Kapitel 1: Friedliche Ruhe, oder?
• Silas •
Meine kleinen süßen Dämonenbabies mit pechschwarzen Schwingen sind nun ganze drei Tage alt! Es ist also der neunte Tag des sechsten Monats! Aaah! Ich bin Vater! Jaaa!
Meine tiefe, väterliche Liebe gehört euch, Shade und Enya!
Aber kommen wir zurück zum Alltag. Es stehen friedliche Zeiten bevor, denn Lord Thankmar ist Geschichte und König Kai Augustin wird unser Verbündeter. Und morgen ist auch schon die Nachfeierlichkeit für den allerersten Vampirgeburtstag von Fenja.
Frieden und gesunde süße Babies, überall wo man hinguckt! Ok, zumindest auf den Frieden trifft das zu ...
„Na, was machen meine beiden kleinen Babies?“, ertönt Shanis Stimme in meinem Gemach.
Genau hier befinde ich mich nämlich und passe auf unsere Zwillinge beim Schläfchen auf. Wobei die ein Rund-um-die-Uhr Schlafverhalten haben, aber was sind schon Details. Eigentlich ist es auch gerade Abend und die Sonne geht demnächst unter.
„Schlafen, natürlich!“, erwidere ich breit grinsend.
„Und du kannst die Zwei dabei nicht alleine lassen und unten dekorieren helfen?“, will Shani nun belustigt wissen.
Ich liebe meine Dämonengemahlin Nishania einfach, sie ist sich nie für einen frechen Spruch zu schade.
„Spinnst du? Ich verfolge die noch lange bis nach ihrer Volljährigkeit! Die machen keinen Schritt alleine, stell dir vor, denen passiert was und ich bin nicht da!“, behaupte ich felsenfest.
„Da werden Shade und Enya sich aber freuen. Vor allem wenn die sexy Vampire kennen lernen und ihre Ruhe vor ihrem Vater wollen”, haut Shani lachend raus.
„Kein Problem, für Bewerbungsverfahren bin ich offen”, entgegne ich breit grinsend.
Bei ihrem herzhaften Lachen wird Enya wach, aber Shani nimmt sie sofort in ihre Arme. Sanft wiegt sie den Minidämon umher und redet ein bisschen auf sie ein, ehe sie das Dämonenbaby dann wieder eingeschlafen zurück ins Bett legt. Nur um dann Shade noch in den Arm zu nehmen und ihm ebenfalls Liebe zukommen zu lassen.
Schließlich schauen wir beide verliebt den Dämonenbabies beim Schlafen zu.
„Deine Eltern kommen, soll ich gehen?“, fragt Shani dann.
„Ach, bleib ruhig hier. Dann lernst du sie endlich kennen. Verdecke deine Anwesenheit, ja?“, frage ich mit einem Grinsen.
Shani nickt begeistert.
Und da steht meine Gemahlin: In leichter Lederrüstung mit aschfahler Haut und schwarzen Schwingen inklusive schwarzer geschwungener Hörner. Und natürlich diese eindrucksvollen schwarzen Augen mit schwärzerem Hintergrund. Rein zur Erinnerung, damit man sich vorstellen kann, was Vater und Mutter gleich sehen.
„Silas?“, klopft es an der Tür mit der gedämpften Stimme von Vater.
„Komm rein”, rufe ich und muss mich zusammen nehmen.
Vater betritt dicht gefolgt von Mutter den Raum, erst bleibt Vater schockiert stehen, dann Mutter. Und der Blick erst! Als würde neben mir der Tod statt meiner Gemahlin stehen.
„Das ist meine Gemahlin und die Mutter meiner Kinder. Nishania, genannt Shani”, stelle ich meine Liebste voller Stolz vor.
„Wow du siehst ja krass aus. Dann mal herzlich Willkommen in der Familie, Shani. Ich bin Yara, sag ruhig Du zu mir, ich mag’s nicht wenn alles und jeder ständig „meine Königin” betont”, stellt Mutter sich vor.
