Lesbarkeit anpassen
Aa

Scherben einer Rose

Alle Rechte vorbehalten ©

Zusammenfassung

Aria Voss hat schon vor langer Zeit gelernt, dass schöne Dinge zerbrechen. Also wurde sie unnahbar. Dann tauchte Xavier Knight auf – ruhig, aufmerksam und viel zu gut darin, die Version ihrer selbst zu durchschauen, die sie der Welt zeigt. Was als Neugier beginnt, entwickelt sich zu etwas weitaus Gefährlicherem. Denn je näher er ihr kommt, desto schwerer fällt es ihr, sich daran zu erinnern, warum sie diese Mauern überhaupt erst errichtet hat.

Genre:
Romance
Autor:
MEG_LEWIS
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
60
Rating
5.0 2 Bewertungen
Altersfreigabe
16+

Anniversary

Der Kuchen war Vanille.

Damien sagte immer, er hasse Schokolade. Er meinte, sie sei zu schwer, zu viel. Also hatte Aria vierzig Minuten in der Bäckerei gestanden, um die richtige Vanille auszusuchen – Bourbon-Vanille, die Art, die nach purer Wärme roch. Sie hatte zweiundsechzig Dollar für einen Kuchen bezahlt, der klein genug für Zweisamkeit und groß genug war, um etwas zu bedeuten. Sie hatte selbst ein weißes Band um den Karton gebunden. Ihre Hände hatten ein wenig gezittert. Nicht vor Nervosität. Vor Vorfreude. Genau das war die Sache mit dem Verliebtsein: Deine Hände zittern, und es ist dir völlig egal.

Sie war zwanzig Jahre alt und überzeugt davon, dass sie bereits den Menschen gefunden hatte, mit dem sie ihr Leben verbringen würde.

Damien Cole. Vierundzwanzig. Ein Kiefer, als wäre er aus etwas Härterem als Knochen gemeißelt, und Augen, so dunkel, dass sie jedes Licht verschlangen. Er lachte laut, küsste sanft und nannte sie „Baby“ mit dieser trägen, schläfrigen Stimme. Dann fühlte sie sich wie das einzige Reale im Raum. Zwei Jahre. Sie waren seit zwei Jahren zusammen, und Aria spürte immer noch ein Flattern im Brustkorb, jedes Mal, wenn sein Name auf ihrem Handybildschirm aufleuchtete.

Das ist die Sache, vor der dich niemand bei der Liebe warnt. Sie kommt nicht langsam. Sie kommt mit einem Mal, wie eine Flut. Wenn du merkst, dass dir das Wasser bis zum Hals steht, hast du schon vergessen, wie sich festes Land angefühlt hat.

Sie hatte ein Taxi zu seinem Apartment genommen. Damiens Gebäude war die Sorte Haus mit einem Portier, der ihren Namen kannte, Marmorböden und einem Aufzug, der nach Zedernholz und Geld roch. Seine Eltern hatten es ihm gekauft. Er hatte nie so getan, als wäre es anders, was eines der Dinge war, die sie an ihm liebte – diese einfache, schamlose Ehrlichkeit darüber, woher das Geld stammte. Sie liebte es, wie er sich durch Reichtum bewegte, als wäre es das Wetter. Unvermeidlich. Natürlich.

Sie liebte ihn. Gott, sie liebte ihn so sehr, dass es fast peinlich war.

Der Portier – Marcus – sah sie seltsam an, als sie reinkam. Nur für eine Sekunde. Ein Flackern in seinen Augen, etwas zwischen Wiedererkennen und Unbehagen. Sie dachte sich nichts dabei. Lächelte ihn an. Hielt den Kuchenkarton hoch.

„Jahrestag“, sagte sie.

Marcus nickte. Sagte nichts. Schaute auf die Aufzugtüren.

Sie hätte darauf achten sollen. Das weiß sie jetzt. Aber Rückblick ist nur Grausamkeit, die einen anderen Mantel trägt.

Der Aufzug öffnete sich im vierzehnten Stock und sie trat in den Flur mit der gedimmten, teuren Beleuchtung. Leiser Jazz drang von irgendwoher nach draußen. Damien liebte Jazz. Altes von Coltrane, spätnächtliches Saxophon, das einen Raum wie Rauch ausfüllte. Sie hatte gelernt, es auch zu lieben, während sie an Sonntagmorgen an seiner Brust lag und die Stadt draußen vor den Fenstern vorbeizog. Sie hatte so viele kleine Lieben um ihn herum aufgebaut. Kleine Satelliten-Lieben, die um die große kreisten.

Seine Tür stand einen Spalt offen.

Nur einen winzigen Spalt. Drei Zentimeter, vielleicht weniger. Das Schloss war nicht eingerastet.

Sie hätte fast trotzdem geklopft. Hätte fast seinen Namen gerufen. Aber der Kuchenkarton war in beiden Händen unhandlich, die Tür war direkt vor ihr und sie war schon hundertmal in seinem Apartment gewesen – sie hatte sogar einen eigenen Schlüssel. Also stieß sie die Tür mit der Schulter auf, so wie sie es immer tat, trat ein und sagte, hell und warm und voller Freude:

„Babe, ich hab was mitgebracht –“

Und dann ging die Welt unter. Still. Ohne großes Trara. So, wie die schlimmsten Dinge immer geschehen.

* * *

Sie sah zuerst seinen Rücken.

