NOX
[SESSION: N0X / FLOPPY_DISK]
[CHANNEL: #ghost-link // IRC BRIDGE ACTIVE]
[MODE: LOW-TRACE / HIGH-INTERFERENCE]
23:46:58 | N0X:
bist da
23:47:01 | N0X:
bro
23:47:03 | N0X:
pls respond
23:47:19 |
SYSTEM:[WARN] latency spike detected (RTT +241ms)[INFO] reroute active: onion node chain unstable[INFO] packet duplication detected (possible echo injection)
23:47:33 | FLOPPY_DISK:
depends
23:47:41 | N0X:
???
23:47:45 | FLOPPY_DISK:
depends != yes
23:47:52 | N0X:
kein spaß
23:47:58 | FLOPPY_DISK:
keine jokes hier
23:48:06 | N0X:
ernst
23:48:10 | FLOPPY_DISK:
define
23:48:19 |
SYSTEM BOT:user “N0X”status: emotional instability ↑recommendation: reduce verbosity / avoid threat framing
23:48:22 | N0X:
ok
23:48:31 | FLOPPY_DISK:
wer
23:48:38 | N0X:
RU
23:48:41 |
SYSTEM:[TRIGGER] keyword: “RU”[INFO] correlation scan: active conflict cluster detected[INFO] probability overlay: HIGH
23:48:55 | FLOPPY_DISK:
welche ebene
23:49:02 | N0X:
keine ebene
netz real
frankfurt route
waschsystem
23:49:14 | FLOPPY_DISK:
…
23:49:21 | FLOPPY_DISK:
du bist noch stabil?
23:49:28 | N0X:
kaum
23:49:31 | FLOPPY_DISK:
dann weniger tippen
23:49:40 | N0X:
geht nich
23:49:55 |
SYSTEM:[ALERT] device fingerprint drift detected[ALERT] sensor ping anomaly (micro / gyroscope)[INFO] no confirmed intrusion
23:50:03 | N0X:
die scannen mich
router
phone
briefkasten
alles pingt
23:50:12 | FLOPPY_DISK:
dein kopf baut pattern
briefkasten?
23:50:20 | N0X:
ist bestätigt
nich gefühlt
23:50:33 | FLOPPY_DISK:
gefährlichste kombination
23:50:41 | N0X:
3 tage kein schlaf
23:50:44 | FLOPPY_DISK:
merkt man
23:50:51 | N0X:
lol?
23:50:53 | FLOPPY_DISK:
kein lol zustand
23:51:07 |
SYSTEM BOT:
suggestion: terminate session
reason: stress threshold exceeded / external threat undefined
23:51:11 | N0X:
ich will nich verschwinden
23:51:20 | FLOPPY_DISK:
wirst du nich
23:51:25 | N0X:
woher weißt du das
23:51:31 | FLOPPY_DISK:
du schreibst noch
23:51:39 | N0X:
das ist keine garantie
23:51:44 | FLOPPY_DISK:
doch minimal ist real
23:52:03 | N0X:
bring europol psycho rein
23:52:07 | FLOPPY_DISK:
ott
23:52:09 | N0X:
nö
23:52:11 | FLOPPY_DISK:
zu spät für nö
23:52:22 |
SYSTEM:[CRITICAL NOTE]entity “OTT” referenced in prior operational clusterclassification: EU BLACKOUT INCIDENT / FRANKFURT NODE EVENT (sealed)
23:52:33 | N0X:
der killt mich eher
23:52:39 | FLOPPY_DISK:
oder er beendet den zustand
23:52:47 | N0X:
der ist keine person
23:52:52 | FLOPPY_DISK:
korrekt
23:52:55 | N0X:
was dann
23:52:59 | FLOPPY_DISK:
abschlusssystem
23:53:10 | N0X:
bro das ist krank
23:53:22 | FLOPPY_DISK:
ist es
23:53:41 | N0X:
hat der gefühle
23:53:45 | FLOPPY_DISK:
irrelevante variable
23:53:52 | N0X:
das ist keine antwort
23:53:57 | FLOPPY_DISK:
doch für ihn schon
23:54:10 |
SYSTEM BOT:anomaly: emotional mirroring detectednote: FLOPPY_DISK interaction resembles external enforcement pattern
23:54:18 | N0X:
warum haben alle angst vor ihm
23:54:23 | FLOPPY_DISK:
weil er keine escalation kennt nur termination
23:54:35 | N0X:
das ist schlimmer als sterben
23:54:41 | FLOPPY_DISK:
manchmal ja
23:55:12 | N0X:
ich werde beobachtet
23:55:18 | FLOPPY_DISK:
nich sicher
23:55:23 | N0X:
doch ich sehe delays
ghost packets echo loops
23:55:31 | FLOPPY_DISK:
oder du jagst sie selbst
23:55:44 | N0X:
ich bin nich irre
23:55:49 | FLOPPY_DISK:
hab ich nich gesagt
23:56:10 | N0X:
ich sterbe hier
23:56:12 |
SYSTEM:[READ CONFIRMED]
23:56:15 | FLOPPY_DISK:
nö
23:56:21 | N0X:
hör auf das zu sagen
23:56:29 | FLOPPY_DISK:
du hast mich kontaktiert
routing ist damit offen
23:57:02 | N0X:
du holst ihn
23:57:06 | FLOPPY_DISK:
ja
23:57:11 | N0X:
ich geh in knast
23:57:15 | FLOPPY_DISK
knast ist end point nicht end zustand
23:57:27 | N0X:
du klingst wie er
23:57:33 | FLOPPY_DISK:
zu viel exposure
23:57:41 | N0X:
ist er mensch
23:57:44 | FLOPPY_DISK:
funktionseinheit
23:57:58 | N0X:
das ist schlimmer
23:58:22 | N0X:
was sag ich ihm
23:58:30 | FLOPPY_DISK:
nich spielen
nich erklären
nich optimieren
23:58:45 | N0X:
hilft nich
23:58:52 | FLOPPY_DISK:
doch überleben
23:59:21 | N0X:
warum ist er so gefürchtet
23:59:28 | FLOPPY_DISK:
weil er keine frage offen lässt
23:59:41 | N0X:
das klingt wie propaganda
23:59:47 | FLOPPY_DISK:
alles ist propaganda
nur outcomes sind real
00:00:11 | N0X:
wer bin ich für ihn
00:00:15 | FLOPPY_DISK:
unknown node
00:00:22 | N0X:
beruhigend
00:00:27 | FLOPPY_DISK:
nich beruhigend präzise
00:01:03 | N0X:
wenn ich mich stelle lebe ich?