Dabei kommt sie allen ernstes locker auf Shani zu und nimmt sie dann freudig in die Arme. Shani erwidert die herzliche Umarmung von Mutter.
„Und Ihr seid sicher Vampirkönig Vittorius, nehme ich mal? Es ist mir eine Ehre, Vampirkönig”, sagt Shani dann höflich und leistet eine leichte Verbeugung.
„Genau der bin ich. Die Ehre ist ganz meinerseits, Shani. Wenn Silas mal frech ist, zieh dem ruhig die Ohren lang. Das braucht der”, meint Vater und lacht dann.
Mutter rollt direkt mit den Augen, genau wie ich.
„Es tut mir Leid, dass dein Vater mal wieder peinlich ist”, redet Mutter mir gut zu.
„Bin dabei, besten Dank, Vampirkönig”, erwidert Shani amüsiert und sieht Vater erhobenen Hauptes ins Gesicht.
Streng genommen ist Shani eine Dämonin und untersteht Vater in der Rangfolge nicht. Sie gehört eigentlich nicht mal in diese Welt, sie kann nur wegen mir hier sein. Und vermutlich wegen Shade und Enya.
Apropos.
„Komm zu deiner Großmutter. Jaaa Hallo! Wer ist denn da wach?“, überfällt Mutter meinen armen Sohn.
„Wie ich sehe, sind die Zwei hier ja bestens aufgehoben”, meint Shani und beobachtet Mutter genau.
Als Dämonin hat sie nicht so eine enge Bindung wie ein Vampir mit Gefühlen, aber gern hat sie ihren Nachwuchs natürlich. Die Halbdämonen in Shade und Enya sind auch besänftigt, das nehme ich mit meinem Vierteldämon gut wahr. Es sind die Halbvampire, die diese „menschlichen”, beziehungsweise „vampirischen” Bedürfnisse haben.
Liebe zum Beispiel, die Shade gerade von Mutter in Form von tausend kleinen Küssen aufgezwungen bekommt.
Vater steht im nächsten Moment auch beim Kinderbett und hebt Enya in seine Arme.
„Na, wirst du auch schon wach? Komm schon, dein weltbester Großvater ist da! Enya!“, redet Vater auf meine Tochter ein.
Enya pennt aber einfach weiter, die interessiert sich Null für Vaters Ansprache.
„Yara, lass uns mal tauschen”, sagt Vater dann amüsiert.
„Warum, nur weil mein Baby wach ist und deins nicht? Vergiss es! Shade, du bleibst lieber gerne bei deiner Großmutter, richtig?“, erwidert Mutter breit grinsend.
Ich streiche nun sanft durch das Haar von Shani und sie wirft mir ein zufriedenes Lächeln zu.
„Darf es für meine Gemahlin endlich ein Schlossrundgang sein?”, frage ich Shani über die Gedanken.
„Dachte schon, du fragst nie!”, erwidert Shani kichernd.
„Shade und Enya haben nun leider zu tun”, verkünde ich amüsiert.
Sowohl Vater, als auch Mutter sehen mich an, als würde ich ihnen das liebste Spielzeug wegnehmen. Fast schon widerwillig übergeben die Zwei uns die Dämonenbabies, wobei Shani den nun wachsamen Shade auf dem Arm hat und ich lehne die schlafende Enya an meine Brust.
„Kommt ihr mit für die Schlossbesichtigung oder starrt ihr das Babybett noch weiter verloren an?“, haue ich lachend raus.
Da regt Vater sich natürlich direkt.
„Mein Schloss, also gebe ich auch die Rundführung! So folgt mir bitte!“, meint Vater breit grinsend und hält bereits die Tür meines Gemachs für uns auf.
Mutter schmiegt sich an meine Seite und bequatscht nebenbei die arme Enya. Wach wird sie aber nicht. Und so zeigt Vater Shani das Schloss und die Babies werden gemütlich durch die Gegend spaziert.
• Delian •
Ich kriege gleich einen Föhn, ich schwöre es euch!
„Benedikt, jetzt hör doch mal auf mit dem Scheiß! Benedikt! Lass das! Sonan, jetzt hilf mir doch mal!“, beschwere ich mich am laufenden Band.
