Kapitel eins: Einzug in seine Welt
Das Wort Ehe hatte sich noch nie so schwer angefühlt.
Der Versuch, die Ehe beim Standesamt zu beenden, war katastrophal gescheitert. Der Beamte erklärte, sie müssten erst sechs Monate zusammenleben. Danach willigte Damon in etwas ein, das er sich nie hätte vorstellen können:
Er zog bei Kelvin Smith ein.
Unter demselben Dach leben.
Sich denselben Raum teilen.
Für sechs ganze Monate.
Nur damit sie diese verfluchte Ehe endlich beenden konnten.
Kelvin hatte ihn mit sanfter, neckender Stimme gefragt: „Also, Prinzessin… wann ziehst du bei mir ein?“
Damon schaffte es nur mit purer Willenskraft, eine klare Antwort zu geben.
„Dieses Wochenende. Bis dahin habe ich viel zu tun.“
Kelvin hatte ihm sogar angeboten, ihm „beim Packen zu helfen“.
Damon bügelte das sofort ab.
„Ich brauche deine Hilfe nicht.“
Dann zerrte er Darial und Thunder von dort weg, bevor Kelvin noch etwas sagen konnte.
Und jetzt war es Samstag.
Ein Tag, vor dem es Damon graute, seit er die Augen aufgeschlagen hatte.
Sein Herz war schwer, sein Magen zog sich zusammen und seine Gedanken überschlugen sich.
Darial und Thunder konnten nicht kommen. Sie mussten Investoren bei einem wichtigen Geschäftsabschluss bei Laune halten.
Kilan hatte versprochen, dass er und Tein helfen würden. Aber sie ließen sich verdammt viel Zeit… und Damon würde Geld darauf wetten, dass sie irgendwo rumknutschten oder stritten oder beides. Ihre „geheime“ Beziehung täuschte niemanden.
Damon war also allein.
Allein mit seinen Gedanken.
Allein mit seinem Koffer.
Allein mit der Tatsache, dass er bei ihm einziehen musste.
Kelvin Smith.
Die Gefahr, über die die ganze Welt flüsterte.
Der Mann, den die Leute wegen seiner Gnadenlosigkeit, seiner dubiosen Geschäfte und seines jähzornigen Temperaments fürchteten.
Aber was Damon Angst machte, war nicht Kelvins Ruf.
Es war Kelvin selbst.
Sein gefährlich schönes Gesicht.
Seine scharfen Kieferknochen.
Seine stille Macht.
Seine Stimme konnte Damon an eine Wand nageln, ohne ihn überhaupt zu berühren.
Und das Schlimmste von allem —
Kelvins Aura.
Diese kalte, befehlerische Energie. Sie brachte Damons Körper dazu, gehorchen zu wollen, noch bevor sein Verstand die Worte verarbeitet hatte.
Damon presste eine zittrige Hand auf sein rasendes Herz.
„Gott… in diesem Tempo kriege ich einen Herzinfarkt, noch bevor ich wieder ausziehe.“
Jeder Kosename, den Kelvin benutzte — Prinzessin, Baby, Ehemann — versetzte Damon gleichzeitig in Wut und Verlegenheit.
Er hasste es, wie er sich dabei fühlte.
Er hasste es, wie es ihn aus der Fassung brachte.
Er hasste, wie viel Macht Kelvin über ihn zu haben schien, ohne sich überhaupt anzustrengen.
Wie sollte er es nur aushalten, mit ihm zusammenzuleben?
Sechs Monate.
Sechs ganze Monate.
Aber er hatte keine Wahl.
Er hatte sich dieses Bett selbst gemacht. Vor einem Jahr unterschrieb er die Hochzeitspapiere, um seinen Vater zu schützen.
Er hätte nie gedacht, dass die Folgen ihn so hart treffen würden.
Sein Vater hatte versprochen, dass alles bezahlt wäre, sobald er Vorsitzender von Calvarn würde.
Doch das Leben änderte sich schneller als Versprechen.
Sein Vater starb.
Darial wurde Vorsitzender.
Und Kelvin kehrte zurück, um einzufordern, was ihm zustand.
