KAPITEL 1
Prince William Forest Park
Samstag
Dave Murphy rückte den kleinen Rucksack auf seinem Rücken zurecht. Dann zog er Ash am Arm und bog sich fast in der Mitte durch, um sie im Feuerwehrgriff über seine Schulter zu hieven. Er legte einen Arm unter ihre Oberschenkel, versuchte dabei aber, seine Hand nicht auf ihren Arsch zu legen, um sie im Gleichgewicht zu halten, und richtete sich wieder auf.
„Murphy!“, rief sie und trommelte mit den Fäusten auf seinen unteren Rücken. „Lass mich runter!“
„Ash, du kannst nicht so weit laufen. Ich lasse dich hier nicht im Dunkeln zurück. Halt dich einfach fest!“
„Wie kommst du darauf, dass das die einfachste Art ist, mich zu tragen?“
„So machen sie das in den Filmen“, sagte er. Als sie das Kichern in seiner Stimme hörte, hämmerte sie wieder auf seinen Rücken und klatschte ihm diesmal auch noch auf den Arsch.
„Ich schwöre bei Gott, Murph, wenn du mich nicht sofort runterlässt!“, drohte sie, doch das brachte ihn nur dazu, stehen zu bleiben. Er drehte den Kopf, um über seine Schulter zu ihr zu sehen.
„Was?“, neckte er. „Was wirst du dann tun?“
„Ich werde…“, sie sah sich um und versuchte verzweifelt, sich eine Drohung zu überlegen, doch ihr fiel nichts ein.
„Das habe ich mir gedacht.“ Er ging weiter, doch der Weg, auf dem sie gekommen waren – der bei Tageslicht so idyllisch und natürlich gewirkt hatte –, schien sie nun im Licht der untergehenden Sonne mit aller Macht zu Fall bringen zu wollen.
Nun, so idyllisch war er nicht gewesen, als sie gestolpert war. Als diese Baumwurzel, wie sie es nannte, aus dem Nichts auftauchte, an ihrem Fuß hängen blieb und sie sich den Knöchel verdrehte und verstauchte, war idyllisch definitiv nicht das Wort, das sie leise vor sich hin fluchte.
„Murphy, du kannst mich nicht zwei Meilen so tragen. Ich werde ohnmächtig.“
„Du wirst ohnmächtig?“, murmelte er und hievte sie sicherer auf seine Schulter.
„Ja, das ganze Blut steigt mir in den Kopf, mir wird schwindelig.“
„Bist du sicher, dass das nicht nur daran liegt, dass du auf meinen Arsch starrst?“
„Vielleicht, wenn ich auf Alex’ Arsch starren würde… aber dieses Exemplar?“, sie klatschte so fest sie konnte auf eine seiner Pobacken und freute sich über den Schmerzenslaut, den er von sich gab. „…hat kaum oder gar keinen Effekt auf meinen Blutfluss.“
„Was?“, Murphy blieb stehen und streckte die Hüfte raus, um seinen Arsch zu präsentieren. „Bist du sicher, dass du an der richtigen Stelle guckst?“, er wackelte mit seinem Hintern und sie lachte. „Ich dachte, du wärst Ärztin. Haben sie dir in der Uni keine Anatomie beigebracht?“
„In der Uni?“, fragte sie mit hochgezogener Augenbraue, merkte dann aber, dass er es nicht sehen konnte. „Im Ernst, Murph, mir wird schwindelig.“
Er blieb stehen, sah wieder über die Schulter zurück und ging dann vorsichtig in die Knie. Er ließ sie von seiner Schulter gleiten, sodass sie auf einem moosigen Fleck unter einem großen Baum saß. Ihr Gesicht war viel röter als sonst. Er half ihr, die Haare aus dem Gesicht zu streichen, das nun feucht vor Schweiß war. Ihr Atem ging etwas stoßweiser, als er erwartet hatte.
„Ist dein Knöchel okay?“, fragte er und blickte auf ihren Fuß. Sie hatten die Schnürsenkel ihres Stiefels fester gezogen, und er hatte ihr seinen Gürtel gegeben, um damit ein paar Stöcke als Schiene an beiden Seiten ihres Fußes zu befestigen, damit dieser so unbeweglich wie möglich blieb.
