Verlangen im Schatten

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Zusammenfassung

Er ist ihr Stalker – doch als sie sein Geheimnis entdeckt, wird er zu so viel mehr. Arianna Meine Leidenschaft für düstere Kunst begann, als ich einen Autor entdeckte, der meine tiefsten Fantasien zum Leben erweckt. Vielleicht hat mir das einen Stalker an die Tür gebracht: Die Nachrichten, die mich erreichen, lassen mich wissen, dass er jede meiner Bewegungen beobachtet. Doch jedes Mal, wenn ich zur Polizei gehe, um ihn loszuwerden, lässt er jeden Beweis verschwinden. Kurz darauf endet ein Date nach der Arbeit in einem Albtraum, und ich werde beinahe entführt. Mein Wunsch, dass mich jemand rettet, geht in Erfüllung, als mein Stalker wie ein wahrer Ritter auftaucht. Ich versuche zu fliehen, aber er will mich nicht gehen lassen. Nicht nur mein Leben steckt in der Krise, auch mein Herz steht auf dem Spiel, während ich versuche, nicht auf seine gefährlichen Tricks hereinzufallen, mit denen er mich in seine Welt locken will. Vincent Sie gehört mir, und ich werde alles tun, um sie davon zu überzeugen, dass ich der Mann bin, den sie braucht. Selbst wenn ich für sie töten muss oder sie wie ein Stalker bewache, wie sie es nennt. Wenn jemand es wagt, mein Eigentum anzurühren, wird er nur Schmerz spüren. Ihr Licht sehnte sich nach Dunkelheit, also werde ich alles tun, um es zu beschützen – selbst wenn es bedeutet, dass ich für sie die Welt in Flammen setze. WARNUNG ⚠️ Dark Stalker Romance Roman | R18

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
47
Rating
4.8 20 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

1. GEDANKENSPIELE

Arianna

Ich liebte die Ruhe in meiner Stadt.

Eingebettet zwischen sanften Hügeln und dem verschlafenen Lake Mist in Brookville, Indiana, war es ein Ort, an dem die Zeit stillzustehen schien. Das Café an der Ecke mit seiner verblassten blauen Markise war mein Zufluchtsort. Dort verbrachte ich zahllose Nachmittage mit Büchern und trank heißen Caramel Macchiato.

An diesem hellen, sonnigen Morgen betrat ich die Buchhandlung, die ich wegen ihrer gemütlichen Atmosphäre und dem Duft nach Papier so sehr liebte. Ich stöberte bei den Liebesromanen. Im Regal standen zahllose Titel in allen möglichen Schriftarten und Farben.

Meine Finger glitten über die Buchrücken, bis ich bei einem dunkelroten Exemplar hängen blieb. „Crimson Thorns“ von V.R. Taurean. Er war mein Lieblingsautor.

Die Vorfreude schnürte mir fast die Kehle zu, als ich das Buch vorsichtig aus dem Regal zog und in die Hände nahm.

Man nannte ihn einen Händler der Schatten, einen Weber düsterer Geschichten. Seine Liebesromane waren nichts für schwache Nerven. Erotik schlang sich wie dunkle Ranken um finstere Herzen, und unter der Oberfläche pulsierte der Horror. Die Welt schreckte vor ihm zurück und nannte ihn einen Psychopathen, der seine kranke Seele auf Papier brachte. Die Leute hielten ihn für eine Kreatur der Mitternacht, die im Abgrund nach Gleichgesinnten suchte.

Vielleicht hatten sie nicht ganz unrecht. In seinen Texten schwang eine gefährliche Erregung mit, ein verführerischer Tanz mit dem Verbotenen. Doch zwischen all den Schreien und Schatten spürte ich noch etwas anderes. Es war keine Bosheit, sondern etwas zutiefst Menschliches.

Es sei falsch, sagten die Leute. Wer sich in seinen Labyrinthen verlor, riskierte den Verstand. Die Gesellschaft mit ihren sauberen Normen verlangte Anpassung. „Sei normal“, schrie sie. Aber ihr „Normal“ fühlte sich an wie ein Käfig aus Pastellfarben, der mich für das wahre Spektrum des menschlichen Herzens blind machte.

