Virtuelle Fessel

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Zusammenfassung

Evi verliebt sich in einen Fremden aus dem Internet. Stundenlange Chats, süße Nachrichten, ein Gefühl, als würde er sie besser kennen als jeder andere. Doch eines Morgens wacht sie nicht mehr in ihrem eigenen Zimmer auf. Leon ist da – nicht mehr nur hinter dem Bildschirm, sondern in der Realität. Und plötzlich ist nichts mehr sicher.

Genre:
Romance/Thriller
Autor:
Leon
Status:
In Arbeit
Kapitel:
2
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1 – „Die Nachricht“

Evi saß auf ihrem Bett, das Laptop auf den Knien, die Tastatur warm von den endlosen Nachrichten. Ihr Herz schlug schneller, als Leon wieder schrieb. Immer diese Worte, als würde er sie sehen, obwohl sie sich nur durch den Bildschirm kannten.

“Ich wünschte, ich könnte jetzt bei dir sein.”

Evi spürte ein Kribbeln im Bauch. Sie wusste, dass es gefährlich war, so sehr auf jemanden aus dem Internet zu vertrauen. Und doch… irgendetwas an ihm war anders. Ehrlich. Intensiv. Wie eine Flamme, die sie gleichzeitig anzog und erschreckte.

“Du meinst das ernst?” tippte sie zurück.

“Mehr als alles andere,” kam die Antwort prompt. “Ich habe noch nie jemanden so gespürt wie dich, Evi.”

Evi lächelte, obwohl ihr niemand zusah. “Du bist süß… aber wir kennen uns doch kaum.”

“Könnte ich dich besuchen? Nur kurz?”

Evi zögerte. Sie spürte die Aufregung, aber auch die Angst. “Jetzt? Du weißt, dass das verrückt wäre…”

“Manchmal muss man verrückt sein, um das Richtige zu tun.”

Sie lachte leise, legte das Handy weg und dachte noch lange über seine Worte nach, während sie einschlief. Das letzte, woran sie dachte: seine Stimme, sanft und verlockend, wie ein Versprechen.

Am nächsten Tag war alles wie gewohnt. Evi ging zur Uni, traf ihre Freunde, doch ständig schlich sich ihr Handy in den Fokus. Immer wieder kamen Nachrichten von Leon: „Was machst du gerade?“, „Ich wünschte, ich könnte dir den Morgenkaffee bringen.“, „Hast du heute schon an mich gedacht?“

Evi spürte ein leichtes Unbehagen, das sie sofort wegschob. Er war so charmant, so aufmerksam. Es fühlte sich gut an, gebraucht zu werden, geliebt zu werden. Doch manchmal, wenn sie ganz ehrlich war, kratzte ein kleiner Zweifel an der Oberfläche ihres Glücks. Wie konnte jemand sie so genau kennen, obwohl sie sich nie getroffen hatten?

Die Gespräche mit Leon wurden bald intensiver. Sie sprachen über ihre Kindheit, ihre Träume, die Musik, die sie liebten. Er war immer da, immer interessiert. Evi konnte sich kaum vorstellen, dass hinter diesem freundlichen, aufmerksamen Jungen jemand Dunkles steckte.

“Du lachst gerade, oder?”

“Ja, beim Lesen deiner Nachricht. Ich musste gerade wirklich grinsen.”

“Gut, ich will, dass du lächelst. Immer.”

Evi fühlte, wie ihr Herz hüpfte. Sie spürte eine Mischung aus Freude und Nervosität, jedes Wort von ihm löste ein kleines Feuerwerk in ihr aus.

Tage vergingen, und ihre Gespräche wurden noch vertrauter. Sie telefonierten stundenlang, lachten über dumme Witze, tauschten Playlists und Fotos. Evi begann zu träumen: von ihm, von ihnen zusammen, von einem Leben, das sich trotz der Distanz richtig anfühlte.

Doch dann, in einer Nacht, die stiller war als die anderen, spürte sie ein merkwürdiges Gefühl. Als sie ihr Handy weglegte, hörte sie ein Geräusch an der Tür. Zuerst dachte sie, es sei nur der Wind, oder die Nachbarn. Aber ein leises Knarren kam wieder.

Sie setzte sich auf, das Herz hämmerte. „Wer… wer ist da?“ flüsterte sie, nur zu sich selbst.

Keine Antwort. Nur Stille.

Evi schüttelte den Kopf. „Verrückt, Evi. Total verrückt.“ Sie legte sich wieder hin, versuchte, sich zu beruhigen. es war niemand hier. Es war sicher nichts.

Sie schlief ein.

Die nächste Nacht kam schneller als erwartet. Evi war erschöpft von der Uni, den ständigen Chats, dem Kribbeln der geheimen Sehnsucht nach Leon. Sie legte ihr Handy auf den Nachttisch, den Laptop geschlossen, die Gedanken noch bei den Nachrichten, die sie am Nachmittag ausgetauscht hatten.

“Ich kann es kaum erwarten, dich zu sehen.”

Das waren die letzten Worte, die sie las, bevor sie einschlief.

Als Evi am nächsten Morgen die Augen öffnete, spürte sie sofort, dass etwas nicht stimmte. Das Licht war anders, härter, kälter. Die Geräusche um sie herum – fremd. Ihr Herz raste, als sie sich bewegte und feststellte, dass sie nicht in ihrem Zimmer war.

Panik kroch in ihre Glieder. Sie wollte schreien, wollte aufstehen, doch irgendetwas hielt sie zurück. Sie blickte sich um: kahle Wände, keine vertrauten Poster, kein Laptop, kein Handy in Sicht. Nur Stille – und eine bedrückende Präsenz.

Evi wollte weinen, wollte rufen, aber der Kloß im Hals machte es unmöglich. Ein kalter Schauer lief über ihren Rücken. Sie hatte das Gefühl, beobachtet zu werden.

Dann hörte sie Schritte. Langsam, leise, aber unaufhaltsam näherkommend.

Und ein Schatten fiel über sie.