Lupus Academy (1) Schatten oder Licht

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Summary

Absofort als Taschenbuch erhältlich!!! Wenn die Ereignisse eine immer seltsamere Wendung nehmen und das Leben nicht mehr normal zu sein scheint ist ein Vampir das letzte, was Layla braucht. Doch erst durch diese Begegnung erfährt sie von ihrer wahren Herkunft und Identität. Sie muss in die ferne Welt Luxaria reisen und auf die Lupus Academy gehen um Ihr Selbst zu finden und Ihre wahre Gabe zu entfesseln. Doch Layla spielt ungewollt eine entscheidende Rolle in dem düsteren Spiel der dunklen Mächte, die die Ferne Welt an sich reißen wollen. Zusammen mit Damien muss sie sich aufmachen, um die ferne Welt zu retten und ihr Schicksal anzunehmen. © Cover von mir gestaltet

Status
Excerpt
Chapters
18
Rating
n/a
Age Rating
16+

Kapitel 1

Mein Morgen fing wie jeder andere damit an, dass ich mich aus dem Bett quälte. Die Sonne schien mir ins Gesicht, während ich durch mein Zimmer mit meiner Couch, den fünf Bücherregalen, dem Schreibtisch und den Schränken lief.

Heute war der erste Schultag nach den langen Sommerferien und nach Wochen des Ausschlafens war ich das frühe Aufstehen nicht mehr gewöhnt.

Es würde heute aber trotzdem ein guter Tag werden. Ich war mir absolut sicher. Warum? Weil ich meine beste Freundin Jade wiedersehen würde. Jade war während der Sommerferien in Amerika gewesen und hatte dort eine Rundreise gemacht. Wie ich sie darum beneidet hatte.

Ich dagegen saß während der letzten Wochen nur zu Hause in meinem Zimmer und hatte mich in den Welten meiner Bücher verloren. Meine Mom meinte immer, dass ich mehr unternehmen sollte. Und das in der realen Welt!

Meine Fantasie ging aber manchmal einfach mit mir durch. Meine Mom riss mich aus meinen Gedanken, als sie an meine Tür klopfte. Einige Sekunden später schaute auch schon ihr Kopf zur Tür herein. Ich hatte dasselbe dunkelbraune Haar wie meine Mutter, nur, dass sie es schulterlang trug, während meins bis zur Hälfte meines Rückens reichte. Ihre Augen waren dunkelbraun und von Ihrer Statur war sie eher mittelgroß und besaß einen normalen Körperbau. Nun, ich jedoch war eher etwas kleiner geraten und besaß braun-grün-graue Augen!

„Hey Layla? Du bist ja schon wach! Und? Freust du dich schon auf die Schule?“

Ich gähnte, bevor ich ihr antworten konnte.

„Ja Mom. Ich freue mich natürlich total darauf.“

Den sarkastischen Unterton in meiner Stimme konnte ich nicht ganz unterdrücken. Aber es war nun mal so, dass man sich nie auf den ersten Schultag freute.

„Ich weiß, dass du die ersten Schultage noch nie leiden konntest, aber du könntest versuchen, deine Einstellung zu ändern. Außerdem denke ich, dass es dir gut tun wird, mal wieder unter Menschen zu kommen. Heute wirst du Jade wiedersehen und sie möchte dir doch bestimmt auch etwas über ihre Ferien erzählen. Du solltest allein ihretwegen versuchen, deine Laune etwas aufzubessern.“

Ich konnte meiner Mutter nie etwas vormachen und leider hatte sie auch jetzt wieder Recht. Ich hatte tatsächlich echt schlechte Laune. Und es brachte mir nichts, mich weiter in Selbstmittleid zu suhlen und meiner Mom immer wieder vorzutragen, wie blöd ich die Schule fand. Also ging ich ins Bad und machte mich fertig.

Als ich in den Spiegel schaute, um zu sehen, ob ich nicht immer noch so verschlafen aussah, wie ich mich fühlte, sah ich ganz passabel aus.

Zwar waren unter meinen grün-grau-braunen Augen immer noch leichte Augenringe erkennbar, aber das war nun wirklich kein Wunder.

