Kurzgeschichten.

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Zusammenfassung

Ich schreibe Kurzgeschichten basierend auf Liedern, die ich mag.

Genre:
Children/Poetry
Autor:
Kaze
Status:
Auszug
Kapitel:
1
Rating
n/a
Altersfreigabe
13+

Too Sad To Cry - Sasha Sloan.

Der Regen prasselte an die Fensterscheibe, an der meine Schläfe ruhte. Das Glas war bereits ganz warm. Es wunderte mich kaum, ich wusste ja nicht einmal, in welche Richtung ich fuhr. Es war die erste Bahn gewesen, die gekommen war, und mein Blick war zu verschwommen gewesen, um auf die Anzeige zu achten. Atmen tat weh. Ich versuchte, auf die Ansage zu hören, die erklang, aber die Musik in meinen Ohren war zu laut. Sie übertönte jeden Gedanken und erfüllte damit ihr einziges Ziel. Das Handy in meinen vor Kälte blau angelaufenen Händen klingelte zum dritten Mal die Stunde, und wieder ging ich nicht ran.

Ich wollte nicht reden. Und selbst, wenn ich es täte, konnte ich es nicht.

Ich wusste nicht, wer anrief, und ich machte mir nicht die Mühe, nachzusehen, weil ich genau wusste, auf welche Person ich hoffte. Und gleichzeitig wusste ich, dass es diese Person niemals war. Es aber nochmal als Realität vor die Augen gestellt zu bekommen, konnte ich gerade nicht ab. Meine Augen wurden schwer und ich verschloss sie vor meiner Umgebung. Auf einmal waren nur noch die Instrumente der Musik da. Ich bekam ein wenig Angst, da ich mich nun komplett von der Realität abgeschirmt hatte, jedoch wollte ich auch nicht in diese zurück. Vor meinen Augen fanden sich Bilder zusammen. Bilder der zuletzt vergangenenen Stunden. Ich schluckte die hochkommenden Tränen runter und atmete noch einmal tief durch. Die Musik wirkte beruhigend und ein wenig einschläfernd zugleich, und es tat gut, sich ihr zu überlassen. Ich wurde nie religiös erzogen, aber in dem Moment wünschte ich mir, ich wäre es. Ich hatte nichts, woran ich glauben oder mich festhalten konnte. In den letzten Paar Stunden hatte ich es geschafft, mir alles kaputtzumachen, was ich mir über Monate, Jahre aufgebaut hatte, und nun saß ich einfach nur in einem Zug, irgendwohin, wo mich niemand kannte. Ich wollte weinen, aber ich konnte nicht, und sich zu beruhigen fiel so unglaublich schwer. Als die Tropfen an der anderen Seite der Fensterscheibe dicker wurden und schwerer gegen das Glas klatschten, flatterten meine Lider leicht verwirrt auf, und ich bemerkte, dass ich für über zwanzig Minuten in der Vergangenheit gehangen sein musste. Meine Panik steigerte sich etwas, und ich nahm meine Hände zu meinem Gesicht, um mir durch die Haare zu fahren.

Ich hielt inne, als ich an meine Wangen kam. Diese waren nass, und meine Hände waren sehr kalt. Ich wischte mir mit meiner rechten Hand die vergossenen Tränen halbherzig weg und ließ sie wieder fallen. Zwei leuchtend grüne Augen hingen an mir. Mein Blick wanderte zu dem Sitz mir gegenüber. Ein Mädchen mit kurzen, blonden Locken sah mich interessiert an. Nicht mitleidig, nur interessiert. Ich lächelte ihr leicht entschuldigend zu, das war das einzige, was ich mir abringen konnte. Sie betrachtete leicht meine Hände und nahm ihre dann hoch, um sie in einem undurchdringlichen Wirbel zu bewegen. Sie sprach Gebärdensprache.

Brauchst du Musik?

Ich wusste nicht, dass aus meinen Grundschuljahren noch etwas hängen geblieben war bis zu diesem Moment. Aber als ich sie ohne Probleme verstand, wusste ich, dass meine Lehrerin damals gute Arbeit geleistet hatte. Ich schluckte schwer und hob meine eigenen, zitternden Hände von meinem Schoß.

Was meinst du?

Sie lächelte so leicht, dass ich mich fragte, ob ich mir das eingebildet hatte.

Du sitzt schon seit einer Weile hier. Musik ist wichtig, und wenn man immer dieselbe hört, kann man sich so schlecht entspannen. Ich habe welche, wenn du sie brauchst. Wenn nicht, lasse ich dich in Ruhe.