Millionen.
Trotzdem war Damon auf eine Weise dankbar, die er nicht erwartet hatte.
Darial war früher sein Rivale und der Bruder, den er hassen sollte. Jetzt war er seine Familie.
Sein Beschützer.
Thunder ebenfalls.
Sie waren sein sicherer Hafen geworden. Die Menschen, die bereit waren, für ihn zu kämpfen, zu zahlen und Opfer zu bringen.
Vor ein paar Jahren hätte Damon sie noch verachtet.
Und heute?
Heute würde er für sie sterben.
Das bedeutete, dass er auch das hier überleben konnte.
Er konnte Kelvin Smith überleben.
„Sechs Monate“, flüsterte Damon sich selbst zu.
„Ich schaffe sechs Monate.“
Er hob die letzte Tasche vom Bett. Seine Finger zitterten leicht, als er den Reißverschluss des Koffers schloss.
Damon atmete tief aus und versuchte, ruhig zu bleiben.
Kein Weglaufen mehr.
Kein Verstecken.
Kein Ausweichen vor dem Schicksal.
Er hatte seine Entscheidung getroffen.
Er würde in Kelvins Haus ziehen.
In das Haus seines Ehemanns.
Er machte den Rücken gerade, schnappte sich seinen Koffer und ging zur Tür.
Ob bereit oder nicht —
es war Zeit, sich Kelvin Smith zu stellen.
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Damon bückte sich, um den ersten Karton anzuheben, als die Zimmertür plötzlich aufflog. Kilan und Tein stolperten herein. Ihre Kleidung war zerknittert, ihre Lippen geschwollen und rot. Ihre Haare standen ab, als hätten sie gerade einen Sturm überstanden.
Damon starrte sie an.
Dann atmete er einmal tief und langsam ein… und rollte mit den Augen. Er sah aus wie ein erschöpfter Vater, der sich mit zwei übermütigen Kindern herumschlagen muss.
„Sagt mir jetzt nicht, dass ihr Idioten eine Knutschsession eingelegt habt, bevor ihr eurem Freund helfen gekommen seid.“
Tein prustete sofort los und lachte laut auf. Er sah zu Kilan, der so heftig rot wurde, dass sogar seine Ohrläppchen leuchteten. Kilan räusperte sich und murmelte etwas von dichtem Verkehr.
Damon warf ihm einen trockenen Blick zu.
„Ich habe nicht mal mehr die Kraft, enttäuscht zu sein. Helft mir einfach, das Zeug runterzutragen. Ich bin schon fertig mit Packen.“
Kilan zog eine Braue hoch. Seine Stimme klang flach und neckend, so wie er es immer tat.
„Wie hast du das alles vor zehn Uhr geschafft? Bist du so früh aufgestanden, nur um schneller in die Villa deines Ehemanns zu kommen, Monny?“
Damon schnauzte ihn an, ein bisschen zu scharf:
„NEIN!“
Seine Stimme war peinlich hoch. Sogar er selbst zuckte zusammen.
Tein hielt sich lachend den Bauch. „Dieses ‚Nein‘… das war wohl die überzeugendste Lüge, die du je erzählt hast.“
Alle drei brachen in Gelächter aus. Der Raum füllte sich mit Wärme und Geplapper. Das machte Damons Nervosität für einen Moment ein wenig erträglicher.
Fünfzehn Minuten später war alles in Damons Auto und Kilans Wagen verladen. Die Morgensonne wärmte die Luft. Damon spürte, wie sich seine Brust zusammenzog — eine Mischung aus Aufregung und Angst saß ihm in den Knochen.
Um den Moment hinauszuzögern, schlug Damon vor, erst noch zu frühstücken. Seine Freunde stimmten sofort zu. Sie zogen das Essen mit kleinen Bissen, langen Gesprächen und unnötigen Witzen in die Länge.
Aber die Zeit blieb trotzdem nicht stehen.
Gegen zwei Uhr nachmittags fuhren sie schließlich durch die hohen, dunklen Eisenstore von Kelvin Smiths Anwesen. Als sich das Tor öffnete, entfaltete sich eine ganz eigene Welt. Die Auffahrt war endlos lang und wand sich durch perfekt gepflegte Gärten. Es dauerte fünf Minuten, nur um das Haupthaus zu erreichen.
