Mondgebunden: Die wiedergeborene Braut des Alphas

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Zusammenfassung

Sie starb durch den Verrat eines Wolfes, nur um mit einem brennenden Durst nach Rache wiedergeboren zu werden. Evelyn Reeds Welt zerbrach, als sie von Alexander Crowe verraten und von Chloe Sterling vergiftet wurde. Wie durch ein Wunder kehrt sie vom Tod zurück, bewaffnet mit schmerzhaften Erinnerungen und einem eisernen Entschluss. Nicht länger die hilflose Ehefrau des kalten Alphas Lucien Blackwood, übernimmt Evelyn die Kontrolle und nutzt ihr Wissen über die Zukunft, um sich in der tückischen Welt der Übernatürlichen zu behaupten. Ihre Metamorphose weckt Luciens schlummernde Alpha-Instinkte. Seine anfängliche Gleichgültigkeit wandelt sich in eine besitzergreifende Faszination, als er ihre einzigartige Eisenhut-Mutation und die wachsende Gefahr, die sie anzieht, spürt. Zwischen ihnen entbrennt eine flüchtige, unbestreitbare Anziehungskraft, während der uralte Krieg zwischen Werwölfen und Jägerfamilien eskaliert. Evelyn deckt bald die Verschwörung der Jäger auf, die Lebensquelle des Rudels – das heilige „Herz von Lycaon“ – zu vernichten. Während des Chaos einer Invasion bei Vollmond überlistet sie ihre Peiniger und verbindet in den einstürzenden Tiefen des Gewölbes ihr menschliches Blut und ihren Willen mit Luciens Alpha-Stärke. Gemeinsam formen sie das zerbrochene Herz neu. Sie kehrte für Rache zurück, fand aber in der Dunkelheit ein neues Leben und eine leidenschaftliche Liebe. Schulter an Schulter mit ihrem Alpha wird Evelyn zur Luna des Rudels und schmiedet ein neues Vermächtnis, geboren aus menschlichem Verstand und Wolfsblut. Ihre Welt hat sich für immer verändert, und gemeinsam blicken sie dem Morgengrauen entgegen.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
20
Rating
4.9 8 Bewertungen
Altersfreigabe
13+

Kapitel 1: Das Ende in Silber und Eisenhut

Das Silber brannte. Es fraß sich wie ein Fluss aus flüssigem Leid durch Evelyn Reeds Adern und jagte den tückischen Frost des Eisenhuts, der bereits sein grausames Werk begonnen hatte. Sie lag zusammengerollt auf dem kalten Marmorboden des Master-Badezimmers; der prunkvolle Raum, der einst für Komfort geschaffen wurde, war nun ein Grab exquisiter Qualen. Regen peitschte gegen die hohen, gewölbten Fenster von Blackwood Manor und ahmte das verzweifelte Hämmern ihres eigenen sterbenden Herzens nach. Jeder Atemzug war ein rauer Riss in ihrer Lunge, jeder Schnaufer ein Kampf gegen die erstickende Umklammerung des Giftes.

Ihre Finger, bleich und taub, zuckten auf den eisigen Fliesen. Der Schmerz war nicht nur körperlich; es war eine Sinfonie des Verrats, die die Leere in ihrer Seele widerspiegelte. Sie hatte einst geglaubt, dieses herrschaftliche Haus und dieser mächtige Mann, Lucien Blackwood, ihr Ehemann, würden ihr Schutz und eine Zukunft bieten. Was für eine naive Närrin sie doch gewesen war.

Ein leises Klicken, dann das sanfte Schwingen der Badezimmertür. Evelyn konnte den Kopf nicht heben, doch der Duft von Jasmin und teurer Seide kündigte ihre Peinigerin an. Chloe Sterling. Selbst in ihrem Todeskampf bäumte sich Evelyns Geist auf. Chloe, mit ihrer porzellanartigen Haut, ihren weiten, unschuldigen Augen und einem Lächeln, das schon immer ein wenig zu süß, ein wenig zu scharf gewesen war.

