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Verbotene Nähe (Eine Stepbrother-Romance)

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Zusammenfassung

Andie ertrinkt noch immer in der Trauer um den Verlust ihrer Mutter, als ihr Vater eine Bombe platzen lässt: Er wird eine Frau heiraten, die Andie noch nie zuvor getroffen hat. Schlimmer noch: Er erwartet von ihr, dass sie ihren Herzschmerz einfach einpackt und sie bei einem perfekten Familienurlaub in Florida begleitet – in einem luxuriösen Strandhaus, das ihrem neuen Stiefbruder gehört. Andie will nichts von ihrer neuen Familie wissen. Doch alles ändert sich in dem Moment, als sie Reid trifft. Ihr neuer Stiefbruder ist älter, sündhaft attraktiv und absolut verboten. Er ist in jeder Hinsicht der Falsche für sie – doppelt so alt, ein Fremder und durch die Heirat mit ihr verbunden. Sie versucht, der gefährlichen Anziehungskraft zu widerstehen, die sie zueinander führt, aber Grenzen sind dazu da, überschritten zu werden. Als die Spannung überkocht und die Funken sprühen, erkennt Andie, dass sie in größeren Schwierigkeiten steckt, als sie es sich je hätte vorstellen können. Denn Reid wird vor nichts zurückschrecken, um ihr zu zeigen, wie gut es sich anfühlen kann, böse zu sein. ——— Diese Geschichte enthält mehrfache Erwähnungen von Trauer und dem Verlust eines Elternteils. Ich habe diese Geschichte nach dem Tod meiner eigenen Mutter geschrieben, daher gibt es Momente, in denen die Trauer sehr roh und detailliert beschrieben wird. Falls das für dich zu belastend ist, empfehle ich dir, diese Geschichte nicht zu lesen!

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
45
Rating
4.9 21 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Eins

ANDIE

Niemand spricht über die Schuldgefühle, die man hat, wenn man miterlebt, wie ein Elternteil den letzten Atemzug tut.

Ich sah zu, wie sich ihr Brustkorb ein letztes Mal schwach hob. Dann legte ich mir selbst eine Hand auf die Brust, um sicherzugehen, dass meine Lungen sich noch bewegten.

Warum funktionierten meine noch, wenn ihre stillstanden?

Ich spürte mein Herz wild in der Brust klopfen. Aber ihres? Es war ganz ruhig.

Ihr Herz hatte aufgegeben. Es war der Krankheit erlegen, die langsam ihre Organe zerfressen hatte.

Die Leere in den grünen Augen meiner Mutter, als sie diese Welt verließ, hat sich für immer in mein Gehirn eingebrannt. Dieses Bild kriege ich nicht mehr weg, egal wie sehr ich es versuche. In Gedanken kratze ich an den Gitterstäben des Käfigs, den ihr Tod in mir errichtet hat. Ich versuche zu begreifen, wie man ohne Mutter lebt.

Nichts ergibt mehr einen Sinn.

Wen sollte ich anrufen, wenn ich wissen wollte, wie lange ein Ei kochen muss, damit der Dotter perfekt wird? Obwohl ich schon tausendmal Eier gekocht habe, vergesse ich es jedes Mal wieder.

Wen werde ich anrufen, wenn ein Junge mir das Herz bricht?

Sie sagte immer zu mir: „Männer wissen die halbe Zeit nicht, was sie tun – schau dir nur deinen Vater an.“ Und im Hintergrund hörte ich ihn dann immer „Hey!“ rufen, und wir mussten alle lachen.

Eine Hand packt meine Schulter. Plötzlich holt mich die Realität ein. Ich zucke zusammen, setze mich aufrecht hin und blinzle nach oben. Ich schirme meine Augen gegen die Sonne ab. Über mir steht Tori, meine ältere Schwester. Man sieht ihr die Sorge deutlich an. Ihr hellblondes Haar wirkt wie ein Heiligenschein und sie verzieht ihr sommersprossiges Gesicht, während sie mich anstarrt.