Damon merkte, wie sein Hals trocken wurde.
Die Villa war nicht nur groß. Sie war atemberaubend — riesige Glasflächen fingen das Licht ein, moderne Kanten schnitten in den Himmel und Springbrunnen plätscherten leise in spiegelglatte Becken. Alles wirkte kalt, teuer und gefährlich perfekt.
Kilan pfiff leise durch die Zähne.
„Neues Kapitel, frisch verheiratet… und dann dieses Monster von einem Haus. Wahnsinn.“
Tein drehte sich langsam um die eigene Achse, die Augen weit aufgerissen.
„Ich kenne ja Kilans schicke Familienhäuser, aber das hier? Das sieht aus wie der Himmel mit Klimaanlage und Bediensteten.“
Er stieß Damon mit dem Ellbogen an und grinste.
„Ganz ehrlich, lass uns die Körper tauschen. Lass mich deine sechsmonatige Haftstrafe hier absitzen. Ich würde ganz tapfer leiden.“
Kilan gab Tein lachend einen Klaps auf die Schulter. Damon sah die beiden nur trocken an.
„Toll. Ganz fantastisch. Erinnert mich ruhig nochmal daran, dass ich gerade beim Teufel persönlich einziehe — Kelvin Smith. Mein Ehemann.“
„Tja“, sagte Tein munter, „zumindest ist der Knast hübsch.“
„Mal sehen, wie leicht mir die Strafe fallen wird“, murmelte Damon.
In dem Moment, als Damon das Haus betrat, eilten mehrere Hausmädchen herbei. Sie nahmen ihm mit geübten Griffen das Gepäck ab und verschwanden die prachtvolle Treppe hinauf. Ihre Uniformen waren tadellos, ihre Schritte auf den Marmorböden lautlos. Alles roch dezent nach Zitronenpolitur und einem teuren Parfüm, das in der Luft hing.
Eines der Mädchen verbeugte sich leicht.
„Herr Smith ist noch nicht zu Hause. Er wird später zurückkommen.“
Ein kalter Schauer lief Damon über den Rücken.
Er machte mit Kilan und Tein einen kurzen Rundgang durch das Haus, obwohl „Rundgang“ untertrieben war. Der Ort war ein Palast — Glaswände mit Blick auf die Gärten, ein leise summender Indoor-Wasserfall und Räume, die so groß waren, dass seine Schritte hallten. Alles wirkte kühl und unberührt, eher wie ein Museum als wie ein Zuhause.
Irgendwann ebbte das Lachen ab. Kilan nahm ihn fest in den Arm. Danach drückte ihn Tein und flüsterte: „Ruf uns an, wenn er dich nur schief anguckt.“
Dann schlossen sich die Flügeltüren hinter ihnen und ihre Stimmen verhallten draußen in der Ferne.
Damon stand allein in Kelvin Smiths Villa.
Die Stille war gewaltig. Erdrückend.
Es war fast so, als würde das Haus selbst den Atem anhalten und auf ihn warten.
Warten auf Kelvin.
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Anmerkung des Autors
Willkommen zu My Sweet Sin — der chaotischen, zärtlichen und gefährlichen Liebesgeschichte von Damon und Kelvin.
Falls ihr Sweet Bastard schon gelesen habt, werdet ihr einige bekannte Gesichter wiedererkennen und die Hintergründe noch besser verstehen. Aber keine Sorge — diese Geschichte steht für sich allein. Ihr könnt direkt eintauchen, ohne vorher etwas anderes gelesen zu haben.
Für alle, die es vergessen haben:
Kilan ist Thunders jüngster Cousin — der Sohn von Annitha und Daniel William und der kleine Bruder von Monna.
Tein ist Kilans bester Freund… und sein nicht ganz so heimlicher Geliebter.
Und jetzt haltet euch fest. Diese Geschichte steckt voller Spannung, Versuchung, Chaos und ganz viel Herz.
Genießt die Sünde.