„Evelyn, Liebes.“ Die Stimme war wie eine seidige Liebkosung, durchzogen von einer eiskalten, kaum unterdrückten Schadenfreude. Chloes Schatten fiel lang und elegant über sie. „Oh, meine arme Kleine. Was hast du dir nur angetan?“

Evelyn wollte schreien, um sich schlagen, die perfekt manikürte Hand wegkratzen, die sich nun ausstreckte, um heuchlerisch besorgt eine Strähne feuchten Haares von Evelyns kalter Stirn zu streichen. Doch ihre Muskeln verweigerten den Dienst. Ihr Hals schnürte sich zu, und ein dicker, metallischer Geschmack legte sich auf ihre Zunge. Sie konnte sich nur winden wie ein erbärmliches, sterbendes Geschöpf.

Chloe kniete sich hin, ihr teures Negligé aus Seide schimmerte wie flüssiges Mondlicht – ein krasser Kontrast zu Evelyns fleckigem, zerrissenem Nachthemd. Ihr Parfüm, das sonst leicht und blumig roch, wirkte nun aufdringlich und süßlich wie ein Leichentuch.

„So eine Schweinerei“, zischte Chloe, ihre Stimme triefte vor falschem Mitleid. „Soll ich Lucien rufen? Er könnte… wenig erfreut sein, dich so zu finden, meine Liebe.“

Die Erwähnung seines Namens entfachte eine neue Welle des Schmerzes, schärfer als jede körperliche Qual. Lucien. Ihr Ehemann. Der Mann, dessen stechende graue Augen einst alles versprochen hatten, bot ihr jetzt nur kalte Gleichgültigkeit. Er würde wenig erfreut sein? Er würde nicht einmal um sie trauern. Er würde einfach die Scheidungspapiere unterschreiben, die in einer Woche unberührt auf ihrem Nachttisch liegen würden. Oh, die Ironie. In einer Woche wäre sie fort und er wäre frei.

„Niemand wird um dich trauern, Evelyn“, fuhr Chloe fort, während ihr wahres Ich endlich die Maske der Unschuld abstreifte. Ihre Augen, sonst weit und treuherzig, verengten sich vor kaltem Triumph. „Ein tragischer Selbstmord, werden sie sagen. Die arme, zerbrechliche Evelyn kam mit dem Druck nicht klar. Niemand wird jemals tiefer graben. Niemand wird etwas ahnen.“

Ihre Worte waren wie ein grausamer Hammerschlag, der Evelyns dunkelste Befürchtungen bestätigte. Das war kein Unfall. Das war Mord. Und der Drahtzieher war nicht nur Chloe.

„Alexander lässt übrigens schön grüßen“, schnurrte Chloe wie eine Schlange. „Er ist sehr zufrieden. Sagte, du wärst leichter reinzulegen gewesen, als er dachte. All diese süßen Worte, diese Versprechen auf eine Zukunft fernab vom ‚kalten, gefühllosen Alpha‘… Eine perfekte Vorstellung, wirklich. Du bist ihm voll auf den Leim gegangen.“

Alexander. Xander. Der Mann, der sich in ihre Verletzlichkeit geschlichen hatte, der ihr die Flucht versprach, ein neues Leben, eine Liebe, die Lucien ihr nie geboten hatte. Er hatte giftige Lügen über Lucien und die Blackwood-Familie geflüstert und sich selbst als ihren Retter dargestellt. Die ganze Zeit über war er nur ein weiteres Raubtier, das sie in dieses grausame Ende lockte. Ihr Magen drehte sich um, nicht nur wegen des Giftes, sondern wegen des tiefen Selbsthasses, der in ihr aufkeimte. Wie konnte sie nur so blind und so dumm gewesen sein?

Chloe holte dann ein kleines, verziertes Silberfläschchen aus der Tasche ihres Negligés und ließ es gedankenverloren zwischen ihren Fingern kreisen. Das Metall glänzte bedrohlich im fahlen Licht. „Diese kleine Mixtur“, murmelte sie und hielt das Fläschchen näher an Evelyns Gesicht, „ist etwas ganz Besonderes. Ein Familiengeheimnis eigentlich. Perfekt, um… etwas besonders Hartnäckiges loszuwerden.“

Ein urzeitlicher, schrecklicher Schock durchfuhr Evelyn. Es war nicht nur der Anblick des Fläschchens oder des Giftes; es war das Silber selbst. Eine tiefe, instinktive Angst, uralt und ungebeten, pulsierte in ihrem sterbenden Bewusstsein. Sie hatte nie verstanden, warum sie eine solche Abneigung gegen Silber verspürte, ein Kälteschauer, der über bloße Ästhetik hinausging. Doch jetzt, als das Glänzen des Metalls das Licht einfing, riss ein stummer Schrei durch ihren Geist – *Bann, Zerstörung, Tod*. Es fühlte sich… falsch an, zutiefst unnatürlich, auf eine Weise, die sie nicht einmal vor sich selbst in Worte fassen konnte. Welches „hartnäckige Ding“ meinte Chloe nur? Ein Schauer, kälter als der Griff des Eisenhuts, lief ihr über den Rücken.