Vor allem, wenn man ständig von seltsamen Träumen aus dem Schlaf gerissen wird. Meine langen dunkelbraunen Haare hatte ich heute zu einem hohen Zopf zusammengebunden. Ich trug ein weinrotes T-Shirt und eine ganz normale schwarze Jeans. Ich zog nie etwas Auffälliges an und mochte meinen schlichten Look. Mein Magen knurrte und ich lief in der Hoffnung, dass meine Mom schon Kaffee machte, in die Küche.

Zum Glück tat sie es. Ich nahm mir jeden früh, bevor ich mich auf den Weg zur Schule machte, einen Kaffee und eine Kleinigkeit zu essen mit. So auch heute. Ich füllte mir den Kaffee in meine Thermoskanne um und schnappte mir mein Brot und noch einen Apfel.

Während ich den gewohnten Weg zur Schule lief, beschlich mich das Gefühl, beobachtet zu werden. Ich sah mich um, konnte aber niemanden entdecken.

Wenn man genauer darüber nachdachte, war es schon echt merkwürdig und manche würden auch gruselig sagen. Mich jedoch erinnerte es nur an meine Träume.

In einer fremden Welt von Vampiren verfolgt, von Geistern gejagt und von Wölfen gerettet zu werden war nicht unbedingt beruhigend, genauso, wie diese Stimme, die sich andauernd in meine Gedanken schlich.

Ich wusste, dass es nur Träume waren, aber es fühlte sich alles so real an.

Jedenfalls bis ich aufwachte. Aber das war jetzt real.

Ich fühlte mich beobachtet, konnte aber niemanden sehen.

Vielleicht spielte mir ja auch nur meine Fantasie einen Streich und ich bildete mir das alles nur ein. Dieses Gefühl jedoch verfolgte mich. Es verfolgte mich, bis ich den Eingang der Schule erreichte und das Gebäude betrat. Tief in Gedanken versunken lehnte ich an meinem Spind.

Dieser Platz galt immer als Treffpunkt für Jade und mich, da unsere Spinde direkt nebeneinander lagen. Plötzlich hörte ich eine Stimme direkt in meiner Nähe.

Ruckartig schaute ich auf, aber in meiner Nähe stand niemand.

Ich konnte den Hausmeister an einer kaputten Deckenlampe schrauben sehen und Gruppen von Schülern, die nach und nach in das Gebäude hineingeströmt kamen und sich unterhielten und zur Begrüßung umarmten.

Hier und dort war auch mal einer der Lehrer zu sehen, der für Ordnung sorgen sollte.

„Ich habe es mir bestimmt nur eingebildet!“, sagte ich deshalb zu mir selbst und hätte es bestimmt auch geglaubt, hätte diese Stimme nicht noch ein zweites Mal zu mir gesprochen. Und ich hatte es mir definitiv nicht eingebildet.

Aber außer mir schien es niemand gehört zu haben. Es war eine flüsternde, kratzige und raue Stimme, die aber definitiv zu einer Frau gehörte.

Sie klang, als hatte sie eben das erste Mal seit sehr, sehr langer Zeit gesprochen. So, als sei sie etwas eingerostet!

Sie sagte etwas in einer sehr alten Sprache, die, wenn ich mich nicht extrem stark täuschte, Latein war.

Aber es war nicht nur Latein.

Zwischen den einzelnen Wörtern waren einzelne knurrende Laute zu verstehen.

Außerdem stellte ich mir die Frage, wer heutzutage eigentlich noch fließend Latein sprach! Absolut niemand, außer der Person, der diese Stimme gehörte. Meine Fantasie arbeitete wieder auf Hochtouren.

Götter, Götter, Götter. Ich war schon immer von den Sagen der Götterwelt fasziniert. Besonders, wenn Wölfe vorkamen. Am tollsten fand ich immer Fenrir, den riesigen Wolf aus der nordischen Mythologie!

Die Stimme in meinem Kopf riss mich erneut aus meinen Gedanken.

Jedoch blieb mir keine Zeit mehr, mich genauer mit Ihr zu beschäftigen und mir darüber Gedanken zu machen, denn plötzlich sprang mich eine Gestalt wie aus dem Nichts an. Ich versuchte, mein Gleichgewicht zu behalten und konnte gerade noch rechtzeitig einen Aufschrei unterdrücken.

