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Summary

Wie würde es dir ergehen, wenn du Abends wie immer schlafen gehst aber auf einem fremden Planeten wach wirst? Cordelia muss sich dieser Herausforderung stellen und nicht nur dieser. Eine fremde Welt, eine fremde Kultur. In der sie dazu bestimmt ist, daß Fortbestehen einer ganzen Dynastie zu ermöglichen. Sie muss sich neu erfinden und zu ihrem besten Selbst werden. Dabei ist sie nicht allein, begleitest du sie auch?

Status
Complete
Chapters
50
Rating
4.8 24 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1

Jeden Tag dieselbe alte Leier. Nichts Außergewöhnliches, nichts Besonderes. Für gewöhnlich ist mein Tagesablauf durchgetaktet und bietet wenig Spielraum, um einmal auszubrechen oder auch nur ein My von Neuartigkeit zuzulassen. Morgens früh aufstehen, der Wecker klingelt um viertel nach sechs, wenn ich bis dahin nicht eh schon wach bin. Ins Bad, Toilette, Dusche, Zähne putzen. Auf Schminke verzichte ich vollkommen, wozu, wenn ich eh den ganzen Tag zu Hause bin und keiner Menschenseele begegne. Nach gut einer Dreiviertelstunde dann in die Küche den Lieblingskaffeebecher unter den viel zu teuren Kaffeevollautomaten und zwei Scheiben Toast in den Toaster. Warum habe ich mir so einen Vollautomaten überhaupt gekauft? Ich trinke meinen Kaffee immer gleich, schwarz ohne Milch ohne Zucker ohne Schnickschnack. Eine einfache Kaffeemaschine hätte auch gereicht. Aber wie war das noch „Wer weiß, eines Tages hast du vielleicht mal einen Lebensgefährten, der gerne einen Cappuccino oder einen Latte Macchiato trinken würde.“ Die Überredung meiner Freundin Xenia hatte Wirkung gezeigt, wenn es auch mehr als unrealistisch war, dass eine solche Person jemals existieren würde. Hey, immerhin ich bin mittlerweile in den Dreißigern. Ja, okay Mitte Dreißig dann eben. Bisher war da nichts in Sicht und die letzten 30 Jahre, naja, die letzten 20 Jahre hatte ich auch niemanden an meiner Seite.


Rückblick 24 Jahre zuvor

Meine Eltern starben früh, als ich gerade in die weiterführende Schule gewechselt hatte. Sie waren mit dem Auto und meinem kleinen Bruder Jonas unterwegs, um die ersten Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Da ich bereits in einem vorpubertärem Stadium war, weigerte ich mich partout mitzufahren. Kurz darauf hatte ich diese Entscheidung bitter bereut. Als meine Eltern auch am späten Nachmittag noch nicht wieder zu Hause waren, fing ich an ein wenig unruhig zu werden. Dann, kurz bevor es Abendbrotzeit war, hörte ich den Schlüssel in der Tür, spürte eine Welle der Erleichterung durch mich hindurchrasen, blieb aber trotzdem auf dem Sofa liegen. Ich hatte mir Musik angemacht und ein Buch zur Hand genommen. Ich liebe und liebte schon immer Science-Fiction Geschichten, fremde Kulturen, fremde Welten, fremde Wesen und Bräuche. Je abgespacter umso besser. Ich hörte, wie jemand den Raum betrat und schaute nicht auf, sollten sie doch denken das ich bockig war, weil sie mich so lange allein ließen. Ich war gerade 11 Jahre alt und rechnete nicht mit etwas bösem. Ich spürte eine Hand auf meiner Schulter und warf entnervt das Buch zur Seite. „Was?“ schoss ich zickig und angepisst heraus. Ich schaute einer Frau in die Augen, die ich nicht einmal kannte. Hinter ihr standen zwei Polizisten mit allem Drum und Dran, selbst Handschellen und den Halfter für die Pistole konnte ich sehen. Scheiße sind die wegen den geklauten Kondomen hier? Eine bescheuerte Mutprobe zwischen meiner besten Freundin Xenia und mir. Sofort setzte ich mich auf und nahm meine Kopfhörer aus dem Ohr. „Sorry, meine Eltern sind nicht da.“ Ich schluckte und schaute ängstlich zwischen den drei mir fremden Personen hin und her.

