Sacrifices
Der Staub von Thanos Armee brannte in unseren Lungen.
Ich konnte sehen, wie unsere Kampfgefährten sich nach und nach erschöpft auf den Boden oder nahegelegte Ruinenstücke niederliessen.
Jeder einzelne erschöpft bis über die physischen und psychischen Grenzen hinaus.
Gewonnen.
Wir hatten gewonnen, doch um welchen Preis?
Wer hatte das letzte Opfer gebracht?
Ich wusste, Bruce Banner, oder besser das Mischwesen aus Hulk und Bruce hatte sich freiwillig bereiterklärt, sich den alles ultimativ zerstörerischen Gammastrahlen erneut auszusetzten.
Auch wenn es beim ersten Mal beinahe seinen Arm gekostet hatte.
Doch auch, wenn ich es nicht gerne zugebe...
Er war der Einzige, der auch nur den Hauch einer Chance hatte, diese Strahlung zu überleben.
Tony hatte jeden Versuch meinerseits strikt und vehement abgelehnt, den Handschuh zu nehmen.
Egal mit welchem Argument ich versucht hatte, ihn von der Richtigkeit meines Vorhabens zu überzeugen, seine Antwort war stets ein klares und endgültiges Nein.
Doch in dem Moment, wo mir klar wurde, warum er mein Angebot abgelehnt hatte, wünschte ich mir aus tiefstem Herzen, ich hätte nicht auf ihn gehört.
Mit großer Irritation sehe ich den Hulk hinter mir aufstehen.
Eine eisige Vorahnung erfasst mich, als ich den Kopf drehe und den entsetzten Blicken meiner Kampfgefährten und Teammitgliedern folgte.
Tony.
In einer halbzerstörten Rüstung, die Hälfte seines Gesichtes und seines Körpers verbrannt und von Blut und Asche verschmiert, lehnt er an einem Wrackteil und scheint nur durch bloßem Willen noch den Funken Leben festzuhalten, der ihm noch blieb.
Tony!
Ich will schreien, zu ihm rennen, doch alles, was mir noch bleibt, ist zuzusehen, wie Peter zu ihm rennt, sich vor ihn beugt und ihm sagt, dass wir gewonnen haben.
Gewonnen...
Gewonnen?!
Um welchen Preis?
Der Beste von uns stirbt nun auf diesem Schlachtfeld...
Ich spüre, wie jeder einzelne meiner Muskeln sich gegen die Bewegung sträubt.
Mein Körper zittert vor Krämpfen und Schmerzen und doch zwinge ich mich, zu dem sterbenden Mann zu wanken und vor ihm in die Knie zu gehen.
Peter sieht mich mit diesen fragenden, großen Teenageraugen an. Ich kann die Hoffnung in seinen Augen sehen, die Bitte etwas zu tun, doch was soll ich tun?
Ich bin kein Gott, kein Herrscher der Zeit oder... Arzt!
"Cap..."
Tonys Stimme ist nicht mehr als ein Hauch, als ich seine Hand nehme und er mich aus brechenden, kaum noch fokussierenden Augen ansieht.
"Ich bin hier, Tony...".
Tausend Gedanken rasen gleichzeitig durch meinen Kopf.
Und doch scheint alles gerade so weit weg, so unwichtig, denn vor mir liegt ein Mann im Sterben, den ich Freund nenne...
Und noch so vieles mehr.
Ich kann sehen, wie sich der Schatten eines dieser unvergleichlichen, spielerischen Lächeln auf die unverwundete Seite seines Gesichtes legt, bevor er die Augen kurz schliesst.
Panik kriecht meine Wirbelsäule hoch und alles in mir will schreien: "Tony, noch nicht... geh nicht! " Doch dann öffnen sich die blutunterlaufenen, braunen Augen erneut und er sieht mich an.
Ich beuge mich vor und höre, wie seine Stimme, kaum mehr als ein Atem, mir zu flüstert.
"Ich... Ich... Ich liebe dich... Tut mir leid, dass... dass ich erst…"
"Ich liebe dich auch, Tony", flüstere ich an seinen Lippen.
Das erste Mal in meinem Leben eingestehend, was ich immer für diesen Menschen empfunden, und doch so tief verborgen hatte.