Diese Gestalt stellte sich als Jade heraus. Warum hatte ich sie vorher nicht bemerkt? War ich so unachtsam gewesen, dass ich sogar sie übersehen hatte? Es wunderte mich, denn eigentlich konnte man Jade nicht übersehen, zumindest nicht überhören. Sie besaß die Angewohnheit durchs ganze Schulhaus den Namen von der Person zu rufen, mit der sie gerade sprechen wollte. Man gewöhnte sich mit der Zeit daran.

Jade war mittelgroß, schlank und hatte blonde Haare, die ihr knapp über die Schultern reichten. Ihr Stil war im Gegensatz zu meinem sehr auffällig. Hohe Absatzschuhe, große Ohrringe und auffällige Kleidung. So war sie nun mal!

„Jade, du erdrückst mich noch. Ich bekomme wirklich gleich keine Luft mehr.“, stieß ich lachend hervor.

„Sorry Layla. Ich habe mich nur so gefreut, dich endlich wiederzusehen. Diese sechs Wochen ohne dich waren echt furchtbar!“ Irgendwie glaubte ich ihr den letzten Teil nicht ganz.

Diese Wochen ohne mich wären vielleicht furchtbar gewesen, wenn sie nur in ihrem Zimmer gesessen hätte, statt in Amerika diese echt tolle Rundreise zu machen.

„Jade! Du kannst nicht allen Ernstes sagen, dass dir die Reise nach Amerika nicht gefallen hat. Du wolltest doch schon immer mal dorthin.

„Ich könnte jetzt sagen, dass meine Ferien echt furchtbar waren.“ Jade setzte ein entschuldigendes Lächeln auf.

„Okay, okay. Du hast ja Recht. Also ich wollte damit nicht sagen, dass meine Ferien so schrecklich waren, denn sie waren das genaue Gegenteil, aber es wäre noch schöner gewesen, wenn du auch mit dabei gewesen wärst!“ Das entsprach schon mehr der Wahrheit und ich war ihr natürlich nicht böse.

Eigentlich wäre ich auch in den Ferien nach Griechenland geflogen, aber meine Mom musste kurzfristig arbeiten und die Reise absagen. Ich konnte deshalb auch nicht böse auf sie sein, denn, obwohl ich mich extrem auf die Wochen am Strand gefreut hatte, war es doch nicht so schlimm. Ich konnte die Entscheidung nachvollziehen. Sie hatte mir sogar versprochen, dass wir es auf nächstes Jahr verschieben.

„Weil ich dich ja netterweise an meinen Ferienerlebnissen teilhaben lassen möchte, werde ich jetzt einfach anfangen zu erzählen und du hörst mir bitte ganz genau zu, denn du solltest nichts davon verpassen!“ Sie musste selbst grinsen. „Also ganz wichtig war natürlich dieser süße Typ in meiner Reisegruppe. Leider hatte er schon eine Freundin.“ Dabei musste ich die Augen verdrehen. Typisch Jade. Leider hatte sie dann aber auch immer noch so ein Pech.

„Die Landschaft dort war echt der Hammer. So komplett anders als hier bei uns. Ich habe zwischendurch auch mal überlegt, ob ich mich nachts einfach mal rausschleichen soll, um eine der kleinen Palmen dort auszubuddeln und mitzunehmen.“ An ihrem Blick konnte ich erkennen, dass sie es todernst meinte, denn sie liebte Pflanzen und Blumen sehr, was vielen vielleicht seltsam erscheint. Ihr Zimmer sah wie eine Gärtnerei aus. Alles war grün. Da jedoch Grün meine Lieblingsfarbe war, störte es mich nicht.

Es war immer wieder lustig, auf was für Ideen Jade kam. Und so erzählte sie immer weiter und weiter.

Irgendwann fiel mir etwas Wichtiges ein. Ich hatte total vergessen, mir den Stundenplan anzuschauen, weshalb ich Jade fragen musste.

„Warum vergisst du eigentlich an jedem ersten Schultag deinen Stundenplan aufzuschreiben? Wir bekommen den doch schon mindestens eine Woche davor geschickt.“

Wir gingen mittlerweile in die zehnte Klasse.

