Zustellung erfolgt
Angespannt schaue ich auf mein Handy. „Noch immer keine Benachrichtigung!“ Wenn ich doch nur wüsste wann mein Paket endlich eintrifft! Ich freue mich auf dieses Paket wie ein kleiner Junge auf die Bescherung an Weihnachten. Kochen ist meine große Leidenschaft. Seit ich von zu Hause ausgezogen bin schwinge ich den Kochlöffel. Erst habe ich mich an einfachen Gerichten versucht und mit der Zeit habe ich immer mehr Erfahrungen gesammelt. Kochen ist wie Sex: Man kann alles ausprobieren und muß dann selbst entscheiden was einem schmeckt… Momentan schmurgelt auf dem Herd eine Bolognesesoße für mein Abendessen vor sich hin. Ich koche immer etwas mehr, dann gibt es die nächsten Tage französisches Essen: "Res-té"! „Morgen mache ich mir aus der restlichen Sauce eine Lasagne!“, beschließe ich. „Oder doch besser Pastitsio?“ Ich werde das spontan entscheiden...
Vorgestern habe ich mir ein paar neue Küchengadgets bestellt: Ein Santokumesser, neue Schneidbretter und einen Rollenschärfer. „Scharf ist immer gut…“ Schon wieder schaue ich auf mein Handy. In der Sendungsbenachrichtigung steht: „Lieferung zwischen 14:00 und 16:00 Uhr.“ Haben die kein genaues Tracking mit so einem lustigen Zustellauto, das über eine fiktive Straßenkarte auf meinem Handydisplay fährt? Aufgeregt schaue ich aus dem Fenster. Mein Wohnzimmerfenster biete mir einen direkten Blick auf die Zufahrtsstraße zum Wohngebiet. Hier muß das Auto des Paketdienstes vorbeifahren. Ich werde es sehen und dann…
DING DONG!
„Es ist da! Es hat an meiner Haustür geklingelt und gleich wird mir der Paketbote mein Paket überreichen!“ Mit einem Panthersatz springe ich von der Couch und eile zur Haustür. Nur noch wenige Sekunden trennen mich von meinen neuen Big-Boys-Toys! Ich drücke die Türklinke herunter und ziehe die Tür langsam auf.
„Ihr Paket!“, ertönt eine charmante Stimme.
Vor meiner Haustür steht eine attraktive junge Frau Mitte zwanzig, die mich mit ihren strahlenden blauen Augen ansieht. Ihr schulterlanges, lila gefärbtes Haar umrahmt ihr charmantes Gesicht, aus dessen Mitte sich keck eine Stupsnase erhebt die mit ein paar zarten Sommersprossen verziert ist. Sie trägt ein weißes Poloshirt mit der Aufschrift des Paketzustellers. Ihre langen Beine stecken in hautengen Jeans, die, von einem schwarzen Ledergürtel gehalten, ihre weibliche Körperform noch betonen und ihren Body voll zur Geltung bringen.
Wie elektrisiert stehe ich in der Tür. Unsere Blicke treffen sich für einen Sekundenbruchteil, doch mir kommt es wie eine Ewigkeit vor. In ihrem Gesicht macht sich ein leichtes Grinsen breit. Ihre Ausstrahlung zieht mich sofort in Ihren Bann: Sie wirkt sowohl sinnlich als auch verspielt und unbeschwert.
„Ja... Ja, danke!“, stammele ich.
Sie hält mir einen elektronischen Kasten hin, auf dem ich den Paketempfang quittieren soll. Ich schubse mein Paket etwas zur Seite, damit ich aus der Tür heraustreten kann. Als ich mich ihr etwas nähere trägt eine sanfte Windböe etwas von Ihrem Körperduft zu mir herüber. Ein Bouquet weißer Blüten vereint mit Jasmin und Rose verzaubert meine Nase wobei ein Hauch von Ambra ihrem Geruch eine tiefe Sinnlichkeit verleiht.
„Eine Unterschrift bitte!“
Zitternd quittierte ich den Paketempfang. Ganz unauffällig mustern mich ihre Blicke von oben bis unten. Ich habe mich nicht rasiert. Ich sehe aus wie ein Seeräuber! Letztendlich scheint sie das nicht zu interessieren, denn ihre Blicke wandern in Richtung meines Hinterteils.
„Danke!“
Sie nimmt den elektronischen Kasten wieder an sich. Aus meiner leicht vorgebückten Haltung versuche ich mich wieder aufzurichten. Mit Erschrecken muß ich feststellen, daß die Anwesenheit dieser Götterbotin einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat. Falsch! Eigentlich ist es kein Eindruck, sondern ganz im Gegenteil: Es ist eine leichte Ausbeulung und zwar genau in der Mitte meiner Hose! Ihr Grinsen wird breiter. Viel breiter! Auch ihr ist nicht entgangen, daß ich mich ihrem Bann nicht entziehen kann und mein Körper gerade ein wenig verrücktspielt.
„Ich muß wieder los.“
„Und ich muß mich um mein Abendessen kümmern.“
„Ist daß das, was hier so gut riecht?“
Erst jetzt bemerke ich, daß der ganze Küchengeruch zur Haustür gezogen ist und mittlerweile die Luft am Hauseingang mit dem Duft hausgemachter Bolognesesoße geschwängert hat.
„Ja. Heute gibt es Spaghetti Bolognese.“
„Mein Lieblingsgericht!“, jauchzte sie entzückt auf.
„Meins auch…“
„Kochst du immer für dich alleine?“
„Ja, und du?“
„Ich kann nicht kochen. Dafür kann ich andere Sachen viel besser…!“
Ihr Lächeln verspricht mir Abenteuer und Vergnügen und ihre Augen funkeln mit Neugier an. Mich würde brennend interessieren was diese anderen Sachen sind, die sie besser kann. Aber wie soll ich sie dazu überreden zu mir in die Wohnung zu kommen? Andererseits… Bei der Vorlage die sie mir gerade eben geliefert hat scheint sie ganz genau zu wissen was sie will.
„Hättest du Lust heute Abend auf eine Portion Spaghetti Bolognese zu mir zu kommen? Ich möchte dich gerne näher kennenlernen.“
„Um halb acht?“
„Geht klar!“
„Ich weiß ja jetzt, wo ich klingeln muß…“
Sie zwinkerte mir zu und machte sich auf den Weg zurück zu ihrem Lieferwagen. „Ich heiße übrigens Sabine!“
„Stefan. Ich heiße Stefan!“ stottere ich unbeholfen.
„Ich weiß. Das stand ja auch ganz groß auf deinem Paket drauf…“
Als sie in den Lieferwagen einsteigt hatte sie mein Herz bereits mit ihrer sinnlichen Anziehungskraft in ihren Bann gezogen.
„Ich überlege mir dann noch etwas für den Nachtisch!“ rief sie mir durch das offenen Seitenfenster zu und fuhr los.
Mit Wehmut winke ihr nach als sie die Straße entlangfährt und schon jetzt sehne ich mich danach, sie baldmöglichst wieder zu sehen.