Er stand im Flur, der den Eingang mit dem Schlafzimmer verband, mit nacktem Oberkörper. Die Muskeln seines Rückens spannten sich unter der Haut, die sie tausendmal berührt hatte. Und vor ihm, gegen die Wand gedrückt, den Kopf in den Nacken gelegt und die Finger in seinem Haar vergraben –

Eleanor.

Ihre Stiefmutter.

Arias Gehirn machte in diesem Moment etwas Interessantes. Es wurde ganz, ganz still. Wie ein Radio, das nur noch Rauschen von sich gibt. Der ganze Lärm der Stadt, der Jazz, ihr eigener Herzschlag – alles weg. Nur Stille, und das Bild vor ihr brannte sich ihr so fest in die Netzhaut, dass sie es jahrelang nicht mehr loswerden würde.

Eleanor war einundvierzig. Auf diese modellierte, gepflegte Art schön, die Frauen an sich haben, die ihren Körper wie eine Geldanlage behandeln. Sie trug die rote Bluse, die sie heute Morgen beim Frühstück anhatte. Aria hatte ihr beim Frühstück ein Kompliment dafür gemacht. Sie hatte gesagt: „Das ist eine tolle Farbe für dich, Eleanor“, und Eleanor hatte mit diesen perfekten Zähnen gelächelt und „Danke, Schätzchen“ gesagt.

Schätzchen.

Der Kuchenkarton knallte auf den Boden.

Damien wirbelte herum. Eleanors Augen öffneten sich. Für eine riesige, in die Länge gezogene Sekunde bewegte sich niemand. Die drei waren wie eingefroren, wie in einem Gemälde – nur dass Gemälde nicht so etwas zeigten. Sie zeigten nicht diesen speziellen Horror, die zwei Menschen, denen man am meisten vertraute, mitten im Verrat zu erwischen, in einem Flur, der nach Zedernholz und Damiens Parfüm roch.

„Aria –“, setzte Damien an.

Sie drehte sich um und ging wieder zur Tür hinaus.

Sie rannte nicht. Sie schrie nicht. Sie drückte den Aufzugknopf und stand da, die Arme an den Seiten, das Gesicht vollkommen, absolut ausdruckslos, während sie wartete. Als sich die Türen öffneten, trat sie hinein, beobachtete, wie der Flur schmaler wurde und verschwand, und dachte mit einer fast chirurgischen Klarheit:

Ich habe zweiundsechzig Dollar für diesen Kuchen bezahlt.

Dann schlossen sich die Türen und sie brach in sich zusammen.

Lass MEG_LEWIS wissen, was du von diesem Kapitel hältst!
Ich liebe es

0

Ich liebe es

Lustig

0

Lustig

Pikant

0

Pikant

Spannend

0

Spannend

Emotional

0

Emotional

Tiefgründig

0

Tiefgründig

Herzerwärmend

0

Herzerwärmend

Schockierend

0

Schockierend

Gutes Schreiben

0

Gutes Schreiben

Überzeugende Handlung

0

Überzeugende Handlung

Toller Charakter

0

Toller Charakter

Starker Dialog

0

Starker Dialog

author

Dang! I love her already.

ein Monat
1

Weitere Empfehlungen

Merry Christmas - Adventskalender 2025

Aelyn Raven: Wieder eine tolle Geschichte. Leider bin ich erst jetzt dazu gekommen sie zu lesen, aber das tut der Geschichte keinen Abbruch *g* ich freue mich schon auf den nächsten Adventskalender

Jetzt lesen
Destino Secreto

Karin Rogowski: Gut geschrieben und beschrieben. Die Charaktere und Situationen sind stimmig und nehmen einen gefangen. Mich hat das Buch ab der ersten Zeile fasziniert, genau wie die anderen Bücher davor. Sehr guter Schreibstil und eine sehr gute Übersetzung, nebenbei bemerkt. Dankeschön, dass Du Deine Bücher ...

Jetzt lesen
 Mehrfach zurückgewiesene Gefährtin

Silvia: Sehr schön geschrieben, mit Spannung von Anfang bis Ende. Tolle Geschichte .

Jetzt lesen
A Blessing in Disguise

Roxann: This was an amazing book. The characters and plot were amazing and you are an awesome writer. Every book I have read by you is just amazing. I thank you and on to the next ❤️

Jetzt lesen
The Orc's Pet

Xonereth: I really enjoyed this story. It was pretty straightforward plot wise, uncomplicated. Loved the characters and the world. It unfolded at a good pace. Keep writing and I will definitely check out your other works!

Jetzt lesen
Ein Kuss für den CEO

phelix21: Gesucht, leichte Kost für zwischendurchGefunden, viel Wahrheit in jedem Kapitel!Jedes Kapitel mit einem Tagebucheintrag zu beenden ist ein schöner schreibtechnischer Kniff.

Jetzt lesen
Mystic Wolf

Akthea: Fantastica

Jetzt lesen
Ruthless Lord

Ock: romance captivante. Hâte de lire la suite

Jetzt lesen
Stripped Shadows

Pfefferwinz: Richtig gut geschrieben und spannend bis zum Schluss.Ich kann es nur absolut empfehlen und bin auch schon bei der Fortsetzung, ... soweit wie sie eben schon fertig gestellt ist. Ich bin sehr gespannt was noch kommt ♥️Danke für die Bereicherung meiner Freizeit. Für mich der perfekte Ausgleich zumArbe...

Jetzt lesen