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Therapiestunden in der Galaxie

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Zusammenfassung

Ein sternenklarer Himmel ... das Ende der Welt ... und eine Rettung, die zwei Meter groß war und einen Löwenschwanz hatte. Eigentlich war es nur eine friedliche nächtliche Gassi-Runde mit ihrem Hund Darius gewesen. Doch als feurige Kometen wie ein biblischer Regen auf die Erde niedergingen, blieb von Minas Leben in Sekunden nur noch Schutt und Asche. Ihr Haus? Ein Trümmerhaufen. Ihr Freund und ihre zwei Katzen? Ausgelöscht. Während Mina fassungslos vor den Ruinen ihrer Existenz stand, krochen unheimliche schwarze Kreaturen aus der Nacht. Blutrote Augen fixierten sie ... ein mörderisches Klickgeräusch kündigte ihr Ende an. Im letzten Augenblick, bevor die Bestien zuschlagen konnten, wurde Mina von Wesen gerettet, die wie Kriegsgötter aus einer anderen Welt wirkten. Sie waren über zwei Meter groß, hatten finstere Mienen und peitschende Löwenschwänze hinter ihren muskulösen Körpern. Ehe Mina begreifen konnte, wie ihr geschah, befand sie sich nicht mehr auf der brennenden Erde, sondern an Bord eines gigantischen Raumschiffs. Durch die Fensterfront musste sie mitansehen, wie ihre Heimat in einer gewaltigen Detonation zerbarst. Alles war weg. Die Erde war nur noch Sternenstaub. Andere hätten an diesem Punkt den Verstand verloren. Doch Mina war anders. Ihr Gehirn schaltete sofort in den Analyse-Modus. Während sie inmitten der hünenhaften Krieger stand, begann sie bereits, die fünf Stufen der Trauer im Zeitraffer zu durchlaufen. Mit einer Mischung aus messerscharfem Verstand, einer Prise Humor und ihrem treuen Darius an ihrer Seite begann für Mina ein Prozess, den kein Mensch zuvor durchlaufen hatte. Zwischen den Sternen, umgeben von fremden Spezies und galaktischen Wundern, musste sie lernen, den Verlust einer ganzen Welt zu verarbeiten. Ihre Reise hatte gerade erst begonnen ... und die Galaxie war ein verdammt großer Behandlungsraum. Ein emotionales Sci-Fiction-Epos über den Mut, inmitten des Chaos nicht nur den Verstand, sondern auch den Humor zu bewahren.

Status:
In Arbeit
Kapitel:
24
Rating
5.0 4 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Mina

Die Hölle.

Das Einzige, was Mina in diesem Moment beschreiben konnte, war ... vor ihr brach die pure Hölle aus.

Bis eben war noch alles friedlich gewesen. Eine stille, laue Sommernacht, sternenklar, mit dieser sanften, warmen Brise, die über ihr Gesicht und durch ihr offenes dunkelbraunes Haar strich. Genau solche Nächte liebte sie am meisten. Heute genoss sie den späten abendlichen Spaziergang mit ihrem Hund besonders. Er musste noch einmal raus, bevor sie sich mit ihrem Freund ins Bett kuscheln konnte ... aneinandergeschmiegt, die Wärme und Nähe des anderen spürend, während die beiden Katzen sich dazwischen drängten.

Doch zuerst die Pflicht ... Mina kümmerte sich um ihren fellnasigen Begleiter, der konzentriert an den grasigen Wegesrändern schnupperte und hin und wieder das Bein hob. Links von ihr erstreckte sich eine Baumallee, daneben die Landstraße, auf der tagsüber Autos fuhren. Aber um diese Uhrzeit, weit draußen auf dem Land, war kaum noch jemand unterwegs. Nur das sanfte Summen vereinzelter Laternen begleitete sie. Sie liebte diese Stunde. Vor allem, wenn sie den Kopf in den Nacken legte und in den Himmel schaute. In einer mondlosen Nacht funkelten die Sterne noch intensiver ... Millionen kleine, scharfe Lichtpunkte auf samtschwarzem Grund. Tief einatmend spürte Mina dieses seltene, tiefe Gefühl von Einklang und Seelenruhe.

