ZuKi; Das ZUhälter-Kind, Teil 2

Zusammenfassung

Ein Jahr nachdem Marco seinen Vater verraten hat und dieser nun hinter Gittern sitzt, scheint sein Leben wieder in richtigen Bahnen zu verlaufen. Doch was ist mit dem schwarzen Van, der plötzlich andauernd auftaucht? Ist Maxim hinter seinem Sohn her und möchte seine Rache ausüben oder bildet sich Marco das nur alles ein?

Genre:
Other
Autor:
Rojo
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
18
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

"Hi, Phil. Was gibt's zum Essen?", mit grummelnden Magen komme ich zur Küche herein gestürmt und drücke Phil beiseite, der am Herd steht und irgendetwas zusammenbraut. "Hallo Marco. Ja, mein Tag war auch toll bisher. Wie war die Schule? Ach, so wie immer? Das ist ja super! Schau mal, ich zaubere dir Bratkartoffeln und Frikadellen. Natürlich kannst du schonmal den Tisch decken! Cedric kommt auch zum Essen, also ein Gedeck mehr." Phil und ich schauen uns kurzzeitig ernst in die Augen und fangen dann gleichzeitig an zu lachen.

Als mein Magen knurrt, verstummt Phil kurz und zieht die Augenbrauen zusammen: "Du hast aber mächtig Hunger, mh?" "Hab heute morgen mein Pausenbrot vergessen!", schulterzuckend mache ich mich auf den Weg zu dem Küchenschrank auf der anderen Seite, um Teller und Besteck herauszuholen und wie angewiesen den Tisch zu decken.


Meine Mutter hat endlich eine neue Arbeitsstelle als Verkäuferin in einem Modegeschäft gefunden, in dem das Arbeitsklima super angenehm ist und deshalb ist sie tagsüber eher selten anwesend. Ihre Arbeitskollegin Sanja ist mittlerweile zu einer guten Freundin geworden und die beiden benehmen sich so, als würden sie sich schon von klein auf kennen. Da meine Mutter ebenfalls in Schichten arbeitet, stimmen Sie und Phil Ihre Arbeitszeiten genau aufeinander ab, damit immer irgendjemand zuhause bei mir ist. Mittlerweile habe ich meine Angst, dass mein Vater hinter jeder Ecke lauern könnte, einigermaßen im Griff, aber ich ertrage es nicht, komplett alleine zu sein. Wenn es hart auf hart kommt und bei Phil irgendein Notfall eintritt, verbringe ich die Zeit dann immer bei Arne.


Als ich den Tisch schließlich gedeckt habe, stelle ich mich an das Küchenfenster und schaue erwartungsvoll die rechte Straßenseite hinunter, da dort irgendwann Cedric erscheinen müsste. Da ich ihn noch nicht sehe, lasse ich meinen Blick zu Stephan's Haus gleiten, bei dem der rechte Rolladen im oberen Stockwerk geschlossen ist. Anscheinend hatte er Nachtschicht und schläft noch. Gelangweilt mustere ich die vereinzelten Fahrzeuge und bleibe bei einem langsam vorbeifahrenden schwarzen Van hängen. Ich kann es nicht vermeiden, dass sich mein Puls langsam beschleunigt und ein komisches Gefühl in meiner Magengegend einsetzt, da ich der Meinung bin, dass dieses Gefährt in den letzten paar Tagen immer wieder in meiner Nähe zu sein scheint. Damit ich nicht wieder von einer Panikattacke überrollt werde, schließe ich meine Augen und atme genauso, wie Phil es mir beigebracht hat.


An manchen Tagen schaffe ich es, mich richtig schnell unter Kontrolle zu bringen, doch an anderen Tagen brauche ich einfach ein klein bisschen Beistand. Heute scheint einer dieser schlechten Tage zu sein.


