Sturmgeboren - The enchanted Kingdom

All Rights Reserved ©

Summary

Seraphina Turner wird sechs Monate nach dem Verschwinden ihrer Mutter in eine Welt gezogen, die anders nicht hätte sein können. Nach ihrer Ankunft wird sie von Bauern an die königliche Armee übergeben, welche sie auf direktem Weg zum König bringen soll. Dabei verliert sich Seraphina immer mehr in der fremden Welt und den starken Armen des Generals Jasper Frost. Als dann auch noch der attraktive Prinz Rowan in ihr neues Leben tritt und sie vor eine schwierige Wahl stellt, will sie nur noch nach Hause. Bis der Weg zu ihrer Welt jedoch erneut sich öffnet und der Sternenmond am Himmel scheint, vergeht eine lange Zeit, die Seraphinas Entscheidung erschwert.

Status
Excerpt
Chapters
7
Rating
n/a
Age Rating
16+

Kapitel 1

Kapitel 1

Ihre Hand zitterte, als sie die kalte Türklinke berührte und hinunter drückte. Schon lange hatte sie diesen Bereich des Gebäudes nicht mehr betreten. Genau genommen seit dem Verschwinden ihrer Mutter nicht mehr. Es war nun fast ein halbes Jahr her und noch immer gab es keine Spur von ihr. Die Polizei hatte die Suche längst aufgegeben und Fiona Turner blieb verschwunden.

Seit dem Schicksalhaften Tag war Seraphina Turner nicht mehr in der Bibliothek des großen Hauses gewesen, in dem ihre Familie seit Jahrhunderten lebte, von Generation zu Generation weitervererbt. So knarrte auch die alte Holztür, als Seraphina diese mit ihrem ganzen Gewicht aufdrückte.

Im Raum dahinter war es kalt und dunkel. Die Vorhänge waren noch zugezogen und kein Licht schien durch die großen Spiegelfenster in die Bibliothek. Die Bücher waren alt und verstaubt und die ledernen Buchrücken wiesen keine Titel auf.


Schon früher hatte Serafina die Bibliothek bewundert, mit ihrer Vielfalt an Büchern und den Geschichten, die ihr nicht so fremd waren, wie sie glaubte.

Denn früher hat ihre Mutter ihr jeden Abend zum Einschlafen eine der alten Geschichten vorgelesen, welche in den Büchern niedergeschrieben waren.


Doch diese Zeit war längst vorbei, denn ihre Mutter war verschwunden und sie allein. Vielleicht nicht ganz allein, denn ihr Vater lebt noch mit ihr im Haus.

Seit dem Verschwinden ihrer Mutter arbeitet er nur noch, um seltener zu Hause zu sein und den Erinnerungen zu entkommen.

Seraphina fröstelte und eine Gänsehaut zog sich über ihre Arme und ihren Rücken. Eilig lief sie zu den Fenstern und zog die Vorhänge auf, um das warme Licht der Sonne hineinzulassen. Sofort wirbelte Staub durch die Luft und glitzerte in den warmen Sonnenstrahlen.


Die Spiegelung der Fensterscheibe ließ auch den Boden leuchten.

Ein kleiner Regenbogen zeichnete sich auf den dunklen Holzdielen ab. Der Raum hatte seinen Charme, seinen ganz persönlichen Charme. Doch irgendetwas hielt Seraphina davon ab, zu den Regalen der Bücher zu gehen und eines herauszunehmen. Langsam strich sie mit ihren Fingern über das verstaubte Fensterbrett und hinterließ im Weiß dunkle Spuren. Etwas war anders, nicht nur in dem Raum, sondern in der ganzen Atmosphäre. Es hatte sich verändert. Früher füllte fröhliches Kinderkreischen die große Halle. Früher erfüllten die Geschichten ihrer Mutter, ihre sanfte und liebevolle Stimme, die Luft. Doch heute war es kalt, still und zu ruhig.


Vielleicht lag es nur an ihr, dass sie diese Veränderung bemerkte. Vielleicht war es aber auch ganz offensichtlich. So sehr wünschte sie sich die Vergangenheit herbei. Sie wollte wieder ein Kind sein.

Doch dies war nur ein Traum. Ein Traum, vielleicht nur Erinnerungen oder ein Wunsch tief in ihrem Herzen. Mit ihren 18 Jahren war Seraphina jedoch kein Kind mehr. Obwohl sie sich manchmal so sehr in die Vergangenheit wünschte, dass es ihr schon schmerzhaft in der Brust drückte.


«Seraphina!», rief ihr Vater und die Stimme klang nur dumpf durch das dunkle Holz der schweren Tür. Im Haus war es ruhig und ihr Vater schien gerade erst nach Hause gekommen zu sein.

Sonst hättest du ihn viel früher bemerkt.

