Ashes between us - Gebunden durch Schuld

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Zusammenfassung

„Ein Pakt, geschlossen aus Liebe. Ein Versprechen, das zur Falle wird. Und eine Entscheidung, die Welten in Brand setzen könnte ..." Als Ilayda Morwenne ihre Seele opfert, um das Leben ihrer kleinen Schwester zu retten, glaubt sie, nie einen Preis zahlen zu müssen. Doch Jahre später - kurz vor ihrer Hochzeit mit dem angesehenen General der Königsgarde - kehrt der Dämon Kaelen Thavriel zurück, um einzufordern, was ihr einstiger Vertrag verlangt: Sie gehört ihm. Oder ihre Seele tut es. Ilayda kämpft gegen die dunkle Anziehung, die Kaelen auf sie ausübt - doch was, wenn der Dämon mehr Herz besitzt als der Mann, den sie zu lieben glaubte? Als die Grenzen zwischen Schuld, Pflicht und Verlangen verschwimmen, muss Ilayda eine Entscheidung treffen. Eine, die nicht nur über ihr Schicksal, sondern über das Gleichgewicht zwischen Erde, Unterwelt und Fae entscheidet.

Status:
In Arbeit
Kapitel:
24
Rating
5.0 2 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1 - Ilayda


Der silberne Kessel zischt leise, als ich die fein gemahlenen Blätter des Morrikrauts in das dampfende Wasser streue. Der Duft nach Erde und Nachthimmel steigt auf und verbreitet sich in meiner kleinen Küche. Meine Hände zittern leicht, doch ich halte den Löffel fest umklammert. Ich habe wieder eine Woche damit verbracht, zu experimentieren und die Zutaten zu studieren. Sämtliche Tränke, die ich im Schlaf zubereiten könnte, weil ich sie fast täglich braue, halfen ihr nicht. Viele davon schafften es nicht einmal, ihr kurzzeitig Linderung zu verschaffen.

Die Flammen unter dem Kessel knistern. Sie flüstern, als würden sie meine Wünsche hören und beantworten.

Ich greife nach der Silberschattenwurzel, schneide sie in hauch dünne Scheiben. Der silbrige Glanz auf ihrer Oberfläche fängt das Licht der Morgensonne auf, das durch mein kleines, rundes Fenster über meiner Kochniesche hereinstrahlt. Drei Scheiben, mehr nicht. Ihre Wirkung ist mächtig und kann schnell überdosiert werden.

Als nächstes presse ich zwei Herzfeuer-Beeren aus. Der Saft schimmert dunkelrot, fast schwarz, als er in die Mischung tropft. Ein leises Zischen entweicht, als hätte sie geatmet. Der Schimmer an der Oberfläche beginnt sich zu verändern. Von einem trüben Violett zu einem weichen Goldblau. Gut.

Das Nebelblatt, das ich vorsichtig aus der Leinentasche neben mir ziehe, habe ich zuvor noch nie gesehen. Es ist fast durchsichtig, wie der feine Nebel über einer Wiese an einem kühlen Sommermorgen. Ich zerreibe es vorsichtig zwischen meinen Fingerspitzen und lasse es langsam in die Mitte der Mischung rieseln. Der aufsteigende Dampf ändert sich sofort. Er wird klarer und heller, als würde die Luft selbst aufatmen. Instinktiv fülle ich meine Lungen mit Sauerstoff und blicke nach hinten, wo Rose auf der Hölzernen Bank liegt, die für meine Kunden im hinteren Teil des Raums steht. Meine kleine Schwester ist eingeschlafen, ihre Augen sind geschlossen und ihr Brustkorb hebt sich sanft. Ich nehme mir einen Moment, um sie zu beobachten. Ihre Haut ist blass geworden. Der zarte Rosa Ton, der normalerweise auf ihren Wangen liegt, ist schon vor einigen Tagen verschwunden. Ihre Lippen sind trocken und rissig und unter ihren Augen haben sich dunkle Ringe gebildet. Ihr sonst so leuchtendes, Honigbraunes Haar hat an Glanz verloren und hängt in einem geflochtenen Zopf herunter.

Das Brodeln der Flüssigkeit holt mich aus meinen Gedanken und ich widme mich wieder dem Trank zu. Ich betrachte das Aurelinmoos in meiner Hand. Es leuchtet sanft, wie Hoffnung in all der Dunkelheit. Ich streue es vorsichtig hinein und rühre drei Mal im Uhrzeigersinn, während ich den Zauberspruch in der alten Fae-Sprache flüstere, den ich den ganzen Abend zuvor gelernt habe.