Seine Augen richten sich träge auf mich, dann auf meine Lippen.
Ganz langsam beuge ich mich noch weiter vor, lege meine Lippen auf die blutverkrusteten, brüchigen Lippen vor mir.
Ich kann spüren, wie er ganz leicht den Kuss erwidert.
Doch dann, in dem Moment, wo ich meine Augen schließe und mich dieser bittersüßen Empfindung öffne, spüre ich, wie die Lippen aufhören sich zu bewegen.
Ich kann den Schauer spüren, der durch den Körper meines Freundes geht, und spüre den zarten Hauch seines letzten Atemzuges auf meinen Lippen.
Mein ganzer Körper wird steif.
Ich spüre keine Trauer, nur Leere.
Meine Lunge will den letzten kostbaren Atemzug des Mannes vor mir bewahren, will die Luft nicht entweichen lassen, die ich vor Sekundenbruchteilen an Tonys Lippen eingesogen habe, doch ich weiß, es ist unausweichlich.
Zitternd entgleitet mir Tonys letzter Atemzug und damit meine ganze Kraft.
Irgendwo ganz weit weg in meinem Bewusstsein, höre ich, wie jemand hinter mir meinen Namen nennt.
Ich spüre, wie jemand meine Schulter berührt, doch alles, was ich wahrnehme, ist das leichte, beinahe glückselige Lächeln auf Tonys Lippen, als sein Kopf leblos an meine Schulter sinkt.
Der schier unmenschliche Schrei einer verzweifelten Seele hallt über das Schlachtfeld.
Man wird später sagen, es war mein Schrei, doch ich erinner mich nicht daran, ihn ausgestoßen zu haben.
Das Gewicht der Rüstung und des Mannes darin, ist nichts im Vergleich zu der Leere in meinem Körper.
Ich hebe Tony auf meine Arme, registriere nicht einmal, dass das Blut aus der schweren Schwertwunde an meinem Handgelenk meinen Arm und meine Hand hinabtropft.
Tony muss hier weg.
Er verdient es, nicht an diesem Platz im Dreck zu liegen und zu ruhen...
Ich bringe ihn zu den Ruinen des Hauptquartiers.
Wie ein Zeichen, ragt das Logo der Avengers als ein einziger Brocken vor mir am Rand der Klippe.
Ich lege ihn auf das riesige A, streiche ihm die Strähnen aus dem Gesicht und betrachte seine unverwundete Seite.
Ruhe in Frieden.
Mein Freund
Mein Waffenbruder
Mein Herz...
Ich höre Stimmen hinter mir.
Einige warnend, andere bittend...
Mein Körper ist so müde... So schwer.
106 Jahre...
Zuviel Leid, zu viele Kämpfe.
Ich bin müde.
Mit einem tiefen Atemzug lege ich mich neben Tony, betrachte das Lächeln auf den Lippen, die sich langsam bläulich färben und lege meine Hand auf seine.
Sie ist kühl, im ganz im Gegensatz zu meiner, die sich seltsam fiebrig anfühlt.
"Steve...", höre ich Bucky flüstern.
Ich kann erkennen, wie er sich über mich beugt, mir in die Augen sieht und sehe, wie Tränen sich mit einem gequälten Lächeln mischen.
Eine warme Hand streicht mir durchs Gesicht.
"Ruh dich aus, mein Freund...", wispert er an meinem Ohr, lehnt seine Stirn an meine, dann fallen mir die Augen zu.
Ich bin so müde....
Mein Körper entspannt sich, als alle Last von mir zu fallen scheint.
Dann wird es ruhig um mich.
Friedlich...
Schließlich, als ich spüre, wie Wärme mich umfängt, höre ich eine mir so vertraute Stimme, dass ich lächeln muss.
Eine warme Hand wird mir entgegengestreckt und ich nehme sie gern...
Zusammen gehen wir dem Licht dort am Ende des Tunnels entgegen.
Wohl wissend, das Universum ist nun in guten Händen.
Wir haben es gerettet und übergeben es nun in die Hände der nächsten Generation.
Gemeinsam....
Bis wir uns alle einmal wieder sehen ...








