00 | Prolog, 1 ½ Jahre zuvor
[Trenton, New Jersey]
Die Nacht ist sternenklar, der Mond leuchtet hell am Himmel. Eine Nacht, die perfekt für romantische Dates wäre. Oder für einen einfachen Spaziergang, um die Gedanken zu ordnen, etwas, was die junge Alessya Winters macht.
Gerade hat sie ein paar Probleme mit ihrem Freund, mit welchem sie schon seit drei Jahren zusammen ist. Er schreit sie ohne Grund an und wirft ihr Sachen vor, die einfach nicht stimmen. Alessya überlegt schon schweren Herzens sich von ihm zu trennen. Sie liebt ihn nach all den Jahren immer noch, doch sie dringt einfach nicht zu ihm durch. Immer, wenn sie mit ihm reden will, schreit er sie sofort an. Etwas, was sie überhaupt nicht verstehen kann.
Er hat sie noch nicht geschlagen, aber dennoch verzweifelt sie langsam.
Gedankenverloren läuft sie weiter durch den Park. Mittlerweile ist er menschenleer, da es drei Uhr in der Nacht geworden ist und jeder normale Mensch natürlich im Bett liegt und schläft.
Alessya denkt noch nicht dran, nach Hause zu gehen. Denn dort wartet ihr Freund, welcher bestimmt wieder schlechte Laune hat. Seufzend bleibt sie bei einem kleinen Teich stehen und sieht in die Ferne. Ein leichter, kalter Wind weht ihr durch die dunklen Haare und sie fröstelt leicht. Automatisch zieht Alessya ihre Jacke enger um sich, als sie im Augenwinkel etwas vorbeihuschen sieht.
Sie zuckt zusammen und sieht sich um. Da war doch was!
Doch dann schüttelt sie den Kopf. Es ist mitten in der Nacht, hier ist keiner mehr. Erneut seufzt sie auf und dreht sich um, um zu gehen, als sie erstarrt. Den vor ihr steht ein brauner Hund, welcher die Zähne gefletscht hat und sie bedrohlich anknurrt.
Sie schluckt schwer und sieht den Hund einfach nur an. Bewegen tut sie sich nicht. Nicht mal blinzeln erlaubt sie sich.
Das Tier knurrt jetzt nur noch mehr bedrohlicher, obwohl sie sich gar nicht bewegt hat und plötzlich geht alles ganz schnell. Es springt sie an und beißt sie in ihr Bein. Alessya schreit vor Schmerzen auf. Ihre Beine knicken unter ihr ein und sie bricht zusammen. Hektisch sieht sie sich um, doch das Tier ist schon verschwunden.
Blödes Ding, denkt sie sich zähneknirschend und begutachtet ihr Bein.
Die Bisswunde ist tief und blutet sehr stark. Sie zittert, was sie zuerst jedoch auf den Schock und die Schmerzen schiebt und nicht auf die kühle Nachtluft. Langsam sucht sie nach ihrem Handy, sie hat einfach keine Ahnung wie viel Zeit seit dem Biss vergangen ist, doch dann fällt Alessya wieder ein, dass sie es zuhause liegen gelassen hatte.
Sie beschimpft sich selbst über diese Dummheit, als ihr plötzlich etwas auffällt. Obwohl ihr kalt ist, fühlt sie sich innerlich, als würde sie verbrennen. Sie blinzelt und zieht ihre Jacke dennoch wieder enger um sich. Plötzlich hat sie einen starken Durst, weswegen sie sich zum Teich zieht, um etwas zu trinken. Sie atmend ein paar Mal tief ein und aus, bevor sie ihr Spiegelbild begutachtet. Oder möchte. Denn sie schreckt sofort zurück, als ihre Augen kurz orange aufleuchten. Was war das? Die junge Frau schüttelt den Kopf. Verrückte Sachen bildet sie sich da ein.
Um sich zu beruhigen, sieht sie zum Mond auf und seufzt leise. Ihr ist nie aufgefallen, wie schön dieser eigentlich ist. So schön klar und...
Ihre Gedanken werden unterbrochen, als ein Knochen von ihr einfach bricht, ohne äußere Einwirkung. Sie schreit auf und keucht dann vor Schmerzen. Was passiert hier bloß?
Alessya beißt fest die Zähne zusammen und krallt ihre Hand ins Gras.
Ihre Knochen brechen weiter, sogar ihre Wirbelsäule staucht sich zusammen. Ihre Finger verlängern sich und werden zu Gelenk und Pfote.
Ihr Sehvermögen verstärkt sich, ihre inneren Organe und ihre Stimmbänder verändern sich. Ihr sonst so zierliches Gesicht verändert sich ebenfalls. Der Kiefer wird langgezogen und wird eher oval, statt rundlich. Es bilden sich scharfe Reißzähne in ihren Mund.
Und Alessya steht als schwarzer Wolf mitten im Park.