00:01:09 | FLOPPY_DISK:
wahrscheinlichkeit steigt
00:01:14 | N0X:
das ist krank als antwort
00:01:21 | FLOPPY_DISK:
ist keine antwort
statistik
00:01:44 | N0X:
ok mach
00:01:49 | FLOPPY_DISK:
verstanden
00:02:11 |
SYSTEM:[CONNECTION SHIFT DETECTED][ROUTE CHANGED: UNKNOWN THIRD PARTY NODE ACTIVE]
00:02:18 | N0X:
was passiert
00:02:22 | FLOPPY_DISK:
nich mehr
nur ich
00:02:31 | N0X:
???
00:02:37 | FLOPPY_DISK:
protokoll hat sich geändert
00:02:44 | N0X:
FLOPPY??
00:02:48 | FLOPPY_DISK:
hör zu keine weiteren inputs ohne trigger
00:03:02 | N0X:
alter was ist das
00:03:11 |
SYSTEM:[SESSION TERMINATED BY PEER][END OF LINE]
Nox starrt auf den Bildschirm. Zum ersten Mal seit drei Tagen ist es nicht mehr die Angst, die seinen Puls bestimmt.
Es ist Hoffnung. Eine gefährliche Hoffnung.
Denn wenn Floppy tatsächlich den Psycho ins Spiel bringt, wird sich in den nächsten Stunden etwas verändern.
Nox hat, ähnlich wie Floppy, eine harte und grausame Kindheit erlebt. Während Floppy in die Hände von Kinderschändern und Menschenhändlern gerät, wächst Nox an der Seite seiner Mutter mitten in der Unterwelt auf – zwischen Drogen, kriminellen Organisationen und den dunklen Gassen des Frankfurter Bahnhofsviertels. Dort nimmt sich der Boss des Viertels Nox an und schützt ihn.
Seine Mutter stirbt inzwischen an den Folgen ihrer HIV-Erkrankung.
Genau dieser Schutz wird Nox nun zum Verhängnis. Sein Boss schuldet den Russen einen Gefallen. Um die Schuld zu begleichen, bietet er Nox als Bezahlung an.
Niemand beherrscht die Geldwäsche im Darknet besser als Nox. Für die russische Mafia wirkt er wie ein Geschenk des Himmels.
Ein deutscher Hacker mit seinen Fähigkeiten ist für sie um ein Vielfaches wertvoller als jeder gewöhnliche Spezialist. Damit scheint sein Schicksal besiegelt.
Dennoch fühlt sich Nox nicht verraten.
Der Boss hat seiner Mutter bis zu ihrem letzten Atemzug geholfen. Er übernimmt sogar sämtliche Kosten ihres Hospizaufenthalts.
Für Nox wiegt diese Loyalität schwerer als jede Erklärung.
Nox wächst mit einer tiefen Abneigung gegen Polizei und Behörden auf. Er lebt, atmet und denkt gegen jede Form staatlicher Autorität.
Umso bemerkenswerter ist es, dass ausgerechnet er seinen einzigen wirklichen Freund Floppy Disk auf Ott aufmerksam macht.
Ihre Freundschaft bedeutet beiden alles.
Loyalität bis in den Tod.
Damals ist Floppy erst elf Jahre alt. Er will sämtliche Täter selbst hacken. Alle Männer, die Kinder missbrauchen, handeln oder zerstören. Mächtige Menschen mit Geld, Einfluss und Verbindungen.
Nox, drei Jahre älter und bereits deutlich abgeklärter, überzeugt ihn jedoch vom Gegenteil.
„Wenn du sie nur hackst, sperren sie ein paar Server und machen weiter. Wenn Ott sie jagt, verschwindet ihr ganzes System.“
Ohne Ott wäre Floppy vermutlich nur ein weiterer Darknet-Hacker geblieben. Jetzt ist Nox selbst am Ende.
Zum ersten Mal seit vielen Jahren hat er echte Angst. Seit drei Tagen versteckt er sich. Sein Boss wirkt dabei erstaunlich ruhig. Fast zu ruhig.
Nox weiß genau, weshalb.
Wenn er sich weigert, zu den Russen überzulaufen, übernehmen sie das gesamte Bahnhofsviertel. Sie bringen genau jene Brutalität und Barbarei mit, für die sie in der Unterwelt berüchtigt sind.
Doch beinahe ebenso groß wie seine Angst vor den Russen ist der Gedanke, mit Europol zusammenzuarbeiten.
Als Informant.