Benedikt, der Hauptblödmann vom Dienst und Hauptmann von Jarons externer Einheit natürlich, verteilt die ganzen Party Girlanden auf mir, statt sie dahin zu hängen, wo sie hingehören.
„Verzeih, Delian, aber Benedikt ist 48 Vampirjahre älter als ich. Gegen den komme ich nicht an”, erwidert Sonan unbeeindruckt, steht aber hoch amüsiert am Rand bei den Blumenarrangements und beobachtet meine missliche Lage.
Bei 48 Jahren ist der Altersunterschied jetzt aber nicht so enorm, alles faule Ausreden!
„Sonan, jetzt guck doch mal hier her!“, tadelt Mavie ihn direkt und boxt ihm eiskalt in den Bauch.
Zu Sonans Glück ist er heute im Hauptmann Dienst und trägt seine schwarze, stählerne Rüstung. Der Schlag von Mavie bewirkt so rein gar nichts, außer das Mavie fluchend ihre Hand zurück zieht.
„Wann lernst du es endlich? Meine Rüstung ist zu stabil für deine Faust. Soll ich pusten und ein Trostschmetterling auf deine Hand malen?“, erwidert Sonan mit einem fiesen Lächeln.
Dabei hält er übrigens 17 weitere Angriffe von Mavie auf ihn ab, bevor sich Mavie noch mehr wehtut. Dann stellt Mavie aber ihre Angriffe ein und schaut schüchtern zum Eingang des Ballsaals.
Mavie ist nämlich nach wie vor nur unter uns so rotzfrech, sonst sagt sie kaum was. Die anderen Vampire zum Schmücken im Raum halten auch Abstand.
Unsere Aufmerksamkeit liegt nun aber im Eingang, Benedikt nimmt nebenbei wortlos die Girlanden von meinem Körper.
• Lucia •
Ich sollte mich echt mit Delian zusammen tun, am anderen Ende des Ballsaals sehe ich, wie Benedikt sich einen Spaß nach dem anderen erlaubt, während Delian nur ganz normal den Raum mit schmücken will.
„Vater, verflucht! Jetzt lass das doch mal!“, entgegne ich nun.
Ich schaue mit einem funkelnden Blick hoch in sein vor Entzücken verzogenes Gesicht.
„Was Delian steht, steht dir schon lange, Kleines”, haut Vater nun raus.
Auch Vater verteilt die Girlanden nun um meinen Körper herum, statt sie verflucht noch mal aufzuhängen.
„Lucan, der Zeitplan ist streng, das solltest du am besten wissen, werter großer Vampirbruder”, tadelt Großvater nun drauf los und befreit mich aus der bunten Girlande.
Wortlos hängt Großvater die Girlande dann auf, wir sind gerade bei den Fenstern angekommen.
„Sorin, hol dir mal deinen Stock aus dem Arsch, das ist ja nicht auszuhalten, werter kleiner Vampirbruder”, kontert Vater provokant.
Oh, gleich gibt’s Stress.
„Hör auf so mit mir zu reden!“, betont Großvater nun und schaut warnend in Vaters Richtung.
Wenn die Zwei sich wegen mir nicht mal einig und zufrieden sind, dann gehen die beiden gerne aufeinander los.
„Sonst was?“, will Vater wissen und baut sich vor Großvater auf.
Ich bin so immens dankbar, dass beide nun hoch verwundert inne halten, weil alle erstaunt und schockiert in den Eingangsbereich des Ballsaals gucken.
Vittorius, Yara und Silas mit Enya spazieren gerade in den Ballsaal. Und dicht bei Silas läuft eine offensichtliche Dämonin mit, die Shade im Arm hält.
Es kann nur Silas’ Dämonenfrau sein, wer sonst?
Heilige Scheiße!
Das macht Eindruck!
„Das hier ist der Ballsaal, morgen feiert mein achtes Vampirkind den allerersten Vampirgeburtstag nach. Natürlich dekorieren wir dafür gerade das ganze Schloss. Du kannst auch gerne kommen, wenn du willst”, erklärt Vittorius und sieht diese Dämonin an, als würde er sie schon gut kennen.