„Und nun“, fuhr Chloe fort und beugte sich näher, ihr Atem roch widerlich süß, „wird Lucien ganz mir gehören. Der Alpha, das Rudel, dieses ganze Imperium. Es war immer so bestimmt. Du warst nur eine vorübergehende Ablenkung, ein hübsches kleines menschliches Spielzeug, das er aus… vielleicht aus Pflichtgefühl erworben hat. Aber bald wird er eine Luna brauchen, eine wahre Gefährtin, die seine Welt versteht. Jemand wie ich.“

Evelyns Wut flammte heiß und nutzlos auf. *Luna? Gefährtin?* Welcher Wahnsinn war das? Und was meinte Chloe mit „seiner Welt“? Das waren nicht die Worte einer normalen Frau. Doch ihre Gedanken begannen bereits zu zerfasern und lösten sich in einem verschwommenen Dunst auf.

Sie sah flüchtige Bilder: Luciens imposante Gestalt, immer distanziert, immer geladen mit einer unausgesprochenen Macht; Alexanders charmantes Lächeln, eine Maske vor den Giftzähnen einer Schlange; das besorgte Gesicht ihrer Mutter, ihr einziger wahrer Anker in diesem tückischen Leben. Mutter. Ihr einziger Kummer war, sie zurücklassen zu müssen.

Chloe erhob sich, ihre Bewegungen fließend und anmutig, eine Tänzerin des Todes. Als sie sich abwandte, teilte sich ihr Negligé kurz, und Evelyns verschwommener Blick erhaschte etwas an ihrem Knöchel – eine blasse, gezackte Narbe, fast wie ein alter Kratzer, der auf ihrer hellen Haut kaum zu sehen war. Es war ein seltsames Detail, das so gar nicht zu Chloes ansonsten makellosem Erscheinungsbild passen wollte, aber Evelyns Verstand war zu weit weg, um die Bedeutung zu begreifen.

„Leb wohl, Evelyn“, sagte Chloe, ihre Stimme nun völlig frei von jeder Vorspiegelung, ein grausames, endgültiges Urteil. „Schlaf gut.“

Die Tür klickte ins Schloss und stürzte Evelyn zurück in die erstickende Dunkelheit ihres nahenden Untergangs. Das Silber pulsierte, der Eisenhut betäubte sie, und die Kälte kroch in sie hinein, stahl ihre Wärme, ihr Leben. Ihr Blick verschwamm, die Ränder des Raumes lösten sich in Schwarz auf. Das Letzte, was sie hörte, war das verzweifelte Trommeln ihres eigenen Herzens, das langsamer und langsamer wurde…

Und im allerletzten Flimmern ihres Bewusstseins entwich ein Flüstern ihren Lippen, ungeäußert, aber tief empfunden; nicht aus Hass, sondern ein verzweifeltes, letztes Flehen, ein Name, den sie verflucht und nach dem sie sich gesehnt hatte: *Lucien…*

Dann, gesegnetes, schreckliches Vergessen.

Ein Keuchen entriss sich Evelyns Lippen, rau und durchdringend.

Ihre Augen rissen auf, weit und desorientiert. Statt erstickender Dunkelheit strömte gleißendes Sonnenlicht durch ein unbekanntes Fenster. Statt der erdrückenden Kälte umhüllte sie eine Wärme, weich und einladend. Statt des harten, eisigen Marmors lag sie auf einer unglaublich bequemen Matratze, unter frischen, sauberen Laken.