„Hallo Cordelia, ich bin Frau Hoyer vom Jugendamt.“ Wieder schaute ich zu den Polizisten. „Ich hab nichts verbrochen, das war Xenias Idee.“ Die Frau lächelte mich traurig an und setzte sich zu mir auf das Sofa, während sie meine eiskalte Hand in ihrer fleischigen festhielt. Im Gegensatz zu meiner Mutter war sie sehr groß und kräftig gebaut. Meine Mutter war eine sportliche, schlanke Frau, die sehr auf ihre Figur bedacht war. Meine Eltern zusammen gaben daher auch ein sehr merkwürdiges Bild ab, da mein Vater das genaue Gegenteil meiner Mutter war. Sein Bauch kam eindeutig von seiner Leidenschaft für Bier und Steaks. Leider hatte ich eher die Gene meines Vaters geerbt und wog als Kind schon mehr, als es für mich gesund war. Zum Glück hatte ich Xenia an meiner Seite, sie sorgte in der Schule dafür, dass mich die anderen Kinder in Ruhe ließen und sich eher auf Sabrina einschossen. Ein kleines Mädchen, das humpelte und dazu noch sehr schüchtern war. Seit sie einmal im Sexualkundeunterricht ohnmächtig geworden war, hatten die Jungs sie auf dem Kicker.

„Cordelia die beiden Beamten hier sind Herr Gülcan und Frau Maybach. Wir sind hier, weil wir mit dir reden müssen.“ Noch immer wusste ich nicht, was die Leute von mir wollten. „Aber warum mit mir? Wollen sie nicht lieber auf meine Eltern warten, sie müssten jeden Moment kommen?“ Nun schaute die Frau neben mir fast ein wenig verzweifelt auf die beiden Polizisten und in meinem Magen machte sich ein ganz ungutes Gefühl breit. „Cordelia, Kind. Deine Eltern… sie werden…, sie kommen nicht nach Hause.“ Ich sah wieder zwischen den Leuten in unserem Wohnzimmer hin und her und fing dann an zu kichern. „Natürlich kommen sie wieder, sie sind nur einkaufen mit meinem Bruder Jonas. Mama hat gesagt sie bringen mir was Schönes mit und sie hält immer ihre Versprechen.“ Die Frau streichelte mir über den Arm. „Cordelia es gab einen Unfall, deine Eltern und dein Bruder, sie haben nicht überlebt.“ Fassungslos starrte ich die Frau an und sprang dann auf meine Füße. „Nein, sie lügen, sie sind ganz bestimmt bald zu Hause.“ Ich sah zu den Polizisten und dann auf den Schlüsselbund, den ich meinem Vater zum Vatertag geschenkt hatte. Wir hatten in der Schule in der Projektwoche mit Speckstein gearbeitet. Ich hatte versucht eine Muschel für ihn zu schnitzen, da er das Meer so sehr liebte. „Woher haben sie Papas Schlüssel?“ Ich sah den Polizisten an und langsam drehte sich mir der Magen um, ein dicker, fetter Kloß bildete sich in meinem Hals und ich wollte nur noch schreien und mich in Mamas Arme werfen. „Cordelia, Liebes, hast du noch eine Oma oder Opa? Onkel oder Tanten?“ Wieder schaute ich auf die Frau, die nichts auf unserem Sofa zu suchen hatte und schüttelte den Kopf. Leise flüsterte ich „Nur wir vier, gegen den Rest der Welt.“ Ein Spruch den Papa immer wieder gebracht hatte. Dann fing ich an zu weinen und die Polizistin Frau Maybach nahm mich in den Arm. Es waren nicht Mamas Arme, aber besser als gar keine.


Heute

So kam ich damals in ein Kinderheim. Zum Glück eines in der Nähe meines Heimatortes, so dass ich nicht die Schule oder die Freunde wechseln musste. Am Anfang tat ich mich schwer mit meinem neuen Leben, doch die Sozialarbeiter und Dr. Conrad halfen mir über die schlimmste Phase hinweg. Heute lebte ich in meinem Elternhaus, dass ich mit meiner Volljährigkeit überschrieben bekam. Zum Glück hatte sich das Jugendamt damals um einen Vormund für mich gekümmert, der wirklich für mich da war und meine Interessen vertreten hat. Anders, als ich es von anderen Kindern in dem Heim hörte. Ich machte mein Abitur und studierte an der Universität Astrophysik. Mit meinem Vater hatte ich früher gerne in den Sternenhimmel geschaut und irgendwann stand er plötzlich mit einem Teleskop vor mir. Damals wollte ich unbedingt zur ESA und Astronautin werden. Natürlich hatte ich hierfür nie die sportliche Disziplin und auch nicht die passenden Gene. Sobald ich etwas fettiges oder kalorienhaltiges zu mir nahm, setzte es sich penetrant an meinen Hüften fest. Heute mit 35 wiege ich stolze 86kg. Immer wieder schwankend in einem Bereich von plus-minus fünf Kilo. Meine blonden Haare hatte ich von meiner Mutter geerbt, während ich die braunen Augen meines Vaters hatte. Ein paar grüne Sprenkel kamen zwar hin und wieder durch, aber ansonsten hatte ich nichts besonders Auffälliges an mir. Xenia hingegen war eine wahre Sexbombe. Üppiger Busen, den sie gerne präsentierte. Lange schwarze Haare, die sie immer wieder fleißig nachfärbte und strahlendblaue Augen. Sie war größer als ich und deutlich schlanker mit einer dennoch weiblichen Figur. Egal wo wir auftauchten, die Männer schauten ihr hinterher und gerieten nicht selten in echt peinliche Situationen. Natürlich war es auch Xenia die von einer Beziehung zur nächsten schlidderte. Sie konnte irgendwie nicht allein sein. Ihre Eltern hatten sich früh scheiden lassen und offenbar hatte dies einen Knacks bei ihr verursacht. Nun ja, in meinem Leben hatte es bisher genau eine Beziehung gegeben und die war ganz sicher als kürzeste Beziehung im Guinnessbuch der Rekorde verzeichnet. Drei Tage hatte Stefan es mit mir ausgehalten, bevor er sich auf und davon machte und ich mitbekam, dass er nur wegen einer verlorenen Wette mit mir zusammen war. Egal, ich brauchte und ich wollte keinen Mann.