Nox ist überzeugt, dass Ott keine Ausreden akzeptiert. Er glaubt, dass der Psycho ihn sofort ins Gefängnis bringt, wenn er auch nur den Eindruck gewinnt, Nox habe Menschen wissentlich geschützt oder Straftaten gedeckt.
Oder schlimmer.
In den Geschichten des Darknets heißt es, Ott könne einem mit seinem berüchtigten Schlagring den Schädel zertrümmern, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.
Nox weiß nicht, ob diese Geschichten stimmen. Er weiß nur, dass niemand darüber lacht.
Und ja – die Geschichte mit dem Briefkasten stimmt tatsächlich.
Er kennt Geschichten von Menschen, die lediglich ihren Briefkasten öffnen und wenige Minuten später mit schweren Vergiftungserscheinungen im Krankenhaus landen.
Die Russen. Sie hinterlassen Botschaften, die niemand missversteht.
Während Nox noch immer auf den Bildschirm starrt, ahnt er nicht, dass irgendwo ein Mann in einer roten Lederjacke gerade den letzten Schluck seines schwarzen Kaffees trinkt, ruhig aufsteht und beginnt, Fragen zu stellen.
Fragen, auf die irgendwann Taten folgen.
Und Nox weiß aus den Geschichten des Darknets nur eines: Vor Ott haben nicht die Ehrlichen Angst, sondern diejenigen, die glauben, lange genug davongekommen zu sein.
Natalie sitzt im Bett und beobachtet ihn.
Geweckt hat sie der Schweiß. In den letzten Nächten, die sie miteinander verbringen, geschieht es immer wieder. Plötzlich beginnt Ott, innerhalb eines einzigen Augenblicks so stark zu schwitzen, dass das Bett vollständig durchnässt ist – ebenso wie sie selbst.
Es wirkt, als hätte jemand einen Wasserhahn geöffnet und würde die gesamte Flüssigkeit aus seinem Körper ablassen.
Natalie und Ott sind noch nicht lange zusammen, aber lange genug, um zu wissen, dass der Mann neben ihr nicht ohne Grund unter diesen Schweißausbrüchen leidet.
Sie weiß, wie hart und emotional beinahe monolithisch er ist. Ebenso ist ihr klar, dass Albträume dahinterstecken müssen. Was sie jedoch nicht versteht, ist die Art, wie sie sich bei ihm zeigen.
Er schreit nicht im Schlaf. Er zuckt nicht. Er zittert nicht. Selbst seine Atmung verändert sich kaum. Am Anfang glaubt sie sogar, er sei im Schlaf gestorben. So flach atmet er, dass sich sein Brustkorb kaum sichtbar hebt und senkt. Und das nach einer unvergesslichen Nacht voller Körperkontakt.
Natalie, die aus Amsterdam stammt, besucht ihn jedes Mal in seinem Loft, wenn er wieder in der Stadt ist.
Sie stellt ihm keine einzige Frage.
Nicht, weil sie kein Interesse hätte, sondern weil sie längst verstanden hat, dass Ott nur dann spricht, wenn er will. Alles andere würde er als Drängen empfinden.
Otts Körper ist für Natalie eine Obsession.
Sie ist fasziniert von den Narben, die seinen Körper von den Füßen bis zur Stirn bedecken. Jede einzelne erzählt eine Geschichte, auch wenn Ott keine davon preisgibt.
Sie haben ein gemeinsames Ritual entwickelt, von dem Ott nie gedacht hätte, dass er sich einmal darauf freuen oder es sogar vermissen würde, wenn er irgendwo in Europa unterwegs ist.
Er legt sich einfach ins Bett.
Natalie sagt ihm, ob er sich auf den Rücken oder auf den Bauch legen soll. Anschließend beginnt sie, mit den Fingerspitzen behutsam jede einzelne Narbe nachzuzeichnen. Keine wird ausgelassen.
Ihre Berührungen sind so sanft und warm, dass Ott spürt, wie sich etwas in ihm löst. Die Anspannung, die Härte und die ständige Alarmbereitschaft, die ihn am Leben halten, treten für kurze Zeit in den Hintergrund.
Stunden später lässt Natalie ihre Hände ruhen und bleibt einfach bei ihm. Zum ersten Mal seit langer Zeit muss Ott seine Schmerzen nicht mehr verdrängen. Er braucht keine sechshundert Milligramm Ibuprofen mehr, um sich einzureden, dass auch er nicht verletzlich ist.
Für einen kurzen Moment darf er einfach nur anders empfinden.
Am Ende weiß Ott oft selbst nicht, wann aus der Anspannung Ruhe geworden ist.
Jedes Mal muss er weder analysieren noch kontrollieren. Bei Natalie gelingt ihm etwas, das ihm sonst unmöglich erscheint: loszulassen.
Sie ist das Beste, was ihm seit vielen Jahren passiert ist. Dass sie ihn damals auf einer Rave-Party in Amsterdam angesprochen hat, erscheint ihm bis heute wie ein Zufall, an den er eigentlich nicht glauben möchte.
Doch sobald Menschen wie Ott ihre instinktive Schutzweste ablegen, warten bereits die Geister der Vergangenheit auf sie.Sie brauchen keine Einladung. Sie brauchen keine Erlaubnis. Sie sind einfach da.
Plötzlich kippt die Erinnerung.
Ott hängt kopfüber. Eiskaltes Wasser läuft ununterbrochen über seinen Körper und rinnt ihm ins Gesicht.Es ist kälter als alles, was er je erlebt hat.
Er befindet sich in einer Folterkammer der CIA.