Doch während sie weiter in den Sternenhimmel blickte, fiel ihr etwas auf. Ein rötliches Flackern. Nur ein winziger Punkt ... der aber größer wurde. Mina blieb stehen. Langsam. Zaghaft. Ihre Stirn legte sich in Falten. Ihr Hund bemerkte die plötzliche Reglosigkeit sofort und drängte sich dicht an ihr Bein. Dieses Licht war anders. Kein Flugzeug, kein Satellit, kein bekanntes Blinken. Und dann tauchten immer mehr dieser rötlichen Punkte auf ... viel zu viele, viel zu schnell. In diesem Moment wusste Mina instinktiv... gleich würde etwas passieren. Etwas, das alles verändern würde. Die Lichter wurden zu feurigen Kugeln. Sie rasten brennend vom Himmel herab. Links in der Ferne ein greller Blitz ... dann der Knall. Unnatürlich laut. Bedrohlich nah. Der Boden erzitterte unter ihren Füßen. Mina keuchte auf. Noch ein Blitz. Noch ein Knall. Und noch einer... immer wieder.

Brennende Geschosse regneten herab, rasend schnell und unaufhaltsam, während ohrenbetäubende Detonationen die Nacht in Stücke rissen. Minas Herz hämmerte so wild gegen ihre Rippen, dass sie fürchtete, es müsse jeden Moment zerplatzen. Überfordert drehte sie sich im Kreis, suchte verzweifelt nach einem Ausweg, während überall neue Einschläge die Erde aufrissen und Glut in hohen Fontänen in den Himmel schleuderten. Der Himmel selbst schien zu brennen, als würden Meteoriten... oder was auch immer das war ... in dichter Folge herabstürzen und alles in rotes, gieriges Licht tauchen.

Ihr Hund winselte schrill, ein hoher, markerschütternder Ton, und zerrte so heftig an der Leine, dass Mina brutal nach vorn gerissen wurde. Der reine Überlebensinstinkt übernahm die Kontrolle. Der Hund war genauso panisch wie sie ... Schwanz eingeklemmt, Ohren flach angelegt ... er lief hektische Kreise um ihre Beine, wusste nicht, wohin mit seiner Angst. In Minas Kopf brannte nur noch ein einziger, glühender Gedanke ... nach Hause. Sofort. Zu ihm, zu ihren zwei Katzen, in die Wärme, die plötzlich so absurd zerbrechlich wirkte.

Sie wirbelte herum, zerrte ihren zitternden Hund mit sich und rannte los, den Blick starr auf das noch friedlich daliegende Dorf gerichtet. Weiter hinten schlugen weitere Feuerkugeln ein ... ein unerbittlicher Regen, der Felder fraß und Bäume in lodernde Fackeln verwandelte. Ein scharfer, beißender Geruch stach in ihrer Nase ... verbrannter Schwefel, heißes Metall, verschmortes Gras. Sie durfte nicht nachdenken, nur vorwärts ... zu ihrem Freund, der sicher längst ihren Namen schrie, zu den Katzen, die sich panisch verkrochen hatten. Bilder rasten durch ihren Kopf, während ihre Lunge brannte ... sein Lachen, die kleinen warmen Körper, ihr ganzes Leben.

Der Weg verschwamm unter ihren Füßen. Hundert Meter. Fünfzig. Dreißig... ein greller Blitz zerriss die Nacht direkt vor ihr. Das Haus explodierte in einem ohrenbetäubenden Krachen ... ein blendend weißer Feuerball löschte für Sekunden die Dunkelheit aus.

Einfach weg. Nur Rauch. Nur Trümmer. Nur Stille.

Die Druckwelle traf Mina wie eine unsichtbare Wand und schleuderte sie samt ihrem Hund rückwärts durch die Luft. Hart schlugen sie auf dem Boden auf. Schmerz explodierte in Schulter und Rippen, doch Adrenalin überdeckte alles andere mit gnädiger Taubheit. Mina krallte sich an die Leine, robbte mühsam hoch und starrte auf die rauchende Ruine, die einmal ihr Zuhause gewesen war. Eine Welle aus beißendem Qualm schlug ihr entgegen … dick, schwarz, nach verbranntem Holz, geschmolzenem Plastik und etwas Süßlich-Verwesendem, das sie nicht einordnen konnte und das ihr den Magen umdrehte. Der Geruch von Feuer und Untergang hing schwer in der Luft, kroch in jede Pore, machte jeden Atemzug zur Qual.

Nichts war mehr da. Nur Flammen. Nur knisternde, brennende Stille. Ihre Katzen … ihr Freund… ihr Verstand weigerte sich, die Wahrheit zuzulassen. Neben ihr winselte ihr Hund leise, lebendig, zitternd, kauernd, die Nase angewidert in die Luft gereckt. Mina selbst … atmete sie überhaupt noch?

