Excerpt
„Mate“, sagte der Alpha ein paar Meter entfernt und zeigte auf Blade. „Du bist meine Gefährtin!“ Er sah gleichzeitig schockiert und begeistert aus.
Blade nahm ihre Arme aus der Kampfhaltung und starrte ihn an. Sie war fassungslos. In ihrem Kopf überschlugen sich die Gedanken.
Was führte er im Schilde?
Blade hatte keinen Gefährten. Sie hatte lange gebraucht, um ihr einsames Schicksal zu akzeptieren. Und das war okay für sie. Sie hatte Andy, ihr Baby.
Nick war ihr Gefährte gewesen und hatte sie wegen Andy verstoßen.
Das hier war entweder ein Irrtum oder ein mieses Ablenkungsmanöver des Alphas. Er wollte sie verwirren. Er spielte falsch. Das sollte eigentlich ein fairer Kampf sein.
Man spielt während eines Kampfes nicht mit den Gefühlen anderer Leute. Damit wartet man, bis man sie besiegt hat, sagte Blade zu ihrer Wölfin Talon.
Zu ihrer Überraschung antwortete Talon nicht.
Talon?
Doch Talon blieb stumm. Sie starrte durch Blades Augen nur auf den Gegner vor ihnen.
Irgendetwas stimmt nicht, sagte Talon schließlich langsam. Ich kann es spüren. Ich nehme da etwas wahr.
Talon klang vor allem genauso verwirrt, wie Blade sich fühlte.
Er ist unser Gefährte. Aber ich weiß nicht, wie oder warum das möglich ist. Sei lieber vorsichtig, Blade. Ich traue der Sache nicht ganz.
Blade wollte den Kampf fortsetzen. Doch der Duft war zu stark, um ihn zu ignorieren oder als Zufall abzutun. Er stieg ihr mit Wucht in die Nase und weckte eine ihrer kostbarsten Erinnerungen: Geröstete Marshmallows und geschmolzene Schokolade mit einem Hauch von Lagerfeuerrauch. Der Gegner vor ihr roch nach ruhigen Sommerabenden, an denen sie mit ihrem Zwillingsbruder Joaquin und ihren Cousins S’mores gegessen hatte. Damals hatten sie an einem lodernden Feuer gespannt den Spionagegeschichten ihres Großvaters gelauscht.
Aber was ist mit Andy? Wird er unser Baby auch töten wollen?, fragte Talons besorgte Stimme in ihrem Kopf. Sie erinnerte sich daran, wie Nick ihr gedroht hatte. Er wollte Andy töten, falls Blade es nicht zuerst tat.
„Ich kann nicht zulassen, dass die Leute denken, das sei mein Erbe“, hatte er gesagt. „Wie peinlich!“
Selbst wenn sie seine Gefährtin war, würde das Muskelpaket vor ihr Andy niemals als sein eigenes Kind akzeptieren. Sein Stolz als Alpha würde verlangen, dass Blade ihr Baby weggab, so wie Nick es gefordert hatte. War sie bereit, Andy aufzugeben? Oder dabei zuzusehen, wie ein anderer ihn umbrachte?
Blade rannte auf den Alpha zu. Sie nutzte seine Verwirrung aus, sprang mit den Füßen voran ab und drehte sich leicht in der Luft. Ihre Füße landeten genau auf seiner massiven Brust. Sie trat ihn mit aller Kraft zurück. Sie beendete ihre Drehung in der Luft und landete flink in der Hocke, beide Hände auf dem Boden.
Der Alpha flog mehrere Meter zurück. Er knallte erst einmal und dann noch einmal auf seinen Arsch. Schließlich landete er mit dem Rücken und dem Kopf auf dem Boden.
Blade hatte einen perfekten Dropkick hingelegt. Er hätte sogar den extrem hohen Ansprüchen von Onkel Danny genügt.
Doch Blade hatte keine Zeit zum Feiern und stand sofort auf.
Sie bemerkte, wie die Elite-Krieger schweigend zwischen ihr und ihrem Alpha hin- und herstarrten. Blade hörte nicht einmal ein Luftschnappen. Sie sah auch, dass das Trainingszentrum fast voll mit Rudelmitgliedern war. Sie alle hatten gesehen, wie ihr Alpha wie ein kleiner Welpe umgetreten wurde.
Und dann sah sie etwas, das ihr wirklich Sorgen machte.
Der Alpha grinste.