Der Trank fängt an zu schimmern und seine Farbe erinnert mich an Rosen im Morgengrauen. An sie. An das, was ich nicht verlieren darf. „Halt durch", flüstere ich, mehr zu mir selbst als zu ihr. „Nur noch ein wenig."

Nachdem ich alles abkühlen lassen habe, fülle ich die Mischung in kleine Phiolen. Ich werde ihr jeden Morgen und Abend eine verabreichen müssen, bis wir in ein paar Tagen Besserung erkennen können. Bis dahin heißt es warten. Ich werde die Zeit nutzen und die Bücher über vergessene Rezepte, Tinkturen und Tränke zu studieren, die noch ungelesen auf meinem Schreibtisch liegen. Ich hatte mir bei meinem letzten Besuch in der alten Stadtbibliothek einen Haufen Bücher mitgenommen, wovon ich erst ein Drittel gelesen habe. In keinem dieser Bücher habe ich gefunden, wie und womit ich Rose heilen kann. Also habe ich angefangen, nach Rezepten gegen ihre Symptome zu suchen.

Ich greife nach einer der Phiolen und halte sie gegen das Licht. Der Schimmer ist weich, irgendwie beruhigend. Vielleicht... Vielleicht ist das nicht nur ein Trank, der nur lindert, sondern auch heilt. Mit leisen Schritten gehe ich zu Rose. Ihre Stirn ist schweißnass, obwohl ihre Haut sich sehr kühl anfühlt. Ich knie mich neben die Bank, streiche ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und zögere kurz, bevor ich den Korken der Phiole herausziehe.

„Komm schon, Schwesterherz", murmle ich, während ich mit der freien Hand ihr Kinn anhebe. Ihre spröden Lippen bewegen sich kaum, als ich die Flüssigkeit langsam in ihren Mund tropfen lasse. Sie schluckt schwach, fast unmerklich, aber sie tut es.

Ich halte den Atem an, zähle innerlich. Eins... Zwei... Drei... Nichts. Kein Zeichen. Noch nicht.

Ich streiche ihr beruhigend über den Arm, spüre, wie dünn er geworden ist. Zu dünn. „Du musst durchhalten, hörst du?" Meine Stimme bricht fast und in meinen Augen sammeln sich Tränen. „Du hast mir versprochen, dass wir im nächsten Frühling zusammen zu den Lichtfeldern reisen. Du kannst nicht einfach-"

Ein Zucken, ganz leicht. Ihre Lider flackern für einen kleinen Moment. Ich halte inne, traue mich kaum zu blinzeln.

„Rose?" Sie antwortet nicht, aber ein leises Seufzen entweicht ihren Lippen. Es klingt... leichter. Nicht mehr so angestrengt wie zuvor. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, vielleicht ist es auch nur Wunschdenken. Aber es reicht mir. Für diesen Moment reicht es.

Ich ziehe mir den alten, braunen Ledersessel heran, indem ich so viele Stunden des Lesens verbracht habe. Meine Glieder fühlen sich schwer an, was kein Wunder ist. In den letzten Tagen habe ich meinem Körper nicht viel Ruhe gegönnt. Ein bis zwei Stunden Schlaf am Tag und eine Scheibe Brot, vielleicht auch mal einen Apfel.

Während Rose wieder in einen ruhigen Schlaf fällt, halte ich die Phiole zwischen meinen Fingern und starre auf das Licht, das durch das Fenster fällt. Es wirkt heller als noch vor einer Stunde. Ein kurzer Blick auf die Uhr verrät, dass der große Glockenturm auf dem Marktplatz schon bald die Mittagszeit ankündigen wird. Ich lasse mich tiefer in den Sessel sinken, aber schlafen werde ich nicht. Nicht, solange ich nicht weiß, ob Rose durchkommt.

Trotzdem schließen sich meine Augen für einen Moment. Nur einen.

Und plötzlich bin ich nicht mehr in der kleinen Küche, nicht mehr in diesem stillen Raum voller Dampf, Angst und Hoffnung. Ich bin draußen auf der Lichtung, die hinter unserem Elternhaus lag. Wo das Gras im Sommer so hoch stand, dass Rose kaum darüber hinwegsehen konnte.

