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Zweite Chance fürs Glück

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Zusammenfassung

Genre: Slow Burn · Age Gap · Found Family · Hurt/Comfort · M/M Romance Jason Harries war schon immer der Unruhestifter der Stadt – der Junge mit zu viel Eyeliner, zu wenig Geld und einer Mutter, die ihn nur dann beachtet, wenn sie etwas braucht. Er zählt die Tage bis zum Abschluss und träumt davon, dieses Kaff für immer hinter sich zu lassen. Dann trifft er auf Bryce Michels – den ehemaligen Biker, der nach ein paar Jahren hinter Gittern den örtlichen Pub gekauft hat. Bryce ist kantig, schweigsam und schwer zu durchschauen; er will eigentlich nur seine Ruhe. Ein geregeltes Leben. Ohne Bindungen. Doch als Jason verzweifelt auf der Suche nach Arbeit bei ihm auftaucht, prallen ihre Welten auf eine Weise aufeinander, die keiner von beiden erwartet hat. Aus einem Job werden lange Nächte und gemeinsame Mahlzeiten. Aus Fürsorge wird Trost. Und aus Trost wird etwas, das gefährlich ist, weil man es sich zu sehr wünscht. In einer Stadt, die die Vergangenheit niemals vergisst, beginnen zwei zerbrochene Leben zueinanderzufinden – langsam, unbeholfen, zärtlich. Doch als die Geister aus Bryces altem Leben zurückkehren, lernt Jason, dass Sicherheit ihren Preis hat … und Liebe nicht immer sanft ist. Eine Slow-Burn-Found-Family-Romance über zweite Chancen, Vertrauen und die unerwartete Wärme, nach Hause zu kommen – selbst wenn dieses Zuhause ein Mann ist, in den man sich eigentlich nie hätte verlieben dürfen.

Genre:
Lgbtq
Autor:
Emmian
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
36
Rating
4.9 37 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Jasons Leben war ein Klischee, nach dem er nie gefragt hatte. Der Vater war schon vor dem Kindergarten abgehauen. Seine Mutter verbrachte die Tage vor dem Fernseher, während sich das Flimmern der Nachmittags-Talkshows in einer halbleeren Flasche aus dem Superdeal-Discounterregal spiegelte.

Er war an Orten wie diesem aufgewachsen – klebrige Böden, der Geruch von Bier und Frittierfett und ein Lachen, das nach Mitternacht bösartig wurde. Mit achtzehn hatte er gelernt, eine Kneipe zu lesen, wie andere Kinder ihre Schulbücher. Und er hasste jeden Tropfen davon.

Jetzt stand er vor genau so einem Tresen und hielt einen zerknitterten Zettel fest, den er von der Pub-Tür abgerissen hatte.

Aushilfe gesucht – abends.

„Jason Harries“, sagte er und streckte seine Hand über den Tresen. Der Mann auf der anderen Seite ergriff sie nicht. Er zog nur eine Augenbraue hoch – ruhig und prüfend, als hätte er jede Art von Ärger schon mal gesehen und wäre nicht im Geringsten beeindruckt.

Jason ließ die Hand sinken und schob den Zettel auf das Holz. „Ist der Job noch frei?“

Bryce kannte diesen Blick – diese Mischung aus Trotz und Nervosität, wie bei jemandem, der schon mit einer Absage rechnet, bevor der Satz überhaupt zu Ende ist. Er lehnte sich mit verschränkten Armen ein Stück über den Tresen und musterte ihn. Der Junge konnte unmöglich älter als achtzehn sein, egal was er behaupten würde. Aber da war etwas an der Haltung seiner Schultern – eine stille Einsatzbereitschaft –, das Bryce davon abhielt, sofort Nein zu sagen.

„Harries, hm?“, sagte er mit tiefer, gleichmäßiger Stimme. „Hab deine Mutter schon länger nicht mehr gesehen.“

Der Name zuckte wie ein Funke über das Gesicht des Jungen. „Sie geht nicht mehr aus dem Haus“, murmelte er.

In seinem Ton lag keine Bitterkeit – nur Erschöpfung. Bryce erkannte das wieder. Er hatte diese Art von Ausdruckslosigkeit schon von Männern gehört, die doppelt so alt waren und hinter Betonmauern saßen.

„Wie alt bist du, Harries?“

„Zwanzig.“ Zu schnell. Die Lüge hatte kaum Zeit zum Atmen.