Ich musste mich wirklich daran gewöhnen.

„Wir haben übrigens jetzt gleich Geschichte mit Ms. Happy.“

Sie zog ein langes Gesicht, was auch als Grimasse durchgegangen wäre.

Mein Gesichtsausdruck war bestimmt nicht besser. Jeder jammerte herum, wenn es hieß, dass wir mit Ms. Happy hatten. Warum? Ms. Happys Name war genau das Gegenteil von Ihrem Charakter.

Wir sagten immer alle, Ihr Name sei eine ziemlich große Täuschung, oder wie eine Falle, die bei den optimistischen Jüngeren zuschnappt. Wir liefen zum Unterrichtsraum für Geschichte und die gar nicht fröhliche Ms. Happy legte los.

Wie erwartet war der Geschichtsunterricht eine einzige große Qual.

Für mich lief es auch nicht wie geplant oder erhofft. Ms. Happy besaß das Talent, so langsam und monoton zu sprechen, dass die Chance einzuschlafen mit jeder Minute stieg. Mein Mittel dagegen war zeichnen.

Ich zeichnete immer, wenn mir Zuhause oder auch in der Schule langweilig war. Ich hatte mit der neuen Skizze eines Wolfes begonnen, welcher auf der Jagd durch den dunklen Wald rannte.

Jedoch hätte ich es dieses Mal lieber sein lassen sollen.

Ich hasste es, wenn man sich an Papier schnitt. Unachtsamkeit und Müdigkeit führten bei mir jedoch dazu.

Ich schnitt mir quer über die Hand, als ich mir gerade einen meiner Schreibblöcke nehmen wollte. So etwas konnte aber auch nur mir passieren!

Drei Blutstropfen fielen auf die geschwungenen Bleistiftlinien des gemalten Wolfes, bevor ich es mit einen Taschentuch verhindern konnte. Ms. Happy bemerkte das Missgeschick und schickte mich los, um ein Pflaster zu suchen. Deshalb war ich nun auf den Weg zum Sekretariat, da der Sanitätsdienst in unserer Schule es total vermasselt hatte Pflaster in den erste-Hilfe Kasten zu legen.

Ich lief also den Flur entlang und achtete nicht auf den Schatten, der an einer Seite des Flures durch das kaputte Oberlicht verursacht wurde. Doch als ich nur noch einige Schritte entfernt war, sah ich, dass darin eine Gestalt lauerte.

Die Gestalt war nur als schwarze Umrisse erkennbar. Was war das?

Ich konnte die blutroten Augen erkennen, die mich anstarrten.

Wie ein hungriges Tier, das seine Beute beobachtet, beobachtete mich dieses Ding im Schatten. Als würde es gleich hervorspringen und seine Beute schnappen. Aber das war doch eigentlich lächerlich!

Wie sollte ein Tier hier hineingekommen? Und dann auch noch ein gefährliches! Aber welches Tier sollte denn hier hineinkommen?

Der Tag wurde immer seltsamer für mich und ich konnte nichts dagegen tun.

Die Augen, die mich jetzt auch nach etlichen Sekunden oder sogar Minuten anstarrten, hatten etwas Teuflisches an sich. Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Ich bewegte mich nur langsam rückwärts. Schritt für Schritt. Ich schaute mich hilfesuchend um, aber es war niemand außer mir in diesem Teil des Schulgebäudes unterwegs. Ich hatte vermutlich eine blühende Fantasie, oder ich wurde verrückt.

Die Augen waren verschwunden! Ich wurde definitiv verrückt. Damit ich niemanden einen Grund dafür geben konnte, behielt ich es lieber für mich. Also würde ich es niemandem sagen!

Vergessen war leider nicht immer so einfach, wie man es sich wünschte. Trotzdem musste ich es versuchen, sonst verlor ich vielleicht noch vollkommen den Verstand. Schnell holte ich mir das Pflaster und rannte zurück zum Unterrichtsraum. Die ganze Zeit dachte ich nur noch daran, bis ich beim Zusammenpacken zu dem Schluss kam, dass es nicht real war. Nun liefen Jade und ich durch den Flur der Schule.