Wie an einem unsichtbaren Faden gezogen, wagte ich mich in seine Welt. Ich tauchte tiefer ein, vorbei an der schaurigen Schönheit und dem Kitzel des Tabus. Und da, unter all dem kalkulierten Schock, fand ich es: Einsamkeit. Roh und ungeschützt pulsierte sie wie ein verwundetes Herz im Kern seiner Werke.

Er war kein Monster, das sich an der Verderbtheit weidete. Er war eine verlorene Seele, die die Dunkelheit als Schutzschild nutzte – ein verzweifelter Schrei im Nichts.

Seine finsteren Geschichten waren kein Ausdruck von purer Bosheit, sondern verzerrte Spiegelbilder einer tiefen Isolation. Diese Erkenntnis ließ in mir eine seltsame Zuneigung wachsen. In seinen Schatten sah ich meine eigenen Wahrheiten. Es war eine gefährliche Seelenverwandtschaft. Doch in der Stille der Einsamkeit kann selbst ein Flüstern aus dem Abgrund wie ein Willkommenslied klingen.

Meine Reise begann eigentlich mit leuchtenden Farben. Eine leere Leinwand und eine Palette voller Leben – so sah meine Karriere als freiberufliche Künstlerin am Anfang aus. Farben tanzten von meinen Pinseln. Mein kleines Heimstudio in meiner Zweizimmerwohnung war ein Ort des Lichts.

Dann schlichen sich die Schatten ein. Es begann ganz subtil, die Ränder meiner Welt wurden dunkler. Seine Worte waren der Auslöser. Ich war zufällig im Internet über seine Bücher gestolpert. Mit jeder Seite veränderten sich meine Bilder. Seine Geschichten über Schmerz und Widerstandskraft berührten etwas in mir, von dem ich nichts gewusst hatte. Ich fing an, seine Texte zu malen.

Jedes Wort wurde unter meiner Hand zu Linien und Formen. Seine trostlosen Landschaften und inneren Dämonen nahmen in Kohle und Tinte Gestalt an. Mein Studio wurde zu einer Galerie der Dunkelheit. Schwarz, Grau und dunkles Violett dominierten nun alles. Die Luft fühlte sich schwer an. Die Dunkelheit aus seinen Büchern verschluckte meinen Raum und vielleicht auch ein Stück von mir selbst.

Die Stille in meiner Wohnung wurde zu einem ständigen Begleiter. In meiner Brust öffnete sich eine Leere, die ich nicht benennen konnte. Was fehlte mir? War es die Verbindung zum Ursprung dieser Dunkelheit? Ich wollte das Gesicht hinter den Worten sehen, die meine Kunst so sehr verändert hatten.

Ich musste ihn treffen. Dieser Gedanke wurde zu einer leisen Hoffnung. Vielleicht würde es die Leere lindern, wenn ich die Augen sähe, die diese Geschichten erfunden hatten. Ich stellte mir ein Gespräch vor, einen Austausch zwischen Künstlern. Vielleicht konnte er mir helfen, den Weg zurück zum Licht zu finden – oder zumindest durch die Dunkelheit zu steuern.

Aber er war ein Phantom. Für einen Bestsellerautor war er im Netz so gut wie unsichtbar. Kein Instagram, kein Twitter, keine Einblicke in sein Privatleben. Es gab nur eine schlichte Webseite für seine Bücher. Der Mann selbst blieb ein Rätsel.

Das einzige Bild von ihm war eine reine Provokation. Man sah einen Mann in einem schwarzen Kapuzenpulli. Eine Maske mit einem grinsenden Joker-Gesicht verdeckte die untere Hälfte seines Gesichts. Er war ein Mysterium, das die Neugier weckte. Besonders in einer Frau wie mir löste er ein Flüstern der Bewunderung aus.

Aber es war nicht die Maske, die mich faszinierte. Es waren die Augen.

Goldene Augen, leuchtend und fesselnd, aber durchsetzt von dunklen Schlieren. Selbst auf einem Foto zogen sie einen in einen Strudel. Man versank förmlich in der sichtbaren Qual und der Einsamkeit, die aus diesen goldenen Tiefen drang. Es waren die Augen von jemandem, der zu viel gesehen und zu tief gefühlt hatte. Eine Seele, die müde war von den Urteilen einer Welt, die die Menschlichkeit hinter dem Kaputten oft vergisst.

