GLIMPSES: Kleine Fragmente eines Herzensprojektes

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Summary

Dieses Story board ist meinem Main Projekt "INZENTIA" gewidmet. Ich werde hier kleine Fragmente aus meiner Welt aufschreiben, Charaktere näher ergründen und mir selbst etwas Raum geben um meine eigene Welt noch weiter zu erkunden - alles, während mein TTRPG / DnD Projekt INZENTIA immer mehr Form annimmt. Wenn du mich auf dieser Reise begleiten möchtest würde ich mich wahnsinnig freuen dich an Board begrüßen zu dürfen! Nimm dir deinen Lieblingssnak und dein liebstes Getränk, machs dir gemütlich und lass mich dich mit nehmen auf eine kleine Reise durch meine Welt. Ein Projekt dass es schon so lange gibt - geschrieben von einem Menschen, erbaut mit Liebe, Schmerz und infundiert mit Hoffnungen und Wünschen.

Status
Ongoing
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
13+

001 - Nevayrah - Die schwarze Festung

[...]


Was denkst du wird passieren, wenn sie dort rein geht?”

„Ich weiß es nicht. Aber ich bete zu den Ahnen, dass sie es schaffen wird. Dass sie als Siegerin wieder herauskommt. Wir brauchen sie. Der gesamte Norden braucht sie.”

Heyrie nickte zustimmend, doch sie konnte das flaue Gefühl nicht abwenden, welches sich zunehmend von ihrer Magengrube durch ihren ganzen Körper fraß. Ihr war als würde jemand eine eisige Hand um ihr Herz schließen und es erbarmungslos gefangen halten. Erbarmungsloser und noch viel kälter als der Winterbiss. Die Naturgewalt, welche teilweise wochenlang ganze Gebiete der Nordlande mit seinen reißenden Krallen aus Schneewehen, seines lichtverschlingendem formlosen Körpers und seinem Mark erschütterndem Geheul, in Angst und Schrecken versetzt. Doch auch dieser Herausforderung trotzten die Völker der Gebiete jenseits der Kristallnarbe und Camuladas, seit Menschengedenken. Heyrie war überzeugt, dass es keine Naturgewalt sein würde, welche es schaffte, diese Stolzen und teils uralten Völker in die Knie zu zwingen, als sie am Rand des Lagers stand und ihr Blick die Felskette herauf wanderte, hin zu einem riesigen Berg in welchem eine Festung eingelassen war.

Doch das, wofür sie hier waren, der Grund weshalb sie um einen Menschen bangte und um die Zukunft ihres Volkes, war keine Naturgewalt. Auch wenn es mit der Brutalität und Verheerung einer solchen zuschlug. Sie kreuzte ihre Arme vor der Brust und versuchte die Kälte abzuschütteln, während ihr Blick auf einem einzelnen Zelt ruhte. Es stand abseits des Weges und weit weg vom Lager. Viel weiter, als es eigentlich unter normalen Umständen gewesen wäre. Doch dieses waren keine normalen Umstände. Dies war kein Kriegsmarsch und keine Reise durch eisige Gefilde, um wieder einen liebenswürdigen Ort zu finden, welcher der Winterbiss gerade nicht in seinen eisigen Fängen hielt.

„Sie wird es schaffen, ich bin mir sicher. Sie hat schon so viel erreicht. Die Clans des Ostens und des Westens sind bereits auf unserer Seite. Wenn sie diese Herausforderung schafft,...”

„Es ist Wahnsinn, Odo. Es ist purer Wahnsinn.” Heyries Herz raste.

„Wie sollten das nicht von ihr verlangen müssen. Sie sollte nicht die Last des gesamten Nordens auf ihren Schultern tragen müssen!” Ihre stimme brach, während sich ihr verzweifelter Blick auf Odo haftete. Ein gestandener Hüne mit rotbraunem Bart und eisBlauen Augen. Seine Schultern waren massig wie die eines Bärs und auch sonst stand er den verehrten und gleichsam gefürchteten Königen der Nordlande in nichts nach. Eine Mischung aus Leder und Plattenrüstung verdeckte zusammen mit einem ausgefranstem roten Umhang seinen kriegerischen Körper, und ließ ihn schwerfällig wirken. Ein zuweilen meist tödlicher Trugschluss.

