Kapitel 1 LP
Seth
Die kühle Nachtluft streicht über meine Schnauze, während sich meine Krallen tief in den lehmigen Boden graben. Jeder Muskel in meinem Körper ist angespannt, bereit, auf das kleinste Zeichen hin loszustürmen. Die Grenze des Rudels zu Little Rock ist nur wenige Meter entfernt, die unsichtbare Linie, die uns von dem trennt, was uns gehört – und von dem, was wir uns holen werden.
Neben mir bleibt Jonathan stehen, seine mächtige Gestalt, eine dunkle Silhouette im fahlen Mondlicht. Wir beide spüren den unbändigen Drang, die Grenze einfach zu durchbrechen, alles hinter uns zu lassen und unser Ziel zu finden. Aber wir können nicht – nicht jetzt. Ein tiefer, zähneknirschender Atemzug verrät seine Unruhe, und auch ich spüre sie in mir aufsteigen. Aber wir wissen, es wäre gegen unsere Abmachung.
Die Jäger, denen dieses Revier gehört, haben uns zugestimmt – zugestimmt, mit uns zu reden. Aber die Wahrheit ist, dass es uns egal ist. Wir haben nur aus Höflichkeit gefragt, ein formales Zugeständnis. Denn in Wirklichkeit gibt es keine andere Lösung. Sie müssen zustimmen – oder sie werden es bereuen.
Jonathan und ich tauschen einen Blick aus, ein stummes Einverständnis, das über Worte hinausgeht. Hinter uns spüre ich, wie die Spannung in den Reihen der anderen Wölfe wächst. Einige beginnen, einander zurückzuhalten, kämpfen gegen den Drang, vorwärtszustürmen, die Grenze zu durchbrechen und unser Ziel zu jagen, ihn in Stücke zu reißen. Wir wissen, dass er hier ist. Rey Williams.
Der Name schwebt wie ein Fluch im Wind, der ehemalige Alpha des Rudels in Hendersonville, North Carolina. Ein Verräter, ein Mörder. Derjenige, der sterben muss.
Das Versteckspiel ist vorbei.








