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Zusammenfassung

Um den Mitgliedern einer tödlichen Gang zu entkommen, musste Elliot alles hinter sich lassen: seinen Namen, seine Familie und seine Vergangenheit. Vom FBI in ein gemütliches Kleinstädtchen in Montana verfrachtet, lautet seine einzige Überlebensregel: Fall nicht auf und vertraue niemandem. Doch das ist leichter gesagt, als getan, wenn der örtliche Police Officer Paul ein Auge auf den Neuankömmling geworfen hat. Als gradliniger und pflichtbewusster Cop spürt Paul sofort, dass etwas nicht stimmt, weshalb er Elliot genauer unter die Lupe nimmt.

Genre:
Lgbtq
Autor:
Valgorn
Status:
In Arbeit
Kapitel:
6
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

Ein neues Kapitel

Elliot Rhodes hatte Angst. Nicht nur, weil die Mitglieder einer mächtigen und skrupellosen Gang nach seinem Leben trachteten, sondern auch, weil er ab dem heutigen Tage zu einem völlig neuen Menschen werden musste.

Die bisherigen 26 Jahre verloren mit einem Mal jedwede Bedeutung. Alles, was Elliot in dieser Zeit erreicht hatte, war nicht mehr von Belang. Den Job, seine Freunde, selbst seine Familie musste der junge Mann notgedrungen hinter sich lassen. Und wofür? Um ein Leben zu schützen, das im Grunde keines mehr war.

All das nur, weil Elliot zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen war. Er erinnerte sich noch genau an die Nacht, in der seine Schicht als Barkeeper im exklusiven Club ihr schreckliches Ende fand. Der fatale Moment, als sich Elliot dazu entschieden hatte, den Seitenausgang zu nehmen, wo er Zeuge eines brutalen Mordes geworden war. Das ohrenbetäubende Geräusch der Schüsse, der kalte Regen auf seiner Haut, der metallische Geruch von Blut in seiner Nase und der Anblick eines von Schmerz geplagten Gesichts, als das Opfer zu Boden ging.

Eindrücke, die Elliot gebrandmarkt hatten und ihm seitdem keine ruhige Minute mehr gönnten. Sie quälten seinen Geist, suchten ihn im Schlaf heim und erinnerten ihn stets daran, dass er das nächste Todesopfer werden könnte.

Der Einfluss dieser mordenden Bande reichte so weit, dass Elliot als Kronzeuge ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen werden musste. Von da an ging es für ihn stets nur noch bergab.

Mit dem Auto, das ihm das FBI zur Verfügung gestellt hatte, fuhr Elliot Richtung Montana. Es handelte sich dabei um einen alten Chevy Silverado Pickup, mit kleinen Dellen und verblichenem Lack, der perfekt zu Elliots neuer Identität passte und keine ungewollte Aufmerksamkeit auf sich zog.

Während der Fahrt hatte Elliot das Fenster hinunter gekurbelt, wodurch der Wind ungehindert durch sein dunkelblondes, mittellanges Haar wehte. Aufgrund der angenehmen Temperaturen trug er ein graues Sweatshirt, eine Jeans sowie ausgeblichene Turnschuhe, die gut zu seiner schlanken Statur passten. Auf der Beifahrerseite befand sich zudem eine schwarze Lederjacke.

Um sicherzugehen, dass Elliot noch der war, für den er sich hielt, warf er einen prüfenden Blick in den Rückspiegel. Die grünen Augen, die ihm entgegenblickten, waren noch dieselben, ebenso wie der Drei-Tage-Bart, der sein Kinn und seine Oberlippe verzierte. Obschon ihn der Anblick seines vertrauten Gesichts beruhigen sollte, überkam ihn ein plötzlicher Anflug von Panik.

Wie von Sinnen riss Elliot das Lenkrad herum, sodass er von der Fahrbahn abkam und geradewegs im hohen Gras landete. Da sich außer ihm niemand auf der langgezogenen Straße befand, bekam keine Menschenseele etwas davon mit.

„So eine verdammte Scheiße!“, schrie Elliot, wobei er mit den Fäusten auf das Lenkrad einschlug. „Fuck!“

Er biss die Zähne fest aufeinander und umklammerte das Lenkrad, wodurch seine Knöchel weiß hervortraten. Zeitgleich wälzte er sich auf seinem Sitz herum, bis ihm vor Wut die Tränen in die Augen stiegen. Er hatte alles verloren. Daran bestand kein Zweifel mehr. Eine bittere Wahrheit, die allmählich zu ihm hindurchsickerte. Erschöpft ließ Elliot sich nach vorne sinken. Er fühlte sich völlig machtlos und allein gelassen. Er konnte niemanden um Hilfe bitten und seine Sorgen mit niemandem auf dieser Welt teilen. Wozu sollte er all das überhaupt auf sich nehmen? Die Antwort auf diese Frage war leicht: Weil er mit seinen 26 Jahren noch nicht sterben wollte. Sein Überleben hing davon ab, neu anzufangen. Eine andere Möglichkeit existierte nicht. Mit dieser Erkenntnis schöpfte Elliot neuen Mut. Er holte tief Luft, wischte sich über das Gesicht und lenkte den Wagen zurück auf die Straße, um den Weg in das kleine verschlafene Städtchen fortzusetzen.