Nein … nein … nein …

In der Ferne begannen die ersten herzzerreißenden Schreie … schrill, verzweifelt, von überallher. Doch Minas eigener Schrei blieb im Hals stecken, erstickt von dem beißenden Gestank des Untergangs … verbranntes Holz, geschmolzenes Plastik, etwas Chemisches, das in der Kehle brannte wie Säure. Fassungslos starrte sie in das brennende Chaos ringsum, erstarrt, unfähig, sich zu rühren. Wie von selbst legte sich ein Arm um den Hals ihres großen Hundes und zog ihn dicht an sich … ein verzweifelter Anker, für sie beide.

Alles war ... weg.

Das Zuhause. Die Wärme. Das Leben, das sie sich so mühsam aufgebaut hatte. Nur noch Feuer und Asche. Der Rauch hing schwer und fettig in der Luft, kroch in Nase, Mund und Lunge, legte sich wie ein widerlicher, süßlich-verkohlter Film auf die Zunge. Tränen der Verzweiflung brannten in ihren Augen und liefen heiß über die Wangen.

Was jetzt? Wohin?

War nur ihr Dorf betroffen … oder die ganze Welt? So viele Fragen, zu viele auf einmal. Sie überforderten Mina, ließen ihre Unterlippe beben, bis rohe, animalische Schluchzer sie schüttelten, ohne dass sie etwas dagegen tun konnte. Ihre Familie … ihre Mutter … ihre Brüder … ihre Freunde. Alle unerreichbar. Ihr Handy lag irgendwo unter den Trümmern der zerstörten Wohnung begraben, zusammen mit allem anderen. Es hörte nicht auf. Wieder und wieder stürzten Feuerkugeln vom schwarzen Himmel herab, erhellten die Nacht zum grellen, unnatürlichen Tag. Jeder Einschlag war ein neuer Donnerschlag, ein neuer Schwall aus Hitze und Qualm, der die Luft noch giftiger machte.

Und dann … wurde alles dumpf. Die Geräusche entfernten sich, als kämen sie aus sehr weiter Ferne, gedämpft und unwirklich. Der Boden unter ihr, der beißende Rauch, die fernen Schreie … alles rückte in den Hintergrund, bis nur noch eine taube, graue Leere blieb. Ihr Verstand zog sich zurück, ließ nichts als teilnahmslose Resignation übrig. So fühlte sich das also an. Als würde das Leben einfach an einem vorbeirauschen, ohne dass jemand es bemerkte … wie ein Film, in dem man plötzlich nur noch Zuschauer war. Neben ihr zitterte ihr Hund noch immer, presste sich fest an ihr Bein, die feuchte Schnauze an ihrem Hals. Mina spürte ihn … das Einzige, was sich in diesem Moment noch real anfühlte, warm und lebendig inmitten all der Asche und Zerstörung.

Mina wusste nicht, wie lange sie schon so dagesessen hatte, erstarrt, leer, verloren in dieser tauben Unendlichkeit. Sie wusste auch nicht, warum ausgerechnet sie von den brennenden Bällen verschont geblieben war. Ihr Atem ging schwer und rasselnd, jeder Zug schmeckte nach Asche, verbranntem Gummi und etwas Metallischem, das sich auf der Zunge festsetzte. Ihr grüner Blick fiel auf ihren weiß-rußverschmierten Hund. „Da … Darius …“, krächzte sie und wischte sich mit dem Ärmel über die Wange, spürte Dreck und Asche auf ihrer erhitzten, nassen Haut. Die Worte kratzten wie Sandpapier in ihrem qualmgeschwärzten Hals. Ihre Augen brannten, geschwollen, rot und trüb vom Rauch und den Tränen. Er war alles, was ihr geblieben war ... das Einzige, was in diesem verkohlten Chaos noch atmete, noch lebte, noch warm war. Solange sie nicht wusste, ob ihre Mutter im Nachbarort noch existierte. Solange der Feuerregen nicht wieder begann … denn er hatte aufgehört. Die Nacht war plötzlich stiller geworden … zu still.