Während sich meine Fingernägel gegen die Steinplatte des Fenstersims drücken, merke ich schon, wie sich auf meiner Stirn ein paar Schweißtropfen bilden. "Erschreck nicht, ich bin es!" Phil stellt sich mit Vorwarnung dicht an meinen Rücken und zieht mich darauf mit einer Hand gegen seine Brust. "Genauso weiter atmen, du bekommst das in den Griff. Das machst du gut so!" Phil's andere Hand legt sich an meine Stirn und zieht meinen Kopf nach hinten, sodass mein Hinterkopf auf seiner Schulter ruht. "Locker bleiben!" Auf meinen Armen breitet sich eine enorme Gänsehaut aus, die Phil anscheinend wahrnimmt: "Marco, konzentriere dich! Du bist hier mit mir in der Küche. Sonst ist niemand da. Dir wird nichts passieren, okay?" "Okay!", stoße ich leise hervor und versuche die Muskeln in meinem Körper etwas zu lockern. Nach ein paar weiteren Atemzügen scheint sich mein Körper wieder zu beruhigen und ich öffne meine Augen. "Wieder gut?"

Ich nicke Phil zu. "Sicher?" Phil vergewissert sich lieber einmal mehr, als dass er mich zu früh wieder freigibt. "Ja!" "Gut. Dann zieh dich schnell um. Cedric kommt!", der Notarzt wuschelt mir durch die Haare und lässt mich anschließend wieder los, worauf ich schnell in den Flur und kurz darauf die Treppen nach oben in mein Zimmer hochrenne.


Auch wenn es nicht annähernd eine schlimme Panikattacke war, schwitze ich jedesmal wie ein Schwein und muss mich deshalb auch direkt umziehen. Gerade als ich mein T-Shirt ausziehe, höre ich von unten, wie Phil Cedric begrüßt.


Schon witzig, dass Phil vor einem Jahr nicht einmal normal neben mir stehen konnte, ohne dass ich fast ausgeflippt bin und er jetzt derjenige ist, der mich am besten aus einer Panikattacke befreien kann. Robin kann das fast genauso gut, da er auch schon öfter das Vergnügen damit hatte und mittlerweile in dieser Hinsicht auch schon zu den Profis zählt.


Mit frischem T-Shirt an meinem Körper begebe ich mich wieder nach unten und schlage mit Cedric zur Begrüßung ein. Phil und er sitzen schon längst am Esstisch und warten nur noch auf mich. Mein Hungergefühl hat sich natürlich durch die vorhergegangene Situation verflüchtigt, weshalb ich mich schwer atmend zu den beiden dazu setze. "Und, wie war die Schule heute?" Cedric grinst mich an wie ein Blöder, da er weiß wie schwer es mir immer noch fällt, regelmäßig in die Schule zu gehen. "Hmmm. Geht. Ich könnte nachher deine Hilfe gebrauchen... In Mathe haben wir wieder so ein beklopptes neues Thema und ich weiß absolut nicht, wie ich da annähernd auf ein Ergebnis kommen soll!" "Dann kommst du nachher mit zu mir rüber. Phil wird sich eh hinlegen wollen und dann können wir zwei Mathe lernen!" Phil grinst erleichtert und muss darauf sofort gähnen: "Das hört sich absolut traumhaft an. Ich bin auch erst vor einer Stunde nach Hause gekommen, hatten noch drei Notfälle zu versorgen!" "Ich weiß, habe ich gesehen. War zu diesem Zeitpunkt gerade mit meinen Stalker Neigungen beschäftigt" Cedric ist ein wunderfitziger Mensch und hängt liebend gerne den halben Tag am Fenster herum, um die komplette Umgebung unter Augenschein zu nehmen. Er hätte meiner Meinung nach irgendwo direkt an der Hauptstraße ein Haus kaufen sollen, denn hier in unserer Straße passiert wirklich nicht viel.


Vielleicht hat er den schwarzen Van vorhin auch gesehen! Marco, hör auf! Hier in Köln fahren so viele von diesen Karren herum...


"Marco was ist los?" Cedric reißt mich wieder aus meinen Gedanken und da ich meiner Angst nicht wieder zuviel Raum bieten möchte, schüttel ich einfach mit dem Kopf und schmeiße mir ein paar Bratkartoffeln auf den Teller. "Dafür, dass dein Magen so laut geschrien hat, ist das aber eine wirklich mickrige Portion!" Herr Funke scheint überhaupt nicht begeistert zu sein, doch mein flehender Blick, mich nicht zu einer größeren Portion zu zwingen, zeigt Erfolg. Mit größter Mühe schiebe ich mir ein paar Kartoffeln in den Mund und muss mir beim letzten Bissen fast schon ein Würgen unterdrücken.