„Du darfst nicht lachen!" hatte sie gerufen, während sie versuchte, barfuß über einen Baumstamm zu balancieren, der über einen Bach führte. Ihre Arme ruderten wild in der Luft und ihre Haare klebten schon nass an ihren Wangen und natürlich bin ich doch in Lachen ausgebrochen – genau in dem Moment, wo sie das Gleichgewicht verlor und bereits zum zweiten Mal mit einem lauten Platsch im Wasser landete. Sie sah aus wie ein nasser Feldkobold. Und ich hatte fast eine Stunde damit verbracht, das Moos aus ihren Haaren zu ziehen.

Ein anderes Mal hatten wir zusammen auf dem Dach unseres Hauses gelegen. Es war eine klare Nacht. Die Art von Nacht, wo so viele Sterne am Himmel erstrahlten, dass man nicht wusste, wohin man zuerst schauen soll. Rose hatte sich dicht an mich gekuschelt, der Wind brachte die Bäume leise zum Rauschen. „Wenn ich groß bin", hatte sie gesagt, „baue ich ein Haus auf einem der Sterne dort oben!" Ich habe gelacht. „Und wie willst du da hochkommen?"

„Du wirst mir eine Leiter bauen. Mit Zauberei!"

„Ich bin doch keine Himmelshexerin."

„Aber du bist meine Hexe!"

Ich presse die Lippen zusammen. Damals habe ich nicht geahnt, wie sehr mich dieser Satz einmal zerreißen würde. Ich war ihre große Schwester. Ihre Beschützerin. Die, die immer eine Lösung hatte. Und jetzt?

Jetzt sitze ich hier mit leeren Händen und einem Herzen, das sich an jeden Strohhalm klammert. „Halt durch", flüstere ich noch einmal, obwohl sie längst tief und fest schläft. „Bitte Rose." Ein leichter Windhauch streift mein Gesicht. Ich zucke leicht zusammen, öffne die Augen – und dann steht er da.

Nicht wie ein normaler Besucher. Nicht wie jemand, der durch die Tür kommt oder zumindest ein Geräusch von sich gibt, dass seine Ankunft ankündigt. Nein. Er steht einfach da, als wäre er schon immer ein Teil des Raumes gewesen. Als hätte er sich aus den Schatten zwischen Regal und Fenster geformt.

Sein Blick ist auf mich gerichtet. Wach. Ruhig. So intensiv, dass ich mich unwillkürlich aufrichte. Er gehört hier nicht her ist der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schießt. Er sieht nicht aus wie ein Fremder und doch ist alles an ihm fremd. Kein entstelltes Gesicht, keine Hörner, kein Funke dunkler Magie in der Luft – einfach nichts, was mir eine Erklärung für mein Gefühl liefern würde. Stattdessen hat er ebenmäßige Gesichtszüge, eine Ausstrahlung die zu ruhig, zu kontrolliert ist. Rabenschwarzes, kurzes Haar, das ihm lockig in die Stirn fällt. Und diese Augen – goldglühend, unergründlich. Als könnten sie Dinge sehen, die andere niemals sehen dürften. Trotz seiner großen Größe wirkt er nicht bedrohlich. Nicht auf den ersten Blick. Aber mein Instinkt schreit. Mein Gespür, geübt durch Jahrelange magischer Praxis rebelliert. Ich habe noch nie jemanden wie ihn gesehen und ich weiß mit beunruhigender Sicherheit, dass er nicht einfach ein Reisender ist, der sich in meinen Laden verirrt hat.

Ich starre ihn an und zwinge meine Stimme zur Ruhe „Wer bist du?" Er neigt leicht den Kopf, als würde ihn meine Frage nicht überraschen. „Du bist also die, die den Nebel verursacht hat" sagt er leise, mit einem Tonfall, der irgendwo zwischen Belustigung und Neugier liegt. „Interessant."

„Du hast meine Frage nicht beantwortet."

„Du hast sie nicht wirklich gestellt." Er macht einen Schritt auf mich zu, völlig geräuschlos.

„Aber gut, nenn mich Kaelen."

„Kaelen..." Ich spreche den Namen nach, versuche herauszufinden, ob ich ihn schon einmal gehört habe, doch ich werde nicht fündig. „Und was willst du hier?"

Er lächelt, als hätte ich ihm einen schlechten Witz erzählt. „Du hast etwas geweckt Ilayda. Etwas sehr Altes. Etwas Mächtiges."