Der Agent, der die Vernehmung überwacht, ist sichtlich genervt und wirkt nach achtundvierzig Stunden ununterbrochener Tortur fast erschöpfter als sein Gefangener.
Ott schreit nicht.
Ott spricht nicht.
Ott bettelt nicht.
Sein Kopf ist dunkelrot angelaufen. Er spürt, wie sich das Blut in seinem Schädel staut. Jeder Atemzug brennt. Jeder weitere Tropfen scheint seinen Körper ein Stück weiter an die Grenze des Erträglichen zu treiben.
Die Folter zeigt Wirkung. Sein Körper zittert unkontrolliert. Er kann es nicht verhindern. Das nahezu gefrierende Wasser entzieht ihm langsam jede Wärme, während die Spezialisten die Temperatur bewusst so wählen, dass sie maximale Schmerzen verursacht, ohne den Körper in einen Schockzustand zu versetzen.
Die Männer beobachten jede Reaktion mit professioneller Gleichgültigkeit. Das Wasser stürzt aus der Decke, läuft über die verrosteten Stahlketten, an denen Ott kopfüber hängt, über seinen Körper und sammelt sich schließlich auf dem Betonboden. Seine Haltung zwingt ihn dazu, jede einzelne Sekunde dieser Qual zu ertragen.
Für sie ist es ein Verfahren.
Für Ott ist es die Hölle.
Mit Natalie spricht er nie darüber. Sie fragt auch nicht. Sie wartet, bis er vollständig zu sich kommt. Danach duschen sie gemeinsam und wechseln schweigend die Bettwäsche. Es ist zu einem stillen Ritual geworden, das keiner von beiden erklären muss.
„Rede.“
Das Wort fällt so plötzlich, dass Ott sich im selben Augenblick kerzengerade im Bett aufsetzt. Innerhalb eines Herzschlags ist er hellwach und vollkommen einsatzbereit.
Natalie erschrickt so sehr, dass sie beinahe aus dem Bett fällt. Ott greift nach ihrer Schulter, hält sie instinktiv fest und konzentriert sich gleichzeitig auf die Stimme in seinem Ohr.
„Er ist derjenige, der mich damals gewarnt und den Schutz durch den Frankfurter Boss organisiert hat“, ertönt Floppys Stimme.
„Ist sein Leben in Gefahr?“, fragt Ott.
„Für ihn schon.“
„Wo?“
„Frankfurt.“
„Ott?“
„Rede.“
„Er ist auch derjenige, der mich damals zu dir gebracht hat. Er hat mir mehr als einmal das Leben gerettet.“
Ott schweigt einen Moment.
„Das ändert nichts.“
„Er hat Angst vor dir. Und vor dem Knast.“
„Braucht er nicht mehr. Er hat dich gerettet. Jetzt rette ich ihn.“
Ott wirft einen Blick auf die Uhr. Es ist kurz nach halb zwei.
„Ich beeile mich. Gegen halb sechs, spätestens um sechs Uhr, bin ich in Frankfurt.“
„Während du fährst, bereite ich einen Treffpunkt für euch und ein Informationspaket für dich vor.“
„Mach das.“
„Ott?“
„Rede.“
„Danke, Digga.“
Zum ersten Mal klingt Floppys Stimme nicht ironisch, sondern ehrlich erleichtert.
„Unsere Regel.“
Die Verbindung bricht ab.
Ott hat Floppy einmal gebeten, ausschließlich über den verschlüsselten Kommunikationskanal seines kaum fingernagelgroßen Implantats hinter dem Ohr Kontakt aufzunehmen. Floppy hält sich fast immer daran. Nur wenn er glaubt, Ott brauche einen Moment Privatsphäre, schweigt er bewusst – obwohl Ott selbst selten daran denkt, dass er überhaupt so etwas wie Privatsphäre besitzt.
Natalie ist bereits in die Küche gegangen und bereitet Kaffee für sie beide zu. Sie weiß, dass sie heute nicht mehr gemeinsam duschen werden. Sie hat gelernt, Otts plötzliche Aufbrüche nicht zu hinterfragen. Trotzdem gelingt es ihr nie, die Faszination für diesen Mann vollständig zu verdrängen.
Natalie ist ein internationales Topmodel – eine Welt, die für Ott so weit entfernt ist wie der Mond. Zweimal hat er sie zu Modenschauen und den anschließenden After-Partys begleitet. Jedes Mal reagiert die Modewelt gleichermaßen fasziniert und verstört auf diesen Mann. Blass wie eine Leiche, in seiner mehrfach geflickten roten Lederjacke und mit einem Gesicht, das von unzähligen Narben durchzogen ist. Sein Körper erzählt Geschichten, die niemand hören möchte.
Um sechs Uhr parkt Ott seinen Wagen im Parkhaus unter dem Goetheplatz. Während der Fahrt hat er zunächst vor, Nox unauffällig zu treffen und sich alles in Ruhe erklären zu lassen. Doch Floppys Informationen und das Telefongespräch mit dem Boss verändern seinen Entschluss.
Während der Fahrt, mit jedem Kilometer, kehrt eine Erinnerung zurück. Er sieht Floppy wieder vor sich, wie damals mit elf Jahren. Klein, zerbrechlich, wütend, furchtlos und mit einem riesigen Datenpaket voller Namen, Beweise und Gesichter.
Der Junge verlangt keine Rache. Er verlangt nur, dass endlich jemand handelt.
Nox ist derjenige, der Floppy damals zu Ott führt.
Seit diesem Tag gilt für Ott eine einfache Regel: Wer Floppy schützt, steht unter seinem Schutz.