Nun passiert, womit niemand rechnet.
Jore steht in voller Dämonenform vor der Dämonin und begrüßt sie mit einer eleganten, leichten Verbeugung. In Dämonenform hat Jore nämlich auch Schwingen und solche Hörner auf dem Kopf, auch wenn er wie ein Dämon anderer Art aussieht.
„Welch eine Ehre, jemanden aus paralleler Linie zu Azrael kennen zu lernen. Ich bin Jore, freut mich deine Bekanntschaft zu machen! Und du bist?“, will Jore nun wissen, als wäre er gar nicht schüchtern.
Ich suche Taavi mit meinem Blick und finde ihn am Rand nahe der noch nicht gefüllten Alkoholgläser stehen. Er starrt seinen Enkel völlig perplex an, der Blick ist zu komisch!
„Ah, freut mich auch. Ich bin Nishania, aber nenn mich ruhig Shani. Azrael ... Wie der Cousin meines Dämonenmeisters Deimos?“, erwidert die Dämonin namens Shani und sieht Jore dann entgegen.
„Genau der Azrael”, betont Jore amüsiert.
Und dann gibt Shani Shade weiter an Silas, der nun beide Dämonenbabies im Arm hat.
„Herausforderungskampf?“, fragt Shani nun in voller Ausstrahlung eines Landesherrschers.
Noch mehr heilige Scheiße!
„Herausforderungskampf!“, erwidert Jore sichtlich erfreut.
Äh, ok?
„Was ist denn mit dem los, so kennt man den gar nicht?“, raunt Val mir amüsiert zu.
Passend dazu ergreift Val aber meine Hand und zieht mich hinterher, denn neben Val folgt auch der gesamte Saal den zwei Dämonen nach draußen.
Val zieht mich direkt neben Silas, der noch immer beide Babies im Arm hält.
„Ist Shani stärker oder schwächer?“, will Val nun von Silas wissen.
„Ehrlich gesagt keine Ahnung. Wir werden es gleich sehen”, meint Silas schulterzuckend.
Dann sehe ich, wie Vittorius seinen Umhang löst und sich eins der Babies aus Silas’ Armen nimmt, um es darin einzuwickeln. Und Silas macht exakt dasselbe mit dem verbliebenen Baby in seinem Arm.
Und schon geht Val auf Vittorius zu, nimmt das Baby und drückt es mir einfach in den Arm. Es ist Shade, der mich nun mit seinen Babyaugen ansieht. Er bewegt sich ein bisschen in dem Umhang, kriegt ihm aber nicht weggestrampelt.
„Du musst noch Baby halten üben, meine liebste Lucia!“, meint Val breit grinsend.
Dann tritt er hinter mich und umfängt mich, nebenbei richtet er meinen Griff um Shade ein wenig.
„Wenn du sie schwängerst, jage ich dich durch’s Land”, betont Vater nun direkt neben uns.
„Ja, mach ruhig”, erwidert Val unbeeindruckt und hält Vaters Blick stand.
„Ich habe die starke Vermutung, dass du den kürzeren ziehen wirst, Lucan”, haut Vittorius nun amüsiert raus.
„Als mein über alles geliebter und hilfsbereiter Vampirvater kann ich doch garantiert auf euch zählen, oder mein König?“, erwidert Vater provokant.
„Selbstverständlich”, sagt Vittorius dann mit einem wohlwissenden Lächeln.
Val ignoriert die Zwei einfach, aber der Kampf vor uns geht nun auch los. Shani steht in ihrer vollen Dämonenhaftigkeit vor uns und Jore ... auch, soweit man das erkennen kann. Und beide machen sich bereit für den Angriff, Shani geht in Angriffshaltung und auch Jore macht sich bereit zum Angriff.
Gleich knallt’s, ich seh’s vor mir!
