In Pairs
Sarah
„Hallo... ähm... mein Name ist Sarah Nelson, und wir können nicht zusammenarbeiten...“, sagte ich. Shawn blieb ein paar Meter von mir entfernt stehen und grinste, so wie er es immer tat, wenn ich in der Nähe war.
„Und warum nicht?“, fragte Mrs. Lopez und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ihr beide seid zu spät zu meinem Unterricht gekommen, und die anderen sind dieses Jahr schon in Paaren eingeteilt. Gibt es etwas, das ich wissen sollte?“
„Ich bin überrascht, dass Sie das nicht...“
„Hören Sie nicht auf sie“, unterbrach mich Shawn und lehnte sich mit den Handflächen gegen den Schreibtisch. „Wir kommen bestens damit klar, ein Team zu bilden. Ich habe sie nicht für den Abschlussball gefragt – nur ein kleiner Streit unter Liebenden...“
„Das ist gelogen!“, rief ich. „Du...“
„Komm schon“, sagte Shawn und lächelte mich an. „Ich beiße nicht, das verspreche ich...“
Ich warf ihm einen bösen Blick zu.
Wie konnte er mich nur seit sieben Jahren so quälen?
Wie konnten sie ihn damit durchkommen lassen?
Ich hätte die Schule wechseln sollen, aber mein versoffener Vater hat es mir ausgeredet.
„Hört zu, ich weiß, ich bin neu hier, aber ich bin sicher, ihr beide könnt euch während der Projektarbeit vertragen?“, fragte Lopez. „Bitte?“
„Aber...“
Shawn machte einen Schritt auf mich zu. „Bitte... was?“
Ich wusste, dass er mein Leben zur Hölle machen konnte.
Er konnte das Leben von jedem zur Hölle machen.
Shawn
Ich genoss ihre Qual, aber ich war eben ein Sadist – zumindest in den Augen meiner Mitschüler, einiger Freunde und – ihr.
Was auch immer zwischen uns war, Liebe oder Zuneigung war es sicher nicht.
„Schon gut...“, Sarah schüttelte den Kopf. „Aber such mal raus, was Shawn Connor...“
„Ich war 13 – sie wird einen Scheiß finden.“
Lopez hob die Augenbrauen. „Wie bitte?“
Ich lächelte. „Wir gehen jetzt...“
Ich wusste, dass ich es nicht tun sollte, aber ich zerrte Sarah mit festem Griff aus dem Klassenzimmer.
Sie hatte keine Angst vor mir, aber sie ließ es mich im Flur spüren.
„Verpiss dich!“, schrie sie, als wir vor ihrem Spind standen. „Ich fasse es nicht. Nach dem, was du mir angetan hast! Du glaubst, das ist lustig?“
„Ich war ein Kind... du warst ein Kind...“, ich zuckte mit den Schultern. „Lopez ist neu. Wenn sie dich mag...“
Sarah knallte ihren Spind zu. „Nein, Shawn... es wird sie nie interessieren, was DU getan hast... nicht bei dem verdammten, beliebten Wichser der Stadt.“
Ich ließ sie gehen.
Leute liefen normalerweise nicht einfach so von mir weg, aber sie ließ ich.
Ich mochte sie, aber das wusste sie nicht.
Ihre Art, ihre freche Klappe, ihren Körper.
Ich mochte das schon, seit ich ein Kind war. Jetzt, wo wir beide im Abschlussjahr waren, würde ich noch ein letztes Mal meinen Spaß mit ihr haben.
Sarah
„Nur nach Hause kommen... nur nach Hause kommen...“, wiederholte ich immer wieder für mich selbst. „Arschgesicht... Arschgesicht... Arschgesicht...“
Mein Vater hatte den ganzen Nachmittag versucht anzurufen, aber ich war beschäftigt – gefangen in meinem eigenen Elend.
Nicht, dass es ihn gekümmert hätte, denn die Flasche war ihm wichtiger.
Er hatte das ganze Geld verprasst, das wir aus dem Vergleich mit Shawns Familie bekommen hatten.
„Wir ziehen nicht vor Gericht.“
„Doch, das tun wir!“, hatte meine Mutter protestiert. „Um Himmels willen, Kent, sie wurde sexuell belästigt.“
„Wurde sie nicht.“
„Sie WURDE es.“
„Ein Video zu machen...“
„Ein Video zu machen ist ÜBERGRIFFLICH“, hustete meine Mutter, Blut floss in ihre Handfläche. „Oh... mein Gott...“
Nicht einmal eine Woche später wurde bei ihr Eierstockkrebs im vierten Stadium diagnostiziert.
Wir verloren sie in jenem Winter.
Ich verlor meine Fürsprecherin.
Ich verlor meine beste Freundin.
Mein Vater liebte das Geld und scherte sich nicht darum, was mit mir passiert war.
Das Video, das Shawn nach meinem Schwimmwettkampf von mir gemacht hatte, zeigte mich in den Duschen.
Wir waren dreizehn, und ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie jemanden so sehr gehasst.
Er hatte Geld – sein Vater saß im Stadtrat.
Mein Vater entschied sich gegen eine Anzeige, meine Mutter wollte sie.
Wir einigten uns – MEIN VATER – einigte sich außergerichtlich.
Jetzt hatten wir kein Geld mehr, ich hatte keine Mutter mehr, und ich war nun mit dem Typen eingeteilt, der ungeschoren davongekommen war, nachdem er mich heimlich in der Dusche gefilmt hatte.
Wenigstens war das Video weg, aber niemand hatte es vergessen.
Vor allem ich nicht...









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