Bryce ließ es so stehen, ohne nachzuhaken, und widmete sich wieder dem Abwischen des Tresens. Er war heute nicht in der Stimmung, jemanden in die Zange zu nehmen.

Im Pub war es die ganze Woche über ruhig gewesen – das typische Tief außerhalb der Saison. Er dachte sich, dass er Hilfe gebrauchen könnte, selbst wenn sie mit einer gewissen Portion Arroganz daherkam.

Jasons Magen knurrte so laut, dass es fast den Rocksong im Hintergrund übertönte. Er fluchte leise vor sich hin. Hinter dem Geruch von altem Bier und rissigem Leder lag etwas Schärferes in der Luft – Speck vielleicht oder Essiggurken. Sein ganzer Körper schrie vor Hunger.

„Und die Schule?“, fragte der Mann plötzlich und brach das Schweigen.

Jason blinzelte, völlig überrumpelt. „Ist um drei aus. Du machst erst um sieben auf.“ Er sagte es fast wie eine Herausforderung, aber der Mann grinste nur kurz und hob die Mundwinkel.

„Zwanzig und immer noch in der Schule?“, fragte er.

Er sah aus wie Mitte dreißig, vielleicht älter – kurz geschorenes Haar, ein langer, gepflegter Bart und Tattoos, die unter den hochgekrempelten Ärmeln verschwanden. Bryce Michels, fiel Jason ein. Der neue Besitzer von The Corner Pub. Einer der alten Stammläden seiner Mutter.

Jason zuckte mit den Schultern und vergrub die Hände in den Taschen seines Hoodies. „Musste ein paar Klassen wiederholen.“

Ihm gefiel nicht, was dieser Mann in ihm auslöste – er fühlte sich zu durchschaut, zu leicht zu lesen. Normalerweise sahen die Leute ihn nicht lange an. Sie steckten ihn sofort in eine Schublade und wandten sich ab. Aber dieser Typ – Bryce Michels, der Name blieb hängen – wandte sich nicht ab. Er wirkte wie jemand, der alle Zeit der Welt hatte, um ihn einfach abzuwarten.

Dann verschwand Bryce wortlos durch die Schwingtür hinter der Bar.

Jason erstarrte. War das ein Nein? Rief er die Bullen? Konnte man verhaftet werden, weil man bei einem Vorstellungsgespräch log, das gar kein richtiges war?

Seine Gedanken rasten im Kreis, immer schneller, bis sich die Worte in seinem Kopf überschlugen. Er könnte einfach gehen. Einfach abhauen und nach Hause gehen. Aber zu Hause warteten nur Stille und der Gestank von billigem Whiskey.

Er wandte sich der Tür zu.

Bryce kam mit einem Teller zurück. „Setz dich“, sagte er und schob ihn über den Tresen.

Jason starrte ungläubig auf das BLT-Sandwich, von dem noch der Dampf aufstieg.

„Setz dich“, wiederholte Bryce, und diesmal schwang in seiner Stimme dieser befehlende Unterton mit, der die Leute zum Zuhören brachte. Die Art von Autorität, die nicht laut werden muss.

Jason setzte sich.

Bryce stellte ein Glas Cola daneben, lehnte sich auf seine Unterarme und beobachtete ihn. „Iss.“

Jason zögerte noch eine Sekunde, dann biss er in das Sandwich. Der erste Bissen traf ihn wie ein Schlag – Salz, Wärme, echtes Essen. Er aß schnell, fast schämte er sich dafür.

Bryce drehte sich weg, um ihn nicht zu bedrängen. Die Hände des Jungen zitterten beim Essen ein wenig, aber nicht vor Angst – vor Hunger. Bryce kannte auch das. Diese Art von Hunger, die man hat, wenn man Mahlzeiten ausfallen lässt, damit die eigene Mutter nicht sieht, dass nichts mehr da ist.

Als Jason langsamer wurde, ergriff Bryce wieder das Wort. „Das ist kein Almosen. Betrachte es als deinen ersten Vorschuss.“

Jason sah ihn verwirrt an. „Du stellst mich ein?“

„Der Schrubber ist in der Küche“, sagte Bryce. „Der Boden muss geschrubbt werden, bevor wir aufmachen. Tische abwischen. Aschenbecher leeren. Eisbehälter auffüllen.“ Er machte eine kurze Pause, um zu sehen, ob der Junge zurückweichen würde. Er tat es nicht.