• Fenja •
Ich sitze noch immer mit Jaron zusammen bei und mit Riven im Wohnzimmer. Und auch Lysander gesellt sich nun nach Ladenschluss dazu. Mit einem ausatmenden „anstrengender Tag” Laut lässt er sich auf den Sessel plumpsen, dessen Leder schon leicht abblättert und mal erneuert werden müsste.
„Wie mir scheint, habt Ihr noch immer Schlossverbot?“, fragt Lysander schmunzelnd nach.
Sein rötliches, lockiges kurzes Haar fällt ihm heut halb ins Gesicht, sieht so aus, als wäre der Arbeitstag wirklich nicht leicht gewesen. Er hat übrigens genau wie Riven einen eher schlaksigen Körperbau, seine Lieblingsfarmen spiegeln sich im weißen Hemd, was gesäumt ist von schwarzen Tintenflecken und seiner beigefarbenen Hose wieder, die ebenfalls gesprenkelt ist.
„Immerhin bekomme ich so mal Zeit mit Riven ohne zwanzig Leibwächter direkt neben mir”, sage ich freudig.
Nun sieht Lysander mich erstaunt an, Riven nimmt das einfach so hin. Könnte aber auch am Whiskey liegen, er ist schon beim dritten Glas heute um den tollen Frieden zu feiern. Riven schaut auch schon leicht fertig zu seinem Ziehvater herüber, der wird heute wohl zeitig ins Bett gehen.
„Prinzessin Fenja ist echt nur mit euch hier, Prinz Jaron?“, fragt Lysander nun leicht ungläubig.
„Theoretisch ja, praktisch sind zufälligerweise immer ein paar Vampirkrieger in unserer Nähe, die sich ganz schnell herbeirufen ließen”, verrät Jaron schmunzelnd.
Oh, echt?
Mir ist das nicht ein einziges mal aufgefallen heute!
„Verstehe, wie ich sehe kann man Prinzessin Fenja dann wohl bestens heimlich beschatten lassen, damit auch ja nichts passiert”, stellt Lysander grinsend fest und nimmt von Riven ein Glas Whiskey entgegen, was Riven gerade extra für seinen Ziehvater eingeschenkt hat.
„Wärst du so freundlich und würdest das ein bisschen weniger auffällig betonen? Ich habe nachher wieder eine grantige Frau am Hacken”, haut Jaron nun frech raus.
„Riven, ältere Vampire sind echt schlimm, ich sag’s dir”, wende ich mich augenrollend an den anderen Jungvampir im Raum.
Mit seinen 129 Vampirjahren ist Lysander eigentlich auch eher ein Jungvampir, aber nicht unbedingt in dieser Bevölkerungsschicht. Immerhin sind Lysander und Riven in den letzten paar Jahren schon von der unteren Adelsschicht in die mittlere Adelsschicht aufgestiegen, alles Dank der Freundschaft zu Yara.
„Soll ich die beiden für dich hauen?“, bietet Riven lachend an.
Ja, er hat eindeutig zu viel Whiskey in seinen Kreislauf befördert.
Jaron breitet nun herausfordernd seine Arme aus und man sieht nun ziemlich gut seine elegante anthrazitfarbene Anzugweste, in dessen Knöpfe das schummrige Kaminlicht vor sich hin flackert.
„Bleib lieber sitzen, Riven”, sage ich dann, was Riven dann zum Glück annimmt und mit seinen vier Buchstaben weiter die Polster wärmt.
• Silas •
Die Sonne überschreitet gerade den Horizont, da schnellt meine geliebte Shani auch schon auf Jore zu, vollkommen bereit ihn über’s Feld zu werfen.
Enya schläft noch immer in meinen Umhang eingewickelt in meinem Arm und Shade liefert sich einen Starrwettbewerb mit Lucia. Und Shade gewinnt, weil Lucia nun staunend auf den Kampf guckt.
Wie alle, übrigens.
Shani landet einen saftigen Treffer in Jores Halbdämonen Gesicht, der hochkant durch die Luft fliegt. Ich höre Taavi sofort scharf die Luft einziehen, Valerie wendet sich sogar ab und versteckt ihren Kopf in Taavis Umarmung.
