenen die mir nahe genug kommen um diese Besonderheit bemerken zu können.

Ich erinnere mich an meinen letzten Besuch in Welby. Ein hochgewachsener, schlaksiger Teenager, flach wie ein Brett mit kaum weiblichen Merkmalen.

Nun gut, man könnte behaupten die letzten Jahren hätten es gut mit mir gemeint. Mittlerweile verfüge ich über durchaus weibliche Formen, mit den Rundungen an den richtigen Stellen, mein schlanker Körper ist gut trainiert und meine ehemals nicht vorhandene Oberweite kann sich sehen lassen.

Ich beende meinen Spaziergang um meinen Termin wahrzunehmen, hätte ich nur im Ansatz geahnt was auf mich zukommen würde wäre ich nicht so entspannt gewesen.

Zwei Stunden später fahre ich Richtung Heimat, mit dem Wissen das dieser Tag sowohl mein als auch Codys Leben verändert hat.

Zuhause angekommen, dusche ich und ziehe mir frische Kleidung an bevor ich Joey anrufe um ihr Bescheid zu sagen das ich wieder da bin. Schon nach dem ersten Klingeln hebt Sie ab.

„Kann ich vorbei kommen?“, ich weiß das Sie darauf brennt zu erfahren was bei dem Termin rauskam.

„Ja klar, ich erzähle Dir alles wenn ich bei Dir bin....ja, natürlich beeile ich mich“, ich kann mir ein leises lachen nicht verkneifen.


Bei Joey angekommen parke ich an der Straße und gehe die letzten Meter zu Fuß.

Kaum an Ihrer Wohnungstür angekommen, fliegt selbige auf und ich werde fast brutal an der Hand gepackt und in die Wohnung gezogen.

„Woah Joey....“, keuche ich erschrocken auf angesichts dieser stürmischen Begrüßung,

„Mach langsam, ich freue mich ja auch dich zu sehen. Wo ist Cody?“ Ich lasse meinen Blick schweifen während ich den Flur entlang ins Wohnzimmer gehe.

„Cody schläft“....man merkt ihr ihre Ungeduld kaum an, ich muss grinsen als sie nörgelt und motzt.

„Jetzt erzähl schon, was hat der Notar gesagt? Was hast du geerbt? Wie war es wieder in Welby zu sein?“, die Fragen sprudeln geradezu aus ihr heraus.

Ich kann nicht anders als aufzulachen, während ich mich auf ihr Sofa sinken lasse.

„Ich hätte gerne einen Kaffee meine liebe Joey.“, mit erhobener Augenbraue betrachte ich Sie tadelnd während meine Mundwinkel kaum merklich zucken.

„Herrje.....“Joey schießt, kaum das Sie in ihrem Sessel Platz genommen hat aus selbigem wie vom Affen gebissen hoch und rauscht in die Küche.

Kaum aus meinem Sichtfeld kann ich es mir nicht verkneifen los zu prusten.

Ich liebe es, Sie daran zu erinnern welch gehobene Erziehung unsere Eltern uns haben zukommen lassen.

Zumindest haben Sie es versucht, mehr oder weniger erfolgreich.

In Rekordzeit halte ich eine dampfende Tasse Kaffee in meinen Händen, während Joey aufgekratzt in Ihrem Sessel herumrutscht. Seufzend erbarme ich mich und erlöse meine Freundin

„Ich habe das Haus und die Bäckerei geerbt und ein nicht gerade kleines Bankkonto“ auf dessen Dimension gehe ich nicht näher ein, da ich dessen Umfang selbst erst noch verarbeiten muss.

„Um das Erbe antreten zu können, muss ich nach Welby ziehen und dem Rudel beitreten.“

Ich weiß nicht mehr genau ab wann, auf jeden Fall fängt Joey heftig an zu hyperventilieren bevor sie die Augen verdreht und in sich zusammensinkt.

Schade, ich wollte ihr doch noch erzählen wie es war wieder in Welby zu sein.