"Hey, was beschäftigt dich denn? Erdrücken dich gerade wieder deine Gedanken?" Cedric kann wohl am allerbesten nachvollziehen, warum ich so große Angst vor meinem Vater habe, da er auch seine dunklen Seiten live miterlebt hat. Ich schaue ihm in die Augen, unentschlossen, was ich antworten soll. "Weist du was? Bevor wir uns nachher mit Mathe rumschlagen, gehen wir eine Runde joggen. Was meinst du? Das lenkt ab und mein fauler Arsch hätte es wirklich mal nötig!" "Ja, können wir machen!", ich schätze, dass ich neben Cedric tausend Tode an Lungenversagen sterben werde, aber wenn dafür mein Kopf wieder etwas freier wird, gehe ich das gerne ein. "Dann geh dich doch schon mal umziehen!", auf die Worte des Polizisten hin, erhebe ich mich von meinem Stuhl und mache mich wieder auf den Weg in mein Zimmer. Bevor ich meine Tür öffne, lausche ich noch kurz, ob ich mit meiner Vermutung richtig liege und Cedric einfach noch in Ruhe Phil ausquetschen will.


"Phil, was ist denn passiert?" "Marco hatte kurz, bevor du gekommen bist, eine Panikattacke. Nicht schlimm, er hat sich gut im Griff, aber es hinterlässt eben Spuren!" "Gab es einen Auslöser? Hat er irgendwas gesagt?"  "Er stand da drüben am Fenster und hat nach dir Ausschau gehalten. Irgendwann stand er stocksteif da und ich wusste natürlich gleich, dass da wieder etwas voll im Gange ist. Er hat aber nichts verlauten lassen!" "Vielleicht sollte der Psychologe nochmal mit ihm reden. Ich habe das Gefühl, dass es in letzter Zeit wieder zunimmt. Also nicht die Intensität, sondern die Anzahl an sich. Bei Robin vorgestern hatte er mit größter Wahrscheinlichkeit auch so einen Anfall. Es war kaum auffällig, aber Robin hat bemerkt, dass Marco plötzlich eine ganz feuchte Stirn bekommen hat!" "Ich werde das weiterleiten. Vielleicht hilft es ja, wenn der Psychologe nochmal nachhakt!"


Da ich gar nichts mehr hören will, verschanze ich mich schnell in mein Zimmer und schmeiß mir eine kurze Hose und ein Sportshirt über den Körper. Meinen Ipod packe ich vorsichtshalber in die Hosentasche, ob ich aber wirklich Musik höre, kann ich noch nicht beurteilen. Es macht mich nervös, wenn ich die Geräusche meiner Umgebung nicht hören kann, aber heute könnte es vielleicht klappen, da Cedric dabei ist. Als nächstes gehe ich noch schnell ins Badezimmer, um meine Blase zu leeren und treffe dann wieder unten bei den Männern ein.


"Marco, nimm deinen Schlüssel mit! Deine Mutter kommt heute später und wenn ich noch schlafe, dann klingelst du mich nicht aus dem Bett" Phil's Worte lösen sofort ein Unbehagen in mir aus. "Quatsch, Marco kommt nach dem Joggen noch mit zu mir! Wir ziehen uns noch ein paar Filme rein, oder?" Cedric streckt seine Hand in die Luft und wartet darauf, dass ich einschlage. Mit einem erleichternden Nicken klatsche ich bei ihm ab und schaue dann schnell zu Phil. "Aber nicht so lange. Morgen ist Schule!", fast hätte ich diese lästige Lerneinrichtung vergessen, aber Herr Funke hilft mir täglich dabei, meine Pflicht nicht zu vergessen. "Ich glaube, wir hauen jetzt ab, mh? Muss mich noch schnell umziehen, dann können wir los!"