„Den Alkohol rührst du nicht an. Verstanden?“

Jason nickte mit vollem Mund. Seine Augen leuchteten jetzt – nicht vor Tränen, sondern vor etwas, das verdammt nach Hoffnung aussah.

„Sieben Tage die Woche“, fuhr Bryce fort. „Komm um sechs. Bleib bis nach Feierabend.“

Jasons Blick huschte zu dem Schild über der Bar, während er im Kopf nachrechnete. Das kriege ich hin, dachte er. Dann schlafe ich eben nur vier Stunden. Egal. Es ist ein Anfang.

Er schluckte schwer, wischte sich den Mund ab und fragte leise: „Wann fange ich an?“

Bryce stieß leise den Atem aus, den er unbewusst angehalten hatte. „Jetzt.“

Der Junge lächelte zum ersten Mal – ein kurzes, schiefes und freches Aufblitzen –, und dann war er weg und verschwand durch die Hintertür, um den Schrubber zu suchen.

Bryce sah zu, wie die Tür ins Schloss fiel, und schüttelte den Kopf, wobei ein leichtes Grinsen in seinem Bart erschien.

Ärger, dachte er. Aber die Sorte, die es wert sein könnte.

Er nahm den Lappen wieder in die Hand und wischte in langsamen Kreisen über den Tresen. Dabei tat er so, als würde er den ungleichmäßigen Rhythmus der Schrubberstöße aus dem Hinterzimmer nicht hören.

Es war lange her, dass der Laden so lebendig geklungen hatte.

Der Schrubberstiel knallte wieder gegen die Fliesen. Jason fluchte leise und packte ihn fester. Er war diese Art von Stille nicht gewohnt – die Art, in der die eigenen Gedanken viel zu laut hallten.

Er musste in Bewegung bleiben. Wenn er aufhörte, finge er an zu grübeln. Und das Grübeln führte ihn immer wieder zurück nach Hause.

Der Pub roch nach Bier, Metall und Reinigungsmittel. Die Glühbirnen an der Decke summten leise, und Staub wirbelte wie träger Schnee durch die Luft. Er hatte den halben Boden geschafft, als Bryces Stimme hinter ihm ertönte.

„Nimm den Eimer, nicht nur den Lappen. Du schiebst den Dreck sonst nur hin und her.“

Jason schreckte hoch und verschüttete graues Wasser über seine Schuhe. „Jesus, du schleichst dich ja richtig an.“

Bryce lächelte nicht. Er ging in die Hocke, wrang den Schrubber ordentlich aus und reichte ihn zurück. „Die Ecken nicht vergessen.“

Jason seufzte und gehorchte. Für einen Mann, der kaum ein Wort verlor, verstand er es verdammt gut, Stille wie ein Machtwort klingen zu lassen.

Bryce lehnte mit verschränkten Armen am Tresen und sah zu. Der Junge bewegte sich, als hätte er einen Motor unter der Haut – nervös, schnell, unfähig stillzustehen, selbst wenn es nichts mehr zu putzen gab. Vielleicht ADHS. Oder einfach das Leben. Jedenfalls sprühte er vor Energie.

„Bist du immer so zappelig?“, fragte Bryce.

Jason blickte auf, die Haare fielen ihm in die Stirn. „Was?“

„Dein Bein wippt schon seit zwanzig Minuten.“

Jason blinzelte, schaute an sich runter und stoppte sein Knie mitten in der Bewegung. „Oh. Ja. Das hilft mir beim Konzentrieren.“

Bryce nickte einmal. „Dann wipp ruhig weiter. Wirf nur den Eimer nicht um.“

Das entlockte ihm das erste Lachen – klein und überrascht. Es lockerte die Stimmung zwischen ihnen merklich auf.

Gegen sieben trudelten die Stammgäste ein. Fabrikarbeiter, Lkw-Fahrer, die gleichen Gesichter, die jede Kleinstadt hervorbrachte. Sie nahmen ihre üblichen Plätze ein, bestellten ihre üblichen Getränke und versanken in dem immer gleichen Schweigen nach Feierabend.

Jason räumte Tische ab und wischte Tresen, immer flink und in Bewegung. Hin und wieder huschte sein Blick zu Bryce. Der Mann arbeitete wie ein Uhrwerk – keine unnötige Bewegung, keine laute Stimme. Einfach nur stetige, ruhige Kontrolle. Es hatte eine Anziehungskraft, die Jason sich nicht erklären konnte.

