Sommerblau
Lara. 'Hättest du es nur durchgezogen, Lara.' Immer wieder redet Allie auf mich ein. Sie erzählt mir seit 3 Monaten immer wieder aufs Neue, wie dumm ich doch war, Luke wieder zurückzunehmen. Ihm nach dem Fehltritt mit seiner Arbeitskollegin noch eine Chance zu geben, war tatsächlich mehr eine Kurzschlussreaktion als ein gut überlegter Schritt. Ich habe diese Entscheidung auch hauptsächlich für meine Tochter getroffen. Was wäre aus uns geworden? In einem kleinen Sozialbau wohnend, ohne große finanzielle Rücklagen. Verarmt und ohne Zukunft. Trotzdem geht mir langsam diese ständige Laier etwas auf Sender. Wir kennen uns nun seit fast 15 Jahren aber manchmal hätte ich gern etwas mehr Trost und Verständnis von meiner besten Freundin gebraucht. Die letzten Wochen waren wirklich hart. Mir ist auch bewusst, dass die wenigsten Frauen diese Entscheidung so getroffen hätten und dem Typen gleich die Koffer vor die Tür gestellt hätten und ein 'auf nimmer Wiedersehen' nachschieben würden. Mit Kleinkind und einem dicken Kredit für ein Haus an der Backe, muss manchmal aber auch der Verstand siegen und nicht unbedingt das Herz. Zumindest vorerst. Nun sitzen wir an einem sonnigen Tag im Mai in einem dieser Cafés, die viel zu voll und zu laut sind, selbst hier draußen auf der Terrasse. Allie hält weiterhin Ihren Monolog über Liebe, Vertrauen und Loyalität in einer Ehe. Ich nicke stumm und schaue dabei immer wieder auf die Zigarette in meiner Hand. Auch leider eine Angewohnheit, die seit 3 Monaten wieder dazu beiträgt, mich zu beruhigen, auch wenn es nur den Anschein macht. Nach einer gefühlten Ewigkeit hat Allie den Drang meine persönlichen Belange zu analysieren und zu reflektieren scheinbar endlich überwunden und das Gespräch plätschert so dahin. Über ihr Studium, Ihren Mitbewohner der versucht eine Marihuana Pflanze zu ziehen und den wilden Partys. Manchmal würde ich gern mit ihr tauschen. Sie kann ihre Entscheidungen ganz und gar für sich allein treffen und sich um niemanden sorgen, außer vielleicht im Ihren dicken Karter Newton. Dem scheint allerdings alles egal zu sein, solange der Napf gefüllt und das Bett weich genug ist. 'Lara! Ich sags dir beim nächsten mal wenn ich Ihn wieder sehe, werde ich ihn endlich ansprechen. Das kann doch nun wirklich kein Zufall sein. Vor zwei Wochen im Club, am Freitag im Supermarkt und heute in der Uni-Bib. Oder was meinst du?' Allie ist immernoch jemand, der an die eine große Liebe glaubt. Manchmal beneide ich Sie für diese leichte Einstellung zum Leben und der Liebe. 'Ich denke schon. Vielleicht ist er auch ein irrer Stalker aber die Chancen auf Romeo stehen eigentlich auch ganz gut.' antworte ich ihr, etwas sarkastischer als gewollt. 'Nur gut, dass ich nicht Julia heiße!' antwortet Sie kess zurück und wir beide brechen in Gelächter aus. Ich habe Sie einfach viel zu gern, als dass ich Ihr böse sein könnte für Ihre Vorträge. Vielleicht lenkt ihr geheimnisvoller Verehrer ihre Gedanken bald ab von meinen Problemen. In genau diesem Moment summt mein Handy und eine Nachricht von Luke taucht auf 'Kenzie vermisst dich. Wann bist du wieder hier? Ich liebe dich mein Engel. L.' Nach solchen Nachrichten weiß ich manchmal nicht, ob ich laut anfangen soll zu lachen oder weinen. Wieso hat dann mit seiner Kollegin rumgeknutscht, wenn er mich doch so sehr liebt. Weder er noch ich kann es mir erklären. Mein Bauchgefühl hatte mich nicht betrogen. Dieses unterbewusste Zweifeln an den so langen Arbeitstagen und die ganzen Überstunden. Auch seine Desinteresse mir gegenüber konnte ich mir nicht erklären. Mit meinen einssiebzig und knappen achtzig Kilo, bin ich tatsächlich keine Elfe mehr seit der Schwangerschaft mit Kenzie, jedoch achte ich immer auf mein außeres Erscheinungsbild, mache mir jeden Tag meine blonden Haare zurecht und würde mich auch durchaus als ansehnlich bezeichnen. Allie hatte Kenzie damals auf dem Spielplatz abgelenkt und ich bin zu Luke ins Büro gefahren. Von wegen Überstunden. Ich hatte ihn mit seiner Arbeitskollegin im Flagranti erwischt. Bis heute beteuert er jedoch, dass mehr als Küsse und Nachrichten nicht gewesen sein. So ganz glauben kann ich Ihm das aber leider nicht. Mein Bauchgefühl täuscht mich selten. Leider. Er hat sämtliche Nachrichten von Ihr gelöscht und so bin ich gezwungen, ihm zu glauben, was er mir erzählt. Weil bald Schlafenszeit für mein kleines großes Mädchen ist, beschließen wir zu zahlen und machen uns jeder auf den Heimweg. Allie in Ihre WG mit den anderen Studis und ich zu meiner Tochter. 'Zu Hause' ist es für mich da schon seit 3 Monaten nicht mehr.








