Prolog: Es war einmal... nein, es ist kein Märchen
Ein friedlich- gefährlicher Morgen begleitete ein Mädchen noch vor dem achtzehnten Lebensjahr, als es die Nacht durchgemacht hatte und nun in den ersten Spuren des Taus einen Spaziergang wagte und dabei die Kälte des Winters genoss, die sie ja fast schon verzauberte.
Rieselnd fiel der Schnee zu Boden und weiß und schwarz vermischten sich an ihrer Gestalt, denn jene Flocken verfingen sich feenhaft in ihren dunklen Gewändern, sodass ein Spiel von Hell und Dunkel sie verzückte. So fand Terese ihren Weg nach Hause, die Treppen hoch und zu ihrem warmen Bett, umringt der flackernden Kerzenlichtern, als sie in ihr vom Fenster aus, dunkles Zimmer schritt und das Licht aus dimmte. Sie wollte sich so schnell wie möglich zu Schlummer legen, immerhin hatte sie eine Nacht Schlaf nachzuholen.
Auf ihr Sofa steigend und die Decke bis zum Hals hochziehend, blickte sie in die Dunkelheit um sich und fühlte sich geborgen, ehe sich Tereses Augen schlossen und sie langsam aber sicher zur Traumwelt überging und so den Traum eines Albtraums beginnen ließ. Denn geträumt hatte sie schnell und von etwas, dass ihr Leben verändern sollte, oder nicht?
Bis heute wusste die Kleine nicht, ob es nur ein Traum, geschickt von einem Nachtalb, oder tatsächlich die Realität war, denn was war schon Realität?
Ein Beispiel zum Verständnis von ihr: Wenn sie ein Buch zur Hand nehmen würde und die Wörter entzifferte, war ihre Realität zu lesen, doch für jemanden, der sie dabei beobachtete, war die Realität womöglich, dass sie dieses Buch als Vorwand benutzte, um etwas heimlich zutun und wenn er sie damit zu konfrontieren suchte, sie dies verneinen würde, hätte sie es doch wieder verstecken können. Also sicher sein konnte er sich nicht. Welche der beiden Realitäten war also letzten Endes wahr und wirklich die Realität? Dies waren ihre, sich selbst fragenden Gedanken dazu, erst durch eben jenen Traum in den Kopf gesetzt bekommen, den sie erst jetzt träumen sollte.
Was war daran wahr?
Die Nacht lugte mittlerweile zum Fenster herein, die Dunkelheit spielte an ihren Wänden und das Mädchen schlief, immer tiefer, stolperte hinein in die unendliche Endlichkeit ihres Unterbewusstseins von Bild von Vergangenheit und Zukunft, von Eindrücken in diesen Zeiten, von Gefühlen und Gedanken und während sich all dieses Gespür zu einem Strang verwob, schlich sich ein Nachtalb hinzu und tröpfelte eine Essenz mit hinein, die das Rad des Schicksals in Bewegung setzten sollte.
Doch existierte dieser Aspekt wirklich oder diente es ihr nur zur Erklärung für den Ursprung des halben Jahr Leids, was ihr bevorstand?
Terese durchkämmte ihr Unterbewusstsein unterbewusst mit großen Augen, weiten Schritten und schwarzem Gewand. Hier war sie jemand anderes und doch die gleiche. Diese Welt spiegelte ihre Seele wieder, die am Tage aktiv war, mit einer kleinen, aber intensiven Besonderheit: ein Teil von ihr fehlte.
Ein Bruchstück ihres Aussehens, ihrer Stimme, ihrer Person, die Seele war verändert, wenn auch nur minimal. Sie konnte sein wer sie wollte, was sie wollte, doch unterbewusst entschied sie sich dafür, sich selbst nicht zu belügen, wenngleich sie schon bald Lüge von Wahrheit nicht mehr zu unterscheiden vermochte. Doch ihr Entschluss war, dass diese Spiegelung so getreu wie möglich der Seele ihres wachen Zustandes sein sollte, also war sie dies auch.
Und immer noch auf der Suche ohne Ziel durchstreifte sie Eisberge aus Sand, Feuerfelder aus Wasser, Erdkerne in der Luft und sogar verschiedenste Planeten weiterer Sonnensysteme standen unter ihren Füßen, als sie selbst wagte das Universum persönlich zu betreten, selbst in ihre eigen- erschaffene Welt konnte sie eintauchen.
Und da war es, ganz plötzlich und ohne Vorwarnung stand sie endlich ihrem geglaubten Fund von einer Suche nach einer Suche bevor. Es war die Art Begegnung wie in eben jedem Traum; undeutlich, unscheinbar, unnahbar. Alles an diesem Etwas, selbst das Aufeinandertreffen mit ihr, wirkte wie eine Illusion und so hielt es auch ihren Namen, gebunden an den Ketten ihres Ursprungs: eine Illusion.
Des ersten Augenblicks und Bewunderung, kurzerhand gepaart mit Neid, beherrschte das Innere des Mädchens für diese Illusion und sie vergaß oder wusste nie, aus was dieses Etwas bestand, was es überhaupt war. Sie stufte es in etwas Unbekanntes ein, etwas, dass sie als ihren persönlichen Fund beschreiben wollte. Und eben diese Bewunderung hielt Terese bei ihr, auch wenn schon erste Schreie um sie herum darauf aufmerksam machten, sich wieder umzudrehen und bei ihren bisherigen Orten und Errungenschaften zu bleiben, wollte sie so unbedingt das Neue kennenlernen, dass sie jeglichen Alarm außer Acht ließ und als es den ersten Satz von ´´reich mir die Hand, unsere Welt wird brennen´´ losließ, war jeglicher Zweifel gebannt.
Das junge Mädchen streckte der Illusion die Hand entgegen. ,,Dein Werk dieser Farben und Arten um dich herum und in dir ist so wunderschön und eigen. Nimm meine Hand und lass sie nicht los.´´
Damit begann ihre Zeit.
Allgemein beginnen Geschichten am Anfang. Doch sage mir, wo ist ein Anfang und wo ein Ende?
Dadurch, dass diese Frage keine Antwort findet, beginnt diese Erzählung am Anfang eines Albtraums, in der Mitte einer Geschichte und am Ende eines Anfangs.