Sie atmete tief ein, nicht den metallischen Beigeschmack von Blut und Gift, sondern den schwachen, tröstlichen Duft von Lavendel und frisch gewaschener Wäsche. Ihr Körper, der vor Augenblicken noch von unvorstellbaren Qualen geschüttelt wurde, fühlte sich nun… ganz an. Gesund. Ihre Lungen weiteten sich mühelos, ihr Herz schlug in einem stetigen, starken Rhythmus. Das Brennen in ihren Adern, die erstickende Enge in ihrer Kehle – alles weg.

Sie schoss hoch und ihr Kopf ruckte herum. Das war nicht das Master-Badezimmer. Das war ihr altes Schlafzimmer, das sie während der kurzen, elenden Dauer ihrer Ehe mit Lucien bewohnt hatte, bevor ihr vermeintlicher „Ausbruch“ mit Alexander geschah. Der Raum war in das goldene Licht der Morgensonne getaucht.

Ihr Blick fiel auf den eleganten Nachttisch aus Mahagoni neben dem Bett. Dort, perfekt in der Mitte, lag ein Stapel Papiere. Ihre Augen, noch immer weit vor Verwirrung, die mit aufkeimendem Entsetzen rang, fixierten die fette, förmliche Schrift am oberen Rand: **SCHEIDUNGSVEREINBARUNG.**

Neben den Papieren schlug eine zierliche antike Uhr leise, ihre Zeiger zeigten auf eine Uhrzeit, die keinen Sinn ergab. Und darunter das eingravierte Datum: **13. September**.

13. September.

Ihr Tod war am 20. September gewesen.

Ihr Verstand überschlug sich und klammerte sich an fragmentarische Erinnerungen. Das Silber. Der Eisenhut. Chloes grausames Lächeln. Alexanders Verrat. Luciens kalte Augen. Die erstickende Dunkelheit. Und dann… das hier. Diese Wärme, dieses Licht, dieses unmögliche Datum.

*Das kann nicht sein.*

Sie krabbelte aus dem Bett, ihre nackten Füße trafen auf den kühlen, weichen Teppich. Ihre Beine, die eigentlich hätten nachgeben müssen, trugen sie perfekt. Sie raste zum bodenlangen Spiegel und ihr Spiegelbild starrte sie an.

Sie war es. Evelyn Reed. Das gleiche kastanienbraune Haar, die gleichen zarten Züge, die gleichen smaragdgrünen Augen. Doch als sie starrte, war etwas unverkennbar anders. Das Mädchen im Spiegel war zerbrechlich und verletzlich gewesen, eine Schachfigur in einem Spiel, das sie nicht verstanden hatte. Diese Evelyn… ihre Augen besaßen eine Tiefe, ein kaltes Feuer, eine tiefe Müdigkeit, die ihrem jungen Gesicht widersprach. Da war eine rohe, neue Kraft, eine Härte, die vorher nicht existiert hatte. Die Unschuld war verschwunden, ersetzt durch etwas weitaus Gefährlicheres.

Sie hob die Hand an ihre Brust und spürte das stetige Pochen ihres Herzens. Sie lebte. Sie war zurückgekehrt.

Ihr Blick fiel zurück auf die Scheidungsvereinbarung auf dem Nachttisch. Das Datum. Die Erinnerung an Chloes triumphierendes Grinsen. Alexanders Verrat. Luciens Gleichgültigkeit. Es war alles real. Das war eine zweite Chance. Eine erschreckende, wundersame, unmögliche zweite Chance.

Ein langsames, eiskaltes Lächeln umspielte ihre Lippen, ohne jede Spur von Humor. Die Luft im Raum, die eben noch warm gewesen war, fühlte sich nun geladen an, mit einer kalten, unnachgiebigen Entschlossenheit. Sie ging zurück zum Nachttisch, ihre Schritte zielstrebig; ihre nackten Füße spürten nicht mehr die Weichheit des Teppichs, sondern den festen Boden eines neuen Anfangs. Sie hob die Scheidungspapiere auf, die scharfen Kanten fühlten sich in ihrer Hand wie ein Versprechen an.

Ihre Stimme, als sie sprach, war ein tiefes, grimmiges Flüstern, ein Schwur, der im Schmelztiegel von Tod und Verrat geschmiedet wurde. Ihre Augen trafen ihr eigenes, unerschütterliches Spiegelbild und glänzten vor gefährlicher Absicht.

„Diesmal nicht.“