2 Monate später


Mit Cody auf dem Arm betrete ich Tante Martha`s Haus....mein Haus.

Es ist komisch hier zu sein mit dem Wissen, das sie nie mehr strahlend aus der Küche geflitzt kommt um mich zu umarmen.

Schnell blinzele ich ein paar aufsteigende Tränen weg, bevor ich Cody auf dem Boden abstelle.

In zwei Tagen werden Joey, Annie, Blair und Eve nachkommen um uns die ersten Tage etwas zur Hand zu gehen. Zumindest haben Sie das als Grund für ihr Erscheinen angegeben. Ich vermute vielmehr das Sie einfach sehen wollen wo Cody und ich in Zukunft leben werden.

Ein lächeln huscht über mein Gesicht beim Gedanken an meine Freundinnen, sie könnten Leben in das ruhige Städtchen bringen.

„Cody Schatz?“ mein Blick huscht umher, auf der Suche nach meinem 3 jährigen Sohn.

„Wo bist du denn du kleiner Schlingel?“, ich höre ihn hinter einem der Sessel quietschen und mache mich lachend daran ihn einzufangen.

„Jetzt hab ich Dich du kleiner Lump.“, grinsend schnappe ich ihn mir und beginne ihn zu kitzeln was er mit noch lauterem quietschen quittiert.

Cody redet nicht viel, er kann reden seinem Alter entsprechend aber er tut es nur sehr ungern was mir schon manch schiefen Blick von anderen Eltern eingebracht hat.

„So mein kleiner Räuber, was hältst du von einem kleinen Mittagsschläfchen bevor wir zu Mrs. Jacobs gehen?“, er sieht mich mit seinen großen grünen Augen an und schiebt schmollend seine Unterlippe vor.

Man möchte ihn fast fressen so süß sieht er aus, ich wuschle ihm über seine blonden Haare während ich ihn hochnehme und in sein zukünftiges Zimmer trage.

„Schlaf ein bisschen mein kleiner Schatz“, ich drücke ihm einen sanften Kuss auf die Stirn und lege ihn in sein Bettchen.

Einen Moment betrachte ich ihn noch wie er seine müden Äuglein reibt, bevor ich mich leise aus dem Zimmer schleiche.

Eine Tasse Kaffee, genau das ist es was ich jetzt brauche, zielstrebig schlurfe ich in die Küche.

Einen kurzen Moment halte ich inne, alles hier erinnert an Tante Martha....als würde sie gleich wieder kommen und ein fröhliches Liedchen pfeifen.

Schnell mache ich mir eine Tasse köstlichen Kaffee, bevor ich mich an mein Handy klemme und einige Termine mache.

Morgen wenn ich Cody zur Kita gebracht habe, werde ich im Sweet Dreams vorbei gehen um mich vorzustellen, vielleicht ist es ganz sinnvoll wenn ich mich im Vorfeld ein wenig über meine Bäckerei schlau mache....meine Bäckerei, pfuh....ich kann mir ein dümmliches Grinsen nicht verkneifen bevor ich mich zur Ordnung rufe.


Einen kurzen Moment schweifen meine Gedanken ab, wird mir sehr deutlich bewusst in wessen Revier ich mich befinde und wessen Rudel ich mich anschließen muss um die letzten Wünsche meiner verstorbenen Tante zu erfüllen.

CAIDEN MORENO!!!

Allein der Gedanke an ihn jagt mir einen Schauer über den Rücken.

Schon vor Jahren war Caiden Moreno der Inbegriff von Männlichkeit, Sex auf zwei und auf vier Beinen.

Inhalt so manch feuchten Traums meiner Teenagerzeit und doch immer unerreichbar für das dürre Mädchen aus der Stadt.

Ich erinnere mich noch sehr gut an das Tattoo das sich von seiner Schulter über seinen rechten Arm zieht. Kaum zu glauben wie scharf ein schlichtes Tribal aussehen kann.

Ihm gab es den eindeutigen Bad Boy Charme der mich zu der Zeit so anzog.