Eine tiefe Traurigkeit überkam mich beim Anblick dieser Augen. Ich wünschte mir brennend, ich könnte durch den digitalen Schleier greifen und ihm ein Licht anbieten. Ich wollte ihm helfen, ein Stück Glück zu finden. Aber er war eine einsame Insel, absichtlich unerreichbar. Und ich stand am Ufer meiner eigenen dunklen Kunst und konnte nur zusehen – erfüllt von hilfloser Empathie.

Ich seufzte und strich über den Schriftzug auf dem Cover. Ich war froh, dass ich die neueste Ausgabe endlich gefunden hatte.

Das Signal einer SMS riss mich aus meinen Gedanken. Ich klemmte mir das Buch unter den Arm und holte mein Handy aus der Tasche.

Zuerst erkannte ich die Nummer nicht. Doch als ich die Nachricht las, blieb mir fast das Herz stehen.

Ich liebe dein wunderschönes, seidiges Haar. Ich wünschte, ich könnte es um meine Faust wickeln, während du meinen Cock tief in deinen hübschen kleinen Hals nimmst.

Meine Hände zitterten, als ich die Worte noch dreimal las. Wer machte so etwas? Und dann auch noch mit so vulgären Worten.

War das ein schlechter Scherz? Hatte ich meine Nummer irgendwo im Netz hinterlassen? Und vor allem: Warum lösten diese Worte etwas tief in mir aus?

Ich beschloss, zu antworten.

Wer ist das?

Ich wartete auf eine Antwort und sah mich um. In dieser Abteilung der Buchhandlung war ich völlig allein.

Als das Handy erneut vibrierte, hätte ich es fast fallen gelassen. Ich öffnete die Nachricht.

Du faszinierst mich. Es ist lange her, dass mich etwas so gefesselt hat.

Hat er das wirklich gerade gesagt? Sieht er mich nur als Ding an? Als Objekt?

Kenne ich dich?

Noch nicht.

Was? Was soll das überhaupt bedeuten?

Bitte hör auf, mir zu schreiben. Lass mich in Ruhe.

Du sehnst dich auch nach der Dunkelheit. Deshalb zieht mich dein Licht so an. Du kommst jetzt nicht mehr weg, ich habe dich im Visier. ;)

Ein verdammtes Zwinkern-Emoji? Ist das sein Ernst?

Ich blockiere dich.

Ich atmete tief durch, als ich die Nummer sperrte. Erleichtert steckte ich das Handy weg und ging zur Kasse, um mein neues Buch zu kaufen.

Ich musste das einfach vergessen. Sicher erlaubten sich ein paar Freunde einen Scherz und lachten sich jetzt kaputt.

Die Frau an der Kasse lächelte mich wissend an, als sie das Buch sah. „Wieder so ein Tag?“

Ich wurde rot. „Ich wollte mal was Neues probieren.“ Sie musste ja nicht wissen, dass ich von V.R. Taurean besessen war. Seine Bücher erweckten meine dunklen Fantasien zum Leben, aber das war mein Geheimnis.

„Klar doch, Schätzchen. Manchmal braucht man eben den Kick“, zwinkerte sie mir zu, während sie das Buch scannte.

Ich war sicher rot wie eine Tomate und wartete ungeduldig auf den Preis. Nachdem ich bezahlt hatte, steckte sie das Buch in eine Papiertüte. Genau in diesem Moment vibrierte mein Handy wieder.

Ich dachte, es sei jemand aus der Familie oder ein Freund, der sich für die gruseligen Texte entschuldigen wollte. Ich lächelte der Kassiererin kurz zu und trat beiseite.

Als ich das Handy herausholte, sah ich, dass ich mich geirrt hatte. Es war dieselbe Nummer wie zuvor.

Diesmal war es ein Bild mit einem Text darunter.

Spiel ruhig weiter mit mir, Arianna. Ich spiele gerne mit, aber du weißt, dass am Ende immer ich gewinne.

Wie war das möglich? Das Foto war vorhin gemacht worden, als ich in den Laden gekommen war. Ich hatte sogar noch meinen Starbucks-Becher in der Hand.

Ich versuchte, ruhig zu atmen. Mir wurde klar, dass ich wirklich in Gefahr war. Jemand verfolgte mich, machte Fotos und schickte mir Schweinkram. Aber wie konnte er das Foto aus diesem Winkel machen? Da war niemand in meiner Nähe gewesen. Ich fühlte mich, als würde ich den Verstand verlieren.