„Geht es dir gut?“

„Ja.“ Ich drehe mich zum Meer und drücke meine Füße tiefer in den Sand. Die Wärme bringt mich zurück in die Gegenwart. Ich reibe mit dem Daumen über den kitschigen herzförmigen Anhänger, in dem ein Teil meiner Mutter ruht. In der Ferne beobachte ich die brechenden Wellen. Die Sonne brennt heiß vom Himmel und meine Haut fühlt sich klebrig an. Mit der Luftfeuchtigkeit hier in Florida ist nicht zu spaßen. Ich hatte mir heute Morgen so viel Mühe mit meinen Haaren gegeben. Kaum war ich draußen, sind sie direkt kraus geworden. Die ganze Arbeit war umsonst.

„Cynthia kommt gleich an. Bitte mach es für niemanden unangenehm.“

„Warum sollte ich es unangenehm machen?“ Tori wirft mir einen Blick zu und presst die Lippen fest zusammen.

Ich habe die Motivationsreden, das Training und die strengen Ansagen schon hinter mir. Ich weiß genau, wie ich mich die nächsten Wochen zu verhalten habe.

Nicht fies sein.

Nicht komisch sein.

Nicht abweisend sein.

Und bloß nicht Mama erwähnen.

Tori hat mich damit vollgetextet, bis wir gestern Abend spät an diesem luxuriösen Strandhaus ankamen. Es gehört Cynthias Sohn und hat sicher eine halbe Million gekostet.

Nicht nur ihr Sohn – seit letztem Monat mein Stiefbruder.

Gestern Abend sind wir in diese Prachtvilla reingegangen. Meine Schwester und ihre kleine Familie haben nur „Ah“ und „Oh“ gerufen, weil das Strandhaus eigentlich ein Palast ist. Ich bin einfach nach oben gegangen, habe mir ein Zimmer gesucht und eine Schlaftablette eingeworfen, um mich einfach wegzuschießen.

Alles hier ist sonnig, wunderschön und hell. Also genau das Gegenteil von mir.

Ich stehe auf und klopfe mir den Sand von den Oberschenkeln. Ich schnappe mir mein Buch und trotte hinter meiner Schwester her zum Haus. Sie trägt ein leichtes, luftiges Kleid, das ihre Knie umspielt. Ihre Haare fallen ihr in lockeren Wellen über die Schultern, und ihre gebräunte Haut sieht toll aus.

Sie sieht so aus, als würde sie genau hierher gehören.

Ich starre hoch zu dem weißen Mini-Palast. Er ist mehrere Stockwerke hoch und hat lange Balkone, die um das Haus herumlaufen. Riesige Palmen ragen in die Höhe und spenden ein bisschen Schatten vor der brennenden Sonne. Links vom Haus gibt es einen eingebauten Pool mit Bar, Grill, Tischen mit Sonnenschirmen und Liegestühlen. Das Wasser im Pool ist so blau, wie ich es noch nie gesehen habe. Ein Glaszaun trennt den Pool vom Strand ab.

Als wir die Treppen hochsteigen, betrachte ich den Pool. In meiner Brust zieht sich alles zusammen. Oben steht Dad am Balkongeländer. Er hat einen Kaffee in der Hand und unterhält sich mit Alan, meinem Schwager.

„Cynthia ist gleich da“, sagt er und sieht mich prüfend an.

Warum starren mich alle so an?

Als würde ich gleich losreien. Oder weinen. Oder ins Meer rennen und in den Wellen verschwinden.

„Hab ich schon gehört“, sage ich und sehe ihm fest in die Augen. Meine nackten Füße brennen auf dem Holz, das den ganzen Tag in der Sonne lag. Aber ich unternehme nichts gegen den Schmerz.

„Ihr werdet sie lieben, glaubt mir. Sie ist eine tolle Frau.“

Das muss sie wohl sein, wenn sie schon sieben Monate nach Mamas Tod ihren Platz einnimmt.

Dad lächelt meine Schwester und mich an. Alan packt ihn an der Schulter und drückt sie fest. Er grinst über das ganze Gesicht. Alans sandfarbenes Haar weht im Wind und kleine Fältchen bilden sich um seine Augen.