Ich musste mich jedoch trotzdem ständig umschauen, was mir besorgte und fragende Blicke von Jade einbrachte. Wahrscheinlich glaubte sie, ich leide unter Verfolgungswahn. Ich wusste nicht, ob ich es ihr erzählen sollte, weil die Wahrscheinlichkeit immer noch bestand, dass sie mich auslachte, oder sogar die Freundschaft kündigte. Obwohl? Jade würde so etwas natürlich nie tun, da war ich mir sicher.

Wie hätte ich es ihr denn aber sagen sollen?


Hey Jade. Wusstest du, dass ich neuerdings seltsame Stimmen höre und komische, mysteriöse Augen in den Schatten erkenne? Noch bescheuerter ging es ja gar nicht.

Deshalb beschloss ich, es ihr erst einmal nicht zu erzählen.

Vielleicht würde ich es ihr erzählen, wenn es mir selbst erst einmal richtig klar wäre. Doch wie lange das dauern würde, wusste ich selbst nicht, da ich immer noch versuchte, es in meinem Kopf zu ordnen und eine logische Erklärung für alles zu finden. Und wenn all das nach meinem Wunsch verlief, oder ich es mir wirklich nur eingebildet hatte, gäbe es am Ende nichts mehr, was ich Jade erklären müsste. Das, was heute passiert war, blieb nun mein kleines Geheimnis, auch wenn es möglicherweise nicht ganz so klein war.

Nach der Schule war ich fix und fertig.

Doch das schlimmste kam jetzt erst noch. Es waren die Hausaufgaben von Ms. Happy. Sie hatte anscheinend Angst, dass wir den ganzen Schulstoff nicht schaffen und war deshalb der Meinung, uns gleich fünf Aufgaben bis zur nächsten Woche aufgeben zu müssen. Ich schob die Aufgaben nie sehr gerne auf. Mit einem tiefen Seufzer schnappte ich mir meinen Hefter und das brandneue Lehrbuch.

Bis die Haustür unten im Haus geöffnet wurde und unser deutscher Schäferhund Cora zu bellen begann, war ich so sehr auf die Hausaufgaben konzentriert, um den Sinn der Aufgaben herauszufinden, dass ich die Zeit völlig vergessen hatte. Ich sah auf die Uhr meines Handydisplays und musste erschreckt feststelle, dass es schon nach sieben Uhr abends war. Wo war die Zeit nur wieder geblieben? Schnell stieg ich die Treppe hinunter, die in unseren Flur führte, um dann meiner Mom mit den Einkäufen zu helfen. Sie kam vollbeladen herein und drückte mir einige der vielen Tüten in die Hand. Wir gingen zusammen in die Küche, wo Mom begann, die Einkäufe in die Schränke einzuordnen. „Das einräumen schaffe ich schon selbst, Layla. Es wurde etwas später als geplant. Tut mir leid. Warst du schon mit Cora spazieren?“ Oh nein. Das hatte ich ja völlig vergessen. „Ich habe es total vergessen. Die Hausaufgaben haben mich echt fertig gemacht!“ Sie sah mich ungläubig an. „Hausaufgaben am ersten Schultag?“ Irgendwie hatte ich genau mit dieser Reaktion gerechnet.