Schließlich ging sie doch noch zu den Reihen der Bücher, die Regale füllten die gesamte Wand bis zur Decke hinauf, und nahm sich ein beliebiges heraus. Ohne auf den Titel zu achten, klemmte sie es sich unter den Arm und lief aus der Bibliothek. Später würde sie sich das Buch ansehen. Vielleicht tief in der Nacht, wenn sie wieder einmal kein Auge zutat, da schreckliche Albträume ihr den Schlaf nahmen und sie nicht zur Ruhe kommen ließen.


«Ich bin hier, Vater!», rief sie durchs Haus und nahm bei den Treppen zwei Stufen auf einmal, um ihn zu begrüßen. Es war seltener geworden, dass sie ihn sah.


«Wie war die Arbeit?» fragte Seraphina höflich, so wie sie aufgezogen worden war. Obwohl ihr Smalltalk nicht so lag und ein Gespräch mit ihrem Vater sich anfühlte, als würde sie sich mit einem Fremden unterhalten, versuchte sie zu lächeln, obwohl ihr nach allem andereb als das zumute war.


«Ganz gut, mein Liebling. Stressig, aber gut.»

Auch Arthur Turner versuchte sich an einem Lächeln, obwohl Serafina das Gezwungen in seinen Augen sah. Auch das Lächeln erreichte seine Augen nicht. Sie waren kalt wie Eis, kalt wie sie seit sechs Monaten waren.


Seine Augen waren blau, früher blau wie der Himmel, heute blau wie das eiskalte Wasser eines Gletschers. Seraphina hat diese Augen von ihrem Vater geerbt.

Nur bei ihr war der Unterschied, dass ihre Augen noch heute aussahen wie ein sturmbedeckter Himmel. Unruhig und unergründlich.

Hätte sie die Augen ihrer Mutter, hätte sie ein sanftes Braun erhalten. Seraphinas Haare allerdings waren weiß wie der Schnee. Dieses Merkmal hatte sie von keinem ihrer Eltern erhalten. Ihre Mutter erzählt oft Geschichten von ihrer Großmutter, die Seraphina nie kennenlernen durfte, welche ebenso schneeweißes Haar in ihrer Jugend hatte.

Doch sobald Serafina mehr über ihre Familiengeschichte erfahren wollte, verschloss sich ihre Mutter und auch ihr Vater ging ihr aus dem Weg. Sie verstand es damals nicht und hatte zu einem Zeitpunkt aufgehört Fragen zu stellen.


Als das Schweigen zwischen ihrem Vater und ihr noch unangenehmer wurde, verabschiedete sich Seraphina knapp und ging die Treppen eilig wieder hinauf, gerade so, dass es nicht den Anschein machte, dass sie flüchtete. In ihrem Zimmer im zweiten Stockwerk angekommen, schloss sie die Tür hinter sich, warf das Buch auf den Schreibtisch und sie selbst auf das Bett. Mit ausgebreiteten Armen auf den Rücken liegend, starrte sie an die weiße Decke.

Oftmals hielf ihr das, ihr Gedanken zu ordnen. Doch heute nicht. Ihr Gedanken wirbelten durch ihren Kopf und hinterließen ein pures Chaos. Deshalb drehte Seraphina ihren Kopf nach links, bis sie durch das große Fenster blickte, welches hinaus in den Garten zeigte und den Wald dahinter. Sie liebte diese Aussicht, war früher stundenlang in der Natur unterwegs, kletterte auf Bäume, rannte durch den kleinen Bach mit nackten Füßen, um im Sommer eine Erfrischung zu genießen.


Doch auch das hatte sich in ihrem Leben verändert. Insgesamt gab es viele Veränderungen, die sie sich selbst nicht erklären konnte. Doch die größte davon, war das Verschwinden ihrer Mutter. Sie vermisste sie so schrecklich. Eine einzelne Träne rann ihr über die Wange und fiel auf die weiße Bettdecke.

Seraphinas Blick schweifen weiter und blieb an dem Buch hängen. Mit einer flinken Bewegung kletterte sie vom Bett und erreichte das Buch, nahm es in die Hand und blickte auf den Titel. Serafina schmunzelte, als sie ihn sah. Es war eines ihrer Lieblingsgeschichten aus ihrer Kindheit. Unzählige Male hatte sie dieses gelesen oder von ihrer Mutter vorgelesen bekommen. Unzählige Male hatte sie sich in den Welten dieser fantasierreichen Geschichte verloren.


Doch ihr war klar, dass alles nur Fantasie war, dass es nie Wirklichkeit werden würde und genau das machte sie traurig. Anstatt das Buch zu lesen, wandte sie sich wieder ab, ließ es auf ihren Schreibtisch zurückfallen und legte sich zurück auf ihr Bett.


Sanft lächelte Serafina, als sie den grauen Karzer sah, welcher in ihr Zimmer lief. Er miaute, als er sie sah, und kam fröhlich auf sie zugetapst. Er sprang auf das Bett und ließ sich neben sie fallen. Serafina begann, den großen Kopf zu streicheln, und eilte lauschte auf das Laute Schnurren.

Es beruhigt sie und so schlossen sich ihre Augen wie von alleine und sie begrüßte die Dunkelheit hinter ihren geschlossenen Augenlidern.