Noch dazu ist er ein paar Jahre älter als ich und hatte keine Zeit sich mit kleinen Mädchen abzugeben.

Seufzend trinke ich einen Schluck von meinem Kaffee, der nun eher kalt als warm ist....bäh....kalter Kaffee ist widerlich.


Einige Telefonate später betrete ich leise Codys Zimmer um ihn zu wecken, er hat heute noch seinen Vorstellungstermin bei Mrs. Jacobs der Leiterin der Kita in Welby.

Zum Glück ist Cody selbst wenn man ihn weckt ein fröhliches Kind und schmollt nicht lange herum.

Da Mrs. Jacobs und ihr Mann am anderen Ende von Welby wohnen fahren wir mit dem Auto und kommen kurze Zeit später an unserem Ziel an.

„Langsam Cody, fall nicht wenn du so rennst“ schmunzelnd sehe ich dem blonden Wirbelwind nach wie er auf die Haustür zu rennt, ich folge ihm zügig und hebe ihn auf meinen Arm. „Möchtest du klingeln?“, er nickt eifrig und strahlt bis über beide Ohren als er die Klingel drückt, ein melodischer Ton erklingt den ich mir für unsere Klingel auch gut vorstellen könnte.

Eine freundlich aussehende junge Frau, ich schätze sie auf höchstens Anfang 30 öffnet uns die Tür. Neugierig beäugt Cody sie ehe er ihr sie anstrahlend seine kleine Hand hinstreckt.

„Oh“, sie lächelt ihn an.

„Du bist aber ein höflicher kleiner Mann, komm doch bitte herein mit deiner Mama.“ ich lächle sie freundlich an, ich mag sie, sie ist mir auf Anhieb sympathisch.

„Ich hoffe wir sind nicht zu früh Mrs. Jacobs“, auch ich reiche ihr meine Hand bevor ich Cody absetze.

Wir folgen ihr ins Wohnzimmer, in dessen Ecke eine umfangreiche Spielfläche aufgebaut ist. Cody sieht erst mich, dann Mrs. Jacobs fragend an. Sie lacht und zeigt auf die Spielsachen.

„Geh nur spielen Cody, ich werde mich ein wenig mit deiner Mom unterhalten“, ihr lächeln ist so herzlich das ich Sie umarmen möchte, während Cody voller Freude los flitzt um die Spielsachen zu begutachten.

„Wollen Sie Tee oder lieber Kaffee?“, fragt mich Mrs. Jacobs worauf ich fast verlegen antworte.

„Kaffee bitte, aber nur wenn es keine Umstände macht“, sie lacht herzlich und verschwindet für kurze Zeit in der Küche.

Während Cody spielt unterhalten wir uns über alle möglichen Dinge.

Ob Cody Allergien hat, Unverträglichkeiten, ob er zu seinem Mittagsschlaf ein besonderes Ritual benötigt und so weiter.

Und natürlich kommt die Frage vor der ich mich am meisten gefürchtet habe, warum Cody für sein Alter sehr wenig bis gar nicht redet. Ich reiche ihr die Berichte von verschiedenen Ärzten bei denen ich mit Cody wegen dieses Problems war und die mir alle einheitlich versichert haben das kein medizinisches Problem vorliegen würde. Nachdem Sie die Berichte gelesen hat lächelt Sie sanft

„Er scheint einfach ein sehr ruhiges Kind zu sein, vielleicht taut er in unserer kleinen Gruppe ja etwas auf, wir werden es erleben.“ Ich nicke zustimmend.

„Darf ich fragen wie viele Kinder sie aktuell betreuen?“ Sie nickt freundlich.

„Aktuell sind es sechs Kinder mit Cody dann sieben davon sind drei Wolfswandler, zwei Bärenwandler und ein kleiner Drachenwandler.“ sie lacht leise.

„Es ist auf jeden Fall immer was los und ich bin froh das ich zwei wundervolle Damen habe die mich unterstützen.“ sie merkt wie ich meine Stirn in Falten lege bevor ich leise frage.