„Ich weiß Prinzessin. Ich weiß. Niemand sollte diese Bürden allein tragen müssen und genau deshalb sind wir hier. Wir dürfen die schwarze Festung vielleicht nicht mit ihr betreten, doch wir werden hier draußen auf sie warten.” Eine seiner großen Hände legte sich behutsam und sanft auf Heyrias Rücken und die fürsorgliche Weise, mit der er leichte Kreise über ihren Rücken strich, brach die junge Kriegerin beinahe völlig. Ihr Blick wanderte wieder empor zu dem einsamen Zelt, dessen rote Farben und Schmucktotems es eindeutig von den anderen abhoben. Normalerweise würde es inmitten des Zeltlagers thronen und einreden würde es sehen als das, was ist. Das Zelt der Toa’Akai. Der Kriegsmutter und Clanführerin. Nein, der Clan-Vereinerin. Der Heldin des Norders und des Leitsterns, welchem sich so viele schon angeschlossen hatten, seit sie ihre Reise vor einer gefühlten Ewigkeit angetreten waren. Leitbild, Führerin, Schwester, Heldin. Gemahlin. Heyrie schluckte schwer. In der Ferne ragte die schwarze Festung in den endlosen Himmel hinauf. Ein grausamer Anblick von in Stein geschlagener Härte und Unbezwingbarkeit. Ein in den Berg geschlagenes Kriegsmeisterwerk, geformt aus massiven, steinernen Vorsprüngen, Festungswällen und Verteidigungsanlagen.

Eryska Nyr, wie die Gelehrten sie nannten, war noch heute in einem Zustand, welche sich jeder Kriegslord wünschen würde. Die Wälle waren gespickt mit Balisten, deren Speerartigen riesigen Pfeilspitzen über die Zinnen hinwegraffen, bereit um hier und jetzt genutzt zu werden. Überall konnte man die durchdachten und teilweise hinterhältig gewieften Entscheidungen der Bauherren sehen, welche diese nicht einmal versucht hatten zu verstecken.

Ölpfannen und Kessel, massive Fallgitter, riesige Käfige von denen man nur erahnen konnte was einst darin gesessen und auf seine Freilassung zur Jagd gewartet hatte. Begierig und hungrig. Endlos hungrig. Getragen von rastlosen Pranken und wendigen Körpern, bis hin zu geflügelten Abartigkeiten, welche sich wie berauscht von den Wällen gestützt hatten, um erbarmungslos auf die Angreifer herabzustürzen. Vernichtende Angriffe aus allen Seiten. Irgendwo auf der Westseite des Hanges sollte es auch eine kristallverbrannte Schneise geben. Ein Überbleibsel eines mächtigen dracoiden Wesens. Manche sagten, dass der Schatten von Eryska Nyr immer noch in den unteren Gewölben hauste. Verschlungen von der Dunkelheit, an welche nie ein Sonnenstrahl ragte, mit Augen glühend wie Kohlen im Feuer. Doch egal ob er noch dort unten war oder nicht, die Festung war ein schier uneinnehmbares Monster. Und ein Mahnmal. Trotz all den Dingen die Heyria von ihrer Position aus sehen konnte, und über welche sie wusste, wagte niemand einen Fuß in dieses steinerne Bollwerk zu setzten. Zu groß war die Angst vor dem was darin lauerte.

„Denkst du die zwei Heere bekriegen sich immer noch dort drinnen?”

„Helia und Abros?” Odo richtete seinen Blick ebenfalls Richtung Eryska. Sein Blick schweifte über den Kollos aus schwarzem Stein und Heyria konnte fühlen, wie sich sein Körper neben ihr versteifte.

„Es wäre nicht unmöglich. Und alleine die Vorstellung, was das bedeuten würde, ist unsagbar...”

“Grausam.”

„Ja. Grausam.”

„Sie waren beim Abendmahl zur Feier der Geburt des Königssohnes, ist es nicht so?” Odo nickte, seine Hand zog sich von ihren Rücken zurück und er platzierte sie auf dem Schaft seines Kurzschwertes, während er mit der freien Hand das Symbol von Let in die Luft zeichnete.

„So ist es. Möge Let ihre Seelen beschützen und ihnen Frieden schenken. Falls das noch geht.”

So kriegerisch die Völker des Nordens waren, Familie stand über allem. In jedem Clan wurden Geburten wie etwas Heiliges zelebriert und gerade die Geburt von Tarum, sollte ausgiebig gefeiert und besungen werden. Seine Mutter hatte mit Krankheit und dem Tod persönlich gerungen, während sie Tarum das Leben schenkte. Gerade so war es den Heilern gelungen sie durch diese Phase zu bringen, während das gesamte Heer von Helia um seine Königin bangte.

Der König, so erzählt man sich, war Tagelang vor dem Zimmer seiner Gemahlin auf und ab gelaufen, kein Schlaf und keine Mahlzeiten waren seinem rastlosen Geist genüge. Eine unerwartet liebevolle und fürsorgliche Ader, welche man schwerlich mit dem in Verbindung bringen konnte, was das Heer von Helia unter seiner Führung alles getan hatte. Und wofür Eryska Nyr als materialisiertes Sinnbild stand. Doch der König war gierig gewesen und hatte sein Heer vergrößern wollen, um im nächsten Frühling gen Camulada zu reiten. Ein Angriff auf die freien Lande. Unvorstellbar, größenwahnsinnig und völlig frei von Verstand wie Heyria fand. Doch der König hatte nicht auf seine treusten Berater gehört – wie so oft in Fällen wie diesen – und war einer Finte erlegen. Krieger, nein Söldner, hatten sich unter die Heerscharen gemischt. Monatelang hatten sie das Heer infiltriert, mit allem was man sich darunter vorzustellen vermochte. Und am heiligsten Tag für Helia, als alle Herzen und Geister sich einem Thema zugewandt hatten und Erleichterung und Licht die Flure der Festung gesäumt hatten, da schlugen sie zu. Ein Angriff von innen heraus. Ein vernichtender Schlag.

Was genau sich in den Festungswällen von Eryska Nyr zugetragen hatte war nicht bekannt geworden, doch die Überlebenden konnten in der kurzen Zeit bevor sie vollkommen dem Wahnsinn anheim fielen, berichten was sie dort unten gesehen hatten. Krieger von beiden Heeren, gefangen in einem Kreislauf von spektralem Tod und Wiedergeburt, dazu verdammt sich immer und immer wieder zu bekämpfen und zu töten. Ein endloser, brachialer Alptraum. Man konnte nur hoffen und wünschen, dass diese Seelen sich dessen nicht gewahr waren. Dass sie all dies nicht immer und wieder durchlebten und fühlen mussten. Und genau dort hin, genau zu diesem Schauplatz des Schreckens, würde Nevayrah gehen. In einigen Tagen würde sie ihr Zelt verlassen und eine Reise antreten, dessen Ausgang genauso unvorhersehbar war, wie Heyrias Protest laut gewesen war, als man ihre Stimme voller Unverständnis und entsetzen durch die Hallen ihres Heimatpalastes hatte donnern hören. Doch nun waren sie hier. Mit bedrückten Mienen, in Sorgenfalten gelegten Stirnen und mit schweren Herzen warteten sie darauf das los ging. Nur um danach noch länger und noch banger zu warten, bis Nevayrah hoffentlich lebendig und Herrin ihrer Sinne, wieder unter dem Festungstorbogen heraus in die Freiheit treten würde. Heyria war schon wieder schlecht vor Sorge, was auch Odo nicht entging.

„Kommt, Prinzessin. Lasst uns zu den Anderen zurückkehren. Rumael wird uns wissen lassen, wenn sie aufbricht und niemanden ist es von Vorteil, wenn wir uns hier die Beine in den Bauch stehen.” Heyria sah ihn kurz an, der Blick unsagbar erschöpft, doch sie wusste er hatte Recht. Auch ihre Heerscharen hatten sich hier versammelt und folgten der gemeinsamen Anführerin. Toa’Akai, Kriegsmutter, nannten sie sie. Die Prinzessin von Ryratan nickte und wandte sich zum Gehen um, einen letzten Blick auf das Zelt werfend, in welchen Nevayrah sich zusammen mit Rumael und Zyrphael auf den Aufstieg vorbereitete. Was sie wohl gerade tun würde? Was ihr durch den Kopf gehen würde? Wahrscheinlich alles auf einmal und mehr Sorgen als ein Mensch allein zu tragen vermochte. Heyria atmete tief durch und seufzte. Odo hatte Recht, niemanden war geholfen, wenn sie ihre Pflichten vernachlässigte.

„Ihr habt Recht, alter Freund. Sie würde wahrscheinlich den Winterbiss persönlich auf mich loslassen, wenn ihr in ihrer Abwesenheit unsere Krieger vernachlässige.” Odo schmunzelte, das erste Mal seit Tagen, und Heyrias Herz wurde etwas leichter. Gemeinsam wandten sich sich ab und schlenderten den schneeverwehten Pfad zurück, während ihre Blicke langsam über das Lager der Krieger streiften.

„Es wäre eine absolute Katastrophe, eure Hoheit. Stellt euch nur vor in welchem Zustand der Haufen wäre, wenn wir nicht da wären. Von faulenzenden Kriegern bis hin zu sich zelthoch stapelnden schmutzigen Socken - es müsste mit allem gerechnet werden.”

„Nein, das wäre absolut nicht akzeptabel, wie wahr.”

[...]