Ott hat seine Loyalität schon oft bewiesen – gegenüber Kollegen, Informanten und Menschen aus den unterschiedlichsten Milieus. Doch Floppy nimmt einen Platz ein, den Ott selbst nicht erklären kann.
Der Junge hat sich einen Weg durch seine steinerne Fassade gebahnt und ist dort geblieben. Selbst Jahre später ändert sich daran nichts.
Die Entscheidung steht längst fest.
Nox wird geschützt.
Ott steigt die Treppe hinauf und orientiert sich kurz. Sein Blick fällt auf die Goethestraße. Dort begleitet Natalie vor einiger Zeit eine Modenschau eines französischen Luxushauses. Wenige Stunden später versinkt die gesamte Innenstadt im Chaos des plötzlichen Blackouts.
Bis heute weiß sie nicht, dass Floppy diesen Angriff mit Otts Unterstützung ausgelöst hat.
Ott überwindet die kurze Distanz zur Hauptwache in wenigen Minuten. Nox sollte bereits dort sein. Treffpunkt ist eine amerikanische Kaffeekette.
„Fällt dir wirklich nichts Besseres ein?“, hat Ott gefragt.
„Ich weiß, du hasst so etwas, aber ihm ist nichts anderes eingefallen. Er ist wirklich völlig durcheinander, Ott. Bitte sei freundlich zu ihm.“
„Quatsch.“
„Ich meine es ernst. Seit unserem Chat macht er Fehler im Darknet. Ich überwache ihn und musste schon zweimal eingreifen, um ihn dort zu schützen. Und dabei ist er der präziseste Hacker, den ich kenne.“
„Außer dir.“
„Bitte, Ott.“
„Klar.“
Wenn Nox ein rotes Warnlicht über dem Kopf tragen würde, könnte er für Ott kaum auffälliger sein.
Schon aus der Entfernung erkennt Ott einen jungen Mann, etwa in Floppys Alter, nur etwas größer und trainierter.
Er läuft nervös hin und her, die Hände tief in den Hosentaschen. Als er Ott kommen sieht, stockt ihm sichtbar der Atem, und seine Knie beginnen leicht zu zittern.
Nervöser Streuner, denkt Ott. Scheiß leben für ein so begabtes Kind.
Ohne es sich anmerken zu lassen, scannt Ott die gesamte Umgebung. Die Russen entdeckt er längst. Insgesamt sind es fünf. Sie wirken verwahrlost, manche wirken, als stünden sie unter Drogen. Die Pistolen lassen sich kaum übersehen.
Er beschleunigt seine Schritte, erreicht Nox und versucht zu lächeln.
Das macht die Sache für Nox nur schlimmer. Ein leichenblasses Gesicht voller Narben, das plötzlich die Zähne zeigt, wirkt auf ihn eher wie die Warnung eines Raubtiers als wie ein Lächeln.
Gemeinsam setzen sie sich Richtung Bahnhofsviertel in Bewegung. Ott will zu Fuß gehen und möglichst viele der Russen hinter sich herziehen. Er will das gesamte Rudel an einem Ort versammeln.
„Hast du mit deinem Boss gesprochen? So, wie ich es gesagt habe?“
Das sind die ersten Worte, mit denen Ott ihn begrüßt.
„Ja. Er und die Russen warten auf uns.“
„Genau so, wie ich es gesagt habe?“
„Scheiße, Alter. Ja. Aber was soll das alles?“
„Willst du raus?“
Nox schaut überrascht zu ihm auf.
„Willst du bei deinem Boss bleiben? Natürlich kommen die Russen nicht infrage.“
„Ich muss bleiben.“
„Wegen deiner Mutter?“
„Scheiße, Alter. Was hat der Penner dir erzählt?“
Ott bleibt abrupt stehen. Langsam beugt er sich etwas nach vorn und bohrt Nox mit seinem regungslosen schwarzen Blick. Dem jungen Hacker läuft ein Schauer über den Rücken, und zum ersten Mal bereut er ernsthaft, den Psycho eingeschaltet zu haben.
„Der Penner, wie du ihn nennst, verdankt dir mehrmals sein Leben. Und wir wissen auch von den Kindern, die du heimlich aus dem Netzwerk deines Bosses herausholst und in Sicherheit bringst.“
Ott hält den Blick.
„Der Penner verfolgt alles, was du tust. Der Penner bewundert dich. Deshalb tue ich das auch.“
Nox kann kaum glauben, was er hört. Floppy und der Psycho wissen also längst Bescheid.
Mit weit geöffneten Augen starrt er in Otts schwarze Pupillen, als würden sie ihn festhalten. Mehr als ein stummes Nicken bringt er nicht zustande.
„Du willst bleiben? Gut. Dann geben wir deinem Boss heute ein paar neue Regeln. Vor allem, was den Kinder- und Menschenhandel betrifft. Klar?“
Die Frage klingt mehr nach einem Befehl als nach einer Frage, doch Nox ist ohnehin sprachlos.
„Wir machen das zusammen. Du und ich. Kein BKA. Kein SEK. Keine große Show. Nur wir zwei. Schaffst du das?“
„Was soll ich tun?“, bringt Nox schließlich leise hervor.
„Du hast den Server-Drive immer bei dir, richtig?“
„Ja.“
Ott nickt kaum merklich.
„Dann hör mir jetzt ganz genau zu, du Penner.“
Zum ersten Mal seit vier Tagen erscheint ein echtes Lächeln auf Nox’ Lippen.
Der Psycho hat also doch Humor, denkt er.