Als Bryce ihm ein Glas Cola zuschob, zögerte Jason. „Das ziehst du mir aber nicht vom Lohn ab, oder?“

Bryce warf ihm einen Seitenblick zu. „Nicht, solange du keinen Schuss Rum verlangst.“

Jason grinste und lehnte sich an den Tresen. „Sag mal, ist hier immer so wenig los?“

„Es ist Montag“, sagte Bryce. „Warte erst mal den Freitag ab. Du wirst es hassen.“

„Das bezweifle ich.“

Bryce schmunzelte kaum merklich. „Glaub mir einfach.“

Später am Abend zischte eine Dampfwolke aus der Spülmaschine, als Jason die Haube hob, um das Korbgestell mit den Gläsern herauszuziehen. Es war eine ruhige Nacht gewesen – nur ein paar Einheimische, bekannte Gesichter, die er lieber vergessen würde. Einer von ihnen war Oscars Vater – ein hitzköpfiger Säufer, der vor Jahren schon aufgegeben hatte. Oscar war kein enger Freund, aber doch vertraut genug, dass Jason ein flaues Gefühl im Magen bekam, wenn er sah, wie sein Vater das Geld fürs Abendessen in Bier ertränkte.

Deshalb war er in die Küche geflüchtet – um durchzuatmen, runterzukommen und sich davon abzuhalten, etwas zu sagen, das er später bereuen würde.

Die Hitze drückte schwer und metallisch auf ihn nieder. Er wischte sich die Handflächen an dem schwarzen T-Shirt ab, das Bryce ihm vorhin gegeben hatte – das mit dem Logo des Pubs über dem Herzen – und trug die sauberen Gläser nach vorne.

„Noch eine Stunde“, murmelte er sich selbst zu und schaute auf die Uhr.

Man hätte meinen können, er wolle unbedingt weg, aber das Gegenteil war der Fall. Er hasste es, nach Hause zu gehen. Dort fand ihn der Ärger meistens. In den letzten Jahren hatte er gelernt, nachts ziellos durch die Straßen zu streifen, um Zeit totzuschlagen, bis er sicher war, dass seine Mutter weggetreten war.

Die Küchentür schwang auf. Bryce tauchte auf – mit unergründlichem Gesichtsausdruck, hochgekrempelten Ärmeln und einem frischen Bierfass, das er auf einem Rollwagen vor sich herschob.

Er ging wortlos an ihm vorbei, verschwand im Lager und kam gleich wieder zurück. Jason stapelte die Gläser an ihren Platz und wagte einen Blick zu ihm – der Mann kniete hinter der Bar und schloss das Fass mit routinierter Präzision an.

„Brauchst du Hilfe?“, fragte Jason.

Bryce schüttelte den Kopf, stand auf und nahm das Glas, das Jason gerade abgetrocknet hatte. Er füllte es aus dem neuen Fass, schnupperte daran, probierte einen Schluck und schüttete den Rest in den Abfluss.

„Das Lager war voll, als ich den Laden übernommen habe“, sagte er. „Die Fässer standen da wohl schon ein paar Jahre.“ In seiner Stimme schwang ein Hauch von Belustigung mit.

„Ich glaube nicht, dass die hier viel Wert auf Qualität legen“, murmelte Jason und nickte zu den halb schlafenden Fabrikarbeitern rüber.

Bryce nickte kurz. „Der mittlere Zapfhahn ist für die Stammgäste. Der rechte für die Leute von Techtron. Und falls durch irgendein Wunder mal ein Feinschmecker auftaucht, gehört ihm der linke Zapfhahn.“

„Soll ich mir das merken?“, frotzelte Jason. „Du meintest doch, ich darf den Alkohol nicht anrühren.“

Bryce sah ihn lange an. Dann sagte er bestimmt: „Lass mich die Regeln klarstellen, Harries. Du darfst so viel ausschenken, wie du willst – je mehr, desto besser. Aber du trinkst nicht. Keinen einzigen Tropfen.“

Die Worte waren nicht grob, aber es lag eine Schärfe darin – eine Autorität, die Jason lieber nicht herausfordern wollte.

„Verstanden?“

Er nickte schnell.

Bryce kniff die Augen leicht zusammen. „Verstanden?“

„Ja, Sir“, entfuhr es Jason, bevor er es verhindern konnte.

Bryce nickte kurz und verschwand wieder im Lager.