Nach meinem Studium fand ich einen Job als Forschungsassistentin und als die Förderung der Studie auslief, wurde ich kurzerhand entlassen. Auf dem Arbeitsamt teilten sie mir dann mit, dass meine Ausbildung zu speziell und ich nur schwer vermittelbar wäre. Ich sollte mir doch Gedanken machen, welche Arbeit ich ansonsten noch tun konnte. Fassungslos starrte ich die Sachbearbeiterin an. „Klar, wie wäre es denn mit Verkäuferin an der Kasse im Supermarkt.“ Die Sachbearbeiterin schaute auf ihren Monitor und tippte ein paar Daten ein. „Da könnte ich ihnen auf der Stelle 16 Stellen anbieten.“ Ohne eine Miene zu verziehen, schaute sie mich an, als wäre es ihr vollkommen Ernst. „Okay, gute Frau Stendal. Ich glaube wir haben hier ein Verständigungsproblem. Ich bin studierte Astrophysikerin, ich habe in einem Forschungsinstitut bei einer Studie über die Reaktivierungszeit von Coulombteilchen im freien Weltraum mitgewirkt. Glauben Sie allen Ernstes, dass ich mich als Kassiererin bewerbe?“ Sie seufzte tief. „Wenn Sie nicht mit mir zusammenarbeiten wollen, kann ich ihnen leider nur eine Sperre von vier Wochen geben.“ Mir fiel alles aus dem Gesicht und so verließ ich das Arbeitsamt mit einer ungeheuren Wut im Bauch. Sofort schnappte ich mir mein Handy und rief Xenia an. „Liebelein ich brauche deine Hilfe.“ Zehn Minuten später stieg ich aus dem Bus aus und lief die restlichen Meter zu ihrer Wohnung. Als ich in der dritten Etage vor ihrer Tür stand öffnete sie ein neuer Typ, den sie mir bisher noch nicht vorgestellt hatte. Groß, muskulös und schön anzusehen und vor allem nur mit hautengen Boxershorts bekleidet. Er sah auf mich herunter und rümpfte kurz die Nase. „Ich glaube du bist hier falsch.“ Irgendwie war heute einfach nicht mein Tag. Er wollte gerade die Tür schließen, als Xenia hinter ihm auftauchte. „Sag mal bei dir sitzen auch nicht mehr alle Latten am Zaun, oder? Nimm deine Sachen und verschwinde, ich will dich hier nie wieder sehen!“ Sie drehte sich zu mir um und zog mich an ihm vorbei in die Wohnung. „Cordischatz komm rein, Patrick wollte gerade gehen und es lohnt sich nicht ihn dir vorzustellen.“ Der Typ sah giftig auf mich und schnappte sich dann seine Sachen, die Xenia ihm hinhielt. Bevor er wusste, wie ihm geschah schubste sie ihn aus der Tür und knallte sie ihm direkt vor der Nase zu.

Ich erzählte ihr von meinem Leid und was die Tante vom Arbeitsamt zu mir meinte. Sie servierte mir erst einen Kaffee und schnappte sich dann ihren Laptop. „Ich hab da eine Idee, das könnte etwas für dich sein.“ Gespannt schaute ich ihr zu wie sie eine Internetseite öffnete, auf der sie nach Leuten suchten, die im Homeoffice Studien betreuten. Was soll ich noch sagen? Sie haben mich mit Kusshand genommen und da bin ich nun. Tagein, Tagaus in meiner Wohnung. Das einzige aufregende, dass ich erlebte, waren die Abende, an denen Xenia es schaffte mich aus der Tür zu locken. Bis zu jenem Tag, den ich wohl nie vergessen werde und der mein absolut aufregendster Tag in meinem gesamten Leben werden sollte.