Im Bahnhofsviertel, auf der Westseite des Hauptbahnhofs, betreten sie ein schmutziges, nach Urin und Feuchtigkeit stinkendes Wohnhaus.
Dicht hinter ihnen folgen die fünf Russen.
Sie steigen sieben Stockwerke über das Treppenhaus hinauf. Ott hat bewusst ein Gebäude ohne Aufzug ausgewählt. Niemand soll ihnen lautlos oder schneller folgen können.
Der Raum, in den sie geführt werden, ist ein großes Open-Space-Büro, das fast ein Viertel der Etage einnimmt. Kaum tritt Ott ein, wandert sein Blick unauffällig zu der Stelle, an der sich nach Floppys Informationen eine getarnte Fluchttür befindet. Genau dort sollen Nox und der Boss verschwinden, sobald Ott ihnen das Zeichen gibt.
In der Mitte des Raumes steht ein runder Tisch – ebenfalls ein ausdrücklicher Wunsch Otts. Der russische Boss setzt sich gemeinsam mit seinen Bodyguards so hin, dass sie den Rücken zu den bodentiefen Fenstern haben. Genau so, wie Ott es geplant hat.
Die fünf Russen betreten ebenfalls den Raum und schließen die Tür hinter sich. Sie verteilen sich lautlos im gesamten Raum und ziehen ihre Pistolen.
Insgesamt stehen Ott nun acht russische Männer und eine Frau gegenüber, angeblich die Buchhalterin. Noch bevor jemand ein Wort sagt, erkennt er die Frau als die eigentliche Anführerin.
Ott schiebt Nox ruhig, aber bestimmt zum Tisch und legt ihm kurz die Hand auf die Schulter, bis er sich rechts neben seinen Boss setzt. Damit liegt die Fluchttür links hinter den beiden. Genau dort bleibt Ott stehen – nah genug am Tisch, um jederzeit eingreifen zu können, und gleichzeitig mit ausreichend Bewegungsfreiheit.
Ott hat dem Boss des Bahnhofsviertels bereits vor Stunden seine Bedingungen zukommen lassen:
„Ich nehme dir die Russen vom Hals. Du hast Floppy während des Blackouts geholfen. Du hast daran aber auch reichlich verdient. Jetzt helfe ich dir. Ab heute gilt: kein Geschäft mehr mit Menschenhandel, keine Geschäfte mit Russen und keine Geschäfte mit osteuropäischen Netzwerken. Hältst du dich nicht daran, schalte ich dich ab.“
Der Boss hat allem zugestimmt. Trotz des Schutzes, den er durch Teile der Frankfurter Unterwelt, korrupte Kontakte und einzelne Politiker genießt, weiß er, dass Ott niemals Drohungen ausspricht, die er nicht umsetzt.
„Drive auf den Tisch.“
Ott spricht im Ton eines Mannes, dessen Befehle nicht diskutiert werden. Er will niemandem auch nur eine Sekunde Zeit zum Nachdenken geben.
Nox zieht die Kapuze tiefer ins Gesicht, greift in seine Umhängetasche und legt einen schmalen SSD-Drive auf den Tisch.
Jetzt richtet Ott seinen Blick ausschließlich auf die Frau.
„Der Penner wird euch künftig im Geschäft unterstützen. Was ihr außerhalb davon macht, interessiert mich einen Scheiß. Nur eines ist nicht verhandelbar: Der Junge geht nirgendwohin. Er bleibt in Frankfurt.“
Die Frau verzieht keine Miene. Offenbar ergibt Schauspielerei keinen Sinn mehr.
„Ich weiß, wer Sie sind, Herr Ott.“
„Gut.“
Ott unterbricht sie sofort.
„Dann weißt du auch, dass ich meine Bedingungen nicht ändere. Es sei denn, du möchtest, dass ich mich persönlich um euer Geschäft kümmere.“
Mehrere Russen verlagern unruhig ihr Gewicht. Ihre Finger legen sich fester um die Griffe ihrer Pistolen. Niemand zieht – noch nicht.
„Wie du willst, Schwuchtel“, sagt die Frau mit unverhohlener Verachtung.
Ott reagiert nicht einmal mit einem Blinzeln.
Nox schließt den SSD-Drive an den Laptop der Russen an. In dem Moment, in dem der USB-Anschluss einrastet, beginnt Floppys eigentliche Arbeit.
Unsichtbare Schadprogramme breiten sich im Hintergrund aus. Von diesem einen Rechner aus springen sie auf jedes erreichbare System des russischen Netzwerks über – Server, Spiegelserver und verbundene Geräte, ganz gleich, in welchem Land sie sich befinden.
Lokal dagegen läuft alles anders.
Nox drückt eine zuvor programmierte Tastenkombination. Sofort beginnt der Laptop, sämtliche Daten unwiederbringlich zu löschen.
Noch bevor jemand versteht, was gerade geschieht, zieht Nox den Drive wieder aus dem Rechner.
Das ist das vereinbarte Zeichen.
Der Boss des Bahnhofsviertels greift unter den Tisch und hebt die Tischplatte an. Sofort verriegelt sie sich in ihrer Position und bildet einen gepanzerten Schutzschild.
Auch das ist eine Forderung Otts gewesen.
Die drei gehen sofort hinter dem Tisch in Deckung und erreichen die getarnte Tür. Sie öffnet sich augenblicklich. Nox und der Boss verschwinden, noch bevor sie sich wieder schließt.
Vom ersten Griff unter den Tisch bis zum Schließen der Tür vergehen keine acht Sekunden.
Währenddessen hat Ott bereits beide Revolver gezogen. Zwölf Patronen. Zehn Gegner. Das reicht.