Als ich oben ankomme, legt Dad den Arm um mich und drückt mich fest an sich. Ich lächle und versuche, ausnahmsweise mal wie eine ganz normale, glückliche Tochter zu wirken.

„Echt nett von Reid, dass er uns alle hier wohnen lässt und sogar die Reise bezahlt“, sagt Tori. Sie lässt sich in einen makellos weißen Polstersessel fallen. Sie schnappt sich ein Kissen und fummelt an den Fäden herum. „Wie viel Kohle hat der Typ eigentlich?“

Victoria“, warnt Dad sie mit einem strengen Blick.

„Was denn? Ich bin sicher nicht die Einzige, die das denkt.“

Da hat sie recht, ich frage mich das nämlich auch. Das Haus hat fünf Zimmer, drei Bäder, ein Wohnzimmer und eine riesige Küche mit modernsten Geräten. Ach ja, und ein Spielzimmer, in dem mein Neffe Fin den ganzen Vormittag verbracht hat. Ich sehe mich um. Der Pool und der Rasen werden professionell gepflegt. Das nächste Haus ist mindestens einen halben Kilometer entfernt. Wir sind hier völlig ungestört.

„Er war beruflich sehr erfolgreich, und nur das zählt. Und ich erwarte von jedem von euch – besonders von Finley, der sicher gerade das Spielzimmer zerlegt –, dass ihr euch persönlich bei ihm bedankt. Er lässt euch hier wohnen und hat eure Hin- und Rückflüge bezahlt.“

„Was arbeitet er denn?“ fragt Alan. Er schaut mit einem Bier in der Hand auf den Horizont. Es ist noch nicht mal Mittag, aber ich überlege, ob ich auch eins will. Ich muss meine Nerven in den Griff kriegen, bevor ich mich vor Cynthia blamiere. Ich will ja Frieden halten, Dad zuliebe. Aber verdammt, die Wut in mir lässt sich einfach nicht unterdrücken.

Als hätte Alan gemerkt, wie dringend ich das brauche, reicht er mir ein Bier aus seinem Sixpack. Ich mache es auf und zische es fast in fünf Schlucken weg. Alle beobachten mich, aber keiner sagt was.

„Er besitzt wohl eine Sicherheitsfirma oder so was. Ich weiß es auch nicht genau“, sagt Dad und schaut mich unsicher an.

Wir hören, wie drinnen eine Tür auf- und zugeht. Dads Gesicht hellt sich zum ersten Mal seit Mamas Tod richtig auf. Er winkt uns hastig ins Haus. Vorher wirft er mir noch einen Blick zu, der bedeutet: Benimm dich bloß ordentlich.

Cynthia steht mit ihren Koffern im Eingang. Sie ist groß, schlank, hat langes blondes Haar und ist tief gebräunt. Ihre Taschen sind Designerstücke, und ihre Klamotten sicher auch. Sie trägt eine luftige Hose und ein gelbes Oberteil mit tiefem Ausschnitt, unter dem ein weißer Bikini hervorblitzt. Sie ist wunderschön. Als sie Dad sieht, strahlt sie sofort. Dad begrüßt sie mit einer herzlichen Umarmung und einem Kuss. Als sie sich küssen, sehe ich weg. Ich schlucke den Kloß in meinem Hals hinunter und räuspere mich laut. Daraufhin lassen sie voneinander ab.

Cynthia dreht sich zu uns um und lächelt. Ihre Augen wandern neugierig zwischen uns hin und her.

„Cynthia, das sind meine Töchter Andrea und Victoria. Das hier ist Toris Ehemann Alan. Und ihr Junge, mein Enkel Finley, erkundet gerade das Spielzimmer.“

Wie aufs Stichwort hört man kleine Füße über den Flur flitzen, und schon kommt der kleine Wirbelwind angestürmt. Ein schlaksiger, blondhaariger Junge mit viel zu langen Beinen springt ins Zimmer. Er hüpft auf der Stelle und winkt der Frau so begeistert zu, dass es für uns beide reicht.

„Bist du meine neue Oma?“ fragt er mit einem breiten Grinsen.

Stille.

Die Luft ist so dick, dass man sie schneiden könnte.