„Ja, Hausaufgaben. Wir haben wieder Ms. Happy in Geschichte bekommen und du weißt bestimmt noch, wie es letztes Jahr mit ihr war.“ Das war Erklärung genug. Sie verstand es sofort und nickte. Letztes Jahr hatten wir immer haufenweise Arbeiten aufbekommen und dieses Jahr war es wohl nicht anders. Um die verlorene Zeit wieder gut zu machen, schnappte ich mir die Hundeleine und machte mich mit Cora auf den Weg in den Wald. Früher hatte es mir immer Spaß gemacht, mit Cora rauszugehen. Es ermöglichte mir eine Pause von all dem Stress. Besonders oft war ich in dem kleinen Wald nahe unseres Hauses unterwegs. So wie heute auch. Ich machte Cora von der Leine los, als wir den Wald betraten und ließ sie frei laufen. Sie lief nie sehr weit von mir weg. Vielleicht auch, weil sie mehr Angst im dunklen Wald hatte als ich. Sollte sie mich nicht eigentlich beschützen? Ich mochte Cora jedoch so, wie sie war. Mein kleiner Angsthase. Damals durfte ich mir einen Hund aussuchen. Ich entschied mich für sie, weil sie sofort zu mir gerannt kam und mich nicht mehr gehen lassen wollte und ich habe niemals meine Entscheidung bereut. Ich warf einen Stock und schaute ihr fröhlich beim tollen zu. Doch dann lenkte mich etwas ab. Das Knacken eines Astes. Eigentlich nichts Besonderes in einem Wald. Aber irgendwie störte es mich. Vögel flogen aus den Baumkronen über mir hinweg und krächzten laut. Dann glaubte ich Schritte hinter mir zu hören und auch eine Art Knurren. Ich drehte mich um, doch dort war nichts. Als ich mich wieder zurückdrehte war auch Cora nicht mehr da. Wo war sie nur hin? Nein, das konnte jetzt nicht wahr sein! „Cora! Cora, hier her!. Cora!“ Langsam geriet ich in Panik. Ich rannte in die Richtung, wo sie eben noch gestanden hatte. Zum Glück hatte es mittags geregnet und der Boden hier im Wald war noch schlammig. Die Spuren von Cora konnte ich nun problemlos verfolgen. Sie führten immer tiefer in den Wald hinein. Ich blieb am Unterholz hängen, Äste schnitten mir in die Haut, aber all das merkte ich nicht wirklich. Cora war im Moment das Wichtigste und ich musste sie unbedingt finden. Plötzlich sah ich sie auf der Lichtung, die sich vor mir auftat. Und sie war nicht alleine. Neben ihr stand ein Mann. Er war ganz in schwarz gekleidet, seine Haut war sehr hell und er war so Mitte dreißig. Seine kohlrabenschwarzen Haare waren nach hinten gekämmt und zu einem kurzen Zopf zusammengebunden. Ein paar Strähnen hatten sich bereits daraus gelöst. Der Mann hatte etwas Unheimliches an sich und eigentlich wollte ich nur schnell umdrehen und nachhause rennen. Aber nicht ohne Cora. Das Gesicht des Mannes zeigte keinerlei Regung und blieb ausdruckslos. Die Sonne verschwand immer mehr hinter dem Horizont. Die Abenddämmerung ging zu Ende und die Nacht brach herein. Mein Atem bildete kleine weiße Wolken vor meinem Gesicht und die Temperatur sank merklich, so dass ich zu frösteln begann. Mir lief ein zusätzlicher kalter Schauer den Rücken hinab. Ich wusste zwar, dass es keine gute Idee war, aber ich musste einfach Cora wiederhaben. Also näherte ich mich dem Unbekannten.

„Hallo. Ähm, tut mir leid, falls mein Hund sie belästigt hat. Ich hoffe, sie hat sie nicht gestört.“ Ich verfluchte meine zittrige Stimme.

„Cora, komm hier her und lass den Mann in Ruhe!“

Sie bewegte sich jedoch nicht, so dass ich gezwungen war, weitere Schritte auf sie zu zugehen.

„Cora! Hier!.“ Immer noch nichts. Sie war wie versteinert. Ich stand noch wenige Meter entfernt und konnte den Mann nun deutlich besser erkennen. Er hatte ein junges Gesicht mit einer Narbe auf der linken Wangenseite. Seine pechschwarzen Haare gingen ihm bis zu seinen Schultern, zumindest die vereinzelten Strähnen. Seine Haut bildete zu seinem Haar und der dunklen Kleidung einen unglaublichen Kontrast, als würde er leuchten. Seine Lippen umspielte ein bösartiges Lächeln, was bald zu einer Art Grimasse wurde. Doch das wirklich beängstigende waren seine Augen. Sie waren blutrot, als würden sie glühen. Cora erwachte aus ihrer Starre und flüchtete in den Wald. Ich jedoch war nur fähig, einige Schritte zurückzugehen. Als der Fremde nun noch breiter grinste, blitzten im schwachen Mondlicht lange weiße Eckzähne hervor. Mit einmal wurde mir bewusst, in welche Lage ich da geraten war und mir wurde auch bewusst, wen oder besser, was ich da vor mir hatte.

Einen Vampir!