Bryce wusste selbst nicht genau, warum er ihn eingestellt hatte. Der Junge bestand nur aus zappeligen Gliedmaßen und vorlauten Sprüchen – genau die Art von Energie, die in einem Laden wie diesem normalerweise in einer Katastrophe endete. Aber da war etwas an ihm – diese Mischung aus Stolz und Hunger –, das Bryce neugierig machte, ob er durchhalten würde.

Er war früher auch so ein Junge gewesen. Vor dem Knast. Bevor er gelernt hatte, dass Schweigen eine Waffe sein konnte.

Vierzig Minuten später torkelte der letzte Gast hinaus. Bryce schloss die Tür ab und drehte das Schild um. Die Jukebox verstummte; der Pub schien tief durchzuatmen. Jason wischte die Bierflecken vom Boden, während Bryce die Kasse machte. Als der letzte Schein im Umschlag verschwand, legte Bryce ein paar Scheine auf den Tresen.

„Der Lohn für heute“, sagte er.

Jason runzelte die Stirn. „Tageslohn? Du glaubst wohl nicht, dass ich wiederkomme.“

Bryce sah auf. In seinen Augen lag jetzt etwas Kaltes – kein Zorn, sondern Kalkül. „Du bist leicht zu lesen, Harries. Du hast eine Verbindung zu den Idioten an dem Tisch da. Die Wut stand dir ins Gesicht geschrieben.“

Jason biss sich auf die Lippe. „Ich hab das im Griff.“

„Bist du sicher?“ Bryce lehnte sich mit verschränkten Armen zurück. „Ich habe nur einen Jungen gesehen, der seine Gefühle unterdrückt und sich in der Küche versteckt hat.“

Jasons Kiefer spannte sich an. „Du denkst also, ich schwänze die Arbeit, weil ich ihnen nicht mehr unter die Augen treten will?“

Bryce zuckte mit den Schultern. „Das werden wir ja sehen.“

„Und was zum Teufel hätte ich bitteschön tun sollen? Den Typen anschreien, dass er nach Hause gehen und sich um seine Familie kümmern soll? Ihn verprügeln? Das wäre ja wohl nicht gerade förderlich fürs Geschäft!“

„Kunden darf man nicht anschreien“, sagte Bryce gelassen. „Aber seinen Chef anzubrüllen ist okay?“

„Weil du— Früher oder später...“

„Weil ich dich provoziere? Weil ich dich durchschaue? Weil dir nicht passt, was ich sage?“ Er trat einen langsamen Schritt näher, bis seine Stimme den ganzen Raum auszufüllen schien. Dann schob er die Scheine zu Jason rüber und wandte sich ab. „Geh nach Hause zu deiner Mutter, Junge. Komm wieder, wenn du ein bisschen erwachsener geworden bist. Ich brauche keine Memmen, die sich verkriechen, wenn es mal hart auf hart kommt.“

Jason starrte ihn fassungslos an. Er war es gewohnt, beleidigt zu werden, aber niemand – absolut niemand – hatte ihn jemals einen Feigling genannt.

Normalerweise hätte er zugeschlagen. Aber Bryce Michels war nicht wie andere Männer. Er war kräftiger. Ruhiger. Ein Sturm, der es nicht nötig hatte zu brüllen.

Jason schnappte sich das Geld, riss sich die Schürze vom Leib und stürmte zur Tür hinaus.

Bryce sah ihm nach – der Kiefer fest angespannt, das Herz schwer. Die Wut des Jungen loderte heiß auf, aber darunter lag noch etwas anderes. Vielleicht Angst. Schmerz. Er fuhr sich mit der Hand durch den Bart und atmete langsam aus. Er hatte diese Art von Feuer schon oft gesehen – die Sorte, die Menschen entweder vernichtet oder sie neu formt. Er war sich nur noch nicht sicher, welche Sorte bei Jason Harries zutreffen würde.

Draußen hörte er, wie die Schritte in der Nacht verhallten. Er knipste das Licht aus, und der Pub versank in Schatten.

„Ärger“, murmelte er vor sich hin. „Du wirst noch für eine Menge Ärger sorgen.“

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author

Great way to build the atmosphere and ambiance of the setting and the two main protagonist here. And best of all - no grammar errors. I’m liking this story already. Something rustic about it all.

2 Monate
author

wow 😮 your story is very well

ein Monat
author

please read my story 🙏

ein Monat
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