Cursed - Estelle & Mirak

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Summary

»Du bist verflucht.« »Du wirst uns allen den Untergang bringen.« »Verschwinde von hier und komm nie wieder!« Die Menschen haben Angst. Angst, vor allem das sie nicht verstehen können. Hexen, Elfen, Dämonen und anderen Wesen. Doch genau sie sind es, die mitten unter ihnen leben. Die das Licht der Welt in ihren Reihen erblicken. Und die, die am meisten missverstanden werden. - Kurzgeschichte, 1290 Wörter -

Genre
Fantasy/Romance
Author
Nova
Status
Complete
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
13+

1. Kapitel

Es war ein dunkler, nebelverhangener Herbstabend, als Estelle durch den Wald lief. Ihr Blick schweifte dabei immer wieder zu dem Dorf, das am Waldrand lag und in dem ihre Vergangenheit lag, in dem sie aufgewachsen war.


Als sich bei ihr die Veranlagung einer Hexe gezeigt hatte, musste sie fliehen. Weit konnte sie jedoch nicht gehen, das verbot ihr ihr Herz. Darum war sie in dem nahe gelegenen Wald geblieben und fristete nun das einsame Leben einer verfluchten, einer Hexe.


Es gab in dieser Welt vieles, dass die einfachen Menschen fürchteten, das jedoch mitten unter ihnen lauerte, in ihren Reihen das Licht der Welt erblickte. Hexen konnten da noch das kleinste Übel sein.


»Wer bist du?«, erklang eine Stimme neben der jungen Frau. Ihr Blick fand sofort den Sprecher, einen jungen Menschen. Ein Mensch spricht mit mir? Das ist neu, dachte sie verächtlich. Normalerweise suchte jeder bei ihrem Anblick sofort das weite oder versuchte, wenn er besonders leichtsinnig war, sie zu töten.


Doch irgendwas musste anders an diesem Jungen sein, denn er tat nichts davon. Dennoch schien ihm ihre Musterung unangenehm zu sein, denn er zog eingeschüchtert den Kopf ein.


Als auch ihr gegenüber gemerkt hatte, dass sie nicht auf seine Frage antworten würde, setzte er erneut an. »Könnten sie mir für diese Nacht einen Schlafplatz gewähren?«


Gute Manieren hat er ja, aber er ist zu frech. Als Estelle jedoch in seine Augen sah, entdeckte sie dort einen Schmerz und eine Weisheit die man nur bekam, wenn man zu früh der Kindheit entrissen worden war.


Und irgendwie erinnerte er sie dadurch an sich selbst. Ihre wahre Natur hatte sich mit 14 gezeigt und so war dies das Alter gewesen, in dem sie hatte erwachsen werden müssen.


»Ja«, sagte sie daher knapp und lief dann weiter, nicht darauf achtend ob er ihr folgte, oder nicht. Kurz darauf hörte sie jedoch seine Schritte und sah seinen braunen Haarschopf neben sich.


>>><<<


»Da sind wir« Estelle öffnete die Tür ihres Hauses - gut, Haus war vielleicht übertrieben. Kleine Hütte aus zwei Bäumen traf es eher.


Damals hatte sie Glück im Unglück gehabt und war eine Waldhexe geworden. So konnte sie die Lebewesen des Waldes beeinflussen und, wie in diesem Fall, die Bäume dazu überreden sich für sie zu einem Haus zu verschlingen.


Als die Hexe sich umdrehte sah sie, dass der junge Mann ein paar Schritte vor ihrem Zuhause stehen geblieben war und es mit offenem Mund anstarrte.


»Du siehst aus, als hättest du noch nie Bäume gesehen«, bemerkte Estelle trocken. »Und nun komm her, oder brauchst du doch keinen Schlafplatz mehr?« Sie fing gar nicht erst damit an ihn zu siezen, wer in ihrem Haus schlief wurde geduzt, ob er wollte oder nicht.


»Ich komme schon« Hastig lief er zu ihr und durch die offene Tür. Direkt dahinter blieb er jedoch stehen und drehte sich zu ihr um. »Ich weiß noch gar nicht wie sie heißen.« Er ließ seinen Blick kurz an ihr hoch und runter wandern, dann fügte er verlegen hinzu: »Und was sie sind.«


Estelle ignorierte ihn erstmal und lief an ihm vorbei in ihr Wohnzimmer. Dort angekommen drehte sie sich schließlich zu ihm um. »Mein Name ist Estelle und ich bin eine Hexe.«


Sein Gesicht blieb ausdruckslos, was ihre Vermutung bestätigte, dass er ebenfalls kein gewöhnlicher Mensch war. »Nun bist du an der Reihe. Wer und was bist du? Und hör auf mich zu siezen.«


Der fremde Mann schluckte kaum merklich, dann beantwortete er jedoch ihre Fragen. »Mein Name ist Mirak und ich bin ein Elf.« Er studierte eindringlich ihr Gesicht, entdeckte jedoch nicht was er suchte, was ihn sichtlich erleichterte.


