Chapter 1 Celest
Man sagt, ein Maskenball sei ein Ort, an dem Menschen ihre wahren Gesichter verstecken.
Ich fand immer, dass es andersherum war.
Die Maske war das Einzige, was ehrlich war.
Denn ohne sie mussten Adlige lächeln, wenn sie jemanden verachteten. Sie mussten Komplimente machen, während sie bereits planten, wie sie einander zerstören konnten.
Und in dieser Nacht trug jeder eine Maske.
Jeder außer mir.
Ich stand am Rand des Ballsaals des Königlichen Palastes, mein schwarzes Kleid fiel wie Schatten über den Marmorboden, während sich Hunderte Stimmen um mich herum vermischten.
Valemonts lächelten nicht ohne Grund.
Und ich hatte keinen Grund dazu.
Nicht heute.
Nicht, wenn der Name Ravencourt wieder durch die Hallen geflüstert wurde.
Cassian Ravencourt.
Allein sein Name war eine Warnung.
Der Erbe einer Familie, die vor Jahrhunderten den Fluch über mein Blut gelegt hatte.
Der Mann, dessen Vorfahren meine Vorfahren vernichten wollten.
Und trotzdem war er der Erste, den ich sah, als sich die Türen öffneten.
Er war größer, als die Gerüchte behaupteten.
Dunkles Haar. Kalter Blick. Eine schwarze Maske, die seine silbernen Augen kaum verbarg.
Neben ihm standen mehrere Damen des Hofes, die um seine Aufmerksamkeit kämpften.
Er schenkte ihnen genau das, was sie wollten.
Ein Lächeln.
Ein paar charmante Worte.
Eine Berührung an der Hand.
Cassian Ravencourt war genau der Mann, vor dem man mich gewarnt hatte.
Arrogant.
Gefährlich.
Und vollkommen überzeugt davon, dass ihm alles gehörte, was er ansah.
Dann trafen sich unsere Blicke.
Nur für einen Moment.
Aber es fühlte sich an wie eine Herausforderung.
Er löste sich von der Gruppe der Damen und kam auf mich zu.
Nicht zögernd.
Nicht unsicher.
Als hätte er gewusst, dass ich warten würde.
„Lady Valemont.“
Seine Stimme war ruhig.
Zu ruhig.
Ich hob mein Kinn.
„Lord Ravencourt.“
Ein schwaches Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
„Ich hatte erwartet, dass du gefährlicher aussiehst.“
Ich betrachtete ihn.
„Und ich hatte erwartet, dass du weniger überbewertet bist.“
Für einen Moment sagte niemand etwas.
Dann lachte er leise.
Nicht freundlich.
Eher überrascht.
„Vielleicht“, sagte er, „wirst du doch interessant.“
Ich hätte gehen sollen.
Ich hätte ihn ignorieren sollen.
Denn ich wusste damals noch nicht, dass dieser Abend nicht nur ein Ball war.
Es war der Anfang eines Krieges.
Und der Anfang von etwas, das ich niemals hätte wollen dürfen.
Von uns.