Ab dem zweiten Satz hatte sie etwas langsamer angefangen, Wörter zu zeichnen, wahrscheinlich, weil sie meinen verwirrten Blick bemerkt hatte. Ich öffnete meinen Mund, aber meine Stimme versagte, und dann bemerkte ich die weißen In-Ears in ihren Ohren. Bevor ich meine Hände heben konnte, bedeutete sie mir, zu warten, und holte ihr Handy raus.

Ich kann auch hören, genauso wie du. Ich rede bloß nicht mir dir, da ich weiß, dass du deine Kopfhörer für kein Geld der Welt aus deinen Ohren nehmen würdest.

Damit zwang sie mich zu einem ganz kleinen Lächeln. Es war so wahr. Ich war noch lange nicht bereit, mich meinen Gedanken zu überlassen.

Danke, deutete ich.

Pass nur auf dich auf, ja? Die Augen des Mädchens glitzerten bemutternd auf.

Okay. Wie… Ich suchte nach dem Zeichen. …heißt du?

Cara.

Hey, Cara. Ich bin Sasha.

Sie strich sich eine Strähne aus den Augen.

Verbindest du dich mit meinem Handy? Ich schicke dir Musik.

Ich zögerte etwas. Wenn ich an mein Handy ging, würde ich sehen, wer angerufen hatte. Und ob dieser Jemand noch öfter versucht hatte, mich zu erreichen. Ich schloss meine Augen und sah das Lächeln der Person, die ich so sehr liebte, vor mir. Jedoch gehörte es nicht mehr mir. Und das so verdammt lange nicht mehr. Es wurde Zeit, dass ich mich davon löste. Ich nahm mein Handy in die Hand, bevor ich es mir anders überlegen konnte. Acht verpasste Anrufe leuchteten mir entgegen. Drei von meiner Mutter. Vier von meinem Trainer. Einer von meinem Trainingspartner. Es überraschte mich nicht, dass sie sich wundern mussten, wieso ich mit unvergossenen Tränen den Saal verlassen hatte, mitten im Training. Ich konnte mir nur zu gut ausmalen, dass alle stundenlang angenommen hatten, ich würde zurückkommen. Aber das tat ich nicht. Ich schüttelte die Vorstellung ab und entsperrte mein Handy. Als ich aufsah, zeichnete Cara, ohne aufzusehen, das Wort Bluetooth mit ihren Händen in die Luft. Ich machte es an und wartete. Nach einer halben Minute kam die Anfrage.

Das Gerät „I’m good.“ möchte ihnen 12 Audiodateien und 1 Textdatei senden. Akzeptieren?

Ich akzeptierte. Während unsere Handys Musik tauschten, sah ich auf. Cara musste Gedanken lesen können, denn sie lächelte leicht schief und hob wieder ihre Hände.

Ja, mein Handy heißt so. Es ist mehr ein Versuch der Selbstüberzeugung als Aufmerksamkeitssuche.

Ich schnaubte leicht. Ich bin gespannt auf die Musik.

Und ich auf deine Reaktion. Wobei ich diese aber wahrscheinlich nie zu Gesicht bekomme, da ich an der nächsten Station raus muss.

Ich setzte meine Hände zu einer Antwort an, aber ich wusste nicht, was ich zu ihr sagen sollte. Mein Handy vibrierte als Zeichen, dass die Übertragung fertig war, und einige Augenblicke später kam der Zug zu einem Halt. Cara nickte mir anerkennend zu und stand auf. Ich wollte irgendetwas machen, aufstehen, ihr hinterherlaufen, etwas sagen, aber ich blieb sitzen und beobachtete stumm, wie sie ausstieg. Sie sah nicht zurück, als die Regentropfen ihre Haare nass machten und sich ihre Schuhe bei jedem Schritt in dem nassen Boden spiegelten. Mein Zug setzte wieder zu einer Weiterfahrt an, und als er beschleunigte, war sie nach einem Atemzug außerhalb meines Blickfelds. Ich schluckte schwer und sah auf mein Handy. Zwölf Lieder standen stolz in einer Tabelle, und darunter eine kleine Textdatei mit dem Namen „I’m good. Are you too?“. Ich öffnete sie, und sie enthielt nur ein Paar kleine Sätze, aber ich musste ein wenig blöd lächeln, als ich diese lesen durfte.

Hey, Cara hier. Vielleicht magst du eines Tages außerhalb deiner Kopfhörer Ablenkung bei mir suchen. Schreibst du mir dann?

Darunter stand eine Telefonnummer.