Elfen wurde meist Abscheu oder Angst entgegen gebracht, denn sie galten als unberechenbar und hinterlistig, die Schlimmsten von allen.


Doch da Estelle selber zu den angeblich bösen - sie selbst hatte früher geglaubt, dass die Erzählungen der Menschen stimmten - Wesen gehörte, konnte ihr diese Wahrheit keine Angst einjagen.


»Meine Frage war nicht, was du bist. Sondern wer du bist«, flüsterte Estelle. Entweder bemerkte Mirak es nicht, oder er ignorierte es. Für sie war es in Ordnung, sie würde schon noch erfahren, wer er war, sie musste nur geduldig sein.


>>><<<


Zwei Wochen später war Mirak immer noch da. Estelle hatte es nicht übers Herz gebracht, ihn am nächsten Tag vor die Tür zu setzten und er schien froh zu sein, bleiben zu können.


Mittlerweile wusste sie, wer er war.

Er war ganz anders, als es die Erzählungen behaupteten. Mirak war freundlich und hatte einen ausgeprägten Sinn für Humor, war jedoch gleichzeitig zurückhaltend.


Die Hexe fühlte sich wohl in seiner Nähe und er sich in ihrer. Ob das was sie empfand Liebe war, konnte sie nicht sagen.Estelle wusste nicht, wie sich Liebe anfühlte, war noch nie verliebt gewesen.


Die Beiden hatten es sich gerade gemütlich gemacht, da klopfte es an ihrer Tür. Sofort versteifte Mirak sich und auch sie war beunruhigt, ließ es sich jedoch nicht anmerken.


Es war noch nie jemand zu ihrem Zuhause im Wald gekommen, Mirak war der Erste gewesen und sie hatte gedacht, dass er auch der Letzte sein würde.


»Ich geh schon«, bot er an und stand auf. »Ich komme mit«, erwiderte Estelle sofort scharf und erhob sich ebenfalls. Nebeneinander stehend öffneten sie die Tür.


Und erblickten eine ganze Horde wütender Dorfbewohner. »Was tut ihr hier?«, herrschte Estelle sie an. Sie gehörten nicht in den Wald, so wie sie nicht mehr ins Dorf gehörte.


»Wir sind wegen ihm hier« Ein dicker Mann deutete mit seinem Finger auf Mirak. »Eine Hexe so nah bei uns ist schon schlimm genug, aber auch noch ein Elf, dass geht zu weit.«


Ein anderer erhob ebenfalls die Stimme: »Wenn er stirbt, kannst du bleiben. Anderenfalls...« Er führte den Satz nicht zu Ende, es wusste ohnehin jeder was gemeint war. Anderenfalls würden sie beide sterben müssen.


Estelle schaute dem Sprecher hasserfüllt in die Augen und erkannte ihren Vater. Erinnerungen an ihre Vergangenheit wirbelten ihr durch den Kopf und lenkten sie ab, sie schaffte es jedoch sie wieder zu verdrängen.


Stattdessen schaute sie Mirak in die Augen. Sie mochte ihre Geburtsfamilie verloren haben, doch sie hatte in ihm eine neue gewonnen, das wurde ihr in diesem Moment klar.


Er nickte ihr kurz zu, dann rannten die Beiden los. Sie stieß dem ersten Menschen ihren Ellenbogen ins Gesicht und duckte sich unter einem Schlag eines weiteren hindurch.


Es war abends und da sie Ende Herbst hatten, war es bereits dunkel, einzig der Mond spendete Licht. Wenn sie in die Bäume eintauchen könnten, wären sie sicher, das wusste Estelle.


Da blitze plötzlich Metall in ihrem Augenwinkel auf. Jemand warf ein Messer nach Mirak, der nur wenige Schritte von ihr entfernt war.

Estelle handelte instinktiv und warf sich vor ihn.


Sie würde für ihn sterben und wenn das Liebe war, dann liebte sie den jungen Elf, das wusste sie.


Das Messer traf sie mitten in der Brust. Mit einem dumpfen Schlaf kam Estelle auf dem Boden auf. Blut strömte aus der Wunde und färbte den Waldboden um sie herum rot.


»Nein« Miraks Augen waren vor Entsetzen weit aufgerissen. Sie wollte ihm sagen, dass sie sich in seine idiotische Vornehmheit verliebt hatte, dass sie es nicht hätte ertragen können wenn er starb.


Doch für all die Worte war es zu spät. »Flieh«, war das einzige, dass sie noch über die Lippen brachte. Unendliche Trauer lag in seinem Blick, als er ihr das letzte Mal in die Augen sah.


Dann drehte er sich um und floh in den Wald, während ihre Sicht verschwamm.

Sie hätte niemals geglaubt dass sie, eine stoische Waldhexe, sich je verlieben würde und das dieser jemand die Liebe auch noch erwidern würde.


Dann war ihre Zeit gekommen. Das letzte was sie hörte war der Lärm der Dorfbewohner, dass letzte an das sie dachte war Miraks Gesicht.