Kapitel 1 - Blick in die Vergangenheit
James
Mein letzter Tag hier ………
5 Jahre meines Lebens hatte ich hier verbracht…. Die guten Jahre meines Lebens ………
Bis ich 8 Jahre alt war, lebte ich bei meiner Mutter. Doch sie war krank seit dem ich denken kann, zu allem Überfluss zogen wir permanent um, sie sagte mir ständig es wäre nur zu meiner eigenen Sicherheit. Zu ihrer war es aber sicherlich nicht, denn dies schöpfte sie nur noch mehr aus. Eines Tages brach sie beim Einkaufen zusammen und kam ins Krankenhaus, wo sie eine Woche später verstarb. Bis heute weiß ich nicht, woran sie starb oder warum sie sich so verhalten hat.
Nachdem meine Mutter gestorben war, zog ich ins Kinderheim. Im Kinderheim lebte ich dann 5 Jahre lang. Bis, na ja, ich mich veränderte und danach war nichts mehr wie vorher.
Meine Wut konnte ich vorher schon sehr schlecht kontrollieren, aber ab dem Punkt an dem ich 12 Jahre alt wurde und ich mich das erste Mal in einen Wolf verwandelte, war sie gefühlt unaufhaltsam. Jeder, der mich auch nur blöd ansah, bekam meine Wut ab. Egal ob es die Mitarbeiter, Lehrer, Mitschüler oder Kinder, die auch im Kinderheim lebten, waren. Nur eine Person nicht, Mrs. Wilson oder wie ich sie heute nenne Oma Marie.
Damals hatte Oma Marie immer wieder im Kinderheim ausgeholfen. Im Gegensatz zu den Mitarbeitern, welche sich lediglich um das Nötigste kümmerten oder Spaß daran hatten, uns für jedes kleine Vergehen zu bestrafen, nahm sie sich Zeit für uns. Sie spielte mit uns stundenlang, las uns Geschichte vor und half uns bei den Hausaufgaben. Den älteren Kindern brachte sie bei, wie man kocht und eigentlich alles, was sie später brauchen könnten, wenn sie diesen Ort endlich verlassen würden.
Nach einem erneuten Wutausbruch hatte die Kinderheimleitung genug, sie brachte mich in ein „Erziehungscamp“. Das Camp ging den ganzen Sommer lang. Wir wurden täglich einem harten Sportprogramm unterzogen, zudem bespuckten, schlugen und traten sie uns, bis sie dachten es würde für den Tag reichen und wir hätten unsere Lektion gelernt. Bei mir führte dies natürlich nur dazu, dass meine Wut in Aggression umschlug, doch mit 12 Jahren war ich nicht fähig genug mich gegen die trainierten Erwachsenen durchzusetzen. Dies brachte mir nur Tage eingesperrt im Keller. Anfangs ketteten sie uns nur an, später kam die Peitsche dazu. Die Narben am Rücken sowie an meinen Hand- und Fußgelenken, von den zahlreichen blutigen Versuchen mich loszureißen, sind zwar relativ gut verheilt, aber dennoch noch sichtbar.
Als ich nach dem Sommer zurückkam, hatte meine Wut sich nur noch vergrößert. Dennoch versuchte ich allem und jedem aus dem Weg zu gehen, um nicht mehr aufzufallen. Die Tage, an denen Oma Marie kam, waren immer meine Lichtblicke gewesen. Doch an diesen Lichtblicken durfte ich nach dem Sommer nicht mehr teilhaben. Oma Marie versuchte immer wieder, mit der Heimleitung zu sprechen. Da dies aber keinen wirklichen Erfolg hatte, schlich sie sich immer wieder zu mir. Sie brachte immer kleine Sachen mit. z.B. Schokoriegel.
Eines Tages vergaß sie zu klopfen und kam in mein Zimmer, als ich mich am Umziehen war. Sie sah die Narben, ihr Blick war zunächst versteinert, doch kurz danach fing sie an zu weinen, sie nahm mich in den Arm und flüsterte mir ins Ohr, dass sie versucht mich hier herauszuholen, ich müsste nur noch etwas durchhalten.
Eines Tages wurde ich jedoch so wütend, dass alles aus mir herauskam. Einer der älteren Jungen, Chris, 17, provozierte mich den ganzen Tag lang. Am Abend platze es dann aus mir heraus und ich schlug ihn bis zu seiner Bewusstlosigkeit. Für mein Alter war ich schon sehr groß und stark gewesen und so wich ich natürlich ihm gegenüber nicht zurück.
Danach wollte die Heimleitung mich loswerden. Vorübergehend, bis sie einen Plan hatte, schickte mich im Sommer erneut ins Camp. Und auch die nächsten Ferien schickte sie mich wieder dahin.
Und damals wachte ich mal wieder dort im Keller auf. Im Sommer war es zumindest noch etwas warm gewesen, im November dagegen war es bitterkalt. Einer der Betreuer wollte, dass ich mich bei den Liegestützen mehr anstrenge und stellte seinen Fuß auf meinen Rücken und drückte mich runter. Dies löste einen Wutanfall aus und ich rollte mich weg, um ihn anzugehen. Aber natürlich hatten die anderen Betreuer dies gesehen und kamen ihm zur Hilfe. Zu viert brachten sie mich schließlich in den Keller. Sie spritzen mir etwas, sodass ich bewusstlos wurde.
Doch etwas war an dem Tag anders als an anderen Tagen. Ich hörte Stimmen vor der Tür, aber es waren nicht nur die der Betreuer, sondern auch die von Oma Marie. Danach muss ich erneut ohnmächtig geworden sein, denn das Nächste, woran ich erinnere, war, dass ich bei Oma Marie Zuhause aufwachte. Mit einem etwas besorgten Lächeln erzählte sie mir damals, dass ich von nun an bei ihr und ihrem Mann leben würde. An dem Tag erfuhr ich zudem ihr Geheimnis, sie war auch ein “Werwolf”, doch auch sie versteckte es. Ihr Mann war ein Mensch und auch ihre Tochter war ein Mensch.
Die nächsten Jahre waren einfacher. Ich lernte sehr viel von ihr und ihrem Mann. Während Marie mir alles im Haushalt beibrachte, nahm ihr Mann mich mit in die Natur und mit auf die Jagd. Er brachte mir bei Spuren zu lesen und zu verfolgen, wie ich mich an ein Tier heranschleichen kann, was vom Tier essbar ist und was nicht und vieles mehr. Mein Wolf profitierte sehr davon, nur laufen musste ich alleine, den Oma Marie verwandelte sich nicht mehr. Sie sagte, sie sei mittlerweile mehr Mensch als Wolf und wollte es dabei auch belassen. Ihre Tochter Zoe nahm mich auf, wie als wäre ich ihr leiblicher Bruder. Sie war bereits 30 und lebte schon nicht mehr bei ihren Eltern. Sie machte es sich zur Aufgabe mir die schönen Dinge in der Welt zu zeigen. Und den merkwürdigen Jungen, wie sie mich immer nannte, zum Lächeln zu bringen.
In der Schule war ich weiterhin ein Einzelgänger. Ich wollte nicht wirklich mit dem Rest der Welt etwas zu tun haben, denn schließlich würden sie mich nicht verstehen. Die Vorfälle im Kinderheim waren natürlich auch nach außen gedrungen, weshalb die meisten mich in Ruhe ließen und auch nichts mit mir Zutun haben wollten. Ich war sehr gut im Sport und war im Schwimmteam sowie im Leichtathletikteam, Football war mir zu viel Teamsport, weshalb ich michdort gekonnt herraushielt. Neben mir, war Jimmy in den gleichen Teams wie ich, hielt sich aber auch immer eher alleine auf. Sein Vater war der immer schlechte gelaunte Direktor der Schule und niemand wollte mit ihm ein Problem haben, weshalb die meinsten zwar nett zu Jimmy waren, aber sonst ihm eher aus dem Weg gingen. Mir war egal wer sein Vater war und auch Jimmy war dies ziemlich egal, da die beiden sich absolut nicht verstanden. Und so wurden wir “Freunde” oder eher Wegbegleiter, die sich gegenseitig den Rûcken stärken. Denn Jimmy war besonders, genauso wie ich war er ein Werwolf.
Mein Glück mit dieser Familie und Jimmy, konnte die Schatten und diese Wut auf die Welt zwar nicht ganz auslöschen, dennoch war ich froh das es so gekommen ist.
Mit gepackten Taschen stehe ich nun in meinem Zimmer und es wird Zeit sich zu verabschieden …….
Nicht das ich sie nicht mehr sehen werden……. Aber von nun an werden 1000 km zwischen uns liegen ……