„Ja, ja, es tut verdammt weh, aber es geht schon. Wahrscheinlich nur verstaucht.“
„Also, was für Möglichkeiten haben wir?“, sagte er und sah sich in dem Wald um, der nun schnell dunkler wurde, während die Sommersonne sich endgültig von dem Tag verabschiedete.
„Du könntest…“
„Ich hab’s dir schon gesagt: Ich lasse dich hier nicht alleine.“
„Es sind zwei Meilen bis zur Ranger-Station. Alleine brauchst du weniger als eine Stunde, und dann kannst du zurückkommen.“
„Zurückkommen und dann was? Sollen der Ranger und ich dich gemeinsam raustragen?“, er fuchtelte in der Gegend herum. Das Blätterdach war dicht und ließ kaum Licht durch, was diesen Teil des Parks kälter und feuchter machte als andere. Zudem gab es hier keinerlei Handyempfang. Der Weg war in das Unterholz gegraben, uneben, übersät mit losen Kieselsteinen, Baumwurzeln, Moosflecken und auf beiden Seiten einem Graben für das Regenwasser. „Wir kommen hier mit keinem Fahrzeug durch, also bringt es nichts, wenn du hier wartest.“
„Murphy…“
„Ich nehme dich Huckepack.“
„Wie bitte?“
„Huckepack!“, sagte er lachend und schüttelte den Kopf.
„Huckepack? Zwei Meilen weit?“
„Komm schon, Ash, ich lasse dich nicht hier. Und die andere Methode hat dir ja offensichtlich Schwindel verursacht.“ Er nahm den Rucksack vom Rücken und gab ihn ihr. „Zieh den an.“
„Du bist nicht…“
„Komm schon“, drängte er und drückte ihr die Tasche in die Hände. Er wartete, bis sie sie aufhatte, nahm dann ihre beiden Hände, drehte ihr den Rücken zu und zog ihre Arme über seine Schultern. „Leg deine Arme um meinen Hals.“
„Murphy…“, sagte sie nervös. „Bist du sicher?“
Er beugte sich langsam nach vorne, bis sie hinter ihm auf einem Bein stand. Dann ging er in die Knie und griff mit den Händen um ihre Beine, um sie mit einem kurzen Ruck nach oben zu ziehen. Ash schrie überrascht auf, als sie auf seinen Rücken rutschte und ihre Arme fester um seinen Hals schlang.
„Ich hab dich, Ash“, sagte er und rückte sie auf seinem Rücken zurecht, bis sie auf seinem unteren Rücken saß. Seine Arme stützten ihre Oberschenkel, seine Hände waren ineinander verschränkt und unter ihrem Arsch verkeilt. „Bist du bequem?“
„Ich bin mir nicht sicher, ob das das richtige Wort wäre…“, murmelte sie, doch da ihr Kopf direkt hinter seinem war, gab es keine Chance, dass er auch nur das leiseste Flüstern überhören konnte.
„Gut, dann mal los.“ Er schob sie noch einmal ein Stück höher. Seine Hände drückten in ihren Arsch, um sie zu sichern, und sie merkte, dass er das alles viel zu sehr genoss.
„Nur für den Fall, dass du dir nicht sicher warst, Murphy“, sagte sie und rückte ihren Kopf näher an seine Seite, um ihre Lippen in die Nähe seines Ohrs zu bringen. „So sollte ein erstes Date nicht ablaufen.“
„Wie wäre es mit einem zweiten?“
„Idealerweise sollte kein Date mit einer körperlichen Verletzung enden.“
„Wirklich?“, er hielt kurz inne und neigte den Kopf weg von ihr, um ihr Gesicht sehen zu können. „Nicht einmal während…“
„Nicht in diesem Ausmaß.“
Murphy summte und ging wieder los. „Ich weiß ja nicht, Ash. Vielleicht haben wir einfach unterschiedliche Vorstellungen davon, was Spaß macht.“
Sie schüttelte den Kopf und kicherte, während sie ihre Arme fester um seinen Hals legte, um sich besser festzuhalten. Wenn sie ihn jetzt würgen würde, säße sie hier draußen in der Kälte fest. Also war es besser, ihn sie zur Ranger-Station tragen zu lassen, und danach konnte sie ihn immer noch umbringen.









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