„Ein Drachenwandler?“ sie nickt

„Ja, der kleine Josh wurde vor den Türen unserer Kirche ausgesetzt und dann von einer netten Familie als Pflegekind aufgenommen. Leider wissen wir nichts über seine leiblichen Eltern noch wäre mir bekannt das es in der näheren Umgebung von Welby Drachenwandler gibt. Aber der kleine ist ein fröhliches Kind und macht uns allen viel Freude“, ich nicke langsam, mir ist unbegreiflich wie manche Eltern ihren Kindern so etwas antun können.

„Verzeihen Sie die Frage“, ich war wohl in Gedanken versunken und zucke leicht zusammen.

„Ja bitte?“, ich sehe Mrs. Jacobs fragend an.

„Nun“, sie betrachtet mich eingehend.

“Gehe ich recht in der Annahme das Cody ein Wolfswandler ist?“, ich erröte ein wenig, mir ist bewusst das man meine Wölfin kaum wahr nimmt da sie nach Jen`s Tod quasi verschwunden ist, lächle dann aber.

„Ja, Cody ist ein Wolfswandler, das haben Sie völlig richtig erkannt.“ Mrs. Jacobs nickt.

„Gut, wir bemühen uns die Kinder nach ihren Fähigkeiten zu fördern, wäre es für Sie in Ordnung wenn ich mit Cody ein paar Tests machen würde um seine Begabungen zu erkennen und gezielt fördern zu können? Natürlich läuft das alles in spielerischem Rahmen ab.“ Nach kurzem überlegen nicke ich.

„Ich habe nichts dagegen, solange er sich dabei wohl fühlt.“ Ich erhebe mich und rufe Cody zu mir.

„Ich werde ihn dann morgen früh um 8.00 Uhr herbringen“, sie nickt und begleitet uns zur Tür wo wir uns verabschieden um dann wieder in die Stadt zurück zu fahren.


Da es für Abendessen noch zu früh ist, entschließe ich mich einen Besuch bei Sweet Dreams zu machen. Cody ist begeistert von der Idee ein Stück Kuchen zu vernaschen.

Ich finde ganz in der Nähe der Bäckerei einen Parkplatz so das wir nur ein kurzes Stück laufen müssen.

Nachdem Cody sich für ein Stück Käsekuchen entschieden hat und ich mich einmal mehr an einer Kaffeetasse festhalte setzen wir uns an einen der kleinen Tische von denen aus ich gut den laufenden Betrieb beobachten kann. Angenehm überrascht bin ich von der Freundlichkeit der Angestellten. Auf meinem Handy mache ich mir Notizen die ich bei meinem morgigen Besuch ansprechen möchte.

Auch beim verlassen der Bäckerei schickt man uns freundliche Grüße hinterher.

Zuhause angekommen wird es Zeit für Cody`s tägliches Bad. Er genießt diese Zeit im Wasser immer ungemein so das ich ihm diesen Luxus gerne zukommen lasse.

Nach dem Baden machen wir uns ein kleines Abendessen bestehend aus Wurstbroten , Essiggurken, frischer Gurke und etwas rotem Paprika.

Danach gibt es für Cody noch eine Gute Nacht Geschichte mit ganz vielen Kuscheleinheiten bevor er recht schnell einschläft.


Ich habe beschlossen mich noch etwas in die Bücher von Sweet Dreams einzulesen, es kann sicher nicht schlecht sein wenn ich morgen zumindest ein bisschen weiß um was es überhaupt geht. Ja, gut wir stellen Torten, Kuchen und andere Backwaren her das ist mir schon klar aber das ist ja nicht alles. Wie läuft das im Hintergrund? Das ist es was mich interessiert.

Völlig in meine Lektüre versunken merke ich gar nicht wie die Zeit vergeht, ein Blick auf die Uhr macht mir deutlich das es längst Zeit ist ins Bett zu gehen. Die erste Nacht in meinem eigenen Haus....ich hoffe das ich schlafen kann.