Die Nacht ist noch lang
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Song – Night So Long – Haim
11:59 Uhr
Noch eine Minute bis zu meinem neunzehnten Geburtstag. Ich blinzele die Tränen weg, die in meinen Augen brennen, während ich die Sekunden zähle.
Mein Geburtstag ist kein Grund zum Feiern. Niemand freut sich an diesem Tag. Ich bin sicher, dass mein Vater gerade wach in seinem Zimmer liegt und zusieht, wie die Zeit vergeht.
Ich atme zittrig aus, als die Uhr umspringt.
Heute vor neunzehn Jahren tat ich meinen ersten Atemzug und meine Mutter ihren letzten. Durch das Rudelband spüre ich meinen Vater. Er kämpft mit sich und trauert um seine Gefährtin, seine Luna.
Nachdem mein ältester Bruder James geboren wurde, kam eine Hexe mit einer Prophezeiung. Meine Mutter würde noch zwei Söhne bekommen und dann eine Tochter. Sie würde meine Geburt nicht überleben.
Nachdem Murphy und Cash geboren waren, tat mein Vater alles, um meine Zeugung zu verhindern. Doch das Schicksal ließ sich nicht aufhalten. Ich sollte geboren werden und meine Mutter sterben. Ich sollte etwas Besonderes sein, eine Seherin und Beschützerin meines Volkes. Mein Schicksal war besiegelt, bevor ich überhaupt eine Chance hatte.
Ich wische mir die Augen ab und quäle mich aus dem Bett. Mein Zimmer unter dem Dach hat die beste Aussicht auf das Rudelgebiet. Der riesige Wald erstreckt sich über kilometerweit. Ich schiebe das Fenster auf und klettere auf das Dach. Das hier ist der perfekte Ort zum Nachdenken. Ich habe hier schon viele Stunden verbracht und beobachtet, was unten in der Welt passiert.
Ich sehne mich danach, mich zu verwandeln, zu rennen und ein normaler Wolf zu sein. Als ob es nicht genug wäre, dass ich die Luna des Rudels getötet habe, bin ich auch noch ein Freak. Ein Wolf ohne Wolf. Die Hexe nannte es einen „Geisterwolf“. Ich rieche wie ein Wolf, ich spüre meinen Wolf und ich habe das Rudelband. Ich kann meine Reißzähne ausfahren und mein Wolf kann meine Augen übernehmen. Ich kann mich nur einfach nicht verwandeln.
Mein ganzes Leben habe ich in stiller Einsamkeit verbracht. Niemand ist direkt unfreundlich zu mir, aber es ist klar, dass ich nicht dazugehöre. Mein Vater, der Alpha, und meine älteren Brüder werden geliebt. Ich werde bloß geduldet.
Die Einsamkeit und die Eintönigkeit meines Lebens sind noch schlimmer als die Tatsache, dass ich mich nicht verwandeln kann.
Meine Tante Gemma und mein Bruder Cash sind mein Lichtblick. Sie sind die einzigen Menschen, die mich nicht wie Luft behandeln.
Ich seufze und zwinge mich zurück ins Bett. Ich sollte etwas Schlaf finden für den langen Tag, der mir bevorsteht. Es wird wieder nur schiefe Blicke hageln.
Als ich langsam wegdämmere, spüre ich, wie ich in die Welt jenseits der unseren gezogen werde. Ich versuche mich wachzurütteln, aber es ist zu spät.
„Sorsha, warum wehrst du dich immer noch?“
Ich schließe die Augen. „Ich will das nicht. Ich will nicht hierherkommen.“
Ich spüre Wärme auf meinem Gesicht, die mich zwingt, die Augen zu öffnen.
„Das hier ist ein Geschenk. Ich weiß, dass du es noch nicht so siehst, aber es ist eins.“ Ihre sanfte, melodische Stimme hallt durch das endlose Nichts.
Ich starre in den Abgrund, in dieses helle, offene Nichts.
„Ja, Göttin.“ Ich versuche aufrichtig zu klingen, aber sie weiß alles. Lügen ist zwecklos.
„Es ist dein Geburtstag, ich habe ein Geschenk für dich. Du wirst es bald erhalten.“ Ihre Stimme klingt gütig.
„Ist das alles?“ Ich versuche erst gar nicht, die Hoffnung in meiner Stimme zu verbergen.
„Ich fürchte nicht. Es wird einen Angriff von Rogues geben. Ein Rudel in Montana wird ausgelöscht, wenn du sie nicht rechtzeitig warnst“, sagt sie ernst mit ihrer sanften Stimme. „Warne den Rat, sie müssen sich vorbereiten. Etwas kommt auf euch zu.“
„Was kommt da?“
Ich spüre, wie ich zurück in meinen Körper gezogen werde.
„Was kommt da, Göttin, bitte!“
Ich schrecke hoch, bin verschwitzt und völlig durcheinander. Die Sonne scheint durch mein Fenster und ich stöhne auf. Ich will diesen Tag nicht durchstehen. Eigentlich wollte ich mich wie ein Feigling in meinem Zimmer verkriechen. Aber jetzt muss ich mit meinem Vater reden und einen Weg finden, die Rudel in Montana zu warnen.