Cynthia lacht einfach nur und breitet die Arme aus. Fin stürmt sofort los und umarmt sie, genau wie er es früher bei Mama gemacht hat.

„Du kannst mich nennen, wie du willst, Finley“, sagt sie und lächelt ihn an. Sie geht auf alle zu, verteilt Umarmungen und nette Worte. Als sie bei mir ankommt, mustert sie mich kurz.

„Ganz schön viele Tattoos, was?“ sagt sie mit einem gequälten Lächeln. Ich schaue an mir herunter. Ich trage Jeansshorts und ein Tanktop, was den Blick auf etliche schwarz-graue Tattoos freigibt.

„Cynthia –“, setzt Dad an, aber sie winkt mit ihrer perfekt manikürten Hand ab.

„Ist ja nur eine Feststellung. Reid ist genauso. Nach allem, was dein Vater über dich erzählt hat, werdet ihr zwei euch super verstehen.“ Sie umarmt mich. Ich versuche, mich locker zu machen, damit ich nicht so steif wie eine Leiche wirke. Sie drückt mich noch einmal kurz und lässt mich dann los.

„Wie gefällt euch das Haus? Schick, oder? Ich wollte ihn ja zu was Größerem überreden, aber er ist da eher bescheiden.“ Während Cynthia redet, schnappt sich Dad ihre Koffer. Er verschwindet im Flur in Richtung Schlafzimmer und lässt uns mit seiner neuen Frau allein.

Sie geht in die Küche und holt ein Weinglas und eine Flasche aus dem Schrank. Ihre goldenen Armreifen klappern in der Stille an ihren Handgelenken. „Ich finde, wir sollten feiern. Ich weiß, wir haben sehr schnell geheiratet und die Hochzeit war… im kleinen Kreis. Aber ich möchte trotzdem mit meinen neuen Kindern anstoßen.“

In meinem Bauch brennt die Wut. „Wir sind nicht –“ Tori versetzt mir einen harten Stoß mit dem Ellbogen in die Seite. Ich funkle sie böse an.

„Sehr gerne“, sagt Tori mit ihrem strahlendsten Lächeln. Sie wirft ihr blondes Haar über die Schulter und nimmt ein Glas entgegen, in das Cynthia den blutroten Wein gegossen hat.

„Igitt, Alkohol.“ Fin rümpft die Nase und ich muss kurz lachen. „Ich geh wieder spielen!“ verkündet er. Er wirbelt herum und rennt den Flur zurück. Dabei hält er die Arme steif nach hinten, als würde ihn das schneller machen.

„Wann kommt Reid eigentlich?“ fragt Tori.

„Wahrscheinlich morgen früh. Er muss erst noch ein paar Dinge erledigen. Er arbeitet einfach viel zu viel.“

„Ohne die Arbeit könntest du sein Haus wohl kaum genießen“, bemerke ich und nehme mir auch ein Glas. Ich schwenke den Wein, halte meine Nase hinein und schnuppere wichtig, als könnte ich teuren von billigem Wein unterscheiden.

Es riecht nach… Wein.

Cynthia wirft mir einen Blick zu, lächelt aber trotzdem. Sie hält ihr Glas in die Mitte, und wir machen es ihr nach. Die feinen Kristallgläser klirren über der Kücheninsel zusammen.

„Prost! Auf die neue Familie!“

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Gutes Schreiben

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Überzeugende Handlung

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Toller Charakter

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Starker Dialog

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Starker Dialog

6 vorherige Kommentare anzeigen…
author

you capture it just right how you feel anout loosing your mother. I had the similar feelings when my sister died and after when my brother in law got a new girlfriend or when I just wanted to call her to ask about baking a cake. good writing❣️

5 Monate
author

I found the first few paragraphs really upsetting, having sat with my mum when she died in hospital. This passage brought it all flooding back so vividly that it became about me and my mum and not about Andie and her mum - maybe because I don't know anything else about the characters yet.

4 Monate
1
author

I went through the “new family” conversation with my ex-stepmother, and I absolutely despised being called that.. My dad also remarried just over a year after my mom passed.

3 Monate

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