Weihnachten in Flammen
Liam
Ich blinzelte mehrmals, um das Brennen aus meinen Augen zu vertreiben. Ich lag auf dem Rücken und mein Kopf hämmerte von dem Sturz, als ich nach hinten geschleudert wurde. Hitze umgab mich – Flammen, Rauch, pures Chaos.
Wo war ich?
Schreie hallten durch den Saal. Schatten huschten über brennende Wände. Asche lag in der Luft und verbrannte meine Lungen.
Meine Arme waren fest um etwas Kleines, Bebendes geschlungen. Dann hörte ich den Schrei – hoch und voller Verzweiflung.
Adelaide. Meine Prinzessin.
Ihr Schluchzen drang durch den Nebel und riss mich zurück in die Wirklichkeit. Ich sah an mir herunter. Ihre pummeligen Wangen waren rot und tränenüberströmt, Asche klebte in ihrem feinen Babyhaar. Sie lebte.
Ein Ruck ging durch mich hindurch. Der große Saal, der noch vor wenigen Minuten von Weihnachtslichtern, Lachen und Musik erfüllt war, glich nun einem Inferno. Die Leute schrien und drängten in Richtung der Ausgänge.
Emma. Nicholas.
„Emma!“, schrie ich, und die Panik schnürte mir die Kehle zu.
„Ich bin hier!“, antwortete sie hustend.
Ich drehte mich um und fand sie am Boden. Nicholas weinte und zappelte in ihren Armen.
„Emma! Bist du verletzt? Wir müssen hier raus!“
„Mein Bein ist eingeklemmt.“ Sie hustete wieder und verzog das Gesicht. Einer der schweren Eichentische war auf ihren Fuß gestürzt.
„Nimm Addie. Ich hebe ihn hoch.“ Ich reichte ihr unsere Tochter.
„Nein!“, stieß sie hervor und klammerte sich an die Kante des Tisches. „Nimm Nic und Addie – bring sie raus. Ich komme direkt hinterher.“
Ich erstarrte, hin- und hergerissen. Ich konnte sie nicht zurücklassen.
Sie packte mein Hemd und zog mich zu sich heran. Selbst durch den Rauch wirkten ihre grünen Augen wild entschlossen. „Rette unsere Kinder, Liam. Ich kann das alleine hochheben. Geh!“ Sie drückte mir Nicholas in die Arme und stieß mich weg. „Geh!“
Mein Hals brannte, und das lag nicht nur am Rauch. Doch ich drehte mich um und rannte los, beide Kinder fest an meine Brust gepresst. Das Feuer tobte um uns herum. Die Hitze biss mir in den Rücken, als wollten die Flammen uns mit in die Tiefe reißen.
Ich stürmte durch die hinteren Türen in die eiskalte Nacht. Der Schnee peitschte mir ins Gesicht. Ich sah mich um – Flammen fraßen sich durch den Saal und leckten hoch in den Himmel. Rauch quoll aus dem Türrahmen, doch Emma kam nicht heraus.
Ich konnte die Babys nicht ablegen. Ich konnte nicht zurück. Mein Herz zerriss bei dem Gedanken, dass ich sie verlieren könnte.
Bitte … ich brauche Hilfe.
„Liam!“
Ich drehte mich um. Susie rannte auf mich zu, ihr Gesicht war rußverschmiert.
„Wo ist Emma?“
„Sie ist noch drin!“
Ohne zu zögern, streckte sie die Arme nach den Kindern aus. „Gib sie mir. Geh!“
Eine Welle der Erleichterung überrollte mich. Ich übergab ihr Addie und Nic und rannte zurück zum Saal. Das Feuer war nun noch schlimmer, der Eingang nur noch eine Wand aus Orange und Schwarz.
Ich griff in den Schnee, rieb ihn mir über die Haare, mein Gesicht, meinen Hals und mein Hemd. Dann presste ich meinen nassen Ärmel auf den Mund –
—und sprang zurück in die Flammen.