Ich mache mir nicht die Mühe, mich umzuziehen oder mein langes, verfilztes Haar zu bürsten. Am besten bringe ich es einfach hinter mich.
Ich höre das Radio in der Küche und Geräusche. Mia, die Haushälterin, muss schon da sein.
„Owner of a lonely heart...“ dröhnt aus den Lautsprechern. Ich spotte innerlich. Na klar, was auch sonst.
Ich gehe an der Küche vorbei direkt zum Büro meines Vaters. Ich zögere kurz vor der Tür und atme durch, bevor ich ihm gegenübertrete.
„Komm rein“, dröhnt seine raue Stimme durch die Tür.
Ich öffne die Tür einen Spaltbreit und zucke zusammen, als ich sehe, dass er allein ist. Ich hätte eine halbe Stunde warten sollen. Dann wäre vielleicht wenigstens einer meiner Brüder bei ihm gewesen.
Er atmet tief ein, als er merkt, dass ich es bin. Er versucht, ruhig und höflich zu bleiben. In meiner Nähe war er schon immer still und zurückhaltend. Ich habe ihm nie einen Vorwurf daraus gemacht, wie er mich behandelt oder dass er mich nicht lieben kann. Ich kann mir nicht einmal vorstellen, wie es ist, seine Gefährtin zu verlieren. Er ist ein gebrochener Mann, nur noch ein Schatten seiner selbst.
Er sagt nichts, als ich eintrete, also setze ich mich unbeholfen hin.
„Die Mondgöttin hat mich letzte Nacht gerufen. Es wird einen Angriff von Rogues auf ein Rudel in Montana geben. Sie werden vernichtet werden.“
Er nickt ernst, bevor er zum Telefon auf seinem Schreibtisch greift.
„James, komm sofort her“, befiehlt er meinem ältesten Bruder und knallt den Hörer auf.
„War das alles?“ Seine Stimme ist angespannt.
„Sie sagte, ich muss den Rat warnen, dass etwas kommt. Sie sagte ‚Bereitet euch vor‘, das ist alles.“
„Hm“, ist alles, was er erwidert. Er dreht sich zu seinem Computer und tippt so schnell, dass es aussieht, als würden die Tasten unter seinen Fingern zerbrechen.
James kommt ins Zimmer, gerade als ich aufstehe, um zu gehen.
„Sorsh“, grüßt er mich kurz mit einem Kopfnicken, bevor er sich meinem Vater zuwendet.
Er ist angespannt, ich kann es spüren. Er will Dad nicht reizen. Dad ist sowieso unberechenbar, aber heute ist es besonders brenzlig.
Ich schlüpfe aus dem Zimmer und mache mich auf den Weg in die Küche.
„Warst du bei Dad?“ Cash schaut von seinen Eiern auf. Die Überraschung steht ihm ins Gesicht geschrieben.
„Ich wurde letzte Nacht gerufen. Es war dringend.“
Er nickt und widmet sich wieder seinem Frühstück.
Wir sitzen schweigend da und essen unsere zu hart gekochten Eier. Er schiebt mir einen kleinen braunen Umschlag zu, bevor er aufsteht. Er zwinkert mir kurz zu und geht dann in Richtung von Dads Büro.
Ich muss lächeln. Darin liegt eine feine Kette aus Roségold mit einem winzigen Anhänger in Form einer Mondsichel. Sie ist filigran und wunderschön. Ich öffne sofort den Verschluss, um sie anzulegen.









Subject: "How about if I turn your story into a comic?"
Hi Myranda Rae,
I recently went through your story "Fix You (The Playlist Book 1)" and I loved it so much. Your writing is amazing, and I kept thinking how cool it would look as a comic.
I loved the opening scene in Chapter 1 where Sorsha, on the eve of her nineteenth birthday, reflects on the prophecy that foretold her mother's death upon her birth. The visual of her sitting alone in the attic room, gazing out over the sprawling forest of the packlands, is so dynamic. It's ideal for making a comic as it sets a tone of solitude and destiny, highlighting her unique position within the pack.
I specialize in adapting stories into manga/comics, and I’d love to bring your story to life as a comic/manga. No pressure, though, I think your work would look awesome in comic form. If you’re interested in a paid collaboration, I’d love to discuss bringing your story to life visually!
If you’re interested, message me on Instagram (username: digitalstrokes_21) or DM me on DC (username: peterjones_90) so we can bring the story to life visually. I'll be waiting to hear from you!
Regards
Peter.
I’m already in love with the start, and the writing just pulls me right in.
Hey! Your attention to worldbuilding is honestly incredible. Every part of the story feels purposeful and emotionally rich, and the depth of the lore makes it so easy to get completely immersed in your world. The latest chapter was amazing, and while reading it, I found myself coming up with a few ideas and theories about where the story might go I’d love to share them with you.