0. Vendelas Geburt
[Frühjahr 550 im Dorf Seōn]
Es war ein schöner Frühlingstag. Die Vögel zwitscherten, die Überreste des Winterschnees glitzerten in den warmen Sonnenstrahlen und das eine oder andere Maiglöckchen kämpfte sich durch den Schnee. Der Tag war noch jung und doch waren schon viele Bewohner von Seōn draußen. Das Dorf war klein und gab einem das Gefühl von Heimat. Die Bäckerin backte fröhlich summend ihre Brote. Die Jäger brachen auf, um auch heute wieder Fleisch auf den Teller ihrer Familien zu bringen. Die Bauern kümmerten sich um die Felder und die Kirchlichen waren am Beten.
Doch auch wenn in dem ganzen Dorf der Alltag im vollen Gange war, so blieb es auf einem Feld ruhig. Die Bäuerin lag schreiend in ihrem Bett, die Hand ihres Mannes haltend.
„Haltet noch ein wenig durch, es kommt gleich“, sprach ihr der einzige Arzt des Dorfes beruhigend zu. Er war ein alter Priester des erhabenen Gottes Ebos und auf dessen Geheiß vor rund 50 Jahren nach Seōn gekommen. Dass diese Situation der Grund war, dass er in dieses Dorf kommen sollte, wusste er jedoch nicht. Denn Ebos’ Gedanken waren für das menschliche Bewusstsein nicht zu erfassen.
Die beruhigenden Worte kamen bei der Bäuerin jedoch kaum an. Sie war in einem Strudel von Schmerzen und Qualen gefangen, welche weitaus stärker waren als die täglichen Anstrengungen auf dem Feld. Die Wehen hatten erst vor einer Stunde begonnen und doch war sie schweißgebadet. Ihre Gedanken sprangen zwischen ihrem Mann und den Schmerzen hin und her. Der einzige Halt gab ihr die Hand ihres Mannes, welche sie mit ihrer bäuerlichen Kraft halb zerdrückte. Wäre er nicht selbst als Bauer tätig, was ihm stärkere Hände als anderen einbrachte, wären diese nun nicht mehr zu gebrauchen.
Die Wehen wurden etwas schwächer und vermittelten den Anschein, es sei vorbei, doch der Priester wusste es besser. Er hatte schon viele unterschiedliche Geburten miterlebt, davon auch mehrere in diesem Dorf. Auch wenn der Mann und die Bäuerin kurz aufgeatmet hatten, konnte sich der Priester diese Pause nicht geben.
Ein paar Augenblicke war es so ruhig, dass man das Atmen jeder einzelnen Person hören konnte. Doch nach dieser kurzen Pause fing es wieder an. Erst ein wenig, dann aber immer stärker. Ein Geräusch, welches wie ein Wimmern und Schreien zugleich klang. Die Bäuerin verkrampfte sich sichtlich, als sie eine neue und stärkere Welle des Schmerzes überkam.
Jetzt ist es so weit, ging es dem Priester durch den Kopf, welcher auf dieses Zeichen gewartet hatte.
Während die Frau sich verkrampfte und die Sorge ihres Mannes stieg, sah der Priester einen kleinen Kopf, der sich den Weg ins Licht bahnte. Bis zu den Schultern ging es langsam voran, doch danach kam das Kind schneller, als man den Namen Gottes hätte sagen können.
Das Wimmern der Frau flachte etwas ab. Es wäre selbst einem Kind aufgefallen, wie verausgabt sie war. Doch bis zur Ruhe mussten sich alle noch etwas gedulden, denn der Schrei des Babys füllte nun den Raum, die eigene Mutter übertönend. Der Priester, welcher das Kind aufgefangen hatte, trug es behutsam zur Bäuerin und legte es ihr in den Arm. Den Schmerz und die Qualen der letzten Stunde, wie weggeblasen, nahm sie es erschöpft entgegen und ein Lächeln zierte ihr Gesicht.
„Ab heute sollst du Vendela heißen“





![The Moon's Weapon : the cursed mate [ MOVING TO GALATEA]](https://cdn-gcs.inkitt.com/vertical_storycovers/ipad_123f31099804e79c6de11657975bcaae.jpg)