Mit dem Gefühl, beobachtet zu werden, blickte ich mich um. Aber da war niemand Verdächtiges. Nur zwei Kunden, die völlig harmlos wirkten.

Eine alte Dame mit Brille, die konzentriert ein Buch las. Und eine junge Frau, die sich Merchandise ansah. Und natürlich die Kassiererin, die mich fragend ansah.

Sie runzelte die Stirn. „Alles okay bei Ihnen? Sie sehen ganz blass aus.“

Ich klammerte mich an mein Handy und rang nach Luft. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, presste ein gequältes Lächeln hervor und stürmte aus dem Laden.

Auf dem Gehweg sackte ich fast zusammen. Ich lehnte mich gegen eine Hauswand, meine Beine zitterten wie Espenlaub.

Mein Kopf hämmerte. Ich starrte die Passanten an, die mich ansahen, als wäre ich auf Drogen. Als die nächste Nachricht kam, zuckte ich nicht einmal mehr zusammen.

Ich las sie einfach ganz stumpf.

Es war noch ein Bild von mir.

Du siehst wunderschön aus, wenn du dich unbeobachtet fühlst.

Das Foto war in dem Café entstanden, in dem ich heute Morgen gewesen war.

Oh mein Gott.

Die Welt um mich herum schien einzustürzen. Die Straßengeräusche klangen plötzlich ganz dumpf und fern.

Bevor ich nachdenken konnte, tippte ich eine Antwort.

Wie hast du die Sperre umgangen?

Ich bin dir immer einen Schritt voraus, Baby.

Ich biss mir so fest auf die Lippe, dass ich Blut schmeckte.

Wie hast du die Fotos gemacht? Es war niemand in meiner Nähe!

Ich musste ruhig bleiben. Ich durfte jetzt nicht durchdrehen. Ich brauchte Informationen, bevor ich zur Polizei ging. Wenn er erst mal im Knast saß, war Schluss damit.

So viele Fragen, Ari. Sei ein braves Mädchen, dann erzähle ich es dir vielleicht. ;)

Verpiss dich!

Ich hatte genug von diesem Mist.

Ich sah mich wieder auf der Straße um, konnte aber niemanden entdecken, der mich anstarrte. Dann erschienen auf dem Display wieder drei Punkte – ein neues Bild wurde geladen.

Es war ein Foto meines Wohnhauses. Ein Pfeil zeigte direkt auf mein Fenster.

Mir kamen die Tränen. Dieser Psycho beobachtete mich schon lange genug, um zu wissen, wo ich wohnte.

Das reicht. Ich gehe zur Polizei.

Vielleicht bekam er Angst, wenn ich mit den Behörden drohte. Ich machte einen Screenshot vom Chatverlauf als Beweis. Das gab mir ein kleines Gefühl von Sicherheit.

Wieder kam eine Nachricht.

Damit machst du alles nur noch schlimmer.

Außerdem: Was willst du denen sagen? Ich habe gegen kein Gesetz verstoßen... bis jetzt.

Das „bis jetzt“ klang wie eine offene Drohung.

Du verfolgst und beobachtest mich. Das ist Belästigung!

Der Stalker schickte ein weiteres Foto. Es zeigte mich an meinem Schreibtisch, wie ich am Laptop arbeitete.

Belästigung? Wie süß. Ich nenne es Zuneigung. Und ich werde dir so lange Zuneigung zeigen, bis du es verstehst.

Auf das Foto folgte ein Video, aufgenommen durch mein Fenster. Vielleicht mit einer Drohne?

„Oh Gott“, flüsterte ich. Meine Ohren dröhnten, ich konnte es nicht fassen.

Er hatte Aufnahmen von mir in meiner eigenen Wohnung. Sie waren von hinten aufgenommen worden. Wie war das möglich? Das war der einzige Ort, an dem ich mich sicher gefühlt hatte. Mir wurde speiübel.

Du bist krank!

Ich gehe jetzt direkt zu den Bullen. Wenn sie dich finden, verrottest du im Knast!

Eine letzte Nachricht kam durch, diesmal noch bedrohlicher.

Du bist kein Opfer, Baby. Ich würde dir nie wehtun. Aber wenn du nicht spurst, hat das Konsequenzen. Überleg dir deine nächsten Schritte also gut.

Nach einem Moment angespannter Stille verschwand die Nummer komplett von meinem Display. Ich starrte fassungslos auf den leeren Bildschirm.