PROLOG: Die Nacht des Schweigens du
Ein Jahr zuvor.
Der Regen peitschte so heftig gegen die gotischen Mauern der Blackout Academy, dass es klang, als würde das Gebäude unter den Schlägen erzittern. Aber das Zittern war überall. Es lag in der kalten Luft. Es lag in den Schatten der uralten Eichen auf dem Campus.
Und es lag in mir.
Das Blaulicht der Polizeiwagen schnitt grausam durch die Dunkelheit und warf tanzende, bläuliche Schatten auf die nassen Pflastersteine. Inmitten dieses Chaos standen sie. Die Elite. Die reichen Söhne und Töchter der Stadt, geschützt unter ihren sündhaft teuren, schwarzen Designerschirmen. Ihre Mienen waren so glatt und kalt wie Marmor. Kein Weinen. Kein Entsetzen. Nur ein kollektives, eisiges Schweigen.
Ich stand im Schatten, verborgen vor ihren Blicken, und sah zu, wie die Sanitäter den schwarzen Leichensack schlossen. Meine Fingernägel gruben sich so tief in meine Handflächen, bis es wehtat.
„Ein tragischer Unfall“, hatte der Direktor am nächsten Morgen gesagt. „Ein bedauerlicher Selbstmord aus freien Stücken“, hieß es im offiziellen Polizeibericht. Die mächtigen Familien im Hintergrund hatten die Fäden gezogen, das Geld fließen lassen und das Geheimnis noch vor der Beerdigung tief unter der Erde vergraben. Sie dachten, die Sache wäre erledigt. Sie dachten, die Welt würde einfach weiterdrehen.
Sie hatten vergessen, dass sie eine Familie hatte. Sie hatten vergessen, dass sie mich hatte.
Als der Krankenwagen mit heulenden Sirenen vom Hof fuhr, flüsterte ich ihr Versprechen in den strömenden Regen: Sie dachten, sie hätten das perfekte Verbrechen begangen, Maya. Sie dachten, niemand würde Fragen stellen. Sie haben sich geirrt. Ich werde sie jagen. Jeden einzelnen von ihnen