Mina musste aufstehen. Musste sich bewegen. Musste Gewissheit haben, dass da draußen noch irgendjemand war und dass sie nicht die Letzte war. Sie stemmte sich mit zitternden, kraftlosen Beinen hoch … da hörte sie es. Darius spürte es zuerst. Sein ganzer Körper spannte sich an, die Ohren stellten sich steil auf, ein tiefes, warnendes Grollen vibrierte in seiner Brust. Scharfe, klickende Geräusche … wie Krallen auf Stein… nur lauter, näher, aus allen Richtungen zugleich. Mina erstarrte. Ein eisiger Schauer jagte ihr über den Rücken, ihr Atem stockte. Über die weiten, schwelenden Felder ... einst bewirtschaftet, jetzt nur noch schwarz und rauchend ... regten sich Gestalten. Groß. Massiv. Zu groß für jedes heimische Tier. Zu zielgerichtet für Zufall. In der Dunkelheit glommen Augenpaare auf … blutrot … glühend … nicht wie normales Feuer, sondern wie geschmolzene Lava, die noch pulsierte und lebte. Immer mehr wurden es. Kleine, böse Lichter, die sich näherten. Das Klicken schwoll an … ein unheilvolles, rhythmisches Klackern, das sich vervielfachte, bis es wie ein Chor aus Hunderten Zähnen klang.

Todesangst explodierte in Minas Brust. Ihr Herz hämmerte so laut, dass es alles andere übertönte. Darius neben ihr gab ein tiefes, kehliges Knurren von sich … gemischt mit winselndem Angstlaut. Die Nackenhaare standen ihm steil zu Berge, die Zähne gebleckt. Die Augen kamen näher … und mit ihnen das Klicken. Mit dem Klicken der Geruch … faulig, verbrannt und fremd … etwas, das nicht von dieser Welt stammte. Ohne sich umdrehen zu müssen, wusste Mina, dass sie und Darius umzingelt waren. Lauernde, blutrünstige Kreaturen, die eigentlich nicht auf der Erde beheimatet sein durften. In ihren Ohren rauschte es, ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, die Panik breitete sich wie Gift in jedem Muskel aus. Ihre Augen waren geweitet, das winselnde Knurren ihres Hundes drängte sich an sie. Egal, wohin Mina blickte ... um sie herum nur diese leuchtenden blutroten Augen, die auf sie gerichtet waren und näher kamen … Sekunde für Sekunde … dieses klackernde Geräusch, das sie weiter in Panik versetzte. Darius spürte es genauso. Hier würden sie nicht lebend herauskommen. Das waren Raubtiere, gegen die sie keine Chance hatten ... und es waren zu viele. Viel zu viele. Und dazu noch so groß.

Je näher sie kamen, desto deutlicher sah Mina sie in der leicht feuerbeschlagenen Luft. Ihre Körper waren tiefschwarz, schlangenähnlich und grotesk verformt. Sie bewegten sich auf vier Beinen … Krallen und Reißzähne lang und scharf, geboren, um zu reißen und zu töten. Dass sie keine Angst verspürte, war untertrieben … sie hatte höllische, lähmende Angst. Allein der Anblick löste etwas in ihr aus … die reine, kalte Akzeptanz. Mina blickte in die Augen ihres eigenen Todes. Heute würde sie hier sterben … von Kreaturen, die sie zuvor noch nie gesehen hatte. Da half kein innerer Instinkt mehr, kein verzweifelter Kampf bis zum letzten Atemzug ... sie hatte absolut keine Chance.

Zitternd brach Mina neben ihrem Hund zusammen. „Es … es tut mir so ... leid … Darius“, keuchte sie heiser und ihre grünen Augen funkelten entschuldigend zu ihrem tierischen Freund. Seine hilflosen traurigen braunen Augen. Sie hatte ihm immer versprochen, sie würde ihn beschützen … egal, was kam. Doch diese Situation war jenseits jeder Versprechung. Absolut ausweglos. Es war ebenso sein Ende wie ihres. Mina schlang ihre Arme um den pelzigen Hals ihres Hundes, drückte ihr Gesicht in sein langes Fell ... verdreckt mit Asche und Ruß, aber der vertraute, warme Geruch ihres Tieres drang trotzdem durch. Sie presste seinen zitternden Körper fest an ihren, ihr einziger Anker in dieser vollkommen hoffnungslosen Lage, während das Klicken immer näher rückte. Sie schloss die Augen, weil sie diese roten, glühenden Blicke nicht mehr ertragen konnte. Sie hörte das Scharren der scharfen Krallen auf dem harten Untergrund … dann ein lautes, markerschütterndes Gekreische direkt vor ihr. Ihr Atem stockte. Ihr Herz setzte aus und zerbrach in tausend Teile, als das Winseln ihres Hundes durch die Nacht schnitt ... hilflos, panisch, verzweifelt. Mina konnte nichts tun. Gar nichts. Erst wurde es extrem laut, so laut, dass ihre Ohren schmerzten … dann … Stille.

Absolute Stille.

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