Jore fängt seinen Fall bereits in der Luft mit seinen Flügeln ab, er setzt nun sogar zum Konter an. Oder besser gesagt zu mehreren Kontern, denn Jore lässt eine wahre Salve an Schlag- und Trittkombinationen auf Shani los.
Hin und wieder trifft Jore meine Geliebte damit, aber es gibt da genau eine Tatsache, die mich noch immer gelassen am Rand stehen lässt:
Shani bekommt nicht einen Kratzer. Und sie wird davon weder weggefegt, noch interessiert sie das. Was wirklich eindeutig an ihrer Stabilität als Dämonin liegt.
„Merke, mit Silas’ neuer Dämonenfrau nicht anlegen”, kommentiert Sorin mit erhobener Augenbraue.
„Das wäre vergebens, das stimmt”, bekräftigt Daryun seinen Vampirbruder.
Nun liefern Shani und Jore sich einen abwechselnden Schlagabtausch, Shani bleibt nach wie vor ungerührt stehen und es ist, als wäre nichts. Und Jore fliegt häufig quer durch die Luft und muss die Wucht abfedern, aber auch seine Haut trägt keine Schäden davon.
„Ein wenig ausbaufähig sind- Au!“, will Lucan nun auch seinen Senf dazu geben, aber Vater haut ihm auf den Oberarm.
„Keiner kritisiert hier offen heraus eine Dämonin, verstanden?“, betont Vater. Und zwar so, dass alle das mitbekommen.
„Ach und warum?“, erhebt Sorin todesmutig das Wort gegen Vater.
„Weil Nishania eine dämonische Landesherrscherin ist und kein Vampir. Ich kann nicht abschätzen wie ein reinblütiger Dämon abseits von Amons Linie reagiert, wenn man an ihm Kritik ausübt, also lassen wir es einfach sein, Sorin! Verstanden?“, erklärt Vater ausdrucksstark.
Dem stimmt Sorin leicht widerwillig zu, ihm passt es nie, wenn man ihm den Mund verbietet. Aber Befehl ist Befehl und verärgern will er Vater nicht.
Nach einer Stunde des Kampfes verlässt Jore keuchend seine Halbdämonen Form und leistet eine leichte Verbeugung vor Shani. Und Shani erwidert diese Geste sogar mit einem Lächeln.
„Nicht schlecht für einen Halbdämon per Dämonengen. Richte Azrael meine Grüße aus, wenn du ihn das nächste Mal siehst. Und sag ihm, er ist in Deimos’ alten Ländereien natürlich jederzeit Willkommen”, sagt Shani in eindeutiger Landesherrscher Stimmung.
Dabei sieht sie so heiß aus, dass ich am liebsten sofort hier und jetzt über sie herfallen will.
„Da hat’s aber einer nötig”, meint Shani in Gedanken zu mir und ich höre ihr süßes Kichern.
„Ins Gemach. Jetzt!”, platzt es aus mir heraus.
Beinahe hätte ich das laut gerufen, was mir immens peinlich wäre!
„Wie du wünscht, mein vierteldämonischer Landesherrschergemahl”, schnurrt sie förmlich in meine Gedanken.
Mit Mühe und Not unterdrücke ich ein Stöhnen.
Die kleine zuschauerlustige Truppe löst sich auf, immerhin muss Fenjas Nachfeierlichkeit noch weiter dekoriert werden. Und ich muss dringend meine Frau besteigen!
„Eile mit Weile, oder willst du noch mehr Shades und Enyas zeugen?”, erwidert Shani nun verhalten.
Meine Arme haben Platz für jedes unserer Kinder, ob es nun zwei oder zweiunddreißig werden, egal!
„Lass mich trotzdem vorher den Verhütungstrank holen, geht auch schnell. Bring unsere Babies so lange ins Bett!”, sagt Shani nun und nimmt schon Shade aus Lucias Armen entgegen.
Alle eilen nun soweit ins Schloss zurück und auch ich bringe meine beiden Babies in ihr Babybettchen.
Das wird eine super Nacht!