„Ich habe einen Trank gebraut, keine Tore geöffnet."

„Nicht absichtlich, nein." Seine Augen funkeln für einen kurzen Augenblick auf. „Aber Magie dieser Art... sie flüstert. Sie lockt. Und manche von uns hören besser als andere."

„Was bist du?" frage ich, schärfer als ich beabsichtigt habe.

Er wirkt amüsiert. „Das fragst du mich, nachdem du mich so indiskret in deine Küche eingeladen hast?"

Ich ziehe eine Augenbraue hoch und verschränke die Arme. „Ich habe dich nicht eingeladen!"

„Dann war es wahrscheinlich der Trank." Er hebt eine Braue und sein Mundwinkel zieht sich kaum merklich nach oben. „Er roch nach Hoffnung. Fast schade, dass ich keine Brauche."

„Witzig." Ich stemme die Hände in die Hüfte, meine Müdigkeit wie weggeblasen. „Wenn du mir damit sagen willst, dass meine Magie gefährlich ist – danke für die Warnung. Und jetzt verlass bitte meinen Laden. Ich habe geschlossen!"

„Ich bin nicht hier, um dich zu belehren. Ich bin hier, weil du wichtig sein könntest."

„Ich bin eine einfache Alchemistin mit einer sterbenskranken Schwester. Ich bin Garnichts!" Die Worte verlassen meine Lippen härter, als ich sie fühle. Ich will keine Aufmerksamkeit. Nicht von ihm. Nicht von jemandem, dessen Nähe sich so falsch anfühlt.

Sein Blick wandert zu Rose, die noch immer schlafend auf der Bank liegt. Seine Miene verfinstert sich. Nicht vor Spott oder Abscheu, sondern... Nachdenklichkeit?

„Du würdest alles für sie tun", sagt er leise.

„Und du solltest jetzt wirklich besser gehen", flüstere ich, während ich mich zwischen ihm und Rose stelle, um ihm den Blick zu verwehren. „Und zwar bevor ich herausfinde, was du bist und wie ich dich wieder loswerde!"

Kaelen sieht mich einen Moment an, dann – fast widerwillig – zieht er sich zurück. Nur einen Schritt. „Wir werden uns bald wiedersehen, Ilayda Morwenne." Und mit einem Wimpernschlag ist er einfach verschwunden – spurlos.

Zurück bleibt nur Stille.

Doch sie fühlt sich anders an als zuvor. Schwerer. Dicht wie Rauch, der sich nicht auflösen will. Und obwohl er weg ist, liegt noch immer eine fremde Präsenz in der Luft. Wie ein funken Magie von etwas Übernatürlichem.

Ein Schauer läuft mir über den Rücken. Die Wärme, die das Feuer unter dem Kessel bis eben verbreitet hat, scheint verschwunden zu sein. Selbst die Sonnenstrahlen, die durch mein kleines Fenster fallen, wirken plötzlich blass. Als hätte er ihre Kraft und Wärme mit sich genommen. Ich presse die Lippen aufeinander, zwinge mich dazu, ruhig zu atmen. Doch mein Herzschlag rast immer noch viel zu schnell. Was... war das?

Er hat kaum etwas gesagt und doch fühlt es sich so an, als hätte jemand tief in mein Inneres geblickt. Als hätte er etwas in mir gesehen, dass ich selbst nicht benennen kann. Und sein Blick war so durchdringend, als hätte er mehr über mich gewusst als er sollte.

Ich spüre ein Ziehen in meiner Brust. Keine Angst – nicht nur. Es ist etwas anderes. Eine Art Unruhe, die ich nicht loswerden kann. Eine Art Ahnung, dass mit seinem Auftauchen etwas in Bewegung geraten ist, dass ich nicht aufhalten kann.

Langsam gehe ich zum Fenster und öffne es einen Spalt. Eine kalte Brise strömt herein und kühlt mein erhitztes Gesicht. Die Luft fühlt sich echter an als das, was er hier hinterlassen hat. Meine Finger zittern, als ich mich abstütze und versuche mich auf das zu konzentrieren, was real ist: Die kühle Fensterbank unter meinen Händen, der leichte Luftzug auf meiner Haut und das leise Atmen meiner Schwester hinter mir.

Aber selbst das reicht nicht, um dieses Gefühl ganz zu vertreiben.

Etwas ist gekommen.

Etwas, das mich gesehen hat.

Und etwas in mir flüstert, dass es nicht das letzte Mal war.