Zwei Stunden später erreichte Elliot die Stadt Pine Ridge, die im Grunde nur aus einer einzigen breiten Hauptstraße bestand. Der Asphalt war an den Rändern bereits rissig geworden, womit er optisch zu den verblichenen Fassaden der flachen Gebäude passte. Im Hintergrund hingegen thronten majestätische Berge, die der Landschaft einen malerischen Feinschliff verliehen. Darüber hinaus drängten sich dichte Wälder hinter den letzten Gebäuden, sodass Pine Ridge zu einem Bestandteil der rauen Natur geworden war.

Hier oben in den Bergen war die Luft schon spürbar kühler, weshalb Elliot zu frösteln begann. Er schloss die Fenster des Wagens wieder und sah sich derweil sorgfältig um. Dabei entdeckte er unter anderem ein Diner, eine Bibliothek, eine kleine Polizeistation, sowie den Baumarkt, in welchem er zukünftig arbeiten sollte.

Am Stadtrand ging der Asphalt in einen Schotterweg über. Elliot folgte diesem, bis er vor einem kleinen, einstöckigen Haus zum Stehen kam. Die Farbe an den Holzschindeln war stellenweise abgeblättert. An der Vorderseite gab es eine kleine überdachte Veranda, auf der ein wackliger Holzstuhl stand. Elliots Aufmerksamkeit richtete sich nun auf den Vorgarten, der lediglich aus einer wilden Wiese bestand und in den letzten Monaten sichtbar vernachlässigt worden war. Sie erinnerte ihn an das Chaos, das derzeit in seinem Kopf wucherte.

Mit einem seltsamen Gefühl der Leere parkte er den Wagen in der Auffahrt, die von rohem Kies bedeckt war. Sich hier in Zukunft niederlassen zu müssen, stimmte ihn traurig. Er verspürte nicht die geringste Motivation das Auto zu verlassen. Die Welt da draußen war nichts für ihn. Er wollte dieses Haus nicht betreten. Er wollte nicht zu Cole Davis werden.

Vielmehr wollte er derjenige bleiben, der er war. Elliot Rhodes. Ein homosexueller Junggeselle, der seine Freunde und Familie über alles liebte und der gerne als Barkeeper arbeitete.

Es verging eine gefühlte Ewigkeit, bis Elliot einen Fuß nach draußen setzte. Während er auf den Eingang zusteuerte, knirschte der Kies unter seinen Schuhen. Letztendlich betrat er die Wohnung, deren Inneneinrichtung kalt und lieblos wirkte. Sie verstärkte das Gefühl der Einsamkeit, an der Elliot langsam zu ersticken drohte.

Der kombinierte Wohn- und Küchenbereich bot nichts, woran man sich erfreuen könnte, weshalb Elliot dem Ganzen auch nur wenig Beachtung schenkte. Er schlurfte in das Schlafzimmer, in dem ein Bett und eine alte Holzkommode standen. An der Decke baumelte eine einsame Glühbirne. Der schwere und dicke Vorhang am Fenster gab dem erbärmlichen Erscheinungsbild seinen Rest.

Plötzlich vernahm Elliot ein lautes Rauschen. Er schloss seine Augen, um das Geräusch zu verdrängen, konnte jedoch nichts dagegen tun. Stattdessen wurde es zunehmend lauter, bis es schließlich unerträglich für ihn wurde. Er fiel auf die Knie, warf die Arme über seinen Kopf und schrie, bis seine Lungen schmerzten, doch selbst das half nicht gegen den unsichtbaren Dämon, der gerade versuchte, Besitz von ihm zu ergreifen. Elliots wahre Existenz wurde verdrängt. Sie durfte nicht länger verweilen. Ihre Zeit war abgelaufen. Die Uhr tickte unaufhörlich dem Ende entgegen. Die Angst davor, schnürte ihm die Kehle zu. Es war so offensichtlich, dass es schmerzte, denn eines stand nun unmittelbar fest:

Elliot Rhodes würde zukünftig verblassen, damit Cole Davis an seine Stelle treten konnte.

Eine Zukunft, die den Mann in Angst und Schrecken versetzte.

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