Mit der rechten Schulter drückt Ott gegen den schweren Tisch und schiebt ihn den fünf Russen entgegen, die ihnen nach oben gefolgt sind.
Sie machen genau den Fehler, auf den Ott gehofft hat: Sie stehen zu dicht beieinander. Dadurch nehmen sie sich gegenseitig die Bewegungsfreiheit und werden zu einem leichteren Ziel.
Die übrigen drei Männer bleiben bei der Frau und versuchen, den Raum zu verlassen. Doch die Tür ist inzwischen verriegelt.
Aus dem siebten Stock führt jetzt nur noch ein Weg hinaus – durch die Fenster. Genau so hat Ott den Raum geplant.
Er schießt kontrolliert, ohne eine einzige überflüssige Bewegung. Jede Kugel hat ein Ziel.
Fünf Schüsse. Fünf Russen gehen zu Boden und sind kampfunfähig.
Zwei der Männer, die die Frau schützen, reagieren schneller als die anderen. Sie springen gleichzeitig über den Tisch und greifen Ott von hinten an.
Ott lässt sich im selben Moment rückwärts fallen. Noch bevor seine Schultern den Boden vollständig berühren, feuert er einen Schuss auf den ersten Angreifer, der sofort zusammenbricht.
Der zweite nutzt den kurzen Moment aus. Ein Schuss trifft Ott in die linke Schulter. Der Einschlag reißt ihn herum. Schmerz durchzuckt den Arm, doch Ott bleibt handlungsfähig.
Er rollt sich über den Boden, greift nach dem Bein des Angreifers und reißt es mit voller Kraft weg. Der Mann verliert das Gleichgewicht. Ott schießt gezielt auf dessen Knie und setzt ihn damit außer Gefecht.
Jetzt richtet Ott sich langsam wieder auf.
Aufrecht. Ruhig. Unverändert.
Sein Blick ruht ausschließlich auf der Frau.
Dem letzten Mann schenkt er kaum Beachtung. Nach Haltung und Kleidung wirkt er eher wie ein Organisator oder Buchhalter als wie ein Kämpfer. Sein Gesicht ist kreidebleich vor Angst.
Ott hebt den verletzten linken Arm. Jeder Zentimeter schmerzt, doch die Hand bleibt ruhig.
Ein Schuss.
Der Mann schreit auf und geht zu Boden. Die Verletzung setzt ihn außer Gefecht, ohne ihn zu töten.
„Du wirst heute nicht sterben.“
Ott tritt einen Schritt näher.
„Du gehst zurück und richtest aus: Das hier ist die erste und letzte Warnung von Europol. Beim nächsten Mal kommen wir zu euch. Verstanden?“
Der Mann nickt hektisch. Er presst ein Tuch gegen die Wunde und zittert unkontrolliert.
Jetzt wendet Ott sich der Frau zu.
Sie begegnet seinem Blick voller Hass.
„Schwuchtel.“
Sie spuckt ihm das Wort förmlich entgegen.
„Du kommst in ein Europol-Hochsicherheitsgefängnis in Rumänien.“
Ott macht einen Schritt auf sie zu, um sie festzunehmen.
In genau diesem Moment unterschätzt er sie.
Noch bevor sein Fuß vollständig aufsetzt, trifft ihn ein harter Tritt in die Körpermitte.
Der Aufprall schleudert ihn gegen die Wand.
Nicht, weil sie eine Frau ist. Sondern weil Ott für den Bruchteil einer Sekunde seine Deckung geöffnet hat. Diesen Fehler registriert er sofort. Für ihn spielt das Geschlecht eines Täters keine Rolle.
Wer Gewalt ausübt, wird gestoppt.
Der Treffer nimmt ihm kurz die Luft. Schmerz schießt durch Bauch und Rücken.
Sie versteht ihr Handwerk.
Ohne zu zögern setzt sie nach.
Ein weiterer Schlag trifft Ott am Unterkiefer. Seine Zähne prallen schmerzhaft aufeinander. Sein Kopf schlägt gegen die Wand.
Benommen ist er. Handlungsunfähig ist er jedoch nicht.
Den dritten Angriff, der auf seinen Unterleib zielt, erkennt er rechtzeitig.
Er erkennt, wohin ihr Tritt zielt, fängt ihr Bein ab und bringt sie mit einer schnellen Hebelbewegung aus dem Gleichgewicht.
Ein deutliches Knacken hallt durch den Raum.
Ihr Schrei überdeckt für einen Moment jedes andere Geräusch. Sie stürzt, erreicht jedoch eine der Pistolen, die am Boden liegen.
Mit erstaunlicher Entschlossenheit richtet sie sich trotz der Verletzung wieder auf. Sie hebt die Waffe.
Noch bevor sie abdrücken kann, geht Ott explosiv nach vorn. Mit voller Wucht rammt er sie mit der Schulter.
Sie wird rückwärts gegen das Fenster geschleudert. Glas zerspringt. Der alte Holzrahmen bricht auseinander.
Die Frau bleibt mit dem Oberkörper über der Fensteröffnung hängen. Unter ihr liegen sieben Stockwerke.
Sie würde abstürzen, wenn Ott sie nicht festhielte.
Doch Ott greift nicht nach.
Ott dreht sich um.
SIGNAL // END-TO-END ENCRYPTEDSESSION RESTOREDNODE: FRANKFURT-07ROUTE: TOR > TOR > TORLOGGING: OFFSCREENSHOT DETECT: ONSESSION ID: #9FC7-11A8
[23:18:04]
NOX
...
NOX
bist da
NOX
bro
NOX
pls
(18 Sekunden)
FLOPPY
kommt drauf an
NOX
fck dch
FLOPPY
❤
NOX
halt maul
FLOPPY
nö
...
NOX
bin noch da
FLOPPY
seh ich
NOX
nich deswegen
NOX
wegen dem Psycho
FLOPPY
?
NOX
lach nich alter
[23:20:11]
NOX
digga...
NOX
wtf war das
FLOPPY
Frankfurt
NOX
ne
NOX
ich mein IHN
FLOPPY
ach so
NOX
komplett irre
FLOPPY
jo
NOX
nich normal irre
NOX
anders
NOX
totalschaden
FLOPPY
auch jo
SYSTEM:relay changed...new route established...
NOX
ich dachte Darknet labert
NOX
wie immer
NOX
90 % müll
FLOPPY
95
NOX
aber bei ihm...
NOX
alter
NOX
alles wahr
FLOPPY
eher schlimmer
[23:23:08]
NOX
der sieht alles
NOX
wirklich alles
NOX
bevor ich die Russen gesehen hab
NOX
hatte der die längst gezählt
NOX
inkl der Waffen
NOX
inkl der Chefin
NOX
inkl dem Fluchtweg
...
NOX
WIE
FLOPPY
Ott halt
NOX
fck off
NOX
weißt was krank war
FLOPPY
?
NOX
der hatte recht
...
FLOPPY
leider oft
NOX
halt maul
[23:25:44]
NOX
ich hatte richtig schiss
NOX
kein film
NOX
echte panik
NOX
beine weich
NOX
hände am zittern
FLOPPY
weiß
NOX
woher
FLOPPY
deine fehlerquote
NOX
...
NOX
du hast mich überwacht?
FLOPPY
24/7
NOX
wtf
FLOPPY
2x fast erwischt
NOX
echt jetzt
FLOPPY
jo
NOX
...
NOX
danke
...
FLOPPY
gern
[23:28:31]
NOX
hass bullen immer noch
FLOPPY
weiß ich
NOX
ändert sich nich
FLOPPY
muss auch nich
NOX
aber...
NOX
der Psycho...
NOX
ist irgendwie anders
FLOPPY
?
NOX
freu dich nich zu früh
NOX
will den trotzdem nich wiedersehen
FLOPPY
?
NOX
ernst
FLOPPY
weiß
NOX
hab gedacht
NOX
jetzt kommt ’n
NOX
moral
vortrag
NOX
handschellen
NOX
anzeigen
NOX
alles
FLOPPY
und?
NOX
nix
NOX
gar nix
NOX
stattdessen
NOX
“bleib beim boss”
NOX
“aber kinder fasst ihr nich an”
NOX
wtf
[23:31:54]
FLOPPY
passt zu ihm
NOX
überhaupt nich
FLOPPY
doch
NOX
er hätte mich einsperren können
FLOPPY
ja
NOX
warum nich
...
FLOPPY
weil ich gefragt hab
...
NOX
...
NOX
ernst?
FLOPPY
ja
NOX
einfach so?
FLOPPY
ja
NOX
...
NOX
du hast echt Einfluss auf den
FLOPPY
’n bisschen
NOX
’n bisschen???
SYSTEM: encrypted attachment removed...checksum verified...
[23:35:07]
NOX
ich hab noch was
FLOPPY
?
NOX
als wir gelaufen sind...
NOX
hab den gefragt
NOX
warum er hilft
FLOPPY
mhm
NOX
weißt du was er sagt?
FLOPPY
ja
NOX
...
NOX
du weißt ALLES
FLOPPY
meistens
NOX
penner
FLOPPY
❤
NOX
er sagt
NOX
“du hast Floppy gerettet”
NOX
“also rette ich dich”
...
NOX
alter...
...
FLOPPY
unsere regel
NOX
ja...
NOX
kein kind bleibt zurück
FLOPPY
❤
[23:38:12]
NOX
versteh euch nich
FLOPPY
muss auch nich
NOX
du hacker
NOX
er cop
NOX
ihr seid komplett verschieden
FLOPPY
nö
NOX
??
FLOPPY
gleiches ziel
NOX
...
NOX
👌
FLOPPY
ja
[23:40:28]
NOX
weißt
NOX
ich glaub
NOX
wenn der irgendwann stirbt...
NOX
gibt richtig Chaos
FLOPPY
jo
NOX
du drehst dann komplett durch
...
(1 Minute keine Antwort.)
...
FLOPPY
wahrscheinlich
...
NOX
digga...
NOX
das macht mir grad mehr angst
FLOPPY
mir auch
[23:43:17]
NOX
pass auf ihn auf
...
FLOPPY
versuch ich
NOX
ernst gemeint
FLOPPY
weiß
NOX
und...
NOX
danke
NOX
alles
...
FLOPPY
immer
SYSTEM
SESSION IDLE...
SYSTEM
PEER DISCONNECTED
FLOPPY OFFLINE
NOX
...
NOX
bruder?
...
NOX
❤️
MESSAGE NOT DELIVERED









Super spannend, kurz, intensiv und mit durchschlagender Wirkung.
Die kurze Begegnung mit Natalie ist interessant. Aber macht Ott das nicht verwundbar wenn er sich öffentlich mit ihr zeigt?
Das war wieder ein super gutes Kapitel! Die private Seite, die hier von Ott gezeigt wird, finde ich sehr interessant. Ott und Floppy sind ein unschlagbares Team und zeigt mal wieder, wie loyal Ott zu seinen Freunden ist.