,,Klopf, Klopf"
In den tiefen Wäldern von West Virginia, abgeschottet von der Außenwelt, im Einklang mit dem rhythmischen Regenfall, finde ich mich in der Nacht in meinem Bett wieder. Ein Buch in der Hand, das mich in seine magische Welt entführt. Hinter dem Panoramafenster sehe ich die Blitze zucken und den Donner den Himmel erzittern lassen, während ich mich tiefer in die Seiten meines Romans vertiefe.
»Seine Finger glitten sanft durch ihr Haar wie ein zarter Windhauch, aber plötzlich umklammerte er es fest, als würde er nach den Schmerzen greifen, die ihn erregten. Seine Berührung war ein Tanz zwischen Zärtlichkeit und Gewalt, eine düstere Melodie, die ihre Sinne betäubte. In seinem Griff spürte sie die Macht, die er über sie ausübte, die Macht, die ihn erregte und sie zugleich erschauern ließ. Die Grenze zwischen Lust und Schmerz verschwamm in diesem Moment, als sein Verlangen nach Kontrolle und Dominanz auf sie übergriff. In seinem Blick lag eine Mischung aus Begierde und Dunkelheit, die sie gefangen nahm und in eine Welt führte, in der die Regeln der Vernunft und Moral keine Bedeutung mehr zu haben schienen. Seine Lippen trafen die ihren in einem leidenschaftlichen Kuss, der ihre Sinne verwirrte. Seine Zunge drang tief in sie ein, erstickte ihre Worte und ließ sie verstummen. In einem Akt der Macht und Dominanz riss er ihren Slip herunter und drang mit mehr als einem Finger in ihre Scheide ein, bis seine Hand zu einer Faust wurde, die sie gefangen hielt.« Die Geräusche der Natur verschmelzen mit den Worten auf dem Papier, und plötzlich spüre ich eine unheimliche Präsenz um mich herum, als ob die Figuren aus meinem Buch lebendig geworden sind. Ich lege mein Buch beiseite, lehne mich zurück und schließe die Augen. Jede Zeile erweckt Erregung in mir, meine Hand wandert wie immer zwischen meine Beine. Ich muss meine Hand gegen meine Scheide drücken, da sie unmöglich brennt. Als unerfahrene Person weiß ich jedoch nie, wie ich diese Flamme in mir löschen kann. So liege ich meistens in meinem Bett und streiche sanft an meinen Schamlippen, bis der Druck von allein verschwindet. Nachdem ich mich erhoben habe, begebe ich mich häufig nach unten in den großzügigen Wohnraum, wo ich mir in der offenen Küche ein Glas kaltes Wasser einschenke. Mein Name ist Amaya, 19 Jahre alt und die Tochter eines äußerst bekannten Geschäftsmannes. Als einziges Kind der Familie wurde ich in zurückhaltender Weise erzogen, weshalb es mir schwerfällt, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Zudem bin ich kein Stadtmensch, weshalb ich meinen Vater darum bat, mir eine Villa in West Virginia zu beschaffen.
Meine Tage verbringe ich damit, in die Welt meiner Romane einzutauchen, Geschichten zu lesen, für die ich einst in der Schule von meinen Mitmenschen verspottet und verurteilt wurde. Die Situation eskalierte sogar so weit, dass die Lehrer meine Eltern einschalten mussten, da sie sich um mich sorgten. Denn es sind Geschichten, wo Mörder und Serienkiller diejenigen sind, die sich auf bestialische Weise in ihre Opfer verlieben. Viele der Hauptfiguren erleben das Stockholm-Syndrom und führen dann ein gemeinsames glückliches Leben. Es ist zugleich beunruhigend und faszinierend zu beobachten, wie die Liebe über grausame Taten hinausgeht. Plötzlich spielt es keine Rolle mehr, ob der Mann der Täter ein Messer in die Scheide gesteckt hat, wie in einer meiner Lieblingsgeschichten “Sinner: The Devil Loves You”. Ich gehöre trotzdem zu den Menschen, die jegliche Straftaten verurteilen und vor jeglichem Konflikt zurückschrecken. Doch während ich diese Geschichten lese, erwacht in mir eine unerwartete Lust gegenüber dem fremden maskierten Unbekannten, der vor meiner Tür steht. Trotzdem zähle ich mich nicht zu denen, die einem Einbrecher die Tür offenhalten würden. Ich bin überzeugt, dass ich Fantasie und Realität klar voneinander unterscheiden kann. Und ich glaube, für die meisten Menschen geht es nicht darum, von einem Fremden überfallen zu werden, sondern von dem Typen, den man am Ende lieben wird. Es ist eine so paradoxale Sache.
Seit Wochen habe ich mich auf einer Plattform angemeldet, auf der ich anonym mit Menschen sprechen kann, die ihre Erfahrungen mit Büchern teilen. Es ist eine großartige Seite, denn dort erkenne ich, dass ich mit meinen Fantasien nicht allein bin. Auf dieser Plattform traf ich sogar eine Beamtin, die mir offenbarte, dass sie sich abends vorstellt, wie sie mit dem Mann in der Zelle Sex hat, den sie verhaftet hat. Als ich sie fragte, ob sie dieses Gefühl bei allen habe, lachte sie nur und sagte: “Nur bei den Gutaussehenden.”
Es ist immer faszinierend zu sehen, wie unterschiedlich Menschen denken.
Gerade setze ich mich auf die Couch und öffne die Website “Bücher für dunkle Seelen”. Mit meinem Nicknamen SadRose melde ich mich an. Da ich keine persönlichen Nachrichten habe, lese ich mir den öffentlichen Chat durch.
Tanja432: Ich bin traurig. Es ist wieder kein voll tätowierter, 1,90 Meter großer maskierter Typ bei mir eingebrochen. Was meint ihr, tut sich da noch was oder soll ich meinen Tanga ausziehen, in meine Schlafsachen schlüpfen und schlafen gehen?
Riri22: Lass die Tür offen und leg dich hin, Girl. Er muss erst zu mir kommen.
SugarMom1: Pass auf, dass nicht noch ein Gollum reinkommt, der auch noch humpelt.
Tanja432: Ich will doch nur jemanden, der meine Tür aufbricht, sich mit seinem erotischen Körper an mich schmiegt und mit der gruseligen Maske tief in meine Augen starrt. Ist das zu viel verlangt?
Tanja432: Ich würde auch seine Leichen im Keller übersehen.
BadIssues: Du tust mir so leid, dass ich mich gleich maskieren werde und bei dir einbreche. Nur habe ich leider keinen Penis.
Ich muss lächeln und kann mich nicht zurückhalten, auch etwas dazu zu schreiben.
SadRose: Wartet nicht umsonst. Er ist bei mir und denkt nicht daran zu gehen.
In der Stille der Nacht hallt ein gedämpftes Klopfen dreimal an der Tür wider. Die dumpfen Schläge durchdringen die Dunkelheit und lassen mein Herz vor Schreck schneller schlagen. Ein leises Wispern ertönt, und ich verlasse geräuschlos meinen Platz, meine Schritte gedämpft auf dem glatten Boden. Mein Blick fällt auf die Spiegelwand neben mir, die mein erschrockenes Spiegelbild zurückwirft.
Meine roten Locken, lang und wild, fallen wie Schlangen auf mein kurzes weißes Nachtkleid. Die Blässe meines Gesichts wird betont, nur meine Sommersprossen strahlen mutig hervor. Mit entblößten Füßen bewege ich mich vorsichtig über den gläsernen Boden, bis ich vor der Tür innehalte.
»Hallo?«, flüstert meine zitternde Stimme in die Stille. Keine Antwort, nur das erneute, langsame und düstere Klopfen der Person an der anderen Seite der Tür.
»Wer ist da?«, flüstere ich erneut, doch als Antwort erklingt nur das dreimalige Klopfen. Langsam öffne ich die Tür, das Gewitter tosend im Hintergrund und Blitze den Raum erhellend. Vor mir steht eine Gestalt, die mich sprachlos macht. Ein Mann von imposanter Größe, 1,95 Meter, trägt eine unheimliche schwarze Maske. Auf dem Stoff der Maske sind weiße Knochenbrüche abgebildet, die das Gesicht eines Skeletts widerspiegeln.
Nur seine strengen Augen sind sichtbar, eine Seite rot leuchtend, die andere in hellem Weiß. Er trägt Kontaktlinsen. Sein entblößter Oberkörper ist mit Dutzenden von Tattoos und frischen Schnittwunden bedeckt, die vom Regen weggewischt werden. Der Teufelstattoo auf seiner Brust starrt mich beängstigend an, während andere Schriften unleserlich sind. Tiefschwarze Flügel breiten sich unter seinen Brüsten aus und umrahmen sie von unten, als würden sie sie beschützen. Doch die Schlangen und Totenköpfe, die seinen Arm umschlingen, sind deutlich zu erkennen. Seine muskulösen Beine sind in einer sportlichen schwarzen Hose versteckt, seine Hände in dunklen Lederhandschuhen. Vom Regen durchnässt, glänzt er in seiner ganzen Pracht, eine düstere Gestalt inmitten des Sturms. Jeder Tropfen, der auf seine muskulöse Haut fällt, scheint seine gefährliche Aura zu verstärken. Sein maskiertes Gesicht, von Regentropfen benetzt, strahlt eine unheimliche Kraft aus. In diesem Moment erscheint er wie eine Gestalt aus einer düsteren Legende. Plötzlich klappt er neben seinem Oberschenkel ein Messer auf, während er mit der anderen Hand den Finger vor den Mund legt – er will, dass ich schweige. Die Angst in mir wächst, als er näherkommt. Langsam trete ich zurück, doch der maskierte Mann betritt den Raum und schließt die Tür hinter sich. Ohne ein Wort zu sagen, bewegt sich der maskierte Mann unaufhaltsam auf mich zu, bis ich auf die Couch falle und regungslos sitzen bleibe. Seine Hand greift nach der Fernbedienung und schaltet die Nachrichten ein. Auf dem Bildschirm erscheint eine Live-Übertragung, Journalisten vor einer Villa in der Nacht und im strömenden Regen. Die Villa ist von vielen Polizisten evakuiert worden, während Leichen perfekt verborgen herausgetragen werden.
»Können Sie uns sagen, was passiert ist? Die ganze Nachbarschaft ist besorgt«, fragt der Journalist und hält das Mikrofon an einen Beamten.
»Es ist noch unklar, wer die fünf Männer in der Villa auf grausame Weise enthauptet hat. Ihre Köpfe wurden nicht gefunden, aber ihre Körperteile lagen zerstreut auf dem Boden. Es wurden keine Wertgegenstände gestohlen. Der Angriff richtete sich gezielt gegen die Opfer. Wir gehen davon aus, dass es sich um den gleichen Täter handelt, der seit Jahren von Interpol gesucht wird«, erklärt der Beamte, und mein Herz schlägt vor Angst schneller.
»Können Sie uns etwas über die Identität dieser gesuchten Person sagen?«, fragt der Journalist weiter.
»Über seine Identität ist nichts bekannt. Es gibt jedoch Phantombilder von Zeugen, die beobachtet haben, wie er aus den Häusern kam, in denen er seine Opfer auf grausamste Weise zerstückelt hat. Ein maskierter Mann. Jedes Mal soll er eine andere Augenfarbe haben. Wir gehen stark davon aus, dass es als Tarnung dient«, antwortet der Beamte.
Als mir bewusst wird, über wen gesprochen wird, dreht der maskierte Mann ganz leicht seinen Kopf über die Schulter zu mir. Die unbeschreibliche Angst in mir wird immer greifbarer, als unsere Blicke sich treffen.