Eine nette Bekanntschaft
In einem zerbrochenen Spiegel, dessen funkelnde Scherben das Licht in tausend Richtungen brechen, sehe ich das Bild eines ängstlichen Mädchens. Sie ist zart und zerbrechlich, ihre langen, dunklen Haare fließen wie ein stiller Fluss über ihre Schultern, gebändigt nur durch zwei schlichte Zöpfe, die am Ansatz beginnen. Ihre honigfarbenen Augen, die sonst so lebendig leuchten könnten, sind jetzt von Tränen verschleiert und spiegeln den Schmerz wider, dem sie täglich ausgesetzt ist. Das weiße Hemd, das sie trägt, ist von oben bis unten mit klebriger Tomatensoße befleckt, als hätte jemand einen Akt der Demütigung über sie ausgegossen. Auf ihrem kurzen, schwarzen Rock prangen Rühreier, die sich mit zermatschter Banane zu einer grotesken Mischung vereinen. Selbst ihre bis zu den Knien gezogenen Socken sind mit der roten Soße besudelt, als wäre das Chaos, das sie umgibt, komplett.
Mein Name ist Mariella De Santis. Ich besuche eine katholische Schule, an der uns viel Religiöses mit auf den Weg gegeben wird. Seit ich denken kann, bin ich das Ziel des Spottes und der Gemeinheit meiner Mitschüler. Kein einziger Tag vergeht, an dem sie mir auch nur einen Moment der Ruhe gönnen. Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht wie sie aus privilegierten Verhältnissen stamme. Während ich hier in Rom versuche, die Herausforderungen der Abendschule mit der Mühsal der Arbeit zu vereinen, um mein eigenes Leben zu finanzieren, sind meine Eltern einfache Bauern in Sizilien. Sie haben mich schweren Herzens ziehen lassen, in der Hoffnung, dass mein Weg ein besserer sein könnte als ihrer. Aber manchmal verspüre ich eine unbändige Sehnsucht danach, einfach alles hinter mir zu lassen und zu ihnen zurückzukehren, wegzulaufen vor all dem, was mich hier bedrängt und erdrückt.
Es ist immer dasselbe Szenario. Jeden Abend, wenn die Uhr Mitternacht schlägt und die Schule endet, fühle ich mich wie eine verängstigte Maus, die verzweifelt Zuflucht im Badezimmer sucht, um der grausamen Meute zu entkommen, die nichts anderes als meine Erniedrigung im Sinn hat. Genau wie jetzt. Inmitten dieser erdrückenden Dunkelheit muss ich mich durch das enge Badezimmerfenster zwängen, meine Tasche vorauswerfen und meinen Körper folgen lassen, um nicht in die Fänge meiner Peiniger zu geraten. Es ist, als ob ich mich durch das winzige Schlüsselloch meiner eigenen Existenz quetschen müsste, um der allumfassenden Dunkelheit zu entfliehen, die mich unaufhörlich verfolgt. Mit einem dumpfen Aufprall lande ich wie so oft auf den Knien, die sich aufschürfen, während meine Hände nach der Tasche tasten, um wieder auf die Füße zu kommen. »Ich wusste, dass sie sich verkriecht wie eine Ratte aus der Kanalisation.« Es ist Zita, die hinter mir steht, die Königin der Schule, von den Jungs umschwärmt, obwohl sie kein Herz zu besitzen scheint. Ihr Gesicht ist verzerrt von einem grausamen Lächeln, und ich spüre, wie die Kälte ihrer Worte mich bis ins Mark erschüttert.
»Was machen wir denn jetzt mit ihr, Pablo?«, fragt sie einen ihrer Freunde, der mir sofort meine Tasche entreißt und den Weg blockiert.
»Sollen wir ihre unschuldige Muschi mit einer Flasche entjungfern?« Seine abstoßenden Worte bringen die anderen beiden Jungs und Zita zum Lachen.
»Die ist so eng, dass die Flasche es nicht leicht haben wird. Wie wäre es damit?« Zita zieht eine Haarspange aus ihrem blonden Haar und zielt mit ihren giftig grünen Augen auf mich.
»Ihr haltet sie fest und ich lasse das Teil in ihre Muschi wandern.« Ihre Worte sorgen dafür, dass die Jungs mich sofort von beiden Seiten packen.
»Lasst mich los!«, rufe ich zwar, aber die Straßen sind genauso leer wie ihre seelenlosen Herzen.
»Bewahrst du deine Muschi etwa für Luca auf? Ich denke nicht, dass er auf unerfahrene Jungfrauen steht, du Schlampe!« Ihre Hand reißt mir die Bluse vor den Brüsten auf, sodass mein schwarzer BH komplett freiliegt.
»Mit deinen kleinen Titten wird er dich eh nicht ficken, da können wir sie ja gleich abschneiden.« Als Zita nach meinen Brüsten greifen will, landet plötzlich eine volle Mülltüte auf ihrem Kopf. Sie kippt sofort zur Seite und hält sich die Schläfe, da das Glas im Inneren ihre Haut zerschnitten hat. Es passiert so schnell, ein Schatten reißt alle Arme von mir weg. Ich lande sofort auf dem Boden. Er schlägt mit der Faust so stark gegen Pablos Gesicht, dass er blutend zu Boden fällt. Die anderen beiden Jungs werden mit den Köpfen aneinandergestoßen. Vor Schmerzen krümmen sie sich wie verwundete Tiere, doch als sie den fremden Jungen sehen, wie er sein Messer zückt, reißen sie sich mit letzter Kraft hoch und flüchten um ihr Leben. Tiefschwarze Schuhe stehen nun vor meinen zittrigen Händen, meine Augen gleiten die schwarze sportliche Hose hoch und bleiben auf seinem Hosenbund haften. Über seinem Bauchnabel ist eine Schrift tätowiert... The Tyrant. Der fremde Junge ist eine imposante Erscheinung. Mit einer Größe von 1,95 Metern und einer muskulösen Statur strahlt er eine gewisse Dominanz aus. Sein ärmelloser Hoodie betont seine muskulösen Arme, während die Kapuze teilweise seine schwarzen, vollen, länglichen Haare bedeckt. Zwei sanfte Strähnen fallen ihm ins Gesicht und enthüllen seine äußerst hellen, eisblauen Augen. Seine dichten, symmetrischen Augenbrauen sind so dunkel wie die Nacht und betonen sein markantes Gesicht. Seine Haut ist braun und äußerst glatt, verleiht ihm ein jugendliches Aussehen.
Ein intensiv leuchtendes Piercing auf seiner Augenbraue zieht sofort die Aufmerksamkeit auf sich und verleiht ihm einen Hauch von Rebellion. Unter seinem rechten Auge trägt er ein Tropfen-Tattoo, das seinem markanten Aussehen eine gewisse Rätselhaftigkeit verleiht. Auffällige Totenkopf-Ohrringe schmücken seine Ohren, während ein teuflischer Kopf mit intensiv roten Augen auf seinem Hals tätowiert ist. Sein Oberkörper ist regelrecht mit Dutzenden von Tattoos bedeckt - von Symbolen über Waffen bis hin zu Totenköpfen und schwarzen Engeln mit Schwertern. Es ist, als wäre er ein lebendiges Gemälde. Besonders einschüchternd sind die drei großen Spinnen-Tattoos über seinen Brüsten. Auch seine Arme sind von zahlreichen Zeichnungen geschmückt. Skelette, die sich küssen oder gegenseitig köpfen, ziehen die Blicke auf sich. Seine Hände und Finger sind von Schriften umgeben, die für Außenstehende unlesbar sind. Doch das Gesicht des Teufels auf seinem Handrücken ist deutlich erkennbar. Er verkörpert eine Mischung aus Faszination und Angst. Sein äußeres Erscheinungsbild spiegelt seine dunkle und mysteriöse Persönlichkeit wider, die sowohl anzieht als auch abschreckt.
»Danke«, sage ich und greife nach seiner Hand, die mit silbernen Ringen geschmückt ist. In diesem Moment trage ich nichts auf meinem Oberkörper außer meinem BH. Er zieht seine ärmellose Strickjacke aus und legt sie über meine Schulter, damit ich sie anziehen kann. Dabei scheint er nicht einmal auf meine Brüste zu achten. Er hilft mir über die Straße und bleibt mit mir vor dem kleinen Imbiss stehen. Als er hineingeht, wird mir klar, dass er hier arbeitet. Ich werfe einen Blick nach oben auf das Schild und lese die Schrift.
Tyrant.
»Behandeln sie dich immer so?«, fragt er. Er stellt ein kaltes Glas vor mich auf die Theke.
»Ja, seitdem ich denken kann, möchte keiner von ihnen mit mir befreundet sein«, antworte ich leise und senke den Kopf.
»Ich heiße Adriano. Und es würde mich freuen, mit dir befreundet zu sein«, sagt er und reicht mir seine tätowierte Hand. Langsam sehe ich zu ihm auf und sein charmantes, freundliches Lächeln genügt, um ihm die Hand zu schütteln.
»Ich heiße Mariella«, antworte ich und spüre, wie sein Daumen sanft über meinen Handrücken streicht.
»Mariella«, wiederholt er meinen Namen.
»Du hast einen schönen Namen, Mariella«, sagt er und das Kompliment lässt mich erröten. Ich lasse seine Hand los und berühre mit gesenktem Kopf mein Glas. Doch als seine Hand zärtlich mein Kinn anhebt, muss ich erneut in seine außergewöhnlichen Augen blicken.
»Halte deinen Kopf stets erhoben. Du hast nichts getan, wofür du ihn senken müsstest«, sagt er mit einem Zwinkern.
»Wie wäre es mit einem Hotdog? Geht aufs Haus«, spricht er vom Herd aus. Adriano greift nach der Greifzange und legt zwei Würstchen in die Pfanne.
»Ich bin Vegetarierin«, unterbreche ich ihn und seine Hand, die gerade dabei war, die Wurst zu wenden, stoppt abrupt.
»Du nimmst nicht genug Vitamine zu dir und siehst dennoch so gut aus?«, sagt er und sein nächstes Kompliment schmeichelt mir so sehr, dass ich mir ein Lächeln verkneifen muss.
»Weißt du, was das Gute an mir ist?«, fragt er und zeigt mit der Greifzange auf mich.
»Ich kann nicht nur gut Menschen vermöbeln, sondern auch ziemlich gut improvisieren.« Adriano legt die Zange beiseite und wischt sich die Hände an der Schürze ab, die auf dem Tisch liegt. Er nimmt das große Küchenmesser und sticht damit in eine Mango, die er normalerweise für die Säfte verwendet. Als er die Mango auf die Arbeitsplatte prallen lässt und sie gleichzeitig mit dem Messer professionell in zwei Hälften teilt, zucke ich zusammen. Adriano bemerkt es und sieht lächelnd zu mir. Er schneidet die Mango mit Geschick, schält sie und zerkleinert sie. Dabei wirkt er so geschickt und faszinierend, dass sein Körper bei jedem Schnitt eine sinnliche Bewegung vollführt, als würde er sein Glied in etwas einführen. Als er mich wieder ansieht, fühle ich mich ertappt und schaue sofort zur Seite.
»Ich habe dich hier noch nie gesehen. Bist du etwa neu in die Stadt gezogen?«, frage ich und nehme einen Schluck von meinem leckeren Erdbeersaft.
»So in etwa«, antwortet er knapp und bewegt sich mit dem Teller voller zerkleinerter Mangostücke zu mir.
»Ich bin seit gestern wieder frei«, erzählt er weiter.
»Frei? Wo warst du denn?«, frage ich neugierig.
»Ich war im Gefängnis«, sagt er mit ruhiger Stimme, und ich verschlucke mich fast. Ich stelle mein Glas ab, während Adriano mir eine Serviette reicht, damit ich mir den Mund abwischen kann.
»Ich... ich muss gehen. Danke für das Getränk!«, stammele ich. Mein Körper wird von einer Welle der Angst durchflutet, die wie ein eisiger Sturm durch meine Adern zieht. Ich verlasse meinen Platz und eile schnell davon, als ob ich vor einem aufziehenden Sturm fliehe. Als ich einen flüchtigen Blick nach hinten zu Adriano werfe, erkenne ich, dass er sich bereits mit dem Oberkörper über die Theke geneigt hat, als wäre er ein düsterer Schatten, der sich über den Tresen legt. Seine Blicke durchdringen die Dunkelheit und spiegeln die Finsternis wider, die sein